LTB 109: Rezension

In diesem Artikel wird das LTB 109 rezensiert. Ist dieser Band einen Kauf wert oder sollte er lieber im Kiosk stehen bleiben? Du weißt es nicht? Dann lies das! Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 109.
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Cover
Vor rapsgelbem Hintergrund: Micky, „Sheriff“ Goofy und sogar ein handzahmer Kater Karlo stehen um den Klavierspieler Donald herum und lauschen dessen Musik. „Schießen Sie auf den Pianisten“! Der Schriftzug „Das Lied der Prärie“ nimmt die Saloon-Optik des Motivs prägnant auf…
Zeitenwende in den italienischen I Classici: Erstmals seit den Anfangsjahren der Reihe, ausgenommen den als LTB 97 erschienenen Olympiaband CWD SS 91, durchmischten die Macher aus dem Hause Mondadori mit dem CWD SS 98 (Februar 1985) wieder die Enten- und die Mäusewelt. Das spiegelt sich auf dem Cover, für das Marco Rota eine dichte Western-Atmosphäre schuf. Das Motiv tut, was es soll: Man ist begierig, den neuen Band aufzuschlagen und loszulesen. (11/15 – Pretty Good) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Es war einmal im Wilden Westen… Fliegende Nuggets
Auf Einladung ihres Onkels Don Dago Duck kommen Donald und seine Neffen im Planwagen, gezogen vom klugen Esel Till, in den Wilden Westen. Zunächst entkommen die von Hunger und Durst gebeutelten Ducks mit Müh und Not drei Stammesangehörigen der Bleichfußindianer, die sie skalpieren wollten. Sodann nehmen sie eine Postkutsche der Dago-Linie und überstehen in der Teufelsschlucht die Lebensgefahr durch Indianer und Banditen. Die Westernstadt, in der sie ankommen, ist durch eine mitten auf der einzigen Straße verlaufende weiße Linie in zwei Hälften geteilt, von denen die eine durch Onkel Don Dago Duck und die andere durch Clay Clever bewirtschaftet wird. Donalds Aufgabe, für die er in die Stadt geholt wurde: Er soll in der Nacht mit Steinen die Fenster von Clever City einwerfen. Er nimmt dafür jedoch nicht die vom Onkel vorgesehenen Steine, sondern andere, die er in der staubigen Unterkunft vorfindet. Es stellt sich heraus, dass es sich bei den „Steinen“ um getarnte Goldnuggets Don Dagos handelte – so leicht hat Clay Clever noch selten sein Vermögen vermehrt…
Unter dem an den berühmten Sergio-Leone-Film anknüpfenden Titel „C’era una volta il west…“ erfand der alternde italienische Disney-Mastermind Guido Martina im Jahr 1977 eine neue lose Reihe von Western-Comics, die allesamt von Guido Scala umgesetzt werden sollten. Bereits m Jahr 1981 lief die Reihe aus. In Deutschland waren zum Zeitpunkt der Erstpublikation dieser Origin-Story „Fliegende Nuggets“ bereits vier chronologisch spätere Folgen der Reihe anderswo erschienen (davon eine in einem LTB), ohne dass jemals erklärt worden wäre, warum Donald, Dagobert und all die anderen nun unter zum Teil leicht verwandelten Namen so mir nichts dir nichts in den Wilden Westen versetzt werden. Erst LTB 109 übersetzte dann den italienischen Reihentitel weitgehend wörtlich, später erschienene Comics der Reihe dann leicht anders in „Damals im Wilden Westen“. Während es sich in der deutschen Übersetzung – siehe das Opening Splash – um einen Traum Donalds handelt, legte Martina die Reihe von Anfang an als paralleles Duck-Universum im Wilden Westen an, das er im Jahr „milleottocentoeccetera“ („achtzehnhundertirgendwas“) ansiedelt. So reizvoll dieser Ansatz ist, so schnell verliert uns bereits „Goldene Nuggets“ durch seine Aneinanderreihung von Klischees, Routinen und Unwahrscheinlichkeiten. Es ist fast nur die Anlage der zwischen Dagobert (nennen wir ihn ruhig so!) und Klever geteilten Stadt mit einem ganz schönen Splash Panel (S. 34), welche die Langeweile stellenweise vertreibt. (6/15 - Average) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Es war einmal im Wilden Westen… Der Saloon-Star
