LTB 111: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen

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== Die guten alten Zeiten ==
== Die guten alten Zeiten ==


[[Bild:LTB_111-4.jpg|right|thumb|Ed Nofzigers und Jaime Diaz' "Die guten alten Zeiten" versetzen den Leser in die seligen Kindheitstage von Dorette und Dadobert Duck (© Egmont Ehapa)]]
[[Bild:LTB_111-4.jpg|right|thumb|Ed Nofzigers und Jaime Diaz' "Die guten alten Zeiten" versetzen den Leser in die seligen Kindheitstage von Dorette und Dagobert Duck (© Egmont Ehapa)]]


{{mm}}  [[Oma Duck]] schwärmt von ihrer Jugendzeit – gar nicht langweilig seien die gewesen, sondern „heiter und ergötzlich“ (S. 179). Ihr zu Ehren initiieren [[Donald]] und [[Daisy]] ein Fest, das diese alten Zeiten wiederaufleben lassen soll. Mit Mühe bewegen sie [[Onkel Dagobert]] zu Finanzierung und Teilnahme. Zwar verschwinden die verweichlichten Städter schon beim ersten Regenschauer, doch nach einer gemütlichen nächtlichen Kutschfahrt kann Donald resümieren: „Es war aber auch ein schöner Tag“ (S. 191)…
{{mm}}  [[Oma Duck]] schwärmt von ihrer Jugendzeit – gar nicht langweilig seien die gewesen, sondern „heiter und ergötzlich“ (S. 179). Ihr zu Ehren initiieren [[Donald]] und [[Daisy]] ein Fest, das diese alten Zeiten wiederaufleben lassen soll. Mit Mühe bewegen sie [[Onkel Dagobert]] zu Finanzierung und Teilnahme. Zwar verschwinden die verweichlichten Städter schon beim ersten Regenschauer, doch nach einer gemütlichen nächtlichen Kutschfahrt kann Donald resümieren: „Es war aber auch ein schöner Tag“ (S. 191)…

Version vom 4. August 2026, 18:52 Uhr

© Egmont Ehapa
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In diesem Artikel wird das LTB 111 rezensiert. Ob dieser Band tolles Top, ein fataler Flop oder einfach nur müdes Mittelmaß ist, erfährst du hier. Dranbleiben ;-) Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 111.

Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 111 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight Highlight, Gut Gut, Mittelmaß Mittelmaß oder Schlecht Schlecht bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!

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Cover

Mittelmaß Dagobert, in Autofahrermontur der Jahre um 1910, scheint bereit, in eine rote Luxuslimousine in Parkposition einzusteigen. Auch durch die Kühlerfigur erinnert das Automobil an einen Rolls-Royce, nur dass hier nicht die „Spirit of Ecstasy“, sondern ein putziger goldener Dagobert angebracht ist. Die Aufziehschraube vorne gibt dem pompösen Fahrzeug gleichwohl etwas Spielzeughaftes…

Gegen das Motiv spricht grundsätzlich, dass Dagobert – anders als sein Neffe Donald mit seinem „313“ – ja nun noch nie großartig als Autofahrer in Erscheinung getreten ist. Thematisch also etwas neben der Spur. Einige Umstände nehmen mich trotzdem für das Cover ein: Wie meistens hat Marco Rota einfach wunderschön gezeichnet. Die lederne Materialität von Dagoberts Outfit tritt optisch prima hervor. Und: Ausnahmsweise passt die Verbindung von Bandname und Bild („dreht voll auf“ - also die Schraube) diesmal besser als im italienischen Original, wo der Band man weiß nicht warum „Paperone Graffiti“ (CWD SS 99) heißt. Nur was das für ein hellblaues Tuch ist, an dem der Autonarr da herumnestelt, bleibt dauerhaft offen. (9/15 – Fine) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Die Einführung der "lebenden Hecke" in Entenhausen ist von Onkel Dagobert in Cimino/Gattis "Es grünt so grün..." teuer erkauft (© Egmont Ehapa)

