LTB 88: Rezension

In diesem Artikel wird das LTB 88 rezensiert. Ist dieser Band einen Kauf wert oder sollte er lieber im Kiosk stehen bleiben? Du weißt es nicht? Dann lies das! Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 88.
Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 88 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight
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bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!
Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Donald – besser gesagt Sandonald, wie wir weiter hinten im Band erfahren – schwingt sich, den scharfen Säbel gezückt, an einem Schiffstau über das Deck eines Segelschiffes, bereit, das nächste Handelsschiff zu entern, wenn nicht gar die Welt zu erobern. Oder will er einfach nur Daisy beeindrucken? Die jedenfalls ist, rechts unten im Bild, augenscheinlich entzückt von so viel Ehrgeiz…
Dass Giovan Battista Carpi hier ein großartiger Wurf gelungen ist, liegt sicher auch daran, dass er diesmal auf dem Cover eine eigene Geschichte illustrieren durfte, „Die Perle von Labuan“. Das Motiv hält wunderbar die Schwebe zwischen echtem Heldenmut und leisem Spott darüber. Und wie kleidsam Donald daherkommt, mit diesem Turban, dieser dicken Perlenkette und dieser wertvollen Weste aus Goldbrokat! Der hellblaue Hintergrund und die schwebenden Möwen passen ganz wunderbar ins Bild, und auch der Titel „Donald sticht in See“ macht Appetit auf mehr. Interessant ist der blaue Rahmen um das Hauptmotiv, das dadurch eine Anmutung von Fernsehbild erhält. (14/15 – Brillant) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Rahmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Lobenswert, dass sich Ehapa im Jahr 1983 erstmals mit Vorsatz der italienischen Nebenreihe I Grandi Classici widmete, und zwar dem vierten, im April 1982 erschienenen Band. Nachdem man 247 Seiten bestückt hatte – mehr Geschichten aus dem 460 Seiten dicken Originalband abzudrucken, war nicht möglich – blieben noch 7 Seiten übrig, die man aus einer Rahmengeschichte gewann, die dem nicht übernommenen I-Classici-Band „Paperino Tutto Bene“ (April 1979) entstammte. Zwei andere Stücke dieser Rahmengeschichte hatte man bereits für zwei frühere LTBs (LTB 69 und LTB 71) verwurstet. Giuseppe Perego zeichnet wie immer sehr schlecht, aber ganz so übel passen die sieben Seiten nun auch nicht in den Kontext dieses Bandes: Die Kinder schlagen ihrem pechgeplagten Onkel Donald vor, die von Primus von Quack „nach Abschluß seines 48. Vollstudiums“ neueröffnete „Praxis für Nerven und Gemütsleiden“ zu besuchen. Donald legt sich also bei Onkel Primus auf die Couch und verbringt die folgenden „drei Wochen im kontrollierten Tiefschlaf“. Die sechs Geschichten des Bandes seien also das, was Donald „im Heilschlaf erlebt“. Am Tag meines Besuchs im Freud-Museum in Wien habe ich gerade Lust dran zu erinnern, wie weitgehend der „Wiener“ Professor Primus von Quack, der 1961 für eine amerikanische Disney-Fernsehserie erfunden wurde, an die Figur des Erfinders der Psychoanalyse, Sigmund Freud, angelehnt ist. Von wegen 48. Vollstudium – Primus von Quack ist ein „natural born psychoanalyst“. (4/15 – Bad) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Der Traum vom Schwarzen Korsaren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donald schuldet Onkel Dagobert einen Taler und flüchtet sich in eine von Daniel Düsentrieb konstruierte Zeitmaschine – für Hinreisen. Donald findet sich auf einem Piratenschiff wieder und wird von dessen Besatzung mit einer Daisy ähnelnden Kommandantin an der Spitze als blinder Passagier gebrandmarkt und für niedrigste Arbeiten missbraucht. Ihm folgt Onkel Dagobert, an seiner Seite Polizeihund Hektor, auf dem Fuße. Doch er wird für den Onkel der Daisy-Piratin, den eigentlichen, lange