Don Dago Duck will in seinem Saloon eine Tänzerin, „Die tolle Lilly“, auftreten lassen. Doch da flattert, gebracht durch eine Brieftaube, ihre Absage herein: Das Angebot von einem Dollar Gage sei eine Unverschämtheit. Leider hat das Publikum bereits begonnen, seine Plätze einzunehmen, sodass Don Dago nicht mehr zurückkann. Nun verfährt man zweigleisig: Gustav wird nach Topeka geschickt, um die Dame doch noch zu überreden, während Donald, bekleidet mit einem mottenzerfressenen Kleid und einer Perücke aus Stutenhaar, als Lilly auftreten soll. Die Stimme soll vom Band des „Vociphons“ kommen, erfunden von Danny Rushhour, der Duck-Town-Variante von Daniel Düsentrieb. Als Donalds Schockstarre den Schwindel beinahe schon hätte auffliegen lassen, erscheinen drei Mitglieder der berüchtigten Bomberos im Saloon, um auf Geheiß Clay Clevers Donald-Lilly zu entführen. Da die sich aber sehr ungeschickt anstellen, ist es für die drei Neffen ein Leichtes, ihren Onkel aus seiner Gefangenschaft zu erlösen. Clever wird gerade geteert und gefedert, als Gustav mit der Postkutsche und der echten Lilly erscheint. Die wird aber der vermeintlichen Konkurrentin Donald-Lilly ansichtig und macht empört auf dem Absatz wieder kehrt…
Immer noch ist das nicht toll, aber ein bisschen mehr groovt sich die Reihe von Martina und Scala in ihrem Zweitling schon ein. Die Figuren bekommen klarere Konturen, so auch Dusty, die C’era una volta-Dussel-Variante, der nun zu mehr gut ist, als nur Koffer zu tragen, oder die in den „goldenen Nuggets“ nur kurz eingeführten Bomberos. Sogar Esel Till (ital. Tiburzio), in der ersten Episode noch vom Heimweh übermannt, kehrt zurück. So etwas wie Humor entsteht unter anderem durch die dezent erotischen Anspielungen („Du brauchst nur deine schlanken Fesseln zu zeigen, und schon sich die Männer hin“, S. 66) und den Versuchen der Neffen, dem Saloon-Vergnügen, obwohl garantiert nicht jugendfrei, beizuwohnen. Auch die Konstruktion am Ende mit der „doppelten Lilly“ ist nicht übel. Ob aus der neuen Reihe also doch noch ein echter Knüller wird?... (8/15 - Satisfactory) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Es war einmal im Wilden Westen… Ein wirksames PR-Mittel
Im Kampf um die Schankkonzession für den Saloon am Henkersplatz bestechen sowohl Don Dago Duck als auch Clay Clever den Stadtkämmerer, mit der Folge, dass sich beide den Saloon teilen müssen. Die beiden Betreiber unterbieten sich so sehr im Preis, dass Don Dago sich auf die Suche nach einer preiswerteren Cola-Rezeptur machen muss. Doch das aromatische Haarwuchsmittel, das er in seine Cola kippt, hat für die Frisuren der Kunden Konsequenzen, mit denen er hätte rechnen können. Don Dago wird mit dem Tode bedroht, entledigt sich jedoch aller Sorgen, indem er versichert, die Friseurkosten der Stadtbewohner bezahlen zu wollen. Clever wiederum richtet in dem ehemaligen Saloon (also mitsamt Don Dagos Hälfte, die dieser ihm überlassen muss) einen Friseursalon ein. Großherzig spenden Donald und die Kinder, die mit der Entsorgung der haarigen Hinterlassenschaften beauftragt wurden, diese dem benachbarten Stamm der Seufzerindianer, deren Schicksal es von jeher ist, ohne Haare geboren zu werden. Im Tausch erhalten die Ducks „stinkendes Wasser“, das sich als Erdöl erweist. Don Dago versucht es noch einmal, aber die Quelle ausschlachten wollen dann doch lieber Donald und die Kinder selbst…
