Die I Classici und das LTB

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der jahrzehntelangen Abhängigkeit der Lustigen Taschenbücher von ihrer Vorlage, der italienischen Reihe „I Classici di Walt Disney“.

Zu einer tabellarischen Übersicht über das Verhältnis der beiden Reihen siehe die Liste Die I Classici und das LTB.

Außerdem gibt es den Hauptartikel Lustige Taschenbücher sowie einen Artikel I Classici di Walt Disney, in der es nur um die Entwicklung der Reihe in Italien geht.

Die I Classici, die italienischen Vorlagen für das LTB – Periodisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar waren in der "Micky Maus" seit 1965 bereits einige Geschichten italienischer Zeichner aus unterschiedlichen italienischen Quellen veröffentlicht worden, doch die Lustigen Taschenbücher, deren erster Band 1967 erschien, waren die erste deutsche Publikationsreihe, die an der in den zehn Jahren zuvor herangewachsenen italienischen Comic-Industrie orientiert war und sich bei jener strukturiert bediente.

Bis LTB 116, „Ohne Netz und doppelten Boden“ (November 1986), richtete sich der deutsche Verlag Ehapa grundsätzlich immer nach den Bänden der italienischen Reihe I Classici di Walt Disney aus. Im Umgang mit diesen italienischen Vorlagen sind einige Perioden zu unterscheiden, die mit der italienischen Veröffentlichungspraxis zu tun hatten:

1. Periode: LTB 1-50 (1967 bis 1977): Die deutschen LTBs basierten auf den I Classici-Bänden der „Prima Serie“ bis Ende 1976. In dieser Periode waren die LTBs meist reine Übernahmen des italienischen Originalbandes. Eine Ausnahme machen Band 23 und manche Cover (siehe jeweils unten).

2. Periode: LTB 51-88 (1978 bis 1983): Die deutschen LTBs basierten auf den I Classici der „Seconda Serie“ aus einem Zeitraum, in dem in Italien Neuauflagen älterer Bände der „Prima Serie“ und neuer Bände in stetem Wechsel erschienen (bis Ende 1982). Diese Periode ist von einer allmählichen und schließlich weitergehenden Auflösung des engen Zusammenhangs zwischen I Classici und LTBs geprägt (zu den Gründen siehe unten).

3. Periode: LTB 89-116 (1983 bis 1986): Diese Periode ist geprägt von einer weitgehenden Wiederherstellung der engen Bindung der LTBs an die I Classici, die von September 1982 an monatlich mit neuen Bänden erschienen. Allerdings wurde von jetzt an immer mit von Ehapa ausgesuchten Kurzgeschichten aufgefüllt (zum Zusammenhang siehe weiter unten).

Etabliert hat sich für diesen Zeitraum außerdem die Unterscheidung in die „klassische Phase“ und eine „Zwischenphase“, die weitgehend durch den sukzessiven, in LTB 80, Fantastische Geschichten mit Micky (1982), erstmals kompletten Wegfall der meist von Gian Giacomo Dalmasso getexteten und von Giuseppe Perego gezeichneten Rahmengeschichte gerechtfertigt ist.

Eine typische Übernahme: Aus dem italienischen I Classici der Prima Serie (PS) 67, "Tutti Paperi!" (Mai 1976)... (© Mondadori)

Konsequenzen aus der Veröffentlichungsreihenfolge für die Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die I Classici di Walt Disney waren in Italien seit Dezember 1957 erschienen und 1967 bereits (oder erst) bei Band 24 angelangt. Der deutsche Verlag Ehapa bediente sich unter Einrechnung einer bestimmten Umarbeitungszeit, meist ca. einem Jahr, zunächst regelmäßig bei den neueren Bänden. So beruht „Der Kolumbusfalter“, das LTB 1, vom Oktober 1967 auf Tutto Paperino I Classici di Walt Disney (CWD) 22 der „Prima Serie“ (PS),“, vom Juli 1966. Bis LTB 7 wurden alle darauffolgenden Bände mehr oder minder in der Reihenfolge ihres Erscheinens in Italien übernommen. In den folgenden Jahren bis Mitte der Siebziger Jahre wurde immer wieder auch auf Bände zurückgegriffen, die in Italien bereits vor dem CWD PS 22 erschienen waren. Deren Inhalte gingen in die LTBs 8, 9, 11, 15 und 16 ein. Ziemlich aus der Reihe fällt in dieser Hinsicht das LTB 36, „Onkel Donald auf heißer Spur“ (Oktober 1975), welches eine Übernahme des bis dahin ältesten verwendeten I Classici, I Gialli di Paperino CWD PS 7 (Dezember 1961) war. Sie fällt in einen Zeitraum, in dem eigentlich wieder regelmäßig und in weitgehender Beibehaltung der italienischen Reihenfolge die neueren I Classici in dem Bearbeitungsabstand von etwa einem Jahr publiziert wurden.

...wurde im Juni 1977 das deutsche LTB 47, "Hoppla, die Ducks kommen!" (© Egmont Ehapa)

Die Auflegung der „Seconda Serie“ in Italien seit Januar 1977 hatte für die Verwendung des angebotenen Comic-Materials durch die deutschen LTBs erhebliche Konsequenzen. Neben der sukzessiven Lösung von den Vorlagen (Gründe siehe weiter unten) wurden bis auf wenige Ausnahmen jetzt auch die meisten restlichen italienischen Bände, die älter waren als die Vorlage für LTB 1, CWD PS 22, entsprechend ihrer Neupublikation im Rahmen der „Seconda Serie“ herangezogen. Dies bedeutet nicht nur, dass in einigen Bänden die abgedruckten Geschichten wieder deutlich älter waren als in den Jahren zuvor (teils noch aus den Fünfziger Jahren, so in einigen Geschichten der LTBs 53, 55, 58, 60, 62, 66, 67, 69, 74, 76, 81 und 82), sondern auch, dass es wieder alte amerikanische Geschichten gab, die in den Jahren zuvor aus den LTBs völlig verschwunden waren. Denn nur in den ersten Jahren der I Classici hatte in Italien die einheimische Produktion noch nicht vollständig ausgereicht, um den Bedarf an Comic-Material für die damals noch relativ neue Reihe zu decken. Aus dem Rahmen fallen dahingehend speziell das LTB 53, „Dagobert, der Milliardenakrobat“, mit drei Geschichten von Carl Barks (Original: Il Miliardo, CWD PS 6, vom Juli 1961) sowie der Micky-Band LTB 62, „Micky auf Gespensterjagd“, mit einer Geschichte von Floyd Gottfredson (Original: I Classici Moderni di Walt Disney CWD PS 2 vom Dezember 1958) und dem in Gänze ältesten Material der LTB-Reihe überhaupt (nämlich von 1955, 1953, 1951 und 1950).

Mit dem Ende der abwechselnden Publikation alter und neuer Bände in Italien seit Ende 1982 endeten logischerweise auch die Übernahmen von Neuauflagen der Bände der „Prima Serie“ in Deutschland. Die abgedruckten Geschichten waren nun wieder etwas neueren Datums, stammten aber in vielen Fällen nach wie vor deshalb aus den 60er Jahren, weil der italienische Verlag – aus welchen Gründen auch immer – diese vorrangig für die Reihe „I Classici di Walt Disney“ heranzog, vielleicht um eine Doppelpublikation innerhalb von nur wenigen Jahren zu vermeiden. Da diese Geschichten aber nur noch selten die ganz großen Klassiker waren, sondern oft von zweitrangigen Textern und Zeichnern stammten, handelte sich Ehapa ein ernstes Qualitätsproblem ein, abgesehen von der gelegentlichen Überholtheit der Inhalte. Dies zeigt sich heute noch unter anderem an der schlechten Bewertung vieler Bände dieser Periode in der LTB Topliste. Dieser Umstand war wohl für die komplette Neuorientierung des deutschen Verlags verantwortlich, der mit LTB 117, „Die Ducks… vom Winde verweht!“, nur noch auf Vorlagen aus dem italienischen "Topolino" zugriff, der italienischen „Micky Maus“, der die meisten Erstabdrucke der italienischen Disney-Comic-Produktion leistete, was es Ehapa ermöglichte, aktuellere Geschichten zu nutzen und auch gezielt höherwertige Inhalte auszuwählen.


Bearbeitung der Bände für den deutschen Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen aus dem Italienischen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten beiden I Classici, die in Deutschland als LTBs übernommen wurden, übersetzte noch Erika Fuchs. Danach wurde sie Chefredakteurin und Gudrun Penndorf, heute eher für ihre Arbeit an den Asterix-Bänden bekannt, übernahm die Übersetzungen. In dieser Aufgabe hatte sie gelegentlich Unterstützung von Gudrun Smed. Seit 1977 (LTB 48) stieß auch Alexandra Ardelt ins Ehapa-Übersetzerteam, die von da an bis LTB 116 für nahezu ebenso viele Bände Übersetzungen beisteuerte wie Penndorf. Es gab auch Bände, an denen offenbar alle drei Übersetzerinnen zugleich arbeiteten.

Einer der Masterminds hinter dem Griff nach Italien: Der damalige Geschäftsführer des Ehapa Verlags, Adolf Kabatek (1931-1997) (© Egmont Ehapa)

Übersetzt wurde aus dem Italienischen. Dies gilt auch für die amerikanischen Geschichten, die aus den italienischen I Classici übernommen wurden. Die drei Barks-Geschichten aus LTB 53 zum Beispiel wurden also gleich zweimal übersetzt, vom amerikanischen Englischen ins Italienische und vom Italienischen ins Deutsche, wodurch einige Feinheiten des Originals verlorengegangen sein mögen. Es existierten für diese Barks-Geschichten zwar bereits Übersetzungen direkt aus dem Englischen, von Erika Fuchs für Micky Maus-Ausgaben der Jahre 1959-61, die jedoch für LTB 53 nicht herangezogen wurden.

Deutschsprachige Taufe von Disney-Figuren im LTB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige heute wohlbekannt klingende Namen aus dem Disney-Universum wurden von den vier Ehapa-Übersetzerinnen der ersten 20 LTB-Jahre erstmals und endgültig benannt. Bereits in LTB 1 trat die von Erika Fuchs „Gitta Gans“ benannte Brigitta McBride zum ersten Mal auf. Gudrun Penndorf übernahm in LTB 9 bei der deutschen Taufe von Kater Karlos Freundin „Trudi“ den italienischen Namen (Trudy) und wandelte den Namen von der Figur Atomino Bip-Bip, die ebenfalls von Romano Scarpa erdacht wurde, in „Atömchen“ ab. Eine weitere bedeutsame, völlig neu in den Disney-Kanon aufgenommene Figur war dann „Phantomias“ in LTB 41, „Donald mal ganz anders“. Dessen Schöpfer Guido Martina hatte den Original-Namen Paperinik nach einem der Helden mit Geheimidentitäten in den italienischen „fumetti neri“-Comics, „Diabolik“, gebildet. Mit dieser Namensendung hätte man in Deutschland nichts anfangen können, weswegen es zu der (glücklichen) Übertragung „Phantomias“ kam, die mit der Erinnerung an die auch in Deutschland bekannten Filme der französischen „Fantomas“-Reihe spielte. Neben Phantomias verdienen von den italienischen Figuren noch Beachtung die Erstauftritte und -benennungen von „Mona Menetekel“ (ital. Roberta) in LTB 39, „Eins, zwei, drei – große Hexerei!“ und von „Marbella“ (ital. Reginella) in LTB 51, „Kopf hoch, Donald!“. Beide Figuren wurden von Rodolfo Cimino erfunden. Mit „Phantomime“ (ital. Paperinika) feierte in LTB 57, „Phantomias gegen Phantomime“, auch „Genia Gans“ (ital. Genialina Edy Son) ihr Debüt, beide Figuren geschaffen von Guido Martina. Bei all diesen Figuren gelang die deutschsprachige Benennung reibungs- und problemlos – was nicht unbedingt die Regel war: Die Scarpa-Figur „Kuno Knäul“ (Filo Sganga) benannte die Übersetzerin Gudrun Penndorf in LTB 7, „Donald in 1000 Nöten“, zunächst „Jakob Quackmann“, entschied sich dann aber, als sie häufiger aufzutreten schien, sie (mit LTB 21, „7:0 für Onkel Dagobert“), in Kuno Knäul umzubenennen. Unter diesem Namen tauchte er noch einige Male in den LTBs auf, bevor Gudrun Smed ihn bei der Übersetzung von LTB zu einem „Michel“ machte, offenbar in Unkenntnis der bereits halbwegs etablierten Penndorfschen Übersetzungsentscheidung. Dass zum Beispiel bei Gitta und Kuno Knäul die Erstauftritte erst in einem späteren LTB abgedruckt wurden (LTB 79, „Onkel Dagobert auf Taler-Safari“), kann man Ehapa nicht zum Vorwurf machen, denn die falsche Reihenfolge wurde aus den I Classici übernommen, die in dieser Hinsicht auch nicht konsistent waren (und nicht sein wollten). Die I Classici waren eben eine Publikationsreihe mit Zweitabdrucken von Comics aus dem "Topolino", weswegen man in Italien davon ausgehen konnte, dass die Figuren dem Publikum ohnehin schon bekannt waren.

