LTB 73: Rezension

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© Egmont Ehapa
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In diesem Artikel wird das LTB 73 rezensiert. Ob dieser Band tolles Top, ein fataler Flop oder einfach nur müdes Mittelmaß ist, erfährst du hier. Dranbleiben ;-) Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 73.

Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 73 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight Highlight, Gut Gut, Mittelmaß Mittelmaß oder Schlecht Schlecht bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!

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Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut So viel Spotlight war selten: Micky genießt offenbar seinen varietéhaften Auftritt neben dem treuen Pluto richtig. Er schwenkt einen grünen Spazierstock in der linken und offenbar denselben gelben Sommerhut, den er später auch auf dem Cover von LTB 94 tragen sollte, in der rechten. Für die Farbkombination (lila Rock, rosa Hose, grüne Fliege, hellblaues Hemd, Handschuhe und Schuhe) ist „gewagt“ ein viel zu schwaches Wort…

Dennoch gefällt mir das Cover von Giovan Battista Carpi aufgrund der klaren Zweiteilung in die schwarzen und gelben Flächen recht gut. Die grüne Schrift ist unauffällig, nimmt aber immerhin die Farbe der Fliege aus der Mitte des Bildes wieder auf. Das hat für mich einen klassischen Zuschnitt, was aber auch damit zu tun hat, dass dies eine der ersten LTB-Ausgaben gewesen sein muss, die ich bereits im Monat ihres Erscheinens (März 1981) las. Das Cover entstammte übrigens einem viel älteren Band der I Classici – dem Band 44 der „Prima Serie“, „Topolino Ciak“ (1972). Das Cover der Vorlage dieses LTB, „Topolino zoom!“ (CWD SS 42, Juni 1980), wurde etwas später der Titel unseres LTB 80 (März 1982). (9/15 – Somewhat good) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Rahmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlecht Anfangs ist allenfalls erwähnenswert, dass Dalmasso/Perego den Onkel Gabriel, von dem in Barosso/Rotas einleitendem „Micky und der Herdentrieb“ nur die Rede war, auch noch in Szene setzen. Ansonsten hangelt man sich halt so durch. Interessant wird’s erst am Ende. Neben dem Cover wurde auch die letzte Geschichte „Das Gespenst, das keines war“ von Martina/Carpi aus CWD PS 44 übernommen. Diese brachte ein Stück Rahmengeschichte mit, das mit der restlichen Rahmenhandlung deshalb in keiner Verbindung steht. Es wird darin eine Premierenparty für den Film „Das Gespenst, das keines war“ dargestellt. Kommissar Hunter beklagt sich anschließend darüber, dass „diese Falschgeldaffäre“ auch noch verfilmt werden musste. Er schlägt sodann vor, statt dieser Gebrauchsanweisung für Fälscher eine Reihe von Micky-Abenteuerfilmen in die Kinos zu bringen. Im Originalband CWD PS 44 folgte hier noch das Micky-Abenteuer „Die Operation Piranka Kuka Baruka“ von Martina/Asteriti. In der deutschen Fassung ist es ein Anachronismus, dass ein Filmplakat noch darauf hinweisen darf (als „Micky im Banne des Piranka“, S. 251), der dazugehörige Streifen aber, obwohl wir Micky und Minni noch in das prachtvolle Filmtheater schreiten sehen, nicht folgt – in Deutschland erschien der Comic erst in LTB 87. (3/15 – Really bad) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Barosso/Rotas "Micky und der Herdentrieb" schafft eine feine Gottfredson-Hommage in modernerem zeichnerischen Gewand (© Egmont Ehapa)