Seit „Asterix der Gallier“ gehören Sprachspiele rund um eine schnell gesprossene Haarpracht ja durchaus zu einem etablierten Comic-Kanon. Ein ähnliches Gag-Feuerwerk wie bei Goscinny/Uderzo fällt hier leider aus, doch gelingt in diesem Werk Martina/Scalas von September 1977 zumindest die Fortsetzung des Stadtteilungsmotivs aus dem ersten Comic der Reihe in einen leerstehenden Saloon, der der Wiederinbetriebnahme harrt, ganz gut. Andererseits gehören hier wie dort die Indianerstamm-Szenen zu den schwächeren Auftritten. Überrascht hat mich die Tatsache, dass es nun wohl doch eine „Stadtverwaltung“ in der Doppelstadt „Duck-Town/Clever-City“ geben soll, war Don Dago in den „fliegenden Nuggets“ doch noch stolz darauf, nicht einmal einen Sheriff zu benötigen: „Wir kümmern uns selbst um die Schurken!“ (S. 36) Schon nach zwei Monaten wird die neue Reihe also zunehmend konventionell, werden ursprünglich frische Ideen fallengelassen. Das „PR-Mittel“ des Titels bedeutet übrigens „Pracht-Regeneration“. Bei den Seufzerindianern hat das Mittel nicht gewirkt, lässt es doch nur kurze Haare schneller wachsen; wo aber nichts ist, kann auch nichts werden. (6/15 - Mediocre) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Stadträuber auf dem Lande
Die Panzerknacker wollen das Pony Blizzard von einer Weide Oma Ducks stehlen, haben neben diesen aber auch noch die Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track, den Bullen Siggi und den Sheriff gegen sich – einer davon hätte für die Bande wohl auch gereicht… Überflüssige Erzählung vom Lande, die sich in das Western-Thema nur insofern gut fügt, als darin auch ein Sheriff vorkommt. (2/15 – Very Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Der Schilderstreich
Goofy erleidet lauter Arbeitsunfälle während der Ausführung des Auftrags, ein Schild zum Tag der Unfallverhütung am Arbeitsplatz anzubringen… Die Pointe ist für einen kleinen Zweiseiter gerade noch so in Ordnung. (5/15 – Somewhat Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Goldschuß-Goofy gegen Dampfroß-Danny
Micky-Kid und Goldschuss-Goofy werden Zeuge eines vom berüchtigten Dampfross-Danny begangenen Raubüberfalls auf eine Postkutsche. Dieser Schurke ist auf einem mit Dampfkraft betriebenen, blitzschnellen Eisenpferd unterwegs. In River City, dem von den Überfällen gebeutelten Viehzüchterstädtchen, werden Micky und Goofy zu Hilfssheriffs erhoben. Ihre ersten Expeditionen, um Danny zu stellen, sind gewaltige Schläge ins Wasser. Sie werden als „Hasenfüße“ verspottet und wollen schon aufgeben, da kommt Micky ein Einfall: Sie tarnen sich als reiche Goldsucher und provozieren so einen Überfall Dampfross-Dannys. Ihren Schatz aus Nuggets, in Wirklichkeit wertlosen Steinen, haben sie mit Gulasch präpariert, dessen Fährte Susi, die kleine Koyotin im Gefolge der beiden Helden, nur liebend gern aufnimmt. So gelingt es ihnen, Danny in seinem Unterschlupf aufzuspüren. Dessen Flucht misslingt, weil Micky vorher das Dampfross sabotiert hat, das dem Schurken unter dem Hintern zerfällt. Es handelt sich um Edi, die vermeintlich minderbemittelte Bedienung im Saloon von River City. Auf der Flucht vor der Verheiratung mit einem Viehzüchtertöchterlein verzichtet Goldschuss-Goofy sogar auf die ausgesetzte Prämie…
Und noch eine Westernserie, diesmal aber aus der Mäusewelt. Aus dem Mondadori-Tagesgeschäft hatte sich Giovan Battista Carpi in der ersten Hälfte der 70er Jahre weitgehend zurückgezogen, ließ sich aber doch gelegentlich von Guido Martina für spezielle Projekte zur Rückkehr an den Zeichentisch bewegen. Im Grunde gehört bereits die Phantomias-Origin-Story Die Verwandlung (Juni 1969) in diese Kategorie. Auch der Zyklus Il segreto del totem decapitato, für den Carpi die ersten beiden Episoden beisteuerte (April 1973), ist in diesem Sinne zu interpretieren. Und wie für „Phantomias“ zeichnete Carpi auch für die Reihe Die Legende von Micky-Kid („Le leggendarie imprese di Topolino Kid“) 1974/75 die ersten Comics, bevor er den Zeichenstab grundsätzlich an Massimo de Vita weitergab. Für „Goldschuß-Goofy gegen Dampfroß-Danny“ (November 1975) steuerte Carpi aber noch einmal nicht nur die Zeichnungen, sondern auch die Story bei, die durchaus zu gefallen weiß. Das „Dampfroß“ des Gauners Edi verschmilzt geschickt zwei der großen Mythen des amerikanischen Westens: Das treue Pferd und die