Erstauftritt und Erstbenennung von "Gitta Gans" in LTB 1 (© Egmont Ehapa)

Auch einige ältere amerikanische Figuren wurden durch die ersten LTBs erstmals dem deutschen Publikum bekannt. Für Floyd Gottfredsons Zeitungsstrips hatte sich über lange Jahre in Deutschland lange Zeit keine passende Publikationsreihe gefunden, ihre Figuren aber kamen dann Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre zum einen über die italienischen Comics, zum anderen über die Melzer und Bertelsmann-Bände Ich Micky Maus u.a. (1973ff.) unabhängig voneinander und fast parallel zueinander auf dem deutschen Markt an. In diese Zeit fällt beispielsweise die Umbenennung von „Horaz“ in „Rudi Ross“. Erika Fuchs sah in der Geschichte „Das fidele Gefängnis“ von Missaglia und Chierchini, in LTB 2, „Hallo… Hier Micky!“ erstveröffentlicht, in einem in Deutschland noch unbekannten Schurken eine neue Figur und benannte sie „Plattnase“. Fuchs konnte kaum wissen, dass es sich um die Gottfredson-Figur „Schwarzes Phantom“ (The Phantom Blot, ital. Macchia Nera) in ihrer unmaskierten Gestalt handelte, denn „Das Schwarze Phantom“ war zwar bereits in einigen Stories in der „Micky Maus“ (in einer Paul Murry-Adaption) aufgetreten, aber eben in der Regel nur maskiert. Ehapa schleppte den Irrtum jahrzehntelang mit sich herum, bis der Verlag das Beharren auf zwei unterschiedliche Figuren aufgab. Ähnliche Unsicherheiten in der Benennung prägten die deutsche Taufe von „Käptn Orang“ (LTB 67, in der Geschichte „Die Magnetklaue schlägt wieder zu“) und „Käpt'n Dobermann“ (in den LTBs erstmals erst in LTB 90, „Mickys Mondfahrt“). Noch weit uneinheitlicher ist die Benennungspraxis für die Gottfredson-Figur Joe Piper, die ausgehend von ihrer italienischen Übersetzung Giuseppe Tubi mal „Rudi Rohrbruch“, mal „Rudolf Rohrmeier“, mal „Nikodemus Nippel“ hieß. Selbst „Gamma“ (engl. Eega Beeva, ital. Eta Beta) und sein Begleiter „Fips“ wurden erst durch die Übersetzungen der I Classici (ebenfalls erstmals in LTB 2) eingeführt, aber gleich sicher und fortdauernd für den deutschen Markt benannt.

Auch die Floyd-Gottfredson-Figur "Gamma" war vor seinem Erstauftritt in LTB 2 (in der Geschichte "Der Fall XYZ") in Deutschland unbekannt (© Egmont Ehapa)

Zwei weitere Figuren mit einer ausgeprägten Benennungsgeschichte zwischen den USA, Italien und Deutschland sind die Hexe Hicksi und Klaas Klever. „Hicksi“ (Witch Hazel, ital. Nocciola) und ihr Besen „Beelzebub“ erhielten von Gudrun Penndorf für eine Geschichte von Luciano Bottaro aus LTB 11, „Hexenzauber mit Micky und Goofy“ ihre bleibenden deutschen Namen. Barks‘ Geschichte „Trick or Treat“ (1952), wo die Figur ihren Comic-Einstand gab, war aus Zensurrücksichten von Ehapa lange Zeit unberücksichtigt geblieben. Auch „Klaas Klever“ (engl. und ital. John D. Rockerduck), der größte Konkurrent von Dagobert Duck, ursprünglich erfunden von Carl Barks, erhielt durch das LTB seinen bleibenden Namen. Nachdem er in LTB 19, „Pech für die Panzerknacker“, noch namenlos geblieben war, tritt er in LTB 20, „Onkel Dagobert sieht rot“, in der Geschichte „Onkel Dagobert im Kampf mit den UFOs“ von Pier Carpi und Giulio Chierchini, von Penndorf übersetzt, erstmals als Klaas Klever auf. Die Gestalt war allerdings zuvor von Italien in die USA reimportiert worden und in solchen Geschichten auch bereits in einigen Ausgaben der Micky Maus aufgetaucht, wurde hier aber offenbar unterschiedlich („Emil Erpel“, „Dolfus Duck“) oder gar nicht benannt. Zufälligerweise hatte übrigens auch der andere große Konkurrent Dagoberts um die Milliardärskrone, „Mac Moneysac“, im selben Band seinen ersten Auftritt, wird aber von Gudrun Penndorf „Herr Gütermann“ getauft, was hinter die Namensfindung durch Erika Fuchs zurückfällt. Gelegentlich verdarben viele Übersetzerköche also den Brei.

Zwei Nebenfiguren, die bis zum Ende der hier behandelten Phase am Ende des Jahres 1986 immer noch nicht verbindlich benannt wurde – trotz einer bereits jahrelangen Vorgeschichte – sind Dagoberts Butler Baptist und Klaas Klevers Sekretär Anwantzer. Sie tauchten seit Mitte der 70er Jahre in einer Reihe von Geschichten auf, trugen aber zunächst noch unterschiedliche Namen, wohl weil man sich in Deutschland nicht ganz über die Identität bestimmter Butler- und Assistenten-Figuren im Klaren sein konnte. "Baptist" (ital. Battista) war eine Schöpfung von Rodolfo Cimino und wurde speziell in der Darstellung von Giorgio Cavazzano populär, hieß in Deutschland zunächst aber noch Franz, Alfred, Johann oder Anton, oder blieb schlicht namenlos. 1984 trug in Ciminos Geschichte „Olympisches Wunderöl“ (LTB 96) auftretender Butler, in der Darstellung durch Franco Lostaffa halbwegs an Cavazzano angelehnt, erstmals den Namen „Baptist“, ohne dass sich der Name schnell durchgesetzt hätte. Parallel waren auch noch andere Butler-Figuren im Schwange, die deutlich anders aussahen als Baptist. Der Name „Anwantzer“ ist sogar noch deutlich jüngeren Datums. Nach 1986 wurde diese Figur, die aber schon zuvor unter verschiedenen Bezeichnungen, aber ähnlicher Gestalt in einem runden Dutzend Geschichten aufgetreten war, allmählich als „Müller“ „zwischengetauft“. Verwirrenderweise gibt es sogar eine Geschichte, nämlich „Gefährliche Versteckspiele“ von Martina/Carpi in LTB 78, in welcher eine Baptist-ähnliche Gestalt als Assistent Klevers fungiert. Bei Anwantzer, im Original "Lusky" getauft, mag erschwerend hinzukommen, dass er lange Zeit selbst im Italienischen nicht klar benannt worden sein könnte, weil einige ähnliche, aber eben nicht klar in Deckung zu bringende Gestalten vom Typus „Klevers Sekretär“ parallel existierten. Beide Figuren, „Battista“ und „Lusky“, können als Musterbeispiele dafür dienen, welche Schwierigkeiten bei der Identifikation von Figuren und der Übersetzung italienischer Figurennamen ins Deutsche auftreten konnten.

Unspektakulärer Erstauftritt Klaas Klevers in LTB 19 (namentlich erst in LTB 20). Der Gegenspieler von Onkel Dagobert war unter verschiedenen Namen allerdings schon aus der "Micky Maus" bekannt. (© Egmont Ehapa)

Wer mehr über die deutsche Benennung (auch neuerer) Disneyfiguren erfahren will, ist in dem Artikel Namensinkonsistenz richtig.

Geographische und literaturhistorische Anspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Übersetzungen der Titel der abgedruckten Geschichten eines Bandes hielten sich wortgenaue, angelehnte und komplett abgewandelte Titel in etwa die Waage. Bestimmte Bearbeitungsregeln sind kaum auszumachen. Man kann aber sagen, dass an reale geographische Gegebenheiten angelehnte Ortsbezeichnungen sehr häufig nicht übernommen, sondern eigene erfunden wurden. So wurde in der Geschichte von Chendi und Carpi aus Paperino 7 CWD PS 31 aus dem „pricipato di Gruviera“ (=Greyerz in der Schweiz) in LTB 12, „Donald in Hypnose“ ein „Fürstentum zu Schattenberg“. Weist der italienische Titel von Scarpas „Topolino imperatore della Calidornia“ in LTB 11, "Hexenzauber mit Micky und Goofy", immerhin noch eine Anspielung auf die reale geographische Gegebenheit „California“ auf, ist das in der deutschen Übersetzung „Kaiser von Quacktanien“ nicht mehr der Fall. In LTB 13, „Micky in Gefahr“, wurden gleich zwei Ortsnamen verfremdet: War der Held in Scarpas Krimi-Klassiker im italienischen Original noch „L’uomo di Alcatraz“, machte ihn Gudrun Penndorf zum Mann aus Ping-Pong, immerhin in Anspielung an das amerikanische Staatsgefängnis Sing-Sing im Staate New York. Und in einem Crossover von Dalmasso/Asteriti wird das geographisch reale „Birma“ zu einem ausgedachten „Bornesien“. Wie auch immer, hat der deutsche Titel „Micky und Onkel Dagobert in denselben Nöten“ nichts mit dem italienischen Originaltitel „Topolino e il ferragosto birmano“ zu tun. In LTB 31, „Unverhofft kommt oft“, wird die italienische Bezeichnung für die antike griechische Stätte „Mykene“ in der deutschen Übersetzung einer Geschichte von Catalano/Bordini zu „Myköne“ verballhornt. Und noch zweimal Scarpa, und zwar besonders deutlich: Aus der Nationalität der Schweden in der Geschichte „Paperino presenta Il doppio mistero di Slim Magretto e la casa degli svedesi“ machte Gudrun Penndorf „geheimnisvolle Zündelländer“ (LTB 25, "Tick, Trick und Track räumen auf"). Und während es im italienischen Original keinen Zweifel dran gibt, dass es Micky und Minni (aka begonia Boomerang) nach Australien treibt in „Micky rettet das Korallenkänguruh“ aus LTB 29, "Micky der Westernheld", übersetzt Penndorf zu „Austrolien“. Tendenziell baute Ehapa gegenüber dem Original aus dem Hause Mondadori Realitätsbezüge also ab, wohl um den Eindruck einer geschlossenen Comic-Welt zu erzeugen. Nicht einmal die globale Marke „Hollywood“ wollte Ehapa zwischen den LTB-Buchdeckeln gelten lassen und machte aus der italienischen Micky-Geschichte „Topolino e i ‚cocci hollywoodiani‘“ für LTB 65, „Spaß mit Micky und Minni“, ein verfremdendes „Klunker, made in Tollyhood“.

Erst ab 1974 (hier: LTB 38, 1976) begann Ehapa schönere deutsche Titelschriftzüge zu entwerfen, die dem italienischen Original (siehe rechts) wenigstens nahekamen (© Egmont Ehapa)

Kultur- und literaturgeschichtliche Anspielungen in den italienischen Comics konnten nicht ohne Weiteres nach Deutschland übernommen werden, weil die Referenzwerke zu unbekannt waren. So lässt die deutsche Übersetzung „Donald als Löwenbändiger“ in LTB 55, „Dagobert macht Geschichten“, die Anspielung auf einen französischen Schelmenroman, die in dem Originaltitel des Comics von Martina/Bottaro „Paperin de Tarascona“ anklingen, ebenso weg wie der deutsche Titel „Im Kielwasser der Schönen Leokadia“ (Martina/P.L. De Vita in LTB 58, „Donald, der Held des Tages“) den Bezug zu einem in Italien bekannten Science-Fiction-Romans des 19. Jahrhunderts von Albert Robida, „Die außergewöhnlichen Abenteuer des Saturnino Farandola“, dem durch die Adaption „Paperino Girandola“ Rechnung getragen wird. Manchmal stellten die Übersetzer und Redakteure von Ehapa auch neue und eigene kultur- und literaturhistorische Querverbindungen her: So wird aus dem „Signor Scherzo“ in einer Geschichte von Chendi und Bottaro in LTB 7 ein sehr deutscher „Eulenspiegel“. Richtig gut funktioniert diese Übertragung in LTB 22, „Donald auf großer Fahrt“, als die italienische Geschichte „Il romanzo di un papero povero“ von Martina und Carpi, eine Satire auf den „Roman eines armen jungen Menschen“ von Octave Feuillet, für die deutschen Leser mit Joseph von Eichendorffs romantischer Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ verbunden und zum „Leben Traugott Taugerichs“ wurde. In späteren Neuauflagen fielen viele dieser Anspielungen leider unter den Tisch – die genannte Geschichte hieß nur noch beziehungslos „Der alte Pirat“. Sogar ein Klassiker mit Wiedererkennungswert wie Alexandre Dumas‘ „Der Graf von Monte Christo“, der in einer anderen Geschichte von Martina und Bottaro aus LTB 55 persifliert wurde, büßte diesen Bezug in der Neuauflage ein und wurde zu einer nichtssagenden „Millionärseisenbahn“.