gefangengehaltenen Kommandanten des Schiffes, den Schwarzen Korsaren, gehalten, und entsprechend eingekleidet. Die Ober-Seeräuberin findet allerdings Gefallen an Donald und stiehlt sich mit ihm des Nachts in einem Beiboot davon. Parallel dazu kann aber, am Tag seiner geplanten Hinrichtung, der echte Schwarze Korsar aus seiner Haft entfliehen. Er steuert geradewegs die Insel an, auf der er, unbemerkt von seiner Besatzung, ein Geheimvermögen gehortet hatte. Er kommt sich dabei mit seiner Nichte und Donald in die Quere, die es zufällig an die Gestade derselben Insel verschlagen hatte. Der Schwarze Korsar will den Eindringling loswerden und in die Luft sprengen. Doch währenddessen hatte Düsentrieb im zukünftigen Entenhausen die Zeitmaschine perfektioniert. So kommen Tick, Trick und Track, die in einer Flugmaschine auf Rettungsmission für ihre Onkels geschickt werden, gerade noch zurecht, die Zündschnur zu löschen. Auch Dagobert wird gerettet und das Piratenschiff, auf dem er bis zuletzt als Kommandant agierte, gesprengt. Die Seeräuber retten sich auf die nämliche Insel, auf der sie ihrem Kommandanten, der sie betrogen hatte, hinterherjagen. Die Ducks aber können in ihre Gegenwart zurückkehren – hier geht die Jagd weiter, denn die Schulden von einem Taler hat Donald ja schließlich immer noch nicht beglichen…
Es gibt kaum eine Figur, die Luciano Bottaros Disney-Philosophie so gut auf den Punkt bringt wie die „obskure“ Figur des Dagobert-Pirat (ital.: Corsaro Nero). Bereits 1959 hatte Bottaro unter Beteiligung seines gelegentlichen, kongenialen Mit-Autors Carlo Chendi den ersten Comic geschaffen (deutsch erst in LTB 365 als „Die Insel der Piraten“, 2007), in dem eine Gestalt auftauchte, die Dagobert glich wie ein Ei dem anderen, aber eben Piratenkleidung trug und vor allem eindeutig nicht mit ihm identisch war. Bottaro waren mit dieser Figur Verfremdungseffekte möglich, die an den Rand dessen führten, was unter dem Label „Disney“ möglich war. Ebenso ist die Figur als eine Verkörperung nicht ausgelebter, archaischer Persönlichkeitszüge des „zivilisierten“ Entenhausener Bürgers Dagobert Duck zu interpretieren. Ähnlich wie beim „Dr. Faust“-Stoff, mit dem sich Bottaro im Abstand von mehreren Jahrzehnten zweimal beschäftigte, sollte auch sein Dagobert-Pirat nur in sehr lockerer Folge sein Werk punktuell bereichern: Erst 1969 folgte der nächste Auftritt (LTB 27), danach, wie es aussieht, 1975 (LTB 72) und 1977 (LTB 88) nur noch zwei weitere. Diese Geschichte hier, „Der Traum vom Schwarzen Korsaren“ (ital. etwas treffender „La nipote“, also „Die Nichte“ des Corsaro Nero), ist also schon die letzte der kleinen Reihe. Wieder wird die Handlung durch ein Zeitreise-Motiv in Gang gesetzt, das aber ebenso originell strukturiert und motiviert ist wie bei den drei vorherigen Auftritten. Auch wenn die früheren Arbeiten etwas stärker gewesen sein sollten, können wir uns auch hier an vielen Beispielen Bottaroscher Skurrilität erfreuen. Ich nenne nur mal den Polizeihund Hektor, zwischenzeitlich Steuermann des Piratenschiffs, den zu zeichnen Bottaro schon vergessen zu haben schien, bevor er auch ihn durch die Kinder wieder in die Gegenwart ausfliegen lässt. (11/15 – Good) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Alte Liebe rostet nicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ritter Dagobald zu Dagoburg, ein eingefleischter Junggeselle, muss sich der Nachstellungen Brigittas von Berlingen erwehren. Da kommt ihm der Einfall, den fahrenden Sänger Donald von der Antenweide seine Verehrerin ansingen zu lassen. Unter dem Vorwand, der Minnesänger habe dadurch das Edelfräulein kompromittiert, lässt Dagobald durch seine Dienerschaft Donald zur Heirat mit Brigitta drängen. Dieser steht nun vor seiner Verlobten Daislinde dumm da. In seiner Not