LTB 69: Rezension

In diesem Artikel wird das LTB 69 rezensiert. Ob dieser Band tolles Top, ein fataler Flop oder einfach nur müdes Mittelmaß ist, erfährst du hier. Dranbleiben ;-) Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 69.
Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 69 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight
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bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!
Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Onkel Dagobert und Tick, Trick und Track amüsieren sich königlich über einen auf das dunkle Blau des Hintergrunds projizierten Film, der Donald in einer ziemlich hilflosen Lage zeigt – Er fliegt durch die Luft, während sein Kopf in einem großen Blechblasinstrument steckt. An der Farbgebung der Kleidung Dagoberts und seiner Großneffen stimmt so gut wie nichts…
„Wenn die Fahnen wehen, steckt der Verstand in der Trompete“ – an dieses Sprichwort muss man mit diesem Cover assoziieren, wobei streng genommen ja nicht nur sein Verstand in der – na ja, es ist eher eine Tuba – steckt, sondern gleich der ganze Donald, womit der Gestalter Giuseppe Perego eine Szene aus der Mittelstory des Bandes aufgreift. Seltsam, wie Track (immerhin an der grünen Kappe zu erkennen) auf der Schulter seines Großonkels herumklettert. In seiner Schrulligkeit bei allen Perspektiv-Fehlern und Mimik-Schwächen ein akzeptables Motiv. (6/15 – Mediocre) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Rahmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Primus von Quack hat die glorreiche Idee, Episoden aus Dagoberts Leben zu verfilmen und unter dem Titel „Millionär in 30 Tagen? – Der Duck-Report klärt alle Fragen!“ zu vermarkten. Dagobert ist Feuer und Flamme für die Idee, und die ärmsten und dümmsten Opfer des Werbekonzepts sind die Panzerknacker, die wahrhaftig glauben, die Reihe würde ihnen den Weg zum Reichtum ebnen. So suchen sie Professor Ticktack (aus dem Film „Der Südsee-Yeti“) auf, der sie aber abblitzen lässt. Am Ende scheitert auch noch der orientalische Seiltrick, den sich die Bande in der Episode „Der verlorene Ziegelstein“ abgeschaut hat…
Diesmal sind die Panzerknacker die Helden einer Rahmengeschichte, was das Ganze beileibe nicht besser macht. Die aus der „Schloss Schreckenstein“-Episode ausleitende Zwischengeschichte passt nicht zum Rest, weil diese einem anderen I Classici-Band entnommen wurde, CWD SS 28, das zu einer Art Steinbruch für alle möglichen Resteverwertungen werden sollte. Zwei weitere Bruchstücke der dortigen Rahmengeschichte erschienen ähnlich zusammenhanglos in den LTBs 71 und 88. (2/15 – Awful) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Der Südsee-Yeti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„URGT!“ (mutmaßlich traditionelle hula-hulasche Begrüßung von Herrn Bauz)

Auf einer fernen tropischen Insel erzählen sich Dagobert, Donald und die Kinder ihre Geschichten, wie sie in die Angelegenheit hineingeraten sind, die sie ans Ende der Welt geführt hat. Dagobert hatte sich ein Elektronengehirn angeschafft, um seine Buchhaltung zu vervollkommnen. Doch der Erfinder der Maschine, Professor Ticktack, hat vergessen zu erwähnen, dass sie von jemandem bedient werden will, der ihr außerordentlich sympathisch ist. Als die Versuche von Donald scheitern, der sich gerade durch den Ratgeber „Die Kunst Freunde zu gewinnen“ geackert hatte, holt Dagobert nach Ratschlag Ticktacks einen wilden Mann von der