(© Mondadori)
(© Mondadori)

Titelschriftzüge der übersetzten Geschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kein Ruhmesblatt für Ehapa war die Art und Weise, wie Ehapa im Layout mit den schönen Titelschriftzügen der italienischen Originalgeschichten umging. Diese dekorativen Titeleien wurden zunächst fast immer durch lieblose Überschriften in Druckschrift ersetzt, obwohl eine Adaption in deutscher Sprache zweifelsohne möglich und wirkungsvoll gewesen wäre. Sie fielen also fast immer einer Zeit- und Arbeitsersparnis zum Opfer. Doch mit Beginn bei LTB 32, „Donald im Glück“ (1974), begann Ehapa, deutlich mehr Mühe auf die Titelschriftzüge zu verwenden, wobei man sich aber nur ausnahmsweise an der italienischen Originalschrift orientierte. Es entstand dadurch eine zusammenhängende Reihe von Bänden mit grafisch zumindest zufriedenstellenden Eingangsseiten. Auch das Ende dieser Phase ist ziemlich genau zu bestimmen: Nach LTB 82, „Donald vor! Noch ein Tor!“ (1982) fiel Ehapa wieder deutlich hinter diese Bemühungen zurück und ließ die Titelschriftzüge wieder in den allermeisten Fällen mit einer „langweiligen“ Druckschrift ausführen.

Umgang mit den Bandtiteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die italienischen Bandtitel wurden nur in sehr wenigen Fällen wörtlich übersetzt. So kann man zum Beispiel sagen, dass LTB 2, „Hallo, hier Micky“ eine wörtliche Übertragung des italienischen Telefongrußes Pronto… Topolino? CWD PS 24 ist. LTB 27, „Donald der Große“ hat die italienische Entsprechung Paperino il Grande CWD PS 48 übernommen, LTB 34, „Supermicky“ den Originaltitel Supertopolino CWD PS 56 adaptiert. In der Folge gibt es bis LTB 116 noch einige ähnlich gelagerte Fälle. In der Regel jedoch waren die italienischen Originaltitel unübersetzbar, insofern sie sehr stark mit den italienischen Namen von Donald, Paperino, und von Micky, Topolino operierten, und diese sehr häufig in kleine Wortspiele und Neologismen integrierte, typisch z.B. Topolonissimo CWD PS 14/CWD SS 25, das eine Steigerungsform „erfindet“, oder Paperoteca CWD SS 50, eine Zusammensetzung aus „Paperi“ (also die italienischen Ducks) und „Biblioteca“. Die deutschen Titel hingegen machten mehr Worte und setzten häufig auf Anklänge zu gängigen Sprichwörtern und Redensarten, z.B. „Ein Milliardär hat’s schwer“ (LTB 33) oder „Ehrlich spart am längsten“ (LTB 37). Aus dem lapidar Paperclan benannten Band, CWD PS 70, wurde zum Beispiel ein moralisch aufgeladenes „Ohne Fleiß kein Preis“ (LTB 49).

Durch eine Armee-Mine werden in Dalmasso/Carpis "Topolino e i fantasmi neri" aus CWD PS 32 die Brüder Cow ins Jenseits befördert... (© Mondadori)

Umarbeitungen der italienischen Vorlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zensur innerhalb bestimmter Geschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den ersten LTB-Bänden an wurden offenbar auf Betreiben des deutschen Verlages Ehapa einzelne Szenen aus dem italienischen Original aus Gründen des Jugendschutzes retuschiert. Manchmal betreffen diese Veränderungen auch nur den deutschen Text. Themen, die von Ehapa besonders sensibel betrachtet wurden, gehören offenbar Alkohol- und Zigarettenkonsum, Einsatz von Schuss- und anderen gefährlichen Waffen sowie Andeutungen von Todes- oder ernsthaften Unfällen aufgrund von Gewalteinwirkung. So wurden in LTB 9, „Micky ist der Größte“, für die Geschichte „Micky und die Erbschaft von Goofy Goofinger“ von Chendi/Bottaro/Carpi in Bild und Text die Zigaretten- durch Pralinenschachteln ersetzt. In LTB 25, „Tick, Trick und Track räumen auf“, wurden für „Die geheimnisvollen Zündelländer“ von Martina/Scarpa Pistolen retuschiert, in LTB 23, „Ritter Donald ist der Beste“, für „Donald, die Verkaufskanone“ und in LTB 29 für Micky rettet das Korallenkänguruh (beide ebenfalls von Romano Scarpa gezeichnet) die Sequenzen, in denen es um den Genuss von Alkoholika geht, entschärft. Wirklich konsequent und konsistent war das Vorgehen der Redakteure von Ehapa allerdings nie (vgl. u.a. LTB 9: Rezension).

Besonders interessante Fälle finden sich in den LTBs 7, „Donald in 1000 Nöten“, und 13, „Micky in Gefahr“. In LTB 7 wurden für Chendi/Bottaros „Daniel Düsentrieb als Eulenspiegel“ drei Panels von Giuseppe Perego neu gezeichnet. In der Originalversion wird Donald durch den Scherzbold angewiesen, zur Behebung einer Telefonstörung in die Steckdose zu greifen, woraufhin er einen Stromschlag bekommt. In der neugezeichneten Fassung wird ihm einfach nur gesagt, in der Leitung zu bleiben, worauf er irgendwann todmüde am Telefonhörer zusammensinkt (Bilder dazu im Artikel Zensur). In LTB 13 wurden für Dalmasso/Carpis „Micky regelt Klarabellas Erbschaft“ sogar drei ganze Seiten von Perego neugezeichnet. Im italienischen Original wurden die Gebrüder Cow (deutsch „Bauer“), welchen die Kürbisfarm gehörte, um die es in der Geschichte geht, durch eine hochgehende, von einer Militärübung liegengebliebene Mine ins Jenseits befördert. In der Neufassung wird ihr Verschwinden mit einem Hubschrauberabsturz erklärt, aber nicht dargestellt.

...während in der deutschen Übernahme "Micky regelt Klarabellas Erbschaft" aus LTB 13 Giuseppe Perego eine andere Version zeichnet, in der es um einen Hubschrauberabsturz geht (© Egmont Ehapa)

Es scheint so, als wären die neuen Panels bzw. Seiten von Giuseppe Perego speziell für den ausländischen Markt, also v.a. für die Publikationen der Egmont-Gruppe angefertigt worden. Dabei muss es wichtig gewesen zu sein, dass die originale Panel- und Seitenzahl erhalten blieb. Diese Tätigkeit Peregos darf nicht mit seinen gelegentlichen Übergangspanels verwechselt werden, mit denen er die Verwendung der ursprünglich zwei- oder mehrteiligen Vorlagen aus dem „Topolino“ für die Publikation in einem „I Classici“ vorbereitete (siehe dazu den Artikel I Classici di Walt Disney).

Näheres zum Thema geht aus dem Duckipedia-Artikel Zensur hervor.

Austausch ganzer Geschichten und Kürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als für die geschilderten Zensurmaßnahmen gab es in der ersten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen (1967-1977) noch keinen Austausch oder Kürzungen von Geschichten aus den übernommenen Bänden. Es gibt von dieser Regel lediglich eine spezielle Ausnahme: LTB 23, „Ritter Donald ist der Beste“ (Februar 1973) wurde vermutlich aus Jugendschutzgründen so umgearbeitet, dass Luciano Bottaros Geschichte „Paperin Furioso“ („Donald fährt aus der Haut“) und weitere Geschichten der Vorlage Paperin Furioso CWD PS 37 gekürzt und andere aus älteren I Classici-Bänden neu integriert wurden. Eine Diskussion der Gründe für diese Bearbeitung findet sich in dem Artikel LTB 23: Rezension.

Im Kontext der völligen Überarbeitung des Bandes LTB 23 wurden auch die Bezüge zum Alkohol- und Nikotinkonsum aus der Geschichte "Paperino e i calendari omaggio" (deutsch: "Donald, die Verkaufskanone") herausgekürzt (© Mondadori)

Ganz anders als die oben geschilderte Zensurpraxis, die gerade in der ersten Periode besonders geübt worden zu sein scheint, setzt der Austausch ganzer Geschichten erst mit dem Beginn der zweiten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen (1978-1983) ein.

Für den Austausch sind wiederum verschiedene Beweggründe zu unterscheiden:

Zensurmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manchmal, in offenbar sehr seltenen Fällen, reichte eine Retuschierung oder Textanpassung nicht mehr aus, um unangenehmen, missliebigen, zumindest vorgeblich dem Jugendschutzgedanken zuwiderlaufenden Inhalten aus den I Classici-Vorlagen Herr zu werden. Dann musste die ganze Geschichte daran glauben. Erstmals geschah das offenbar 1978 während der Vorbereitungen zur Übernahme von Paperoniana CWD SS 6. Dieses enthielt auch die Geschichte „Zio Paperone va alla Guerra“ von Guido Martina und Pier Lorenzo de Vita. Darin geht es um den Wehrdienst, den Onkel Dagobert aufgrund einer Verwechslung mit seinem Großvater abzuleisten hat. Für den Fall der Nichtbefolgung der Vorladung wird ihm sogar die Erschießung angedroht. Ehapa muss sich mitten in der Epoche des Kalten Krieges wohl an der Verbindung der Entenwelt mit einem modern auf- und realistisch dargestellten Militärapparat gestört haben, obwohl ein Einsatz scharfer Munition gar nicht gezeigt wird.

Im Einzelnen ist nicht mehr nachzuvollziehen, was Ehapa dazu bewegt haben mag, in diesem Zusammenhang noch mehrere weitere Geschichten aus CWD SS 6 anzufassen und mit einem bereits zuvor erschienenen Band, I Classici di Walt Disney CWD SS 3, einem Reprint von CWD PS 1, dem ältesten I Classici überhaupt, zu kompilieren. Aus diesen zwei I Classici minus „Zio Paperone va alla Guerra“ entstanden unter Ergänzung je einer weiteren, in diesen Bänden gar nicht abgedruckten Geschichte die beiden LTBs 55, „Dagobert macht Geschichten“, und 60, „Donald ohne Furcht und Tadel“. Für unser Thema interessant ist die Beobachtung, dass für das LTB 60, wohl weil die vorgegebene Seitenzahl genau erreicht werden musste, die beiden Geschichten „Ein Geschenk, das hinhaut“ und „Onkel Dagobert und die Jungbrunnen-Mahlzeit“ jeweils um eine Seite gekürzt wurden. Die „Jungbrunnen-Mahlzeit“ hat deshalb in der deutschen Version ein abruptes, unbefriedigendes Ende, während im Original von Cimino/Cavazzano Donald zum Vorkoster für Onkel Dagoberts Versuchen wird, das verlorene Jungbrunnen-Rezept aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.

"Zio Paperone va alla guerra": Diese Geschichte aus dem italienischen Band CWD SS 6 war für den Ehapa-Verlag für den deutschen Markt in Gänze nicht goutierbar und floss deshalb nicht in LTB 55 ein (© Mondadori)

Man kann, ohne wenigstens die italienischen Originale genauer analysiert zu haben, letztlich nur mutmaßen, welche Geschichten es waren, die in der Folgezeit noch aus Gründen der Zensur ausgetauscht wurden. „Paperino eroe di Duckburg“ aus Il Fantastico Paperino CWD SS 75 (deutsch als LTB 91, „Der Weg zum Erfolg“) hat auffälligerweise ebenfalls einen militärischen Kontext, der möglicherweise als problematisch angesehen wurde. „Zio Paperone e la festa favolosa“ aus Paperone Graffiti CWD SS 99 könnte etwa wegen der Darstellung exzessiven Alkoholkonsums nicht in LTB 111, „Dagobert dreht voll auf“, eingeflossen sein. Allerdings darf man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: Zwar geht es etwa in dem nicht in LTB 87, „Micky ist wieder da!“, übernommenen „Topolino e i piselli sabotatori“ aus Topolino Mystery CWD SS 62 um Sprengstoffanschläge auf Strommasten, doch ist kaum auszumachen, ob diese Thematik nur deshalb im Nachhinein besonders auffällig ist, weil die Geschichte eben nicht übernommen wurde.

Näheres zum Thema geht aus dem Duckipedia-Artikel Zensur hervor.