Micky und der Herdentrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Micky Maus, Rudi Ross und Goofy treiben im Auftrag von dessen Onkel Gabriel eine Viehherde nach Ochsenhausen. Micky und Rudi reiten voraus in den Ort, um in Erfahrung zu bringen, wann der Zug mit Minni und Klarabella an Bord dort eintreffen werde. Karl Ohnesorg, Viehhändler, Bürgermeister, Sheriff und Viehdieb in Personalunion, lässt die Freunde mit K.-o.-Tropfen schachmatt setzen. Als sie wieder zu sich kommen, ist Goofy gefesselt und die Herde weg. Micky lässt sich zum Sheriff ernennen und folgt mit seinen Freunden der Spur der Rinder. Derweil lässt Ohnesorg die beiden Damen kidnappen, um die drei zum Rückzug zu bewegen. Zum Schein gehen sie darauf ein, kehren aber des Nachts zu dem Flusslauf zurück, an dem die Tiere offenbar spurlos verschwunden waren. Sie finden sie grasend – aber mit gefälschtem Brandzeichen. Erstaunt stellen sie fest, dass Kater Karlo seine Hände mit im fiesen Spiel hat. Die Herde hatten er und seine Bande in eine von einem hydraulisch anzuhebenden Stein verschlossene Höhle gelotst. Doch jetzt gewinnen die Freunde, verstärkt durch die befreiten Minni und Klarabella, die Oberhand. Da kann auch der saubere Herr Ohnesorg, der im Zweispänner seinen Komplizen zu Hilfe eilt, nichts mehr deichseln…

Der Mailänder Marco Rota war bereits 1962 als 20-jähriger zu Mondadori gestoßen, hatte sich zunächst aber noch auf Illustrationen beschränkt. In Deutschland legendär ist das Titel-Cover von LTB 1, „Der Kolumbusfalter“ (1966). Seine ersten achtseitigen Comics von 1970 mit Gamma als Titelfigur weisen noch ein sehr überschaubares zeichnerisches Niveau auf. Umso erstaunlicher, wie positiv und schnell sich seine Mäuse und Enten seit 1971 entwickelten – nehmen wir etwa das Indien-Abenteuer „Der Tiger mit der blauen Schleife“ (LTB 54) aus demselben Jahr. Bevor Rota 1974 künstlerischer Leiter der italienischen Disney-Produktion bei Mondadori wurde und damit in der Tagesproduktion zunächst deutlich kürzertrat, blieb er hauptsächlich den Mäusen verbunden. So berechenbar das Skript der Barossos für „Micky und der Herdentrieb“ ist, so elegant, ja geradezu gediegen wirken Rotas Figuren und ihre Bewegungen, so liebevoll ausgearbeitet sind seine Settings und manche Panel-Folgen (z.B. die Sequenzen auf dem Güterwaggon, S. 35). Besonders die Beteiligung von damals in Italien bereits weniger verwendeten Figuren wie Rudi Ross und Klarabella Kuh legen es übrigens nahe, dass die Barossos bewusst an die amerikanischen Comic-Strips von Floyd Gottfredson anknüpfen wollten: Dessen Kampf gegen die Viehdiebe (dt. auch „Micky und der Kampf gegen die Schwarzbart-Bande“) von 1933 sieht dieselben fünf Helden in ähnlichen Umständen beschäftigt. Es kommen auch gefälschte Brandzeichen vor und eine Western-Gitarre. Goofy, bzw. Dippy Dawg, wie er damals noch hieß, nervt alle mit seiner jaulenden Maultrommel, wie bei Barosso/Rota mit seinem verqueren Gesang. (11/15 – Pretty good) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Micky und die „Blütenmeer“-Blüten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelmaß In der Stadt ist ein Mann unterwegs, der mit dem Satz „Mein Name ist Blütenmeer!“ an Passanten 100-Taler-Scheine verteilt – einfach so. Goofy bekommt auch einen ab. Die Polizei vermutet, es mit einem besonders geschickten Fälscher zu tun zu haben: Alle Experten erkennen die Scheine als echt, aber der geheimnisvolle Spender selbst erklärt sie für falsch und will mit der Drohung, weitere „Blüten“ zu verteilen, eine Million Taler in kleinen Scheinen erpressen. Meisterdetektiv Micky aber recherchiert in einer Bank und erkennt den psychologischen Trick: Die Scheine sind tatsächlich echt, aber dadurch, dass die Polizei denkt, sie seien falsch, hat der Gauner plötzlich Aussicht auf ein kleines Vermögen. Als Micky und Goofy diese Neuigkeit der Polizei aus einer Telefonzelle mitteilen wollen, gibt der Boden nach und sie stürzen in die Tiefe – Blütenmeer selbst hatte diese Zelle bereits als Fluchtweg genutzt. Blütenmeer wartet in einem der ungenutzten U-Bahn-Schächte unter der Stadt auf seine Jäger – doch er hat die Rechnung ohne Micky gemacht. Goofy macht den Nicht-Fälscher mit einem Insektenvertilgungsmittel unschädlich und die Polizei ist auch schon unterwegs, weil der eingegangene Anruf in die nämliche Telefonzelle zurückverfolgt werden konnte…