Südseeinsel Hula-Hula, Herrn Bauz, der tatsächlich sogleich das Elektronengehirn herzlich begrüßt und durch seine Freundschaft zu ihm zu einem der wertvollsten Mitarbeiter Dagoberts aufsteigt. Tick, Trick und Track, die den „Mottenfiffi“ (Donald) nun endlich auch mal kennenlernen wollen, kommen dabei aber einem Super-GAU auf die Spur: Unter einem quer durch den Geldspeicher gespannten Netz ist dieser leer – wer nur hat die Taler verschwinden lassen?... Eine Röhre endet im Elektronengehirn und mithin bei Herrn Bauz. Dagobert verdächtigt den „Fellsack“ (Donald) und verstößt ihn, bevor die Kinder mit den Panzerknackern die tatsächlichen Übeltäter entlarven – Herr Bauz hatte gar nichts mit dem Raubzug zu tun! Deshalb sind die Ducks also auf der Insel – um den Verschollenen zu finden. Will Dagobert ihn etwa zurückholen? Nein, es gibt eine andere und überraschende Auflösung: Nachdem „der Südsee-Yeti“, die schlafenden Ducks vor gefährlichen Vogelspinnen bewahrend, wieder aufgetaucht ist, lässt Dagobert per Seilwinde vom in der Bucht ankernden Schiff das Elektronengehirn auf den Inselberg schaffen – die beiden guten Freunde sind so wieder vereint…
Es wäre zu kurz gegriffen, würde man die außerordentliche Freude, die die Story bereitet, und ihre hohe Qualität nur auf die Gestalt des Herrn Bauz (ital. „Signor Bunz“) zurückführen, der in einem so manchen Beschützerinstinkt weckt. Genial, wie es Scarpa schafft, der Figur ganz ohne Sprache Leben und einen umwerfenden Charme einzuhauchen. Die unwahrscheinliche Kombination des vorzivilisierten „wilden Mannes“ – der „Yeti“ ist eine Hinzudichtung des deutschen Verlages – und Dagoberts hypermoderner maschineller „Abteilung C“ spielt satirisch mit der idealistischen Auffassung Rousseaus und anderer aufklärerischer Denker vom „edlen Wilden“, der dank seines abgeschiedenen, nicht sozialisierten Lebens frei von moralischer Korruption geblieben sei. „Vielleicht ist es die Anziehungskraft, die so ein primitives Wesen auf ein Elektronengehirn ausübt!“ (S. 32) mutmaßt der da noch außerordentlich mit seinem in der Südsee gemachten „Fang“ zufriedene Dagobert. Gegensätze ziehen sich eben an. „Paperino e l’uomo di Ula-Ula“, so der italienische Originaltitel, datiert zurück in das Jahr 1959, als Scarpa gerade erst begann, die Ducks auch in kleinere Gag-Geschichten einzubinden. Dafür ist die Erzählstruktur bereits außerordentlich elaboriert und ambitioniert – wieder einmal ein Indiz für die Innovationskraft Scarpas, die er in die Disney-Comics einbrachte, und die er in seinen späteren Schaffensphasen seit Mitte der 60er Jahre – bei aller zeichnerischer Brillanz – doch einbüßte. Allenfalls kommt die Rahmenhandlung mit den Erzählungen der Beteiligten, um sich in unwirtlicher Umgebung unbedingt wach zu halten, ein klein wenig zu schematisch daher. Und diese Panzerknacker-Handlung… Nun ja, es bedurfte eben einer Krücke, um Herrn Bauz zu betrüben und aus der Handlung zu katapultieren, um ihn am Ende umso triumphaler wieder in sie hineinzuholen. (14/15 - Incredible) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Die Insel der betrübten Affen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„Yuk! Yuk! Yuk!“ (Im Ausdrucksvermögen hätten sich die Affen der Talerinsel noch so manche Scheibe vom Südsee-Yeti abschneiden können)