Austausch zur Vermeidung von Wiederabdrucken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Disney-Comic-Landschaft hatte sich seit dem ersten Band der LTB-Reihe erheblich geändert und erweitert. Einschneidend war vor allem der Start des Hundertseiters Donald Duck im Dezember 1974. Anders als in der mickyvision oder in den Tollsten Geschichten von Donald Duck, in dem das amerikanische Comic-Material weiterhin dominierte, stützte sich die neue Reihe auch auf italienische Comics, die meist direkt einer neueren Ausgabe des Topolino entnommen wurden. Ehapa konnte aber nicht beeinflussen, dass die bereits für einen „Donald Duck“-Band (oder für eine andere Reihe) verwendeten "Topolino"-Geschichten etwas später auch in einen I Classici-Band einflossen. Dies erschwerte die Zweitverwertung für ein LTB. Mit Wiederabdrucken innerhalb weniger Jahre tat man sich damals noch schwer, obwohl es auch dafür Gegenbeispiele, aber eher aus frühen Jahren, gibt: Die Geschichte „Das Allheilmittel“ (ital. „Zio Paperone e la "triàca veneziana“) von den Barossos und Massimo de Vita erschien in LTB 33, "Ein Milliardär hat’s schwer" (April 1975), obwohl sie bereits in vier Fortsetzungen in der “Micky Maus“ im Jahr zuvor (Feb./März 1974) ihre (ummontierte) Erstveröffentlichung erfahren hatte. „Unterwasserjagd“ (ital. „L’avventura sottomarina“) von Cimino/Cavazzano wurde für LTB 51, „Kopf hoch, Donald!“ (Januar 1978) nicht ausgetauscht, obwohl es als „Abenteuer unter Wasser“ ein wenig früher (August 1976) in „Donald Duck“ Nr. 23 erschienen war. Vielleicht weil es Proteste der Leser bzw. von deren Eltern gab: In späteren Jahren musste man in einem solchen Fall für Ersatz sorgen – entweder meist direkt aus dem „Topolino“ oder aus einem anderen I Classici, das somit später natürlich auch nicht mehr in Gänze übernommen werden konnte.

Beispiele für die sich daraus ergebenden Konsequenzen seien für die LTBs 56 und 84 erklärt. Im LTB 56, „Achtung – fertig – los!“ (September 1978), wurde erstmals eine Geschichte, „Onkel Dagobert und die blaue Grotte“ (ital. „Zio Paperone e la grotta della sirene“), aus dem genannten Grund ausgetauscht. Die Geschichte war bereits im „Donald Duck“ Nr. 31 (Februar 1977) abgedruckt gewesen, bevor die Vorlage für das LTB, Fantastiliardi CWD SS 8 (August 1977) erschien. Die Geschichte wurde gegen das ebenfalls von Giancarlo Gatti gezeichnete „Donald als Champion“ (ital. „Paperino e il salto con l'asta“) ausgetauscht, das dem Band Paperolimpiadi CWD PS 68 (Juni 1976) entstammte, der als Olympiaband aufgrund des zeitlichen Verzugs nicht als Übernahmekandidat taugte. Noch ungeübt im Austausch von Geschichten, versemmelte Ehapa übrigens die Übersetzung der vorangehenden Rahmengeschichte, die einen Bezug zu der nun nicht folgenden Geschichte herstellt. Als es an die Übernahme des Bandes Topolino Express CWD SS 60 für LTB 84, „Mit Volldampf ins Abenteuer“ (Sept. 1982) ging, stellte man bei Ehapa fest, dass sogar zwei Geschichten nicht lange Zeit zuvor anderswo abgedruckt worden waren, „Der Schrecken der Prärie“ (ital. „Topolino e il terrore dell’Oregon)“ im „Donald Duck“ Nr. 152 (Mai 1981) sowie „Der magische Kasten“ (ital. „Topolino e la statuetta menagramo“) in einem Heft des 1977er-Jahrgangs der „Micky Maus“ (allerdings gekürzt). Auch noch eine dritte Geschichte hatte bereits zuvor einen deutschen Erstabdruck erfahren, nur war dies noch deutlich länger her.

Der Hundertseiter "Donald Duck" war in Deutschland seit 1975 die erste Publikationsreihe, die auf Direktübernahmen aus den italienischen Flaggschiff "Topolino" setzte - mit weitreichenden Konsequenzen auch für die Geschichte der LTBs (© Egmont Ehapa)

Austausch aus möglichen anderen Gründen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allerdings macht die Beschäftigung mit LTB 84 auch darauf aufmerksam, dass es über Zensur und Vermeidung von Wiederabdrucken noch weitere, bislang unbekannte Beweggründe gegeben haben könnte. Zwei weitere Geschichten des Bandes wurden ausgetauscht („Topolino e il piccolo Arnik“ und „Ratón Ratero e l'accademia furfantesca“), obwohl sie noch gar nicht in Deutschland erschienen waren. Es ist aber nicht auszumachen, warum die Geschichten hätten zensiert werden sollen. Es bleiben viele Entscheidungen Ehapas, was die Bearbeitung der Originalbände angeht, rätselhaft. So tauschten beispielsweise die Geschichten „Das Anti-Druckfraß-Spray“ und „April! April“ zwischen LTB 91, „Der Weg zum Erfolg“, und LTB 95, „Onkel Dagobert erzählt“, gegenüber ihren Vorlagen, CWD SS 75 und CWD SS 78, lediglich die Plätze.

So muss es auch lediglich eine Hypothese bleiben, dass Ehapa irgendwann planmäßig aufgehört hat, Geschichten von Carl Barks aus den Vorlagen zu übernehmen. LTB 53 (1978) ist das letzte, in dem (sogar in großem Stil) Geschichten von Carl Barks zum Abdruck kamen. Bei der Bearbeitung von Papershow CWD SS 23 (Neuauflage von CWD PS 13), das zu LTB 69, „Dagoberts große Schau“, werden sollte, wurde zwei Jahre später auf die Übernahme der Geschichte Der güldene Wasserfall verzichtet. Diese war zwar bereits in Deutschland veröffentlicht worden, jedoch war dies (1964) so lange her, dass in der Zwischenzeit eine neue Lesergeneration herangewachsen war. Analog wurde der Abdruck von „Düsenritter“ aus dem für LTB 81, „Donald im Rampenlicht“ übernommenen Paperoscope CWD SS 31 (=CWD PS 19) verhindert. Es ist möglich, dass die Klassiker von Carl Barks für Veröffentlichungen in Publikationsreihen, die dafür geeigneter schienen, „aufgespart“ werden sollten.

Bei manchen Geschichten könnte man glauben, es seien gelegentlich mangelnde Qualität oder allzu abstruse Handlung gewesen, die eine Übernahme verhindert haben, doch ist eine Zurückführung auf solche „Geschmacksfragen“ nicht belastbar. Da der Ehapa-Verlag wenig auskunftsfreudig ist, was seine Publikationsentscheidungen in der Vergangenheit betrifft, müssen viele Fragen möglicherweise dauerhaft offenbleiben.

Kontinuitätsprobleme bei den Rahmengeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verlagspolitik von Ehapa, die LTB-Reihe nach wie vor auf die Vorlagen der I Classici zu stützen, gleichzeitig aber Kompilierungen und Austausch von Geschichten aus guten Gründen (s.o.) Raum zu geben, hatte speziell in der zweiten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen (1978-1983) einige unangenehme Auswirkungen für den inneren Zusammenhalt der Bände. Nicht selten wurde zu einer Ersatzgeschichte nämlich ein Teil der dazugehörigen Rahmengeschichte des Bandes, aus dem diese Geschichte entnommen wurde, mit abgedruckt. Dies war bereits in dem ersten umkompilierten Band, LTB 55, der Fall. Warum auch immer, wurden zwei Seiten aus der zu CWD SS 3 gehörigen Rahmengeschichte übernommen. Dies fiel besonders auf, weil diese noch von Giovan Battista Carpi gezeichnet worden waren, während sie in der eigentlichen Vorlage CWD SS 6 wie meistens in jenen Jahren von Giuseppe Perego gestaltet wurden. Der Fetzen aus der frühen Rahmengeschichte von Carpi waren auch noch die Seiten 3-4 einer Vorgeschichte, deren Seiten 1-2 sowie 5-6 entsprechend zusammenhanglos in LTB 60, in dem die übriggebliebene Hälfte von CWD SS 3 erschien, zum Abdruck gebracht wurden.

Dass ein LTB Rudimente einer Rahmengeschichte von zwei verschiedenen Zeichnern enthielt, war danach noch mehrmals der Fall: In den LTBs 61, 71, 72 und 77 stammten die Rahmengeschichten – entsprechend ihren unterschiedlichen Quellen – von Perego und Giancarlo Gatti, in LTB 86 von Gatti und Sergio Asteriti. In weitere Bände wurden Teile zweier jeweils von Perego gezeichneter Rahmengeschichten integriert: 65, 69, 70, 73, 74. Typische Auswirkungen sollen exemplarisch an einem dieser Bände aufgezeigt werden: Leitidee der Rahmengeschichte des Bandes Topolino Giramondo CWD SS 30 sind die Reisen von Micky Maus und Minni sowie die Souvenirs, die sie von dort mitbringen. Ein Teil der Rahmengeschichte des daraus hervorgegangenen LTB 70, „Rund um die Welt mit Micky Maus“, nämlich die vier kurzen mittleren Stücke, zeigen u.a. Minni und Klarabella Kuh im Gespräch darüber. Doch drei Geschichten des Originalbandes wurden ausgetauscht, zwei davon wegen vorherigen Abdrucks in „Micky Maus“ und „Donald Duck“. Nun brachten aber die drei gegenüber dem italienischen Originalband neuen, nämlich die drei letzten, aus dem nicht übernommenen Band Topolino V.I.P. CWD SS 36 stammenden Ersatzgeschichten ihre eigene Rahmengeschichte quasi „mit“, in der von der Globetrotter-Rahmenerzählung natürlich nichts mehr übrigbleibt, sondern eher die Verbrecherjagd auf Kater Karlo im Mittelpunkt steht. Ungeschickterweise wurde aus diesem Band auch noch die Vorgeschichte übernommen, sodass der Übergang zur ersten Geschichte des Bandes nicht stimmen kann: Das letzte Panel der Vorgeschichte zeigt Micky im aufgeregten Lauf zu Goofy: „Heute Abend Endspiel im Stadion!/Wie konnt‘ ich das nur vergessen! Ich muß sofort Goofy Bescheid sagen“ (S. 8). In der folgenden Geschichte des Originalbandes kommt Micky tatsächlich bei Goofy an, doch der deutsche Band kappt den Handlungsfluss und zeigt in der nächsten Szene Micky und Minni auf einer zum Weltenbummler-Motiv passenden Autofahrt: „Ehrenwort, Minni, es macht mir wirklich Spaß, mit dir eine Rundreise durch Galantinien zu machen! Glaub mir!“ (S. 9). Kritisch ist dann noch einmal der Übergang von dem letzten aus CWD SS 30 stammenden Stück der Rahmengeschichte zur ersten Ersatzgeschichte aus CWD SS 36. Zwar wurde hier der deutsche Text so angepasst, dass es zur folgenden Geschichte passt (es geht um Micky als Reporter bei einem Formel-I-Rennen), doch die Handlungen und Gesichtsausdrücke von Micky und Minni in diesem Bruchstück verraten, dass im italienischen Original etwas ganz anderes gesagt wurde.

Rahmengeschichtsbruchstücke waren für Ehapa vor allem dann ein gefundenes Fressen, wenn in ihnen eine mündliche Erzählung der folgenden Geschichte inszeniert wurde. Niemand konnte merken, dass im italienischen Original eine ganz andere Geschichte folgte als bei seiner Verwendung in dem zusammenkompilierten Band LTB 86 (© Egmont Ehapa)

Für den deutschen Verlag muss es bequem gewesen sein, zu den Ersatzgeschichten Teile ihrer jeweiligen Rahmengeschichten mit heranzuziehen – ansonsten hätte sich diese Praxis besonders in der Mitte des Zeitraums der zweiten Periode (v.a. Bände 69-74) nicht auf derart breiter Front durchsetzen können. Dies waren jeweils nur wenige Seiten, durch deren geschicktes Arrangement man auf die erforderlichen 254 Seiten kommen konnte. Ihr Vorteil außerdem: Gewiss waren Stücke von I Classici-Rahmengeschichten noch nie in einer anderen Publikationsreihe erschienen. Alle Alternativen, wie die Heranziehung anderer Kurzgeschichten aus dritten Quellen, hätten die Kontinuitätsprobleme eher noch verstärkt. Eine gänzliche Aufgabe der Rahmengeschichte für die deutsche Ausgabe war gleich gar nicht im Interesse von Ehapa, weil dies aufwendigere Kompilationstätigkeit erfordert und eine gänzliche Loslösung von den etablierten italienischen Vorlagen bedeutet hätte. Der Charakter von Rahmengeschichtsbruchstücken als Lückenfüller kann gut anhand der drei Fetzen gezeigt werden, die dem nicht übernommenen Band Paperino tutto bene! CWD SS 28 entstammten. Sie wurden ziemlich funktionslos und die Kontinuität schwächend in die drei LTBs 69, 71 und 88 eingesetzt.