Guido Martinas Plot-Idee ist prima – darauf muss man erst einmal kommen, echte Banknoten für falsch zu erklären und daraus noch seinen Gewinn zu ziehen. In der ersten Hälfte der Geschichte bleibt man deshalb sehr gerne am Ball und es gibt auch einige von Giovan Battista Carpi gut umgesetzte Ideen, die das Geheimnis um diesen Blütenmeer noch vertiefen, etwa die Verfolgungsjagd eines Polizisten auf den unbekannten Gönner, die an einer ausgestorbenen Straßenkreuzung endet (S. 61). Das Ende – etwa die letzten elf Seiten – empfinde ich hingegen als mau. Vor allem der so aufwendig und interessant eingeführte Gegenspieler Mickys wird völlig entwertet, bis nur ein „Komiker“ (S. 86) übrigbleibt. Völlig unklar, warum Micky dazu drängt, dem „Herrn Superschlau“ (S. 84) mit der Spraydose zu Leibe zu rücken und seinen Freund Goofy damit in Gefahr zu bringen, weiß er doch, dass jeden Moment Hunter und seine Leute eintreffen müssten. Mal wieder versagt Martina auf den allerletzten Metern. (8/15 - Satisfactory) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Goof mit Goofy in Pavese/Asteritis "Saure-Gurken-Zeit": Grundsätzlich trägt Goofy in dieser Szene eine Kochmütze - aber eben nicht in jedem Panel (© Egmont Ehapa)

Saure-Gurken-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelmaß In den Feinkostladen von Rudi Ross wurde eingebrochen und alle Essiggurkengläser zerdeppert. Dasselbe passiert in zwei weiteren Läden. Die Polizei, auch weil Inspektor Issel statt des urlaubenden Kommissar Hunter die Ermittlungen leitet, kommt nicht weiter. Parallel scharwenzelt der ebenfalls in der Gurkenbranche agierende Siggi Sauer auffällig um Minni herum. Micky findet heraus, dass alle drei Läden denselben Zulieferer hatten – die Saguco-AG, für die auch Sauer arbeitet. Nun lässt Micky die drei restlichen belieferten Läden in der Nacht bewachen – und in den, für den er zuständig ist, steigt tatsächlich ein Dieb ein. Micky wird überwältigt und verschleppt, kann aber entkommen. Er kehrt zu Minni zurück, die Goofy gerade Gurken servieren lässt – doch stattdessen findet der in den Gläsern „Glasscherben“, die sich als Diamanten erweisen. Sauer ist als Gast geladen und zückt die Pistole – er arbeitet für einen internationalen Diamantenschmugglerring, war diesmal aber zu spät dran, der Auslieferung der Ware an die Kunden zuvorzukommen. In einer Verfolgungsjagd zwingt Micky den Gurken-Gangster in einen Unfall, den nur er und Minni unbeschadet überstehen…

