Die drei kleinen Wölfe

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Die drei kleinen Wölfe
Three Little Wolves
© Disney • Quelle: keine
Uraufführung: 14. April 1936
Titelheld: Drei kleine Schweinchen
Regie: David Dodd Hand
Animation: Eric Larson, Fred Moore
Drehbuch: unbekannt
Produktion: Walt Disney
Musik: unbekannt
Länge: 8 Minuten


Am 14. April 1936 kam der Silly-Symphony-Cartoon Three Little Wolves (Die drei kleinen Wölfe) in die Kinos. Regie führte David Dodd Hand.

Bei diesem Cartoon handelt es sich um die zweite Fortsetzung von „Die drei kleinen Schweinchen“ (Three Little Pigs, 1933), der aufgrund des großen Erfolg des Schweinchen-Cartoons entstand. Vor „Die drei kleinen Wölfe“ erschien noch „Der große böse Wolf“ (The Big Bad Wolf, 1934), danach folgte „Schweinchen Schlau“ (The Practical Pig, 1939).

Figuren und ihre Sprecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlau ermahnt die beiden zur Besonnenheit (© Disney)

Ede Wolf erklärt seinen drei Söhnen den genauen Körperbau von Schweinen und zeigt ihnen, was am leckersten ist („Ist das nicht ein Schweinebauch?“). Ede hat schon wieder einen neuen Plan in der Tasche, um die Schweinchen zu fangen und zu fressen.

Schweinchen Schlau hat in der Zwischenzeit im Wald ein Horn aufgehängt, wo seine Brüder, wenn sie in Not sind, um Hilfe rufen können. Dies nutzen Pfeifer und Fiedler kräftig und blasen mehr als einmal unnötigen Alarm. Daraufhin ist Schlau sehr verärgert und ermahnt sie, das Horn nur in Notfällen zu benutzen. Wenn einmal echte Gefahr auftaucht, würde er sonst eventuell nicht helfen. Er kehrt danach zur Arbeit an seiner Wolf-Pazifisten-Maschine zurück.

Trotz dieser Warnung blasen Fiedler und Pfeifer nochmals ins Horn und erschrecken Schlau. Er zieht sauer von dannen. Währenddessen verkleidet sich Ede als Little Bo-Peep und gibt vor, dass sie ihre Schafe verloren habe. Fiedler und Pfeifer wollen helfen und suchen nach den verlorenen Schafen. Sie entdecken die drei kleinen Wölfe im Schafspelz auf dem Hügel und folgen ihnen. Die kleinen Wölfe locken sie direkt in Edes Haus.

Hier könnte man Mitleid haben (© Disney)

Hier enttarnen sich die Wölfe, indem sie ihre Verkleidung ausziehen, und Fiedler und Pfeifer sind wieder einmal in der Falle. Sie blasen in das Horn, aber diesmal kommt Schlau nicht. Die Schweinchen sollen gebraten werden und werden auf die Bratenplatte befördert. Sie fordern einen der jungen Wölfe dazu auf, ins Horn zu tuten, aber er bläst nicht annähernd laut genug, dass man das Geräusch weit genug hören könnte. Jetzt bläst Ede ins Horn, wodurch Schlau auf die Situation aufmerksam wird. Er nimmt alles mit, was er zum Kampf gegen Ede benötigt.

Diesmal verkleidet sich Schlau als Gemüse- und Obsthändler und bietet kostenlose Tomaten an, die Ede auf jeden Fall annehmen möchte. Schlau wirft sie ihm ins Gesicht und lockt ihn so in seine Wolf-Pazifisten-Maschine. Ede wird entkräftet in die Luft geschossen. Schlau kann dadurch seine Brüder befreien.

Siegesbewusst marschieren sie mit den Bo-Peep-Utensilien als Kriegstrophäe davon.

Inspiration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schlaus Maschine wurde von Rube Goldbergs Maschinen inspiriert. Rube Goldberg war ein berühmter amerikanischer Cartoonist und Comiczeichner, dessen Markenzeichen es war, verrückte Nonsens-Maschinen zu zeichnen. Für eigentlich banale Tätigkeiten werden hier zahlreiche unnötige und komplizierte Zwischenschritte verwendet, die beim Zusehen Spaß machen sollen.[2] Als Schlaus Maschine zu rattern beginnt, ergeben die Schläge und Tritte die Melodie von „Wer hat Angst vor’m bösen Wolf?
  • Ist das nicht ein Schweinebauch?“, das Lied des Bösen Wolfs über die verschiedenen Körperteile der Schweinchen, ist eine Adaption vom „Schnitzelbank“-Lied, einem in den USA bekannten und als traditionell deutsch aufgefassten und mit deutschem Text gesungenen Lied. Das „Schnitzelbank“-Lied wurde von Disney mehrfach rezipiert.[3] Die Verwendung dieses deutschen Liedes im Cartoon ermöglicht die Gleichsetzung der Wölfe mit Deutschen, d. h. mit den Nationalsozialisten.[4] Die Assoziation dürfte nicht ganz grundlos sein, denn später während des Zweiten Weltkriegs produzierten die Disney-Studios einen Propagandacartoon, in dem Ede Wolf tatsächlich als Nazi auftritt („Das sparsame Schweinchen“).
  • Die Handlung, dass Schlau den Schweinchen nicht mehr glaubt, weil sie zu oft grundlos den Wolf-Alarm gaben, stammt aus der Äsop-Fabel „Der Hirtenjunge und der Wolf“.[5]
  • Little Bo-Peep und ihre verlorenen Schafe stammen aus dem nach ihr benannten Kinderreim von ungefähr 1805.[6] Als einer der Mutter Gans-Reime wird Bo-Peep oft in Disney-Werken referiert, heute am bekanntesten in der Toy-Story-Filmreihe. In der deutschen Synchronfassung wurde aus Bo-Peep Bo-Meg.
  • Am Ende des Cartoons marschieren die drei Schweinchen mit Trommel, Flöte und Flagge aus der Höhle der Wölfe, wobei sie das bei Disney oft parodierte Gemälde „The Spirit of ’76“ von Archibald M. Willard persiflieren.
  • Der Cartoon referiert in vielen Elementen den ursprünglichen „Die drei kleinen Schweinchen“-Cartoon, begonnen beim Titel. Pfeifer und Fiedler haben in beiden Cartoons verantwortungslosen Spaß, während Schlau daran arbeitet, sich vor dem Wolf zu schützen. Die enorme Puste des Wolfs zeigte sich in „Die drei kleinen Schweinchen“ beim Umpusten der Häuser, in „Die drei kleinen Wölfe“ beim Tuten des Horns. Schlau verkleidet sich als stereotyp italienischer Gemüsehändler, der von Haus zu Haus geht, ähnlich dem Bösen Wolf, der sich in „Die drei kleinen Schweinchen“ als (in der ursprünglichen Fassung stereotyp jüdischen) Bürstenverkäufer verkleidete.

Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Handlung des Cartoons sowie das Lied „Ist das nicht ein Schweinebauch?“ wurden in den USA auch auf Hörspiel-Fassungen von „Die drei kleinen Schweinchen“ übertragen. In einer der Hörspiel-Adaptionen hat der Böse Wolf statt drei bösen Wölfen als Söhne nur einen lieben Wolf als Sohn und zwei böse Wölfe als Neffen.[7] Das Konzept des lieben Wolfs wurde dabei vom Kleinen Wolf übertragen, der erst Jahre nach der Erfindung der drei bösen Wölfe in den Comics seine Premiere feierte.[8] Ede Wolf hatte in den Comics das erste Mal 1945 in Walt Disney’s Comics and Stories 52 Wölfchen als lieben Sohn.[9]
  • Die drei Wölfchen wurden auch 1939 für den letzten Schweinchen-Cartoon „Schweinchen Schlau“ verwendet.[7] Zwei der drei Wölfe haben 1983 einen Gastauftritt in „Mickys Weihnachtsgeschichte“.[10][11] 1989 folgte ein weiterer Cameo auf einem Foto im Roger-Rabbit-Cartoon „Tummy Trouble“.[12] In der Mickys Clubhaus-Folge „Pete’s House of Villains“ von 2003 ersetzen die drei bösen Wölfchen die Hausband, welche vorher aus Tick, Trick und Track bestand. Die Wölfe hatten auch 2019 einen Gastauftritt in der Micky Maus-Folge „Carried Away“.[7]
  • Sowohl Al Taliaferro als auch Carl Barks arbeiteten indirekt am Cartoon mit, bevor sie ihre Karriere als Donald-Duck-Zeichner starten sollten. Taliaferro zeichnete eine Comicumsetzung des Cartoons mit dem Titel The Further Adventures of the Three Little Pigs! (Story von Ted Osborne). Barks arbeitete während seiner kurzen Zeit als Inbetweener an der Animation einer Sequenz des Cartoons, in der der Wolf erneut sein Schnitzelbank-Lied singt, während er die Schweine zum Braten vorbereitet. Außerdem animierte er eine kurze Szene, in der eine Hütte in die Luft fliegt.[13] Barks, Taliaferro und Osborne waren später alle an der Entwicklung von Tick, Trick und Track und ihrem Erstauftritt in Cartoon und Comicstrip beteiligt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die aufsässigen kleinen drei Wölfe etwas zu dieser Entwicklung beitrugen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Three Little Wolves“ im Disney Fandom
  2. Rube-Goldberg-Maschine in der Wikipedia
  3. Edi Grieg. „Der Schnitzelbank“. trickfilmstimmen.de
  4. Geoffrey Cocks (2004): The Wolf at the Door: Stanley Kubrick, History, and the Holocaust (New York: Peter Lang), S. 36–37.
  5. „Der Hirtenjunge und der Wolf“. wikipedia.org
  6. „Little Bo-Peep“. wikipedia.org
  7. 7,0 7,1 7,2 „Three Little Wolves“. disney.fandom.com
  8. Greg Ehrbar (06.06.2017). „Walt Disney’s ‚Three Little Pigs‘ on Records“. cartoonresearch.com
  9. Devon Baxter (18.05.2016). „Walt Disney’s ‚Three Little Pigs‘ (1933)“. cartoonresearch.com
  10. Michael Lyons (22.12.2023). „They’re In Good Spirits: The 40th Anniversary of ‚Mickey’s Christmas Carol‘“. cartoonresearch.com
  11. Jim Korkis (25.12.2020). „‚Mickey’s Christmas Carol‘ (1983)“. cartoonresearch.com
  12. Jim Korkis (17.01.2018). „The Roger Rabbit Shorts and Sequels – Part 1“. mouseplanet.com
  13. Thomas Andrae (2006): Carl Barks and the Disney Comic Book (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 32, 285.