Ohnehin geriet der Gedanke aus den I Classici, mit den Rahmengeschichten einen von Story zu Story leitenden roten Faden zu haben, in dem von Ehapa herausgegebenen LTB schon deshalb unter Druck, weil im Laufe der zweiten Periode oft nur ein sehr kleiner Teil einer Rahmengeschichte übrigblieb bzw. aus einer anderen Quelle übernommen wurde. Oft gab es dann doch gar keinen Übergang zwischen den meisten Geschichten mehr, sodass die Rahmengeschichte über die genannten Kontinuitätsprobleme hinaus ihre Funktion verlor. Nur ein einziger kurzer Fetzen einer ursprünglich längeren Rahmengeschichte findet sich jeweils in den LTBs 60, 75, 78, 82 und 88. Offenbar wurde selbst in solch einem Fall diese Lösung gegenüber der Einsetzung einer anderen Kurzgeschichte bevorzugt. So kommt es, dass selbst nach Ende der Rahmengeschichte in den italienischen I Classici seit dem Tod ihres Autors Gian Giacomo Dalmasso im September 1981 in Deutschland die Praxis der Rahmengeschichte nicht sofort (den typischen Zeitverzug eingerechnet) abbrach: Nachdem sowohl die von Ehapa „hausgemachten“ LTBs 80 und 83 als auch die nach den neueren italienischen Vorlagen modellierten LTBs 84 und 85 erstmals gar keine Rahmengeschichten mehr aufwiesen, kam man in LTB 86, „Aus dem Leben eines Milliardärs“, wieder auf sie zurück, weil man auch auf einen älteren I-Classici-Band zurückgriff, der noch eine Rahmengeschichte von Dalmasso/Perego enthalten hatte. Nur eine einzige versprengte Seite gewann man einer von Sergio Asteriti gezeichneten Rahmengeschichte aus einem nicht übernommenen I-Classici-Band ab. Ähnlich verfuhr man mit LTB 88, „Donald sticht in See“. Hingegen stellte das allerletzte Stück einer Rahmengeschichte in der Phase der Bindung an die I Classici für LTB 97 eine Übernahme aus Italien dar, wo man für den Olympia-Band von 1984 eine ältere Sequenz von Dalmasso/Gatti hervorgeholt hatte, die für die Olympischen Spiele 1980 in Moskau unter den Tisch gefallen war.


Cover und Illustrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die allermeisten Cover der italienischen I Classici schafften es auch auf die Umschläge der deutschen LTBs. Insgesamt trugen von den 116 Covern der I-Classici-Phase der LTBs 84 das Original-Cover, auch wenn manchmal die Farben, vor allem der Hintergründe, geändert wurden. Nicht-Übernahmen gab es aber in allen drei oben genannten Perioden im Umgang mit den italienischen Vorlagen, wobei die Beweggründe mal besser, mal weniger gut nachzuvollziehen sind. Charakteristisch ist ferner in allen drei Perioden, dass LTBs immer wieder einmal Cover anderer, zumeist gar nicht übernommener I Classici zugewiesen bekamen, was für einen Vergleich der Veröffentlichungspraxis in Deutschland mit jener in Italien in jedem Fall einigermaßen verwirrend ist.

Wie weiter oben ausgeführt wurde, wurden in der ersten Periode (1967-1978) die Inhalte der italienischen Bände stets übernommen. Bei den Covern der LTBs 5, 7, 10, 21, 26, 33, 34, 35 und 36 entschied man sich jedoch anders. Gut nachvollziehbar ist dies vor allem für die Bände 10, 26 und 33. Bei dem Band Paperino Natale CWD PS 30, der Vorlage für LTB 10, handelte es sich um einen Weihnachtsband, was der italienische Verlag auch durch das Umschlagmotiv verdeutlichte. Der deutsche Band erschien ganz kurz vor Weihnachten – zu kurz für ein Weihnachtscover, und hievte stattdessen eine collagenhafte Egmont-Eigenproduktion auf den Titel. Auch bei dem Band Paperino Natale CWD PS 47 (Dezember 1972), der Vorlage für LTB 26, „Onkel Dagobert schafft’s allein“, verhielt es sich so. Als der Band in Deutschland übernommen werden sollte, schrieb man gerade mal November (1973), was den Weihnachtsbezug ebenfalls unpassend machte. Beim neuen Cover fiel die Wahl auf ein Motiv von Giovan Battista Carpi, das erstmals 1972 in einer Ausgabe der französischen Mickey Parade den Umschlag geziert hatte. Es war wohl Zufall, dass Mondadori, als es an die Vorbereitung von Paperone Mumble… Mumble! CWD PS 55 ging, eben dasselbe Mickey-Parade-Bild als Cover auswählte. Als Ehapa nun an die Übernahme jenes Bandes ging (LTB 33, „Ein Milliardär hat’s schwer“, April 1975), konnte der Verlag natürlich nicht noch einmal dasselbe Cover verwenden und ersetzte es durch ein neueres, von Giuseppe Perego gestaltetes "Topolino"-Cover. Einen ähnlich gelagerten Fall gab es in der Folge nicht mehr.

Der italienische Micky-Band CWD SS 72 wurde in Deutschland nie übernommen... (© Mondadori)

Einige italienische Cover aus der „Prima Serie“ (Paperone '68 CWD PS 26; Il Grande Papero CWD PS 38) machten ungeniert mit dem Dollarzeichen auf, mit dem die Ehapa-Veröffentlichungspolitik gefremdelt zu haben scheint. Schließlich war die Entenhausener Währung aus dem Amerikanischen nach Italien bruchlos als „dollari“ übertragen worden, während Erika Fuchs für das Deutsche eine andere Entscheidung traf und sie leicht verfremdend „Taler“ taufte. Wie bei manchen geographischen Orten (s.o.) muss Ehapa auch hier die Absicht bewegt haben, seine Disney-Welten möglichst weit von Gegebenheiten der realen Finanzwelt entfernt zu halten, zumal der Materialismus auf den genannten italienischen Ausgeben, die mit neuen Covern zu den LTBs 5, „Onkel Dagobert bleibt Sieger“, und 21, „7:0 für Onkel Dagobert“, werden sollten, schon recht unverhohlen daherkommt. Einige weitere Beobachtungen zur Cover-Geschichte der LTBs unterstützen diese These: So erhielt LTB 3, „Onkel Dagoberts Millionen“, in späteren Auflagen ein Cover, auf dem die Geldscheine von Carpis Cover keine Dollarzeichen mehr tragen, und auch für LTB 79, „Onkel Dagobert auf Taler-Safari“, ersetzte die Ehapa-Redaktion im Motiv von Marco Rota die Dollarzeichen durch ein „T“ wie Taler. Wenn man ferner bedenkt, dass auch in den Geschichten das Dollarzeichen nicht auf Onkel Dagoberts Geldspeicher prangen durfte, betreten wir auch in dieser Frage am Rande das Feld der Zensur.

...aber sein Cover abgewandelt für das thematisch völlig anders gelagerte LTB 98 ausgewählt (© Egmont Ehapa)

Für andere in der ersten Periode getroffene Entscheidungen gibt es keine ähnlich einleuchtenden Erklärungen. Wie für die Geschichten (siehe oben) bewegen wir uns beim Bezug auf Geschmacksfragen im Bereich der Spekulation. Unverständlich zum Beispiel, warum als Ersatz-Cover für LTB 21 ausgerechnet ein Motiv mit Onkel Dagobert an einer schießenden Kanone ausgewählt wurde, eine Bildfindung, die erst kurze Zeit zuvor für eine Innenillustration (von Superpaperissimo CWD PS 10, für LTB 8, „Donald gibt nicht auf“) zurückgewiesen worden zu sein scheint. Gänzlich rätselhaft, sollten Geschmacksfragen zählen, wären die Zurückweisung der schönen Cover von Paperino racconta… CWD PS 53 und Supertopolino CWD PS 56, die auf den Übernahmen LTB 34, „Supermicky“, und LTB 35, „Aus Onkel Donalds Memoiren“, durch ähnliche, aber weniger atmosphärische Titelbilder ersetzt wurden. Es ist jedenfalls interessant zu sehen, dass die allerersten Egmont-Eigenproduktionen im Bereich der Lustigen Taschenbücher die (wenigen) neugestalteten Cover waren, wofür zum Beispiel der Kauka-Künstler Walter Neugebauer, der auch das neue Cover für LTB 36 zeichnete, herangezogen wurde.

In der zweiten Periode (1978-1983) wurden ebenfalls einige Cover ausgetauscht, aber nicht so viele, wie man angesichts der lockerer gelassenen Bindung an die italienischen Vorlagen vermuten könnte. Das Cover von Paperone Special CWD SS 20 zeigte einen Onkel Dagobert an überschäumenden Sektflaschen und mit dem wieder einmal demonstrativ in den Vordergrund gerückten Dollarzeichen. Alkohol und Materialismus war vielleicht die toxische Mischung, die Ehapa bei der Übernahme als LTB 61, „Ohne Donald geht es nicht“, zu einem harmlosen Cover von einem aktuellen „Topolino“ greifen ließ. In der zweiten Periode kam hinzu, dass man von nicht-übernommenen Bänden (siehe oben) einige Cover „auf Halde“ hatte, die man für LTBs verwenden konnte, deren Cover aus irgendeinem Grund nicht zusagten oder auch einfach nur, weil man sie nun einmal nicht verfallen lassen wollte. So wanderte das Cover des nicht übernommenen Topolino Ciak CWD PS 44 viel später auf LTB 73, „Micky greift ein“, das eigentlich eine Übernahme von Topolino zoom! CWD SS 42 war. An dessen Cover kann es eigentlich nicht gelegen haben, denn dieses wurde etwas später auf den durch Ehapa „hausgemachten“ Band LTB 80, „Fantastische Geschichten mit Micky“, durchgereicht. Ein Cover eines nicht übernommenen Bandes, nämlich Paperone, sei Forte! CWD SS 26, zierte Jahre später die Umschlagseite des zusammenkompilierten LTB 86, „Aus dem Leben eines Milliardärs“.

Auch in der dritten Periode (1983-1986) wurden nach wie vor viele Cover ausgetauscht, wobei die Gründe und Verfahren, aber auch die Geheimnisse weitgehend die alten waren. So ist kaum ersichtlich, warum das Cover von Stratopolino CWD SS 74, die Vorlage für LTB 90, „Mickys Mondfahrt“, unbedingt ausgetauscht gehörte, außer dass das Cover des nicht übernommenen Topolino Superstar CWD SS 69 passender erschien, weil es wie zwei Geschichten des bearbeiteten Bandes einen Raumfahrt-Bezug aufwies. LTB 98, „Vorhang auf für Micky und Gamma“, das Eta Beta l’Extratemporale CWD SS 84 übernahm, erhielt ein Cover eines nicht übernommenen Micky-Bandes, Topolino Festival CWD SS 72, dessen Umschlagbild allerdings Micky und Minni gewidmet war. Micky hielt auf diesem Motiv einen Spiegel, in dem das Antlitz Minnis erscheint, das in der deutschen Adaption durch dasjenige Gammas ersetzt wurde. Zumal das „romantische“ Setting des Motivs nun irgendwie nicht mehr passte, fragt man sich umso mehr, warum nicht einfach das schöne und zu Gamma passende Cover von CWD SS 84 genommen wurde.

Die meisten Austausche sind aber erklärbar. Auf dem Cover von Paperone ´83, CWD SS 73 malt Onkel Dagobert den Schriftzug „83“ des Titels aus, was Ehapa wohl glaubte, in der deutschen Version nicht gut adaptieren zu können, denn bei Erscheinen war das Jahr 1983 bereits sechs Monate alt. So flog das Cover ganz raus und wurde für LTB 89, „Der Boß bin ich!“ durch das eines nicht übernommenen Bandes, Paperone Boss di Boss CWD SS 70, ersetzt und gleich das Titelkonzept mit übertragen. LTB 100, „Ein Fest für Donald“, sollte einen Jubiläumsanstrich tragen, weswegen das „gewöhnliche“ Cover von Megapaperone CWD SS 82 dran glauben musste und durch ein von Egmont nach einer Vorlage wiederum aus der französischen „Mickey Parade“ selbstfabriziertes Geburtstagstorten-Motiv ersetzt wurde. Ebenso wenig rätselhaft ist der zunächst merkwürdig anmutende Umstand, dass in den die LTBs 106, „Donald der Tausendsassa“ und 107, „Wer zuletzt lacht…“ gegenüber den Vorlagen Risatissime Paperino CWD SS 90 und Paperino Fantasticoso CWD SS 92 einfach nur die Plätze tauschten. Das Cover von CWD SS 92 zeigte (August 1984) ein Ferienmotiv, das nur beim in Deutschland früher erscheinenden LTB 106 einen Sinn ergab (August 1985), nicht mehr aber bei LTB 107, das erst im September erschien.