wendet er sich an einen Alchemisten, der rät, durch ein Streikelixier die Leibgarde Dagobalds schachmatt zu setzen. Doch die Ampulle zerbricht und der Wind treibt die Dämpfe in Richtung der Stadt, in der folglich die Bewohner alles stehen und liegen lassen. Derweil flüchtet sich Donald zu seinem Vetter Gustav Gans jenseits der Eisach, wo Claus von Cleveland herrscht, ein Neider und Konkurrent Dagobalds. Im letzten Moment sabotiert Claus die bereits abgemachte Auslieferung des fahrenden Sängers. Donald berichtet Brigitta alles, und die verbündet sich jetzt mit Daislinde gegen den hinterlistigen Ritter und setzt die Steuerbehörden gegen ihn in Bewegung. Am Ende wird Dagobald auf dem Marktplatz der Stadt an den Pranger gestellt…

Der Zeichner Giulio Chierchini hat im Verlauf seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für Disney Italia wahrlich manche Tiefen durchwatet. Da kommt diese lange, aber nie langweilige Geschichte geradezu als ein unerwarteter kleiner Meilenstein in der Karriere des Genuesers daher. Wie für eine zweite Geschichte aus demselben Jahr 1976 holte sich Chierchini, der überhaupt erst 1975 seine erste Geschichte sicher selbst geschrieben hatte, den jungen Edoardo Segantini (*1950) als Co-Autor mit ins Boot, der dem Gesamtergebnis merklich guttut. Durchgängig hat „Alte Liebe rostet nicht“ einen erfrischenden Witz in Bild und Text, ohne auf den für diesen Zeichner typischen Hauruck-Humor zu verzichten. Unter vielen Highlights seien mal nur die vor unausgetragener Post überquellende mittelalterliche Stadt, Claus von Clevelands „Minne-Rocker“ mit Beat-Frisuren und die käferartigen „Super-Eintreiber“ genannt. Die Dämpfe aus dem Elixier werden fein zur „Streikwelle“ abstrahiert. Das italienische Original nimmt – auch wenn die Handlung wirklich nur vage Anleihen enthält – Bezug zum historischen Roman „I Promessi sposi“ („Die Verlobten“) von Alessandro Manzoni aus den Jahren 1825–27, der die englischen Romane Walter Scotts zum Vorbild genommen hatte. Gudrun Penndorf gibt der deutschen Übersetzung einen Drive in Richtung deutsches Mittelalter, indem Chierchinis Held Paperenzo zu einer Persiflage auf den berühmten Minnesänger Walther von der Vogelweise wird. Penndorf nutzt auf S. 94–96 Auszüge aus dessen Minnelied „Under der linden“, wo es unter anderem heißt: „Under der linden an der heide,/dâ unser zweier bette was,/Dâ muget ir vinden/schône beide/gebrochen bluomen unde gras.“ Penndorf ändert hauptsächlich „Bette“ zu „Lager“, wohl um den Text weitestmöglich zu desexualisieren. Hingegen ist das Lied, das Daislinde auf S. 102 singt („Wenn ich ein Vöglein wär‘… und auch zwei Flügel hätt‘“), zwar thematisch verwandt, aber nicht von Walther, sondern ein deutsches Volkslied, das erst seit dem 18. Jahrhundert überliefert wurde. Alle drei – Chierchini, Segantini und Penndorf – machen in „Alte Liebe rostet nicht“ einfach sehr, sehr vieles richtig. (12/15 – Really Good) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Carmen olé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der junge Sänger Don Dosé hat sich Hals über Kopf in die schöne Tabakhändlerin Carmen verliebt. Doch die nutzt ihn nur aus – ausstaffiert wie ein Dragoner, soll er dafür sorgen, dass das Schmugglerboot nicht von den Grenzpolizisten aufgebracht wird. Doch das funktioniert nicht und Carmen lässt Don Dosé über die Klinge springen. Als der Sänger aus der Haft entlassen wird, schwört er Rache an Carmen und dem Torero Gustavillo, mit dem sie heimlich liiert ist. Er ersetzt für den nächsten Stierkampf dessen Schwert durch eine Klinge aus Kristall, die er aus dem Privatmuseum seines Onkels, des Zigarettenfabrikanten Don Berto y Duckas, entwendet hat. Zwar wird Gustavillo mit Schimpf und Schande aus der Arena gejagt, doch Don Dosé ergeht es auch nicht besser, weil er sich vor seinem Onkel in Sicherheit bringen muss – die im Kampf zerbrochene Klinge war einmalig und überaus wertvoll…