Es grünt so grün…

Mittelmaß Onkel Dagobert will den Hügel, auf dem sein Geldspeicher steht, parzellieren und mit Gewinn verkaufen. Sein Geldspeicher würde demnach im Stadtpark unterkommen. Doch der Gemeinderat verlangt als Gegenleistung die Begrünung des Kolosses. Als Dagobert von einer kostengünstigen Variante hört, nämlich von dem „Efeurellum insectans“, einer Symbiose der Lebensformen Schlingpflanze und Laubenspinner, ist er Feuer und Flamme und beschafft sie unter Lebensgefahren. Der Erfolg ist nur von kurzer Dauer: Unter Umwelteinflüssen ändert das Insekt seine Ernährungsgewohnheiten und macht sich über die Taler im Geldspeicher her…

Das Jahr 1986 war voller Umweltthemen: Im April kam es im Atomkraftwerk von Tschernobyl zum bislang folgenschwersten Unfall in der zivilen Nutzung der Atomenergie, im November flossen nach einem Großbrand auf dem Gelände des Schweizer Pharma-Unternehmens Sandoz rund 30 Tonnen hochgiftige Pestizide in den Rhein. Das kurz zuvor erschienene LTB 111 hatte also seine Fühler am Puls der Zeit, als der unter „Onkel Dagobert“ firmierende Autor im einleitenden Brief an die Leser schrieb: „Unsere Umwelt und vor allem ihr Schutz wird ein immer größeres Problem“ (S. 4). Die „ökologische Wende“ in den europäischen Disney-Comics prägt auch diesen von Rodolfo Cimino bereits 1975 geschriebenen Opener, gegen dessen Ende Donald resümiert, Umweltschutz sei „gerade ‚in‘“ (S. 39). Giancarlo Gattis Zeichnungen sind unperspektivisch wie immer, aber zumindest im Aufeineinandertreffen Dagoberts mit den eingesponnenen Tieren im „Tal der Starre“ und mit dessen seltsamen Eingeborenen, bei deren Gestaltung Cimino/Gatti auf jeden Fall der Ku-Klux-Klan Pate gestanden haben muss, auch ziemlich wirkungsvoll. Aus heutiger Sicht macht es ferner Spaß, die Kabbelei zwischen dem Investor Dagobert und Bastian Blume, dem „Stadtrat der Öko-Partei“ (S. 7), der sich so wunderbar fanatisch in Rage redet, zu beobachten und sich seinen Teil dazu zu denken. (7/15 – Not bad) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Der Blütendetektor

Schlecht Daniel Düsentrieb hat mal wieder etwas Großartiges erfunden: Einen „Lithoprospektor“, der in Sekundenschnelle die Vergangenheit eines Objekts lebloser Materie ausspuckt. So bekommt auch Onkel Dagobert heraus, dass der Fälscher eines Hunderttalerscheins aus seinem Besitz in Kegelheim wohnen muss. Dagobert konfrontiert dort den Fälscher mit seinen Erkenntnissen, wird aber erst einmal von diesem und dessen Kumpan Karl zum Schweigen gebracht. Stellen können die Fälscherbande erst die hinterherreisenden Tick, Trick und Track sowie Daniel Düsentrieb. Die Gauner geloben Besserung, doch händigen Dagobert trotzdem schon wieder eine „Blüte“ als Entschädigung aus. Nachdem er diesen in einer Milchbar in Umlauf gebracht hat, wird er verhaftet…

Irgendie erinnerte mich die Idee dieses „Lithoprospektors“ an die kriminalistische Spurensuche im Spielberg-Film „Minority Report“. Viel mehr Erhellendes oder gar Positives gibt es über dieses unausgegorene Ideenkonglomerat von Dalmasso und Chierchini leider nicht zu berichten – außer vielleicht, dass der deutsche Titel mal wieder nicht taugt: Der „Blütendetektor“ hatte Dagobert lediglich den falschen Schein aussondern können, mit dem er anschließend zu Düsentrieb zur näheren Aufklärungsarbeit anrückte. Besser lautete im Italienischen auch der Name des „Lithoprospektors“, nämlich „Chronovision“, was ziemlich genau