Was die Cover angeht , ist zuletzt noch bemerkenswert, dass auch nach Ende der Orientierung des deutschen Verlags an den italienischen I Classici zum Jahreswechsel 1986/87 einige I Classici-Cover für spätere LTB-Ausgaben herangezogen wurden, zuletzt das Cover von W Paperone CWD SS 124 für LTB 123, „Onkel Dagobert lebe hoch!“

Das von Ehapa "hausgemachte" Back-Cover für LTB 96 nach einer im selben Band abgedruckten Geschichte von Dalmasso und Chierchini (© Egmont Ehapa)

Verwirrend ist der Umgang der der deutschen LTBs mit den Vorgaben bei Innenillustrationen und Back-Covern. In der Regel gingen bei den Übernahmen diese Illustrationen mit in die deutsche Ausgabe ein. Interessant sind also vor allem die Bände, die ein neues Cover bekamen. Da gab es Fälle, bei denen trotz Coveraustausch die ursprünglichen Innenillustrationen und Back-Cover weiterverwendet wurden (z.B. LTB 5), aber auch solche, in denen die neuen Cover ihre Innenillustrationen und Back-Cover quasi „mitbrachten“ (z.B. LTB 68). In den ersten Jahren bediente man sich manchmal auch bei der französischen „Mickey Parade“, die zeitlich zumeist zwischen der italienischen und der deutschen Ausgabe erschien und teilweise eigenständige Entscheidungen traf, an denen Ehapa partizipierte. Die verzahnte Geschichte der LTBs 26 und 33 merkt man noch heute dran, dass beide das gleiche Back-Cover verwenden. In zwei verschiedenen Bänden erscheint auch eine Szene zum Scarpa-Klassiker „Das ewige Feuer der Königin Kalhoa“, die Micky beim aufgeregten Lesen zeigt, einmal natürlich in LTB 2, in dem die Geschichte ersterschien, dann aber noch einmal völlig zusammenhanglos in LTB 84, „Mit Volldampf ins Abenteuer“, das außerdem mit einem Pluto zeigenden Back-Cover aufwartet, das ein Detail einer Innenillustration aus LTB 2 verwendet. Offenbar gab es zwischenzeitlich in den italienischen Vorlagen gar keine Back-Cover mehr, weswegen Ehapa, das weiterhin welche wollte, anderswo zugreifen musste. Besonders auffällig sind freilich jene LTBs, die keine Vorlage mehr in I Classici-Bänden haben. LTB 83, „Phantomias bittet zum Tanz“ (Juli 1982), bedient sich so zum Beispiel bei der italienischen Publikation „Io, Paperinik“ (Oktober 1981), in der alle Geschichten durch typisierende Phantomias-Zwischenillustrationen voneinander getrennt waren. Hingegen verwendete ein weiterer Band mit dem maskierten Rächer, LTB 102, „Du bist ein As, Phantomias!“, ungeschickterweise eine sehr spezielle, vom übernommenen Cover „mitgebrachte“ Illustration zu einer Geschichte, die in dem in Deutschland publizierten Band gar nicht mehr enthalten war. Im Großen und Ganzen ging also der Trend auch beim Umgang mit Innenillustrationen und Back-Covern zum Zusammenkompilieren – aber auch zu mehr Selbständigkeit des deutschen Verlags. Immer häufiger produzierte er auf eigene Faust „re used art“, also Bearbeitungen von einzelnen Panels aus dem zu publizierenden Band für die Zwecke der Illustration, z.B. in den LTBs 96, 106, 107 und 115.

Krisen und Brüche der deutschen Übernahmepraxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis sich 1987 mit LTB 117, „Die Ducks… vom Winde verweht!“ das LTB von der Bindung an ihre Vorlagen der I Classici löste, zählen wir bei letzteren insgesamt 174 Bände, 71 der „Prima Serie“ und 103 der „Seconda Serie“. Abzüglich jener 34 älteren Bände, die doppelt erschienen, insofern sie in der „Seconda Serie“ bereits zum zweiten Mal abgedruckt wurden, bleiben 140 Bände, die grundsätzlich für eine Übernahme durch Ehapa in Frage gekommen wären. Man kann unschwer ersehen, dass längst nicht jeder Band übernommen wurde. Auf der anderen Seite stehen sogar einige LTB-Bände, die gar keine Vorlage aus Italien haben bzw. bei denen der Charakter einer Übernahme zumindest zweifelhaft ist (siehe unten).

Kriterien für eine Übernahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes kann man fragen, was eine „Übernahme“ denn überhaupt kennzeichnet. Für die Analyse der Übernahmepraxis von I Classici für LTBs soll jeder I-Classici-Band als übernommen gelten, der von den Verantwortlichen von Ehapa mit dem erklärten Willen zur Hand genommen wurde, daraus ein Lustiges Taschenbuch zu machen. Auch wenn sich der Entscheidungsprozess des deutschen Verlages über 40 Jahre später nicht mehr in allen Einzelheiten rekonstruieren lässt, lassen sich doch einige Kriterien formulieren, nach denen man diese Frage beurteilen kann. Dabei handelt es sich um

  • die Auswahl einer erheblichen Anzahl von Geschichten aus dem vorliegenden I Classici,
  • die deutschsprachige Adaption seines Titels (Titelkonzept),
  • die Übernahme seines Covers und seiner sonstigen Illustrationen,
  • die Übernahme zumindest von Teilen der Rahmengeschichte,
  • die Einhaltung einer typischen Zeitspanne zwischen Erscheinen des Originals und des darauf fußenden LTB (Faustregel: ca. ein Jahr).
Nicht übernommen: Der italienische I Classici-Band zu den Olympischen Spielen in Montreal 1976, CWD PS 68 (© Mondadori)

Unzweifelhaft nicht übernommene Bände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für einige I Classici ist nicht strittig, dass sie nie übernommen wurden. Dies betrifft von den genannten 140 insgesamt 34 Bände. Jene 12 Bände, die Ehapa beim ersten Zugriff auf die Bände der „Prima Serie“ noch entgangen waren, aber später aus der „Seconda Serie“ übernommen wurden, darf man nicht hinzuzählen – denn sie wurde ja übernommen, nur später. Die Nicht-Übernahmen aus der frühesten Phase der I Classici fallen besonders auf, weil diese Bände viele Klassiker der italienischen Comic-Kultur enthielten, welche auf diese Weise erst sehr viel später, teilweise auch erst in neueren Nebenreihen des LTB, erstmals publiziert wurden.

Wenn es, wie weiter oben dargestellt, Rücksichten gab, welche Ehapa den Inhalt einzelner Geschichten verändern und auch ganze Geschichten aus der geplanten Publikation verbannen ließen, liegt es nahe, dass dies auch für ganze Bände möglich war. Einziger eindeutiger „Giftschrank“-Band aus Gründen der Zensur aus heutiger Sicht ist jedoch Le Grandi Parodie di Walt Disney CWD PS 3. Im Hauptwerk dieses Bandes, der Literaturadaption Mickys Inferno nach Dantes „Göttlicher Komödie“, geschrieben von Guido Martina und gezeichnet von Angelo Bioletto, in Italien bereits 1949 ersterschienen, erleben die Disney-Figuren genreunübliche Höllenqualen. Erst im Jahr 2001 traute sich Ehapa, diese Geschichte in der Anthologie „Die göttliche Entenkomödie und andere Streifzüge durch die Weltliteratur“ zu veröffentlichen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch dem Ausschluss der frühen Bände I Gialli di Topolino CWD PS 5 und Trilogia di Paperino CWD PS 15 Zensurrücksichten zugrunde lagen. Alle drei Bände wurden ja gleich zweimal nicht übernommen – weder als Publikation der „Prima Serie“ noch der „Seconda Serie“ Jahre später.

Auch die fünf I Classici-Olympia-Bände CWD PS 4, PS 16, PS 29, PS 45 und PS 68, die zu den Olympiaden 1960 in Rom, 1964 in Tokio, 1968 in Mexiko-City, 1972 in München und 1976 in Montreal erschienen, ließ der deutsche Verlag lieber links liegen. Aktualitätsbezüge ließen sich durch den ca. einjährigen Bearbeitungsverzug schwer darstellen. Analoges gilt für den zur Fußball-WM in Deutschland 1974 erschienenen Band. Als dieser 1982 als Band der „Seconda Serie“ in etwas abgewandelter Form wiederabgedruckt wurde, koordinierten die Verlage erstmals ihre Veröffentlichungen so, dass sie nahezu zeitgleich zum Großereignis, der Fußball-WM in Spanien, erschienen (Paperino ai Mondiali CWD SS 65/LTB 82, „Donald vor! Noch ein Tor!“). Dasselbe gelang noch einmal zur Olympiade in Los Angeles 1984 (Classico Olimpiadi CWD SS91/LTB 97, „Olympisches Allerlei“). Doch auch die Geschichten der früheren Olympia-Bände zählten zu dem Steinbruch, in dem sich Ehapa bald für seine zusammenkompilierten Bände bediente. So verhält es sich mehr oder weniger auch für Paperin Sansone CWD SS 44, in Italien 1980 als etwas verschämt-verkappter Band zur Boykott-Olympiade von Moskau erschienen, der in Deutschland zum Grundstock für das zum Phantomias-Band umgearbeitete LTB 75 wurde.

In der zweiten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen (1978-1983) kam regelmäßig und immer häufiger derselbe Umstand hinzu, der bereits für den Austausch einzelner Geschichten aus grundsätzlich übernommenen Bänden verantwortlich war: die verlagspolitische Notwendigkeit, Wiederabdrucke von bereits in anderen Ehapa-Publikationen erschienenen Geschichten zu verhindern (siehe oben). Den Redakteuren lagen viele Bände vor, für welche eine Übernahme bei noch so geschickter Umkompilierung einfach keinen Sinn mehr machte. Dies sei exemplarisch an dem Band Ridi, Paperino! CWD SS 68 (August 1982) dargestellt. Die Titelgeschichte „Ridi, Paperino!“ war bereits in einem „Donald Duck“-Band 1975 und in dessen Zweitauflage 1978, „Paperino super clown“ in einem “Donald Duck“ 1976, „Paperino e il motocross della ‚Sierra‘“ in einem „Donald Duck“ 1979, „Paperino e le distruzioni a catena“ in einer „Micky Maus“ von 1973, „Paperino e le navi di ghiaccio“ in einem „Donald Duck“ von 1976 und „Paperino e la fortuna dirottata“ in einem „Donald Duck“ von 1977 erschienen. Nur zwei Geschichten waren in Deutschland noch unpubliziert, von denen eine, „Paperino e il vin... pepato“ zu allem Überfluss auch noch mit dem ungeliebten Thema des Alkoholkonsums aufmachte. Alles zusammengenommen, musste Ehapa aus gutem Grund von der Übernahme dieses I Classici-Bandes Abstand nehmen.

Nicht übernommen: Der Micky-Band CWD SS 88 vom April 1984 (© Mondadori)

Da ein solcher Zuschnitt des Ausgangsmaterials mittlerweile fast eher die Regel als die Ausnahme war, musste bald die gesamte Übernahmepraxis in eine Existenzkrise geraten. Es war dies genau der Zeitraum, in dem die ersten von Ehapa „hausgemachten“ Bände erschienen (idealtypisch in den LTBs 80 und 83), welche die Quelle der I Classici gänzlich über Bord warfen. Dies war wohlgemerkt keine verlagsstrategische Entscheidung wie später, 1986/87, sondern eine von außen aufgedrängte Notwendigkeit. Erschwerend kam hinzu, dass der deutsche Veröffentlichungsturnus mittlerweile 7 Bände im Jahr umfasste, während in dieser Phase der „Seconda Serie“ in Italien nur noch 6 neue Bände erschienen – der Rest waren Wiederabdrucke der „Prima Serie“. Und während es zu Beginn dieser Periode (ca. 1978/79) noch genügend neuaufgelegte I Classici gab, die in Deutschland noch nicht erschienen waren, gingen diese nun zur Neige, weil Mondadori beim Wiederabdruck mittlerweile bei jenen Bänden ab Tutto Paperino, CWD PS 22 angekommen war, mit denen in Deutschland die Reihe 1967 (LTB 1, „Der Kolumbusfalter“) einst gestartet war.