Es folgt auch von Sergio Asteriti nicht gerade sein bester Krimi. Osvaldo Pavese langweilt mit der vorhersehbaren Anlage der Story. Hätte es neben diesem Unsympathen Siggi Sauer nicht wenigstens noch einen zweiten Verdächtigen geben können?… Sauer seinerseits scheint es von Anfang an auf seine Enttarnung angelegt zu haben, schließlich geht er mit Micky und Minni in das Lokal „Alt-Andalusien“ tanzen, direkt über dem Feinkostladen, in den er in der Zeit seiner unerklärlichen Abwesenheit einsteigt, was Micky am nächsten Tag unweigerlich würde auffallen müssen (Tatsächlich muss er aber von Goofy darauf aufmerksam gemacht werden). Und warum hat Sauer überhaupt einen Narren an Minni gefressen, gerade zu einer Zeit, wo er sich doch dringendst um „seine“ Diamanten kümmern müsste, und macht sich damit auch noch einen Meisterdetektiv zum Feind?... Wie zum Hohn fragt sich der vermummte Sauer im Laden von Herrn Weinlaub, den ohnmächtigen Micky vor sich am Boden: „Wieso ist mir der Kerl nur auf die Schliche gekommen?“ (S. 106) Gute Seiten hat dieser Comic vor allem in den kleinen Nebensträngen, etwa als, aus seiner Gefangenschaft entkommen, Micky per Anhalter von einem bärtigen Sonntagsfahrer mitgenommen wird: „Ich hab‘ ja doch keine Bremsen!“ (S. 112) (6/15 – Below average) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Das unfehlbare Roskop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Ein gewisser Herr Wolf kauft Goofy sein Haus, das keine 5000 Taler wert ist, für 25000 ab. Micky schöpft Verdacht und beobachtet den Käufer, der vorgibt, mit seinen Helfern das Haus renovieren zu wollen. Da Micky aber Grabwerkzeuge erkennt, vermutet er, dass etwas anderes dahintersteckt. Ein Kanalisationsplan bringt Micky auf die Spur, dass die Bande wohl das Bankhaus Rott & Co. ausräumen will. Als er die Information an die Polizei weitergibt, erfährt er, dass der unsympathische Inspektor Wiesel den Posten von Kommissar Hunter eingenommen hat, der in den Streifendienst zurückversetzt wurde. Zufällig sehen Micky und Goofy, beim Angeln Herrn Wolf auf einem Motorboot, das er an unzugänglicher Stelle vertäut. Micky fällt es jetzt wie Schuppen von den Augen: Nicht das Bankhaus ist das Ziel, sondern eine alte Zweigstelle des Gefängnisses – und die Aktion ist schon für die kommende Nacht geplant! Der Häftling Karli Knack soll befreit werden, dessen Verlegung ins Zentralgefängnis für den nächsten Tag terminiert ist. Micky alarmiert Hunter und seine mit ihm zwangsversetzten Leute – die bei der Befreiungsaktion für Knack auf Zack sind. Die Ehre Hunters ist wiederhergestellt und die Geschichte Wiesels als Kommissar schon wieder zu Ende…

Entenhausener Vitamin B in Martina/Gattos "Das unfehlbare Roskop" (© Egmont Ehapa)

Dieser Krimi von Guido Martina und Luciano Gatto hat mehr Raffinement. Die Story wird recht beiläufig auf den Weg gebracht: Goofy zeigt Micky sein „Roskop“ (verballhornt für „Horoskop“), nach dem er angebotenes Geld nicht ablehnen solle. So kommt er ins Erzählen über seinen auf diese Weise natürlich auf der Hand liegenden Hausverkauf. Das „Roskop“ spielt in der Folge gar keine Rolle mehr, aber eigentlich ist diese falsche Fährte (übrigens auch schon im italienischen Original) ganz geschickt gelegt. Durch die zusätzliche Erzählebene des „Ich will Kommissar werden anstelle des Kommissars“, also die ganze Wiesel/Hunter-Handlung, gewinnt der Comic ungemein. Dass der Ausgang am Ende dem belämmerten Wiesel auf dem Kommissariat nur berichtet wird, bricht zumindest ein wenig mit den manchmal etwas stumpfsinnigen Erzählroutinen Guido Martinas gerade gegen Ende einer Geschichte. Und schließlich gibt es ja noch diese eine Wendung im Erzählfaden, der Einsicht Mickys, sich beim ersten Versuch geirrt zu haben, die einen für die Story einnehmen. Am Schluss gibt es sogar noch so etwas wie einen Gag: Das Pferd, auf das Goofy seine Belohnung für die Ergreifung des Ausbrechers Karli Knack gesetzt hat, ist gar nicht an den Start gegangen. Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich eine Micky-Geschichte Gattos, der bei den Enten meist etwas stärker ist, in den „guten“ Bewertungsbereich vorkämpfen konnten. (9/15 – Somewhat good) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Micky und die Bombensache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlecht Es ist Winter in Entenhausen, und auf matschiger Fahrbahn werden die Spaziergänger Micky und Goofy beinahe Opfer eines Auffahrunfalles. Die beiden finden in einer Nebenstraße den verwaisten Wagen, der sich als gestohlen herausstellt. War es ein Anschlag? Der am Vortag aus dem Gefängnis ausgebrochene Panzerschrank-Knacker Didi Dynamo, der Micky Rache geschworen hat, käme als Urheber in Frage. Um den Kopf freizubekommen, gehen die beiden Freunde Ski fahren. Nach einem Unfall finden sich beide in einem Keller an einen Heizkörper angekettet wieder. Und tatsächlich sind es Dynamo und sein Komplize Dodo, die hinter der Entführung stecken. Ihr Plan: Micky soll, hinten in ihrem Wagen sitzend, dafür sorgen, dass sie von den Grenzpolizisten ins Nachbarland durchgewunken werden. Ihr Druckmittel: In einem Nebenraum im Keller sitzt offenbar Minni, die, so die Drohung, in die Luft gesprengt werden soll, wenn Micky sich an der Grenze verplappert. Doch der hat keine Hemmungen, Streifenpolizisten auf sich und die Entführer aufmerksam zu machen. Sein Kalkül: Er meint richtig kombiniert zu haben, wo sich das Kellerversteck befindet, und er behält Recht. Doch die vermeintliche Minni erweist sich als Puppe und auch die Bombe nur als Attrappe…