Jetzt erst, auf S. 146, erhält der bereits so erbaulich gestartete Band noch einmal einen neuen Drive. Giovan Battista Carpi zeichnete am Ende der 1970er Jahre nicht mehr gerade viele Geschichten – drei seiner literarischen Adaptionen aus diesem Zeitraum präsentiert LTB 88. Den Anfang macht „Carmen olé“ (1979), eine Parodie auf die Oper von George Bizet, die jedoch mit einigen Motiven des Figaro-Stoffs (verarbeitet von Mozart und Rossini) gekreuzt werden. Auch einige musikalische Nummern aus der Oper werden in deutscher Übersetzung präsentiert – so bereits im Eingangspanel der Chor der Tabakarbeiterinnen aus dem 1. Akt, „Sehet, wie Raucheswolken ziehn“, hier allerdings gesungen von Don Dosé, oder die berühmte Blumenarie, „Dein ist mein Herz und ewig dir gehör ich an“, aus dem 2. Akt (S. 151). Ansonsten ist der Zugang zum Opernstoff naturgemäß eher oberflächlich, aber nichtsdestoweniger genussvoll. Leider hat Texter Guido Martina niemand auf die Finger geklopft, als der mal wieder eine für ihn typische Dagobert-Donald-Handlung hineinschrieb, die niemand vermisst hätte. So lebt der Comic von diesen ungemein schwungvollen, sinnlichen Zeichnungen des späten Carpi. Speziell die spielerischen, „erotischen“ Szenen zwischen Don Dosé und Carmen sind eine Klasse für sich. (13/15 – Awesome) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Holde Aida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Dodames, General des Pharaos Da-Du-Rhampsinit IV., soll in der Wüste einen der gefährlichen Assuan-Cnackopier entführen und in den Palast bringen. Doch es ist eine Frau, die „holde Aida“, die er versehentlich erwischt. Die beiden verlieben sich ineinander, was die Stieftochter des Pharaos, der Dodames versprochen wurde, rasend eifersüchtig macht. Die Liebenden versuchen zu fliehen und kommen dabei Grabräubern in die Quere. Am Ende machen sich Dodames und Aida im Segelboot auf dem Nil auf und davon, während der Pharao jubiliert, weil er Erdöl gefunden hat…
Als ich daran ging, dieses LTB zu rezensieren, hatte ich mich auf diese von Guido Martina geschriebene und von Pier Lorenzo da Vita gezeichnete Adaption der Oper von Giuseppe Verdi ebenso gefreut wie auf die anderen literaturhistorischen Stoffe in diesem Band. Doch was speziell de Vita hier 1979 abgeliefert hat, geht auf keine Kuhhaut. Seine Figuren sind krakeliger denn je, die Panelgestaltung schlichtweg chaotisch. Martina hält meist mühelos mit: Seine Klarabella, die hier als Da-Du-Rhampsinits Stieftochter auftritt, nervt, mehr aber noch die sexistischen Sprüche über sie. Und mal wieder findet Onkel Dagobert – hier als Pharao – Erdöl. Schon egal, dass das für das alte Ägypten überhaupt keinen Sinn ergibt. Sag noch mal jemand, dass ich historische Stoffe grundsätzlich wohlwollend betrachte. (2/15 – Very Bad) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Die schöne Francesca[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Müllerstochter Francesca feiert Vermählung mit einem Spielmann. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Trimini, wo er ihr eröffnet, ihren eigentlichen Ehemann nur vertreten zu haben. Der geizige Gatte, der eine Familienpension führt, scheint nur darauf zu warten, dass ihre Mitgift aufgebraucht ist, um sie zum Teufel zu jagen. Zaungast der folgenden Verwicklungen ist Dante, ein exilierter Dichter aus Florenz. Francesca leidet furchtbar unter der Ehe und verbündet sich mit dem Spielmann, um ihren Ehemann um seine Zechinen zu erleichtern. Doch dieser ertappt die Liebenden bei der Planung und wirft sie zum Fenster hinaus. Sie „landen, wie in Dantes ‚Göttlicher Komödie‘ später zu lesen war, in einem Höllenfluß mit Namen Acheron“ (S. 193)…