landnehmende Lokomotive. Zeichnerisch entwickelt sich Carpi immer mehr in Richtung eines slapstickhafteren, beschwingteren Stils, der auch Micky einige neue komische Seiten abzugewinnen vermag. In Deutschland war das I Classici „Pippo Sei colpi“ (CWD SS 64, April 1982), das die erste Micky-Kid-Geschichte wiederabgedruckt hatte, unübernommen geblieben, weshalb, ähnlich der weiter oben vorgestellten Western-Reihe aus der Entenwelt, auch hier die Reihenfolge nicht stimmt und die chronologisch die vierte Geschichte als erste erschien. Unerklärt bleibt deshalb die Herkunft der Koyotin Suzanna (Susi), sie den Helden bereits in der ersten Episode über den Weg gelaufen war. Ehapa schaffte es in den nächsten Jahren auch nicht, den „Sechsschuss-Goofy“ (wörtliche Übersetzung für „Pippo Sei colpi“), dessen deutliches Erkennungszeichen ein von einem Indianerpfeil durchschossener blauer Zylinder ist, sicher und einheitlich zu benennen. (12/15 - Great) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Besser sehen – besser dastehen
Diesmal suchen Micky-Kid und Goldschuss-Goofy dessen Onkel Gildo an der Westküste der USA. Vor zwei Jahren war der von zu Hause im Osten verschwunden, womöglich um sich in den kalifornischen Goldrausch zu stürzen, hatte dabei aber seine Brille vergessen – und die will ihm Goofy nun hinterhertragen! Tatsächlich finden die beiden den Onkel, der, weil sehschwach, in Verteidigung seiner Mine wild um sich zu schießen pflegt. Allerdings handelt es sich nicht um eine Gold-, sondern um eine Kohlenmine – auch noch mit einem Stollen-Gespenst, das Gildo das Leben schwer macht. Micky und Goofy finden heraus, dass eine Bande über dem Kohlenstollen auf eine Goldader gestoßen war, diese mit schwarzer Farbe getarnt hatte und mittels des falschen Gespensts Onkel Gildo vom Berg vertreiben wollte. Beim Showdown können die Bandenmitglieder im Stollen festgesetzt, ausgeräuchert und auf der Flucht gestellt und gefesselt werden. Zudem hatte das Feuer noch den angenehmen Nebeneffekt, das Gold zu schmelzen und in die bereitstehenden Kohlenloren zu gießen. Gildo ist reich – Micky und Goofy, die stolzen Westerner, verzichten dankend…
Die Geschichte war 1977 bereits der vierte Micky-Kid-Comic, den Massimo de Vita zeichnete. Reizvoll ist der Vergleich zu Carpi: De Vita, der am Ausgang der 70er Jahre stilistisch besonders große Fortschritte machte, zeichnet irgendwie flüssiger. Seine Figuren erscheinen deutlich eleganter, dafür hat Carpi mehr Bildwitz. Das Skript stammt diesmal von Giorgio Pezzin und ist ziemlich solide, aber eben auch etwas konventioneller als dasjenige Carpis. So einen spleenigen Onkel von Goofy lernen wir natürlich nicht das erste Mal kennen, was aber dem Spaß an der Sache nicht großartig Abbruch tut. Gegenüber Carpi fällt auf, wie wenig Pezzin mit der Koyotin Suzanna anzufangen weiß. Obwohl offenbar ständig mit von der Partie, erscheint sie nur in sechs Panels und hat eigentlich überhaupt keine Funktion. Schämen muss man sich geradezu für den furchtbaren ersten deutschen Titel der Geschichte in diesem LTB, der zu einem solchen Western schlicht überhaupt nicht passt – diese Groteske um Onkel Gildos Brille ist schlicht nichts weniger als handlungstragend. Mit der Neuauflage wurde in „Onkel Gildos Goldmine“ abgeändert, was zwar passender ist, aber im Grunde auch zu viel vorwegnimmt – denn schließlich handelt es sich anfangs ja noch um eine Kohlenmine. (10/15 – Above average) Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)
Der Palast des großen Plunka