Auch in den Siebziger Jahren war Pier Lorenzo De Vita, Vater des heute besser bekannten Massimo De Vita und Zeichner der allerersten italienischen Duck-Parodien aus den 50er Jahren („Don Quichotte“, 1956, LTB 60) noch ein vielbeschäftigter Zeichner, aber nur noch sehr selten konnte er sich in gewisse zeichnerische Höhen aufschwingen. Auch LTB 73 zieht De Vita eher herunter. Es missfällt konkret, wie er auf den letzten Seiten vergisst, dass er die ersten Seiten noch in einem schäbig-braunen Stadtwinter hatte beginnen lassen. Natürlich kann es auch sein, dass mittlerweile Tauwetter eingesetzt hatte. Auch an der Story von Guido Martina ist wenig Gutes. Am besten sind noch die Beispiele für Mickys Kombinationsvermögen gelungen. Ähnlich wie Siggi Sauer im Martina/Asteriti-Krimi weiter vorne im Band haben sich Dynamo und Dodo ihr Schicksal nun wirklich selbst zuzuschreiben. Wer lässt schon einen gestohlenen Wagen quasi direkt vor dem Kellerfenster eines „Geheimverstecks“ stehen? Wieso legen sie sich überhaupt mit Micky an, wo es doch ihr erklärtes Ziel ist, über die Grenze zu entkommen? Man mag darüber meckern, dass es in Entenhausen viel zu einfach ist, aus dem Knast zu entkommen. Man sollte viel mehr darüber den Kopf schütteln, dass sich die Entenhausener Verbrecher viel zu einfach wieder fassen lassen. (4/15 - Poor) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Das Gespenst, das keines war[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martina/Carpi zeigen "Das Gespenst, das keines war" (sondern vielmehr ein Laken) (© Egmont Ehapa)

Gut Goofy gerät beim Versuch, im Speicher seine Geburtsurkunde zu finden, unter eine Bücherlawine. Um ihn aus seiner folgenden Bettlägerigkeit zu erlösen, nimmt Micky ihn mit zur Bärenklause, eine Burgruine, von der er einige Fotos für eine Festbroschüre zum 100-jährigen Geburtstag Entenhausens machen will. Als er mitbekommt, dass Goofy seit seinem Unfall offenbar Bücher im wahrsten Sinne des Wortes „verschlingt“, fährt er mit ihm zurück zum Arzt, der die „Bücherwurm-Krankheit“ diagnostiziert. Deren Patienten können sich an die Inhalte der verzehrten Bücher erinnern. Als Micky seinen Freund das nächste Mal besucht, ist der davon überzeugt, ein Gespenst zu sein, denn auch auf dem Rathaus gebe es keine Geburtsurkunde von ihm. Micky ist beunruhigt über Goofys Geisteszustand und verbringt deshalb die Nacht bei ihm, in der dieser beginnt zu schlafwandeln – und zwar direkt zurück zur Burgruine. Dort scheint ein echtes Gespenst umzugehen, das die beiden Freunde einsperrt und ihnen unter unheimlichem Gelächter droht. Goofy verspeist einige achtlos herumliegende Blätter und erinnert sich sodann an ihre Inhalte über die Geheimgänge der Burg, wodurch sie sich aus ihrer Lage befreien können: Offenbar handelte es sich um jene Seiten aus mutwillig beschädigten Büchern aus der Stadtbibliothek, von denen zuvor Kommissar Hunter im Zusammenhang mit Neuigkeiten über in der Stadt aufgetauchtem Falschgeld berichtet hatte. Micky kombiniert, dass der Fälscher im Kostüm des Gespenstes steckt, das ihnen nach einer Verfolgungsjagd über die Zinnen der Burg noch einmal durch die Lappen geht. Micky bekommt heraus, dass das Falschgeld offenbar in präparierten falschen Holzscheiten in die Stadt geschafft wurde, und demaskiert einen vermeintlichen Holzfäller als Übeltäter. Beim Stelldichein im Kommissariat kann Hunter dann auch Goofy beruhigen: Einige Standesamtsunterlagen aus dem Rathaus waren einmal bei einem Brand vernichtet worden, doch im Polizeipräsidium gebe es diese Akten noch einmal auf Mikrofilm. Die Geschichte endet damit, dass Goofy als „ehemaliges Gespenst“ Führungen in der Bärenklause anbietet…

Das Hauptwerk dieses Bandes mit seinen 59 Seiten ist gut – aber gewiss nicht so gut, wie es sein könnte. Seine Erstpublikation 1967 fiel nämlich in Jahre, in denen Zeichner Giovan Battista Carpi einigermaßen die Lust an den Mäusen vergangen zu sein schien. Nach dem Hit „Micky als Kurier des Zaren“ (1966, mit Gian Giacomo Dalmasso, LTB 17) folgten halbgare Abenteuer wie „Die Rebellen von Halunkistan“ (1968, mit Guido Martina, LTB 34). Für diesen Comic, dem Gudrun Penndorf den atmosphärischen deutschen Titel „Das Gespenst, das keines war“ verpasste, erfindet Guido Martina immerhin einmal mehr einen ganz schön mystery-schwangeren Plot, den auch ein unmotivierter Carpi nicht kaputtkriegen kann. In vielerlei Hinsicht schreibt Martina für Carpi ein ähnlich geheimniskrämerisches Werk wie kaum einen Monat zuvor für Sergio Asteriti „Die Operation Piranka Kuka Baruka“, die zufälligerweise im in Deutschland nicht übernommenen CWD PS 44, „Topolino Ciak“ (1972) auf „Topolino contro il fantasmo solitario“ – so der italienische Titel – folgte. Das deutsche LTB 73 basierte ja aber auf dem deutlich späteren Band CWD SS 42 „Topolino zoom!“ (1980). Gegenüber dem Original ersetzte der damit auch deutlich ältere Comic aus dem damals liegengelassenen Band einiges amerikanische Material von Paul Murry, vor allem aber einen 30-Seiter von Dalmasso und Giancarlo Gatti, der verbrannt war, weil er erst ein Dreivierteljahr zuvor in einer Donald Duck-Ausgabe (DD 109) in Deutschland abgedruckt worden war. Gegenüber der drohenden Alternative eines Dalmasso/Gatti ist „Das Gespenst, das keines war“ jedenfalls ein echter Zugewinn – wegen einige grusliger Gespenstersequenzen und dem Kuriosum eines bücherverschlingenden Goofy. (11/15 – Good) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Goofy und der Bärenhunger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Goofy, Micky und einer von dessen Neffen erfahren im Nationalpark, wie sich Bären angesichts der Besucherströme zivilisatorisch weiterentwickelt haben… Wirklich netter Zweiseiter von Del Connell und Manuel Gonzales als Rausschmeißer – auch er im Original-CWD nicht enthalten. (10/15 – Quite good) Hobrowili (Diskussion) 23:05, 4. Okt. 2026 (CEST)

Fazit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ein LTB der besonders disparaten 70er-Nummern hat dieser Micky-Band trotz des Bruchs in der Rahmengeschichte (S. 188/248) noch einen halbwegs vernünftigen Zusammenhalt: Auf irgendeine Weise greift Micky ja schließlich immer ein. Als Anspieltipps empfehlen sich Marco Rotas Western-Opener und Martina/Carpis klassischer Mystery-Krimi am Bandende. In der Mitte verbirgt sich mit „Das unfehlbare ‚Roskop‘“ von Martina und Luciano Gatto sogar noch ein kleiner Geheimfavorit.