Die kleine Fingerübung von Guido Martina und Giovan Battista Carpi, gestrickt um den 5. Gesang des „Infernos“ aus der „Göttlichen Komödie“ des italienischen Nationaldichters Dante, macht durchaus Freude, auch wenn das erzählerische Konzept deutlich weniger aufgeht als in „Carmen olé“. So einen richtigen Anfang und Schluss hat der Comic von 1980 eigentlich nicht. Positiv formuliert: Das Episodische der Dichtung Dantes ist gut wiedergegeben. Darin begegnet der Dichter im zweiten Höllenkreis, dem Ort der Wollüstigen, der legendären Francesca da Rimini und ihrem Liebhaber Paolo. Sie waren von Francescas eifersüchtigem Ehemann getötet worden. Martina/Carpi nehmen sich hier selbstverständlich ihre eigene dichterische Freiheit und stellen nicht die mörderische Gewalttat, sondern „nur“ den Sturz der Liebenden durch einen wilden Höllensturm dar. Weniger klar ist, warum bei den italienischen Comic-Künstlern aus dem schönen Paolo ein Spielmann im Narrenkostüm wird. Wie bereits aus den anderen Comics des Bandes gängig, ist auch „Die schöne Francesca“ durchsetzt mit ins Deutsche übersetzten Zitaten aus dem Originalwerk, vorgetragen von Daniel Düsentrieb, der einen grüblerischen, wirklich trefflichen Dante abgibt. (9/15 – Somewhat good) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)

Die Perle von Labuan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Ducks befinden sich auf Kreuzfahrt in Ostindien, werden aber von einer Welle über Bord gespült. Auf der kleinen Insel, auf die sie sich retten, treffen sie den alten Radja an, der den für einen Kostümball ausstaffierten Donald für seinen alten Kumpel Sandonald hält, den „Tiger von Malaysia“. Er kommt ins Erzählen über die Zeiten, in denen dieses Eiland noch das berüchtigte Piratennest Mompracem war. Von einer Beutefahrt brachte Radja auch das Bild einer jungen Dame, Daislina, die Nichte des Gouverneurs Lord Duckenbrinck, in das sich Sandonald Hals über Kopf verliebt. Er erfährt, dass die Dame, berühmt-berüchtigt für ihre Geschwätzigkeit, gerade in denselben Gewässern kreuzt, um ihren Onkel zu besuchen. Doch das Entern misslingt und damit auch die Entführung Daislinas. Diese aber ist so begeistert von dem wagemutigen Helden (der auch noch ihre totlangweiligen Geschichten anhören mag), dass sie ihm zur Flucht verhilft. Sandonald kehrt mit seinen Piraten zurück, um die Herzensdame zu rauben, erwischt aber versehentlich das falsche Schiff. Als er die Auslieferung der „Perle von Labuan“ fordert, erhält er statt der Frau die echte Riesenperle desselben Namens, die der reiche Lord Duckenbrinck in Sicherheit bringen wollte, weil er Überfälle der räuberischen Panzerdajaks fürchtete. Die stehlen nur eine von Duckenbrinck als Köder ausgelegte falsche Perle. Als die Panzerdajaks dies merken, entführen sie die mittlerweile bei ihrem Onkel eingetroffene Daislina und wollen die echte Perle erpressen, die Duckenbrinck ja aber selber nicht mehr hat. Derweil lässt Sandonald die Segel setzen, um die Angebetete aus der Residenz des Onkels zu rauben. Er stürmt den Palast und erfährt von der Entführung Daislinas. Ehe er das Tauschgeschäft einfädeln kann – denn in seinem Besitz ist die Perle ja –, feuert eine seiner Schiffskanonen sie durch eine Unachtsamkeit Radjas geradewegs in den Schoß des Gouverneurs zurück. Schweren Herzens bringt er sie in den Unterschlupf der Panzerdajaks, um seine Nichte auszulösen. Doch die Bande hat jetzt größere Ziele und will zusätzlich Sandonald um 20 Millionen Rupien erleichtern. Sandonald und Radja schleppen nun tatsächlich Schätze in diesem Wert in den Dschungel, werden von den Panzerdajaks allerdings ebenfalls gefangengenommen und haben es nur der Findigkeit und dem Mut der drei Neffen Sandonalds zu verdanken, dass sie freikommen. Der Unterschlupf der Bande wird gesprengt. Vorher aber stürzt noch Lord Duckenbrinck herbei und rettet die Perle – doch erwischt die falsche. Sandonald und Daislina sind endlich vereint – für die Besatzung des „Tigers von Malaysia“ hat dies aber den bedeutenden Nachteil, das Geschwafel der „Perle von Labuan“ anhören zu müssen…