Mickys Onkel, der Archäologe Mortimer Maus, ist in der galerischen Wüste in Nordafrika verschwunden. Micky und Goofy machen sich auf den Weg in das Höckergebirge, um selbst die Suche aufzunehmen. Doch ihr Führer erweist sich als schlimmer Finger, der dafür sorgt, dass sich die beiden mit präpariertem Brennholz selbst einschläfern. Als sie wieder erwachen, befinden sie sich in einem Palast, der ihnen als Überbleibsel des Reiches von Atlantis vorgestellt wird. Dort herrscht der „große Plunka“, der wie alle einheimischen Ruategs durch ein Tuch unkenntlich gemacht wird. Micky und Goofy entkommen aus ihrer Haft und enthüllen, dass hinter dem „großen Plunka“ der offenbar wahnsinnig gewordene Mortimer Maus steckt. Es gelingt ihnen, den irren König und seinen Diener zu überwältigen und mit dem Jeep in Richtung der nächsten Nervenklinik zu befördern…
Erst in der letzten längeren Geschichte des Bandes nix mehr mit Western – eher ein „Eastern“. Einige Splash-Panels mit Schaueffekt lassen vermuten, dass aus der Geschichte des eingespielten Duos Guido Martina/Sergio Asteriti auch ein packendes exotisches Abenteuer hätte werden können, wenn, ja wenn die Story ein bisschen weniger dröge abgespult worden wäre, und dann vielleicht noch etwas mehr Raum als die knappen 35 Seiten beansprucht hätte. Die großen Namen von Atlantis und der Königin von Saba können die Kohlen auch nicht mehr aus dem Feuer holen. So sind es mal wieder die kulturellen Kontexte, die interessanter sind: Erstens wird offenbar die Sahara zur „galerischen Wüste“ verfremdet, das tatsächlich dort liegende Hoggar-Gebirge im Deutschen zu „Höckergebirge“ verballhornt. Im Italienischen heißt es hingegen korrekt sowohl „Sahara“ als auch „Hoggar“ und auch die Einheimischen richtig „Tuaregs“. Zweitens ist die Geschichte Anlass, sich mal intensiver mit der Figur des „Onkel Mortimer“ zu beschäftigen. Wie schon in einer Geschichte in LTB 90 („Das Postkutschenrennen“ von den Barossos und Asteriti) handelt es sich auch hier offenbar nicht um den von Floyd Gottfredson bereits 1930 erfundenen Mortimer Maus, Rancher und Onkel Minnis. Es ist mehr als nur die andere Profession als Archäologe, die absolut dagegenspricht: Guido Martina hatte – und auch das bereits sehr früh, nämlich 1948 – in italienischen Disney-Comics die Figur als „Zio Martino“ eingeführt. Noch 1972 schrieb Martina eine Geschichte, in der dieser Zio Martino als Rancher auftrat (deutsch im DD 28 von 1976). Auch wenn die Italiener in späteren Jahren die internationale Konvention und den Namen „Zio Mortimer“ übernahmen, ist es nicht plausibel, dass Martina selbst nur sechs Jahre später „Zio Martino“ plötzlich umbenannt haben soll. Der Archäologe in diesem Comic heißt jedenfalls „Zio Mortymer“ mit einem „y“. Dieser Name steht im erstmals im Topolino 1192 (1978) erschienenen italienischen Original. Selbstverständlich hat Martina die Verwirrung selbst mit zu verantworten, denn die Vergabe eines „unbelegten“ Namens wäre ja ohne weiteres möglich gewesen. Es kann sein, dass Martina eine zumindest sehr ähnliche Wissenschaftler-Figur aus einem anderen Gottfredson-Comic, nämlich „Maxwell Mouse“ (aus „Mickey Takes Umbrage“ von 1953), im Hinterkopf gehabt hatte, die unter seiner Ägide in Italien „Zio Bambarone“ benannt worden war, doch geht die Wahlverwandtschaft offenbar doch nicht so weit, dass er eine weitere Gottfredson-Figur in Italien hätte klar adaptieren wollen. Man merkt: Zu den Figuren, Namen und Benennungen zwischen den USA, Italien und Deutschland ist noch lange nicht alles geklärt. (6/15 - Mediocre)
Fazit
In der Umgebung vieler schwächerer Nummern ist dieser Band fast schon ein Highlight in der problematischen „Zwischenphase“ der Frühphase der Lustigen Taschenbücher. Es steht der Reihe ganz gut zu Gesicht, dass es mit dem Western-Genre zur Abwechslung mal wieder einen thematischen Faden gibt, auch wenn die neue Reihe von Martina/Scala nicht das hält, was sie verspricht. Besser (und vor allem interessanter durch den direkten Vergleich der Zeichner Carpi und Massimo de Vita) sind die beiden Comics aus dem in Deutschland bis dato noch völlig unbekannten Micky-Kid-Zyklus. Hobrowili (Diskussion) 23:10, 23. Mai 2026 (CEST)