Donald und Dagobert erhalten jeweils Briefe, in denen sie jeweils darüber informiert werden, dass die Talerinsel im Meer versunken sei, weswegen sie bittere Tränen vergießen. Nun wollen es die Kinder genau wissen und ihre Altvorderen beginnen zu erzählen: Vor einiger Zeit hätten Dagobert und Donald getarnt viele Talerkisten in die Südsee verschifft, um sie auf einer einsamen Insel vor Dieben zu sichern. Sie hätten dort eine Affenbande mit ihrem Anführer Bingo angetroffen, die Donald zum Herrscher der Insel gemacht hätten. Die Kinder ahnen bereits, dass ihre Onkels in eine Falle gelockt werde sollen – denn seit wann könnten Affen, zumal mit einem derart rudimentären Wortschatz (s.o.) Briefe schreiben?... Doch die Aussicht auf ein Abenteuer in der Südsee wollen sich Tick, Trick und Track dann doch nicht entgehen lassen. Tatsächlich geraten die Ducks auf der Talerinsel, die erstaunlich stabil genau dort liegt, wo Dagobert und Donald sie damals verlassen hatten, in die Fänge von vier Gaunern, darunter der Chinese Chung, der damals als Schiffskoch von der brisanten Ladung Wind bekommen hatte. Die Bande hatte die Ducks deshalb angelockt, weil ihnen die wilden Affen den Zugang zur Höhle, in der die Talerkisten lagern, versperrt hatten, und Dagobert und Donald also ihren Einfluss auf sie spielen lassen sollen. Die Ducks erneuern das Bündnis mit „ihren“ Affen – heißa, was für ein Wiedersehen – und vertreiben auf diese Weise die Gangster von der Insel. Gar nicht mehr so einfach ist es nun aber für Dagobert und Donald, die anhängliche Liebe der Affenbande abzuschütteln. Die beiden haben sich bereits mit einem mit den Talerkisten beladenen Motorboot begonnen, in Richtung ihres Hauptschiffes aus dem Staub zu machen, da springen einige Affen, die vorher Schwarzpulver genascht hatte, auf das Boot und bringen es zur Explosion. Donald schwimmt zurück zu Insel – Affenkönig Bingo werde ihn schon vor der Rache Dagoberts schützen…
Also schon wieder Primitivlinge vom anderen Ende der Welt. Warum die Affen, in einer annähernd wörtlichen Übersetzung des italienischen Originals, betrübt sind, erfährt man übrigens nie – und sie sind es auch nur am Anfang, bevor Donald seinen Herrscherstatus dadurch erlangt, dass er Affenkönig Bingo (echt nur mit der goldenen Krone!...) zum Lachen bringt. Die halbseidene Erklärung Dagoberts – „Dem armen Kerl war aus irgendeinem Grund das Lachen vergangen!“ (S. 68) – hilft da auch nicht viel weiter. „Die Insel der betrübten Affen“, realisiert nach einem Skript von Guido Martina, kann im Sommer 1958 als einer der ersten Comics aus Carpis zweiter Schaffensphase gelten, in der er sich langsam aus den Experimentalmodi der ersten, noch sehr ungeschliffenen, mit dem „verlorenen Ziegelstein“ (1954) aus diesem Band beginnenden, Phase löste. Man kann in gewisser Weise sogar sagen, im Jahr 1958 seien die Würfel gefallen, dass Carpi bald in die Riege der Scarpa und Bottaro aufsteigen würde, anstatt in jene der Chierchini und Perego hinabzusinken. Die Ducks, obwohl immer noch recht klobig gezeichnet, gewinnen langsam einen originären, kaum noch epigonalen Carpi-Touch, den der Genuese bis zu seinen Meisterwerken dieser Phase, „Donald, Prinz von Duckenmark“ (1960, LTB 58) und „Der Gürtel aus dem Morgenland“ (1962, LTB 3), ganz zu schweigen von seinen aus dieser Phase bleibenden Schöpfungen aus dem Maus-Universum, noch verfeinern sollte. Martina legt sich auch mächtig ins Zeug mit interessanten Nebenfiguren wie dem Schiffskoch Chung: „Abel Chung ist Koch, kein Velblechel, und seine glößte Tugend ist Geduld!“ (S. 86). Natürlich sind nicht alle seine Leistungen toll: So erscheint die Zahl der Talerkisten, für die Dagobert und Donald auf dem Hinweg ein ganzes Schiff benötigten, am Ende auf wundersame Weise derart gemindert, dass sie auf ein einziges kleines Motorboot passen. Doch sobald der Autor in einer seiner austauschbaren „Ducks-werden-gefangen-und-entfliehen“-Handlungen erstarrt, kann der Zeichner ihr einigermaßen neues Leben einhauchen. Nur seine Affenbande ist zwar durchaus nicht verzeichnet, doch da hätte er durchaus noch ein wenig mehr Sorgfalt an den Tag legen dürfen. (11/15 – Pretty Good) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)

Eine Wette mit Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„Du? Du schaffst es nicht mal, ein Flohtreffen auf einem Hund zu arrangieren!“ (Onkel Dagobert ist nicht nett zu seinem Neffen Donald)
Donald scheitert krachend damit, die weitverzweigten Hotelbetriebe seines Onkel Dagoberts an der Costa Nova mit einem „Festival der ungeraden Tage“ aufzupolieren. Die Gäste speisen eben nur noch an den ungeraden Tagen und sonst gar nichts – bätsch! Und dann checkt auch noch ein Herr Tröterich ein, der mit seinem Lärm und seinen Extrawünschen Tick, Trick und Track und vor allem Donald an den Rand der Verzweiflung bringt und zu unbedachten Gegenreaktionen verleitet, bis alle verbliebenen Gäste des Luxushotels entnervt auschecken. Zwar scheint vordergründig Donald letztlich zu triumphieren, doch da rückt Dagobert an, der mit dem Herrn, der sich als Tröterich ausgab, um 100000 Taler gewettet hatte, er werde in seinem Hotel erstklassigen Service und jeglichen Komfort geboten bekommen. Donald ist wieder mal der Schuldige und muss nun, um Touristen anzulocken, einen Weltrekordversuch im Dauertrompeteblasen absolvieren…
Guido Martinas Story ist sicher nicht schlechter als vergleichbare Skripte aus dem Jahr 1956: Phasenweise ist auch in der deutschen Übersetzung so etwas wie Komik erahnbar (etwa wenn sich Donald auf S. 121 zum „Napoleon des Hotel- und Gaststättengewerbes“ krönt). Doch Mario Sbattellas Zeichnungen sind einfach nur indiskutabel: Unsicherer Strich, miserabel ausgeführte Hintergründe, kein Gefühl für Perspektiven und für das Wesen der Duck-Familie. Kein Wunder, dass Sbattella (1930-2013) in Sachen Disney eine Eintagsfliege blieb. Für Mondadori zeichnete er alsbald nur noch Hanna-Barbera-Illustrationen von Charakteren wie Scooby-Doo und der Familie Feuerstein – sollten die doch mit diesem Zeichner glücklich werden. (3/15 – Unsatisfactory) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Geisterstunde auf Schloß Schreckenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„Ogott, gleich spießt er mich auf!“ (Donald verlässt angesichts des Geistes des Ritters doch die Courage)
In der Geisterbahn auf dem Rummelplatz beweist Donald im Gegensatz zu seinen schreckhaften Neffen Mut. Beim darauffolgenden Ausflug in die Wildnis offeriert ihm ein geheimnisvoller, voll gerüsteter Ritter die Eigentümerschaft eines waschechten Schlosses. Der Haken, wie die Ducks am nächsten Morgen vom Kastellan erfahren: Donald soll mit den Kindern drei Nächte in dem Spukschloss durchhalten. Nach drei größtenteils durchwachten Nächten voller Grusel haben sie es zwar geschafft, doch urplötzlich erscheint Dagobert auf dem Platz und reklamiert das Schloss für sich: Er hatte Donald in der Geisterbahn, die ihm gehört, beobachtet und ihn kurzerhand für seine Zwecke eingespannt. Auch die 100 Taler, die Donald als Entschädigung erhält, entgleiten seinen Händen, als sein hartherziger Onkel aus der Ferne einen „Geldsauger“ betätigt…