Es ist eine meiner frühen Fernseh-Erinnerungen: Ab April 1979 lief in der ARD die Mini-Fernsehserie „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“, die eine ziemlich große Wirkung auf mich Achtjährigen ausübte: All diese verwegenen Männer mit scharfen Schwertern und Pluderhosen, die sich in einer fremdartigen Inselwelt mit den bösen Pfeffersäcken der Ostindischen Handelskompanie anlegten!... Die Herkunft der Serie aus Italien war mir unbekannt, ebenso die Tatsache, dass sie auf einem von Emilio Salgari bereits in den Jahren 1895 bis 1913 geschriebenen Roman-Zyklus basierte, der dem Verfasser den Beinamen des „italienischen Karl May“ eintrug. „Die Tiger von Mompracem“ von 1900, der dritte Band der Reihe, soll sogar das meistverkaufte italienische Buch aller Zeiten sein. Der Comic war einer der allerersten, die 1976 von ihrem Zeichner Giovan Battista Carpi auch geschrieben wurde (als Co-Autor firmiert Michele Gazzarri). Wenn man bedenkt, was Carpi in den nächsten Jahren noch an wegweisenden Adaptionen schaffen sollte (Das Geheimnis der Silberleuchter, Krieg und Frieden), haben wir mit der „Perle von Labuan“ eine erste Blaupause für diese folgenden künstlerischen Erfolge vor uns. Das Rezept war eine Kombination einer liebevollen Übertragung literaturhistorischer Stoffe in die Entenwelt, atmosphärischer Settings und rasanter, actionreicher Handlungssequenzen. Im Zeichenstil ist der Schwung, den vor allem „Carmen olé!“ drei Jahre später auszeichnen sollte, noch nicht voll ausgebildet. Erstmals nutzt Carpi auch eine von ihm jene großgewachsene, rabenvogelartige Figur, die er in unterschiedlichen Rollen später noch einige Male verwenden sollte. In Duckipedia und Inducks ist diese Figur als „Yanez“ lexikalisiert, obwohl in der ersten deutschen Übersetzung „Radja“ steht. Später muss auf den Namen zurückgegriffen worden sein, den Carpi ihm in Italien gegeben hatte – allerdings nur für die kleine „Sandonald“-Serie, in der er die Rolle von Sandokans treuem portugiesischen Gefährten bei Salgari, Yanez de Gomera, übernimmt. Die unmittelbare Inspiration für seine Adaption dürfte Carpi übrigens weniger von dem Roman als von dem italienischen TV-Mehrteiler gewonnen haben: Der Comic wurde im November/Dezember 1976 in einer Doppelnummer des Topolino erstveröffentlicht und damit in einem plausiblen zeitlichen Zusammenhang mit der italienischen Erstausstrahlung der Sandokan-Serie im Januar/Februar 1976. (13/15 – Fantastic) Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)
Fazit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ein großartiger Band, der keinen Vergleich mit den klassischen literaturhistorischen Bänden der Jahre zuvor (wie etwa LTB 58 und LTB 66) zu scheuen braucht. Im Gegenteil: Besonders durch die drei Adaptionen von Carpi weht ein frischer Wind der italienischen Disney-Moderne durch die LTBs. Ein zeitloser Comic wie „Die Perle von Labuan“ kann sogar noch 50 Jahre nach seinem Ersterscheinen eine Egmont-Publikation aufmachen (LTB Abenteuer 23). Die Entscheidung des Ehapa-Verlags, mal kein I Classici, sondern einen der ersten Bände der Nebenreihe I Grandi Classici (#4) zum Referenzwerk zu küren, erweist sich als Volltreffer. Aufgrund der Nähe zur großen Oper spielt das melodramatisch-amouröse Element diesmal eine besondere Rolle, was einen hohen Anteil für Daisy bedeutet, ob sie nun Nichte des Schwarzen Korsaren, Daislinde, Carmen, Aida, Francesca oder Daislina heißt. Hobrowili (Diskussion) 22:02, 4. Okt. 2026 (CEST)