Die Rettung kam unverhofft aus Italien. Mit Topolino Estate CWD SS 67, einer Neuauflage von CWD PS 40 (deutsch bereits als LTB 17, "Micky und Minni", erschienen), endete im Juli 1982 die italienische Praxis des wechselnden Abdrucks „alter“ und „neuer“ Bände. Mondadori brachte von nun an jeden Monat einen neuen Band auf den Markt. Das beseitigte zwar nicht das Problem, anderswo bereits Abgedrucktes nicht im LTB zu wiederholen, bot aber eine neue Fülle, aus welcher der deutsche Verlag schöpfen konnte. Der Austausch von Geschichten oder auch der Verzicht auf ganze Bände hörte in dieser dritten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen (1983-1986), beginnend mit LTB 89, „Der Boß bin ich!“, keineswegs ganz auf, wurde aber seltener und beeinträchtigte vor allem (zunächst) noch nicht die Integrität der übernommenen I Classici.

Das letzte Phänomen, das zu erwähnen ist, wenn es um nicht übernommene Bände geht, ist der gelegentliche Verzicht auf Micky-Bände. Das erste Mal geschah dies mit Topolino Ciak CWD PS 44. In Rückschau kam dies damals, 1972/73, überaus überraschend, waren zuvor doch, mit Ausnahme eines Olympia-Bandes, 21 I Classici-Bände am Stück seit CWD PS 22 (der Vorlage für LTB 1) übernommen worden. Ähnliches widerfuhr etwas später Viva Topolino! CWD PS 50. Es kann kaum ein Zufall sein, dass aus der Entenwelt in diesen Jahren eigentlich alles veröffentlicht wurde. Die deutsche Flaute bei den Micky-Bänden zwischen den LTBs 18 und 39, als lediglich zwei Micky-Bände erschienen (LTBs 29 und 34), war also durchaus von Ehapa gewollt und hausgemacht. Möglicherweise hatte sich damals bereits gezeigt, dass sich die Micky-Bände einfach nicht so gut verkauften. Obwohl in den folgenden Jahren wieder deutlich mehr Micky-Bände erschienen, hatten diese doch tendenziell einen schwereren Stand. Aus dem Band Pippo Sei Colpi CWD SS 64 (1982) hätte, um keine Geschichten wieder abdrucken zu müssen, nur eine einzige Geschichte ausgetauscht werden müssen, was aber nicht geschah, obwohl wir uns hier in dem Zeitraum befinden, in dem die an die I Classici gebundene Veröffentlichungspraxis von Ehapa unter Druck geraten war.

Dafür, dass die Micky-Bände beim Publikum unbeliebter waren, spricht auch das „Schicksal“ von Topolino Special CWD SS 94. Drei Geschichten aus diesem Band wurden in den Band LTB 106, „Donald der Tausendsassa“ integriert, wodurch im August 1985 der erste von Ehapa „hausgemachte“ Mischband zwischen Enten- und Mäusewelt entstand, allerdings im Wissen, dass auch Mondadori die Trennung mittlerweile aufgegeben hatte (L’Allegro Far West CWD SS 98 vom Februar 1985). Da die Vermischung beider Welten den deutschen Lesern damals so überraschend gekommen sein muss, erstaunt es, dass auf dem Cover von LTB 106 in keinster Weise darauf hingewiesen wurde, dass er auch Micky-Geschichten enthielt. Es scheint so, als seien sie etwas verschämt zwischen den Buchdeckeln einer Donald-Ausgabe, die sich besser verkaufen sollte, versteckt worden. Wie dem auch sei: Davon sprechen, dass CWD SS 94 „übernommen“ worden sei, kann man gewiss nicht.

Mit LTB 89 (Juni 1983) wurden die LTBs gegenüber der seitenreduzierten italienischen Vorlage immer mit amerikanischen S-Code-Geschichten aufgefüllt, beginnend mit Tony Strobls Kurzgeschichte "Der Segen der Technik" (© Mondadori)

Unzweifelhaft übernommene Bände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Basis dieses Kriterienkatalogs kann hingegen das Gros der I Classici-Bände als unzweifelhaft „übernommen“ gelten, nämlich 96 der 140 in Frage kommenden Bände. Die typische Übernahme-Periode liegt dabei zwischen den Jahren 1967, als die LTB-Reihe begann, und 1978, als Ehapa an die Übernahme der ersten Bände aus der italienischen „Seconda Serie“ ging und dabei notwendigerweise immer wieder mal auf die ersten wiederabgedruckten Bände aus der „Prima Serie“ stieß, die in Deutschland früher bereits aus dieser übernommen worden waren. In der zweiten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen bis 1983 wurden zwar nach wie vor viele Bände übernommen, aber (aus den oben genannten Gründen) kaum noch in komplett unveränderter Gestalt, bis hin zu einer völligen Veränderung, wodurch ihre Qualität als „Vorlage“ mit guten Gründen zweifelhaft wird (siehe weiter unten).

In der dritten Periode (1983 bis 1986) wurden erneut, aber nicht mehr ganz so kontinuierlich und regelhaft wie vor 1978, die italienischen I Classici als Vorlagen für die LTBs herangezogen. In der Vergangenheit wurde – auch in der „Duckipedia“ – das Ausmaß der Übernahmepraxis in dieser „Zwischenphase“ unterschätzt, woraus die irreführende Bezeichnung „Phase der Classici“ in den LTB-Hauptartikeln nur für die LTB-Bände bis ca. LTB 79 resultierte. Tatsächlich gab es jetzt immer noch viele Bände, aus denen keine einzige Geschichte gegenüber dem italienischen Original ausgetauscht wurde. Dies betrifft die Bände 89, 90, 94, 96, 98, 99, 101, 104 und 109. In vielen weiteren wurden nur ein oder zwei Geschichten ausgetauscht.

Wenn es trotzdem so erscheinen konnte, als hätten sich die LTBs auch nach der zweiten Periode einer (zum großen Teil erzwungenen) Loslösung immer weiter von den I Classici entfernt, so hat dies drei Gründe: Erstens wurden in dieser dritten Periode viele Cover ausgetauscht (so auch für die ansonsten komplett übernommenen LTBs 89, 90 und 96), wodurch der enge Zusammenhang zwischen Original und LTB verdeckt wurde. Zweitens machte Ehapa, warum auch immer, regen Gebrauch von der Möglichkeit, aufgrund der nunmehr fehlenden Rahmengeschichte das Material in einer veränderten Reihenfolge abzudrucken. Und vor allem erschienen drittens die deutschen Bände weiterhin mit 254 Seiten, während der italienische Verlag Mondadori, vielleicht als gewisser Ausgleich dafür, dass seit Ende 1982 jeden Monat ein neuer Band mit neu zusammenzustellendem Material aus dem Topolino erscheinen musste, die Seitenzahl auf 238 reduziert hatte. Ehapa, das für 1984 den Ausstoß nur moderat von sieben auf acht Ausgaben im Jahr erhöhte, sah hingegen keinen Grund, der Entscheidung des Verlags seiner Vorlagen zu folgen. Das hatte aber zur Folge, dass jedes LTB mit einigen, in der Regel aus dem „Topolino“ übernommenen Kurzgeschichten aufgefüllt werden musste. Es handelt sich hier wohlgemerkt nicht mehr um einen „Austausch“ wie in früheren Jahren, so dass man streng genommen für diesen Zeitraum nur noch von Geschichten sprechen kann, die weggefallen, und solchen, die neu hinzugekommen waren.

Resultat war in den deutschen Bänden eine erhebliche Zunahme der Zahl von Geschichten gegenüber dem italienischen Original, was die Entwicklung, dass auch die I Classici selbst nun im Schnitt etwas kürzere und daher mehr Geschichten abdruckten, zusätzlich verschärfte. LTB 107, „Wer zuletzt lacht…“, enthielt etwa 13 Geschichten gegenüber immerhin auch schon 10 Geschichten des italienischen Originals Paperino Fantasticoso CWD SS 92. Auf die 28-seitige Geschichte „Paperino apprendista stregone“ von Pavese/M. de Vita (später als „Der Zauberlehrling“ in LTB 112) verzichtete man aus unklaren Gründen, was bedeutete, dass man rund 44 Seiten mit anderen Geschichten füllen musste – in LTB 107 waren dies „Donald als Tierarzt“, „Arbeitsplatzprobleme“, „Heiteres Melodienraten“ und „Der Fußball-Kaiser“. Es ist nur eine Mutmaßung, dass es „Der Fußball-Kaiser“ war, der den „Zauberlehrling“ ersetzte, weil es sich auch dabei um eine italienische Geschichte handelte – das „Auffüllmaterial“ bestand hingegen ansonsten in der Regel aus amerikanischen S-Code-Geschichten.

Der Praxis von Coveraustausch sowie Geschichtendurchmischung und -auffüllung zum Trotz bleiben die italienischen Vorlagen in dieser dritten Periode des Umgangs mit den italienischen Vorlagen in der Regel sehr klar zu erkennen.


Das Problem der „Übernahmen“ – Zweifelsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

96 plus 34 sind 130 – Abzüglich dieser Bände bleiben also 10 übrig, die noch nicht in eine der beiden Kategorien „unzweifelhafte Übernahme“ und „unzweifelhafte Nicht-Übernahme“ eingeordnet worden sind. Es muss konstatiert werden, dass man – nach Gewichtung und Bewertung der oben genannten Kriterien – entweder entscheiden kann, die Bände als „übernommen“ oder als „nicht übernommen“ zu werten. Die Bände bezeichnen eher ein Überlappungsfeld zwischen Übernahme und Nicht-Übernahme. Die Zweifelsfälle sollen hier von der deutschen Seite aufgezäumt werden: Welches deutsche LTB hatte überhaupt eine italienische Vorlage? Ich gehe hier von den Fällen, die noch eher leicht, zu jenen, die nur sehr schwer zu entscheiden sind, bis hin zu jenen, bei denen eine Abwägung letztlich negativ ausfällt.

  • LTB 74 („Der Stolz der Familie“): Das ist noch relativ sicher zu entscheiden. Zwar wurde mit Scarpas Klassiker Linsen aus Babylonien ein wichtiger Teil des Bandes aus einem anderen, grundlegend nicht adaptierten Band übernommen, doch drei lange Geschichten, das Cover und damit der Grundstock entsprangen dem Band Paperodissea CWD 29. Allerdings ist die Bearbeitungszeit mit zwei Jahren sehr lang. -> übernommen!
  • LTB 61 („Ohne Donald geht es nicht“): Obwohl zwei Geschichten und ein Teil der Rahmengeschichte aus einem anderen Band miterschienen und auch das Cover ausgetauscht wurde, geht das Grundkonzept noch recht schlüssig auf Paperone Special CWD SS 20 zurück. Dafür spricht auch die Einhaltung einer typischen Bearbeitungszeit (von 10 Monaten). -> übernommen!
  • LTB 106 („Donald der Tausendsassa“): Das Grundkonzept (mit 6 übernommenen Geschichten) geht eindeutig auf Risatissime Paperino CWD SS 90 zurück, auch wenn dessen Cover und Titelkonzept erst für den folgenden Band LTB 107, „Wer zuletzt lacht…“, verwendet wurden (siehe dazu oben bei „Cover“). Der Charakter des Bandes wurde nicht nur durch das neue Ferienmotiv verändert, sondern auch und vor allem durch die Aufnahme dreier Maus-Geschichten aus dem Band Topolino Special CWD SS 94. -> übernommen!
  • LTB 55 („Dagobert macht Geschichten“): Weiter oben wurde argumentiert, dass der Band Paperoniana CWD SS 6 eine gründliche Umgestaltung erfuhr, weil Ehapa die Kriegsgeschichte „Zio Paperone va alla Guerra“ nicht zwischen den Deckeln eines LTB sehen wollte. Konsistenz ist neben der Übernahme von vier Geschichten (gegenüber drei neuen) durch das Cover und den typischen Bearbeitungszeitraum von 13 Monaten gegeben. -> übernommen!
  • LTB 60 („Donald ohne Furcht und Tadel“): Dieses LTB wurde möglicherweise bereits bald nach der Publikation von LTB 55, mit dem es seitdem eine Art Doppelband bildet, als dessen „Kehrseite“ auf den Weg gebracht, wofür es seit dem Original I Classici di Walt Disney CWD SS 3 allerdings über zwei Jahre brauchte. Zwei lange Geschichten wurden daraus übernommen und mit den „Resten“ aus CWD SS 6 und einer weiteren Geschichte kompiliert. -> übernommen!
  • LTB 84 („Mit Volldampf ins Abenteuer“): Dass es sich bei diesem Micky-Band um eine Übernahme von Topolino Express CWD SS 60 handelt, erkennt man nicht nur am Titelkonzept, dem Cover und vier übernommenen Geschichten (bei aber immerhin fünf ausgetauschten), sondern auch an einer typischen Bearbeitungszeit von 9 Monaten. -> übernommen!
  • LTB 87 („Micky ist wieder da!“): Es gelten im Großen und Ganzen dieselben Gründe wie für LTB 84, nur dass hier sogar stolze neun Geschichten aus anderen Quellen ergänzt wurden, während fünf etwas längere aus dem Original Topolino Mystery CWD 62 wegfielen. -> übernommen!
  • LTB 85 („Ein Hoch auf Donald Duck“): Hier entsteht schon ziemliche Verwirrung deshalb, weil es nicht nur drei Geschichten gibt, die Paperino Eroe CWD SS 58 entnommen wurden, sondern auch drei weitere aus ein und derselben Quelle: dem ebenfalls zeitnah erschienenen Band I Grandi Classici, # 3. Titelkonzept, Cover und Bearbeitungszeitraum lassen uns CWD SS 58 dennoch als das „eigentliche“ Original feststellen. -> übernommen!
  • LTB 78 („Onkel Dagobert gibt sich die Ehre“): Auch wenn die schönsten und längsten Geschichten nicht daraus stammen: Der 9-monatige Bearbeitungszeitraum und das Cover zeigen uns Paperoteca CWD SS 50 als dessen Vorlage. Allerdings wurden nur zwei Geschichten und ein Teil der Rahmengeschichte übernommen. -> übernommen!
  • LTB 75 („Ferien mit Phantomias“): Es wird immer verzwickter! Zu der ausbleibenden Übernahme von vier Geschichten aus dem Band Paperin Sansone CWD SS 44 tritt hier die völlige Umkrempelung des Konzepts: Aus einem italienischen Olympia- wurde ein deutscher Phantomias-Band! Das neue Cover passte dazu. Während nur zwei Geschichten, dazu aber immerhin auch ein Stück der Rahmengeschichte übernommen wurde, passt auch hier wieder mal der Bearbeitungszeitraum perfekt (10 Monate), weswegen auch hier eher geurteilt werden darf: -> (gerade noch) übernommen!

Kommen wir also jetzt zu jenen LTBs, für die sich keine I Classici-Vorlage mehr ausmachen lassen. Logischerweise muss die Zählung hier bei „0“ neu ansetzen, darf nicht die „140“ belasten, die theoretisch hätten übernommen werden können. Auch hier geht die Argumentation von jenen Bänden, bei denen man mit Mühe noch ein Original-I Classici definieren könnte, zu jenen, für die das gar nicht mehr möglich ist. Hier sind ziemlich deutlich fünf Typen zu unterscheiden, die man folgendermaßen systematisieren kann: a. einen „Cover-Band“, b. Kompilierte Bände aus der dritten Periode, c. Kompilierte Bände aus der zweiten Periode, d. Übernahmen aus der Reihe „I Grandi Classici“, e. zwei komplett „hausgemachte“ Bände.

  1. „Cover-Bände“: Hier handelt es sich um nur einen einzigen Band: LTB 102, „Du bist ein As, Phantomias“. Der typische Bearbeitungszeitraum vom November 1983 bis Februar 1985 sowie das übernommene Cover lassen einen zunächst denken, es sei mit der Übernahme von Paperinik L’Invincibile CWD SS 83 „alles in Ordnung“ und zeittypisch. Doch dann merkt man, dass sage und schreibe keine einzige Geschichte aus dem Originalband übernommen wurde – Geschichten mit Ehapas Lieblingsfigur waren beliebt und füllten, als Übernahmen aus dem „Topolino“, auch andere Publikationsreihen, sodass kaum eine Geschichte hätte übernommen werden können. Und das geht nun wirklich zu weit! -> NICHT übernommen!
  2. Kompilierte Bände aus der dritten Periode: Am Ende der dritten Periode im Umgang mit der italienischen Vorlage gibt es einige Bände, die offenbar aus gleichberechtigt herangezogenen I Classici – sowie womöglich ergänzenden Geschichten aus dem „Topolino“ – „zusammengebastelt“ wurden. Wir sprechen hier über die LTB 112, „Mit Pauken und Trompeten“, LTB 114, „Rallye Entenhausen“ und LTB 116, „Ohne Netz und doppelten Boden“. LTB 112 verwertete vor allem Reste aus Risatissime Paperino CWD SS 90, das allerdings bereits Vorlage für das LTB 106 gewesen war, zog aber auch viele weitere italienische Quellen heran, darunter auch einige Maus-Stories. LTB 114 wilderte nicht nur in den I Classici und Topolinos der letzten Jahrgänge, sondern auch in den aktuellsten Ausgaben 14 und 15 der italienischen Nebenreihe „I Grandi Classici Disney“. LTB 116 wiederum wurde aus den zwei kürzlich erschienenen I Classici-Ausgaben Disney Festival CWD SS 101 und W l’Estate CWD SS 103 und einigen Topolino-Nummern zusammenkompiliert; das Cover stammte von wiederum einer noch aktuelleren I Classici-Ausgabe. Obwohl für diese Bände kein einzelnes I Classici als Vorlage definierbar ist, blieb doch das Ehapa-Grundkonzept, die LTBs aus Bänden der italienischen Reihe hervorgehen zu lassen, nach wie vor erkennbar, wodurch es auch gerechtfertigt ist, die „Phase der Classici“ mit Band 116 zu Ende gehen zu lassen, obwohl dieses gar kein italienisches Original mehr hat. Die gewisse Beliebigkeit (und Lieblosigkeit) der Heranziehung von kurz zuvor veröffentlichten I Classici passt gut in eine Zeit, in der die Verantwortlichen bei Ehapa sicherlich schon ein klares Konzept erarbeitet hatten, wie es (mit LTB 117) mit der Reihe völlig anders weitergehen sollte. -> NICHT übernommen!
  3. Kompilierte Bände aus der zweiten Periode: Kompilationselemente gab es mit Beginn der zweiten Periode im Umgang mit der italienischen Vorlage einige (zuerst beim „Doppelband“ LTB 55 und LTB 60), doch in der Regel kristallisiert sich bei der Beschäftigung mit dem konkreten LTB heraus, dass es letztlich (siehe oben) doch möglich ist, ein „Original“ unter den I Classici zu definieren. Umgekehrt gibt es übrigens auch einige „unübernommene“ I Classici (CWD PS 44, CWD SS 16, CWD SS 28, CWD SS 32, CWD SS 34, CWD SS 36, CWD SS 56), die typischerweise als „Steinbruchbände“ für LTBs herangezogen wurden. Bei den nicht übernommenen Bänden diskutieren wir in erster Linie zwei Fälle: LTB 86, „Aus dem Leben eines Milliardärs“, und LTB 77, „Gestatten, mein Name ist Duck“. LTB 86 liegt jenseits der Grenze dessen, was man vernünftigerweise noch als „Übernahme“ bezeichnen kann. Drei Geschichten und der Fetzen einer Rahmengeschichte wurden zwar aus dem Band Pluripaperone CWD SS 32 (August 1979) übernommen und dabei ein neues Cover (von einem anderen I Classici desselben Zeitraums) ausgewählt. Doch war der „Bezugsband“ aus Italien damals, im Januar 1983, schon sehr alt: Dreieinhalb Jahre ist nun wirklich kein typischer Bearbeitungszeit für die I Classici mehr. Noch entscheidender: Man hatte aus dem Band bereits drei Geschichten in anderen LTBs untergebracht (77, 82 und 85), wodurch der ältere Band natürlich von den Ehapa-Redakteuren nicht mehr quasi „naiv“ zur Hand genommen werden konnte, als ob daraus ein konsistentes LTB hätte gemacht werden können. Wahrscheinlich ist, dass bei der Bearbeitung der Bände 77, 82 und 85 aufgefallen war, dass CWD SS 32 noch einiges verwertbare Material enthielt, dem man sich bei Gelegenheit widmen wollte. Auch LTB 77 wurde aus verschiedenen Quellen zusammenkompiliert, wobei jedoch immerhin drei (allerdings kürzere) Geschichten aus dem Band „I Grandi Classici Disney“, # 1 (Juni 1980) stammen. In einer Phase, in der ältere „Topolino“-Geschichten häufig bereits in anderen deutschen Publikationsreihen abgedruckt worden waren, dienten die aktuelleren Geschichten aus der kürzlich gestarteten Mondadori-Nebenreihe trefflich dazu, entstandene Lücken für umzuorganisierende LTBs zu nutzen (so z.B. auch für LTB 85). Die drei Geschichten für LTB 77 wurden jedoch dem Zusammenhang mit dem Geschichten-Zyklus „Das Geheimnis des kopflosen Totempfahls“, dem sie entstammen, völlig entkleidet. Zudem gab es auch eine Übernahme aus dem „Topolino“ und gleich drei (!) Bruchstücke von Rahmengeschichten aus I Classici-Originalen, jeweils „mitgebracht“ von ihren Geschichten aus den I Classici-Bänden CWD SS 32, CWD SS 44 und CWD SS 46. Das macht es unmöglich, das „I Grandi Classici, # 1“ als Original anzuerkennen. -> NICHT übernommen!
  4. Die Übernahmen aus der Reihe „I Grandi Classici Disney“: Als Sonderfälle eigener Art sind auch LTB 88, „Donald sticht in See“, sowie LTB 93, „Die Macht des Goldes“, anzusehen. Sie sind gerade nicht kompiliert, sondern zweifelsohne Übernahmen – aber eben nicht aus der italienischen Basisreihe „I Classici di Walt Disney“, sondern aus deren Ableger „I Grandi Classici Disney“. Diese Bücher waren seit Juni 1980 mit einer beeindruckenden Dicke von 448 Seiten und mit einem manchmal noch deutlichen thematischen Zusammenhang erschienen – jedenfalls ist dies der Fall für I Grandi Classici Disney # 4, die Vorlage für LTB 88, die nur Parodien enthielten, und I Grandi Classici Disney # 7, die Vorlage für LTB 93, die den von Martina, Scarpa und Carpi geschaffenen Zyklus „Glanz und Gloria derer von Duck“ enthielten. Da „nur“ ein LTB von 254 Seiten gefüllt werden musste, wurde freilich nur ein Teil der Comics (und wie es scheint sogar mit Bedacht) ausgewählt. Für LTB 88 wurde auffüllend sogar noch ein Bruchstück einer I Classici-Rahmengeschichte mitabgedruckt. Da wir uns hier ja um die Vorlagen aus der Basisreihe kümmern, kann das Urteil nur lauten -> NICHT übernommen!
  5. „Hausgemachte“ Bände: Es bleiben noch zwei erklärungsbedürftige Bände: LTB 80, „Fantastische Geschichten mit Micky“, und LTB 83, „Phantomias bittet zum Tanz“. Anders als bei den anderen hier gewürdigten LTBs (auch den nicht übernommenen), wurden deren Comics offenbar aus Quellen direkt aus dem italienischen Erstpublikationsorgan „Topolino“ konzipiert. Ein I Classici, auf das irgendwie Bezug genommen wäre, ist nicht ersichtlich. Damit sind sie – und zwar nur sie – die Vorboten jener Veröffentlichungspraxis, die ab LTB 117 die Regel wurde. LTB 80, darüber hinaus das erste LTB, das gar kein Element einer Rahmengeschichte mehr enthielt, nutzt zwar ein Cover eines I Classici, nämlich jenes von Topolino Zoom! CWD 42. Damit konnte aber – anders als z.B. für LTB 102 –, weil sein Inhalt bereits für das LTB 73 verwendet worden war, logischerweise kein Übernahmeplan für den Band mehr verbunden sein. Der Inhalt wurde von Ehapa nach der Leitidee von Reisen in die Geschichte zusammengestellt, wobei durchaus eine didaktische Intention im Hintergrund gestanden haben mag. LTB 83 entfernt sich noch weiter von den I Classici, als auch das Cover keinen solchen Bezug mehr aufweist und nicht einmal aus Italien stammt. Der Band wirbt mit der Figur des Helden Phantomias, enthält aber nur dürftige zwei Geschichten mit dem maskierten Rächer. Ein letztes Mal sei auf den Zusammenhang verwiesen, dass die beiden Bände aus dem Jahr 1982 stammen, als die Veröffentlichungspraxis von Ehapa, sich an die „I Classici“ anzuhängen, in eine Krise geraten war (Gründe siehe oben). Ehapa erprobte Alternativen, nur um, sobald dies nicht mehr nötig war, diese nicht mehr in Anspruch zu nehmen. -> NICHT übernommen!

Auch von deutscher Seite soll zum Abschluss belegt werden, dass die Rechnung jetzt aufgeht: Wir zählen insgesamt 116 LTB-Bände in der „klassischen Phase“ (mit der „Zwischenphase“). 140 I Classici hätten zur Verfügung gestanden, 34 wurden nicht übernommen. Damit sind wir bei 106 Bänden. Die zehn in Deutschland „hausgemachten Bände“ kommen hinzu, womit wir genau bei jenen 116 anlangen. Hobrowili (Diskussion) 15:39, 12. Mär. 2026 (CET)