Giancarlo Gatti trat in den 1970er Jahren bei Mondadori als durchaus patenter Illustrator und Cover-Gestalter auf den Plan. Als solcher hat er auch einigen LTB-Titelbildern seinen eigenwilligen Stempel aufgedrückt, etwa für die LTBs 54, 57 und 60. Als Geschichtenzeichner war Gatti darüber hinaus auch, aber lange nicht so gut verwendbar. Ich wollte es bei dieser Geschichte, die mir aus der Kindheit noch in (halbwegs guter) Erinnerung war, nochmals wissen: Können von Gatti gezeichnete Stories, wenn sie gut erfunden sind, den schlechten Bewertungsbereich verlassen?... Erstaunlicherweise ist es hier nicht das Skript von Jerry Siegel, der den Gesamteindruck rettet. Im Gegenteil gibt es ein paar unnötige Brüche im Skript, etwa wenn offenbar wird, dass irgendeine Bande hinter dem Spukgeschehen steckt, aber von Siegel nicht offengelegt wird, was ihre Motivation dahinter war. Man muss sich offenbar, gestählt durch einige ganz ähnlich gestrickte Geschichten, dazudenken, dass die drei Schurken das Spukschloss als Rückzugsort für ihre krummen Geschäfte benötigten. Solche Plots müssen überdies wohl oder übel den Vergleich mit Carl Barks‘ Das Gespenst von Duckenburgh (1948) aushalten und notwendigerweise verlieren. Kurioserweise verhält es sich also mit der „Geisterstunde auf Schloß Schreckenstein“ genau umgekehrt: Siegels Skript ist Massenware, aber Gattis Zeichnungen passen irgendwie, gewinnen vor allem in den Anfangsszenen auf dem Rummelplatz, zum Teil aber auch darüber hinaus eine in ihren Verzerrungen „expressionistische“ Höhe, die mich die Ausgangsfrage doch positiv beantworten lässt: Ja, sie können! (6/15 – Mediocre) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Der verlorene Ziegelstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„Ich müßte also eine Million Ziegelsteine pro Tag zählen, um auf 10 Taler zu kommen?“ – „Dafür ist es ein Beruf mit Zukunft!“ (Dagobert redet Donald dessen neuesten Job schön)

Donald fällt es nicht schwer, Dagoberts neuestes Jobangebot, als Ziegelsteinzähler in dessen Ziegelwerk zu fungieren, abzulehnen. Doch er verweilt lange genug vor Ort, um weiteres Unheil zu stiften: Er nimmt eine Wertsendung entgegen und lässt sie aus Ungeschicklichkeit, in Rangelei mit seinen Neffen, in die Ziegelmasse plumpsen. Einer der am 13. des Monats produzierten Ziegel muss nun also einen Rubin im Werte von 1 Mio Talern enthalten, mit dem ein Mister Bambalore aus Indien eine Rechnung bei Dagobert bezahlt hat. Doch, wie Gustav, der neue Ziegelsteinzähler, aus den Büchern ersieht, ist die Produktion dieses Tages, 999853 Steine, komplett an ebendiesen Bambalore verschifft worden. Donald und Tick, Trick und Track reisen also hinterher in das Land der Tiger, Schlangen, Tempel und Fakire – und nehmen die Ware, die Bambalore bei Dagobert bestellt hat, gleich mit. Ein Ritt mit dem Elefantentaxi, eine Übernachtung im schwerelosen Zustand bei einem Fakir und ein verschwenderisches Verhalten Donalds später treiben sie auf der Kiste mit der Ware, auf der leider „Vor Nässe schützen“ steht, auf dem Ganges Richtung Benares. Bambalore ist jedoch gar nicht begeistert, als er die Kiste öffnet und bereits angerührten Tapetenkleister vorfindet. Donald wird eingesperrt, aber mithilfe eines Fakirs von den Kindern befreit. Sie bringen in Erfahrung, dass die Ziegel nach China weiterverkauft wurden, überqueren deshalb den Himalaya und zerklopfen alle Ziegel, die gemauert die Grenze einer – ausgerechnet Dagobert gehörenden – Reisfeldanlage in Yung-Fen markieren. Der Rubin ist darin erstaunlicherweise nicht zu finden. Die Reste der Mauer bringt Donald mit zurück nach Entenhausen, auf dass die Ziegel in Dagoberts Werk wiederaufbereitet würden. Nun schuftet Donald also auch noch als Ziegelsteinbäcker. Der Rubin allerdings findet Gustav: Er hatte ihn – als einzigen aus der nämlichen Tagesproduktion – als Stütze für den wackelnden Tisch in seinem Büro abgezweigt…
Für Carpi war dies 1954, wie die gesamte italienische Comicproduktion zu diesem Zeitpunkt von Guido Martina getextet, die erste, die er im Mondadori-Flaggschiff Topolino unterbrachte. Zuvor hatte er nur in den dünnen Albi d’Oro-Heften fünf kürzere Geschichten publizieren dürfen. Was aber nicht in ein „Topolino“ gelangte, kam auch nicht in ein I Classici und blieb deshalb in Deutschland unbekannt. Damit ist „Der verlorene Ziegelstein“ (Im Original „Paperino e il muro del Riso“, also „Donald und die Reismauer“) die älteste jemals in Deutschland veröffentlichte Geschichte Carpis. Leider muss man sagen, dass man ihr ihr Alter allzu sehr ansieht. Carpi stützt sich noch merklich auf typische Comic-Strip-Posen Donalds und kommt niemals in einen befriedigenden erzählerischen Flow. Und wie unausgearbeitet noch die Hintergründe sind, fällt bereits in einem oberflächlichen Vergleich mit der späteren „Insel der betrübten Affen“ früher im Band auf. In Martinas Skript stapeln sich nur so die Zufälle wie anderswo die Ziegelsteine. Wie in einem etwas späteren Werk Martina/Carpis, „Der verteufelte Druckfehler“ (1956, LTB 3), steht offenbar Barks‘ Jagd nach der Roten Magenta von 1952 Pate: Gustav muss nicht in die Ferne reisen, er muss eigentlich gar nichts tun und steht am Ende doch auf der Gewinnerseite. Wo Barks am Ende seines Comics den armen Donald aber wenigstens noch im Nachfassen entschädigen ließ, steht bei Martina/Carpi die komplette Erniedrigung und Niedergeschlagenheit. Wie typisch dieses Depri-Motiv für die ersten italienischen Comic-Jahre ist, zeigt auch ein recht ähnlich konstruiertes Ende zwischen Donald und Gustav in „Der mysteriöse Mister Moster“ ein Jahr später, der allerdings in seiner skurrilen Anlage (vgl. LTB 36) bereits deutlich besser gelungen ist. (5/15 – Somewhat Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)
Fazit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
LTB 69 von 1980 liegt ein schon sehr altes italienisches I Classici (CWD PS 13) zugrunde, das in erster Auflage bereits 1963 erschienen war. Darin, so wie in dessen Wiederabdruck 1978, war Carl Barks‘ Märchengeschichte Der güldene Wasserfall von 1957 enthalten. Zwar hatte Ehapa diesen Klassiker bereits 1964 in einer der ersten Jahrgänge der Mickyvision veröffentlicht, doch das war 1980 schon so lange her, dass mir das in diesem Fall nicht der ausschlaggebende Grund gewesen zu sein scheint, die Geschichte auszutauschen. Vielmehr könnte Ehapa die grundsätzliche Überlegung angestellt haben, gar kein Barks-Material mehr in die LTBs zu integrieren, um es für mögliche andere Zwecke und geplanten Publikationsreihen „aufzubewahren“. Und so wohlwollend auch der Ersatz „Geisterstunde auf Schloss Schreckenstein“ weiter oben besprochen worden sein mag, liegt hier doch der Unterschied zwischen einem „ziemlich guten“ Band, der es hätte werden können, und einem „recht durchschnittlichen“, der es geworden ist, begründet. Hobrowili (Diskussion) 23:15, 16. Dez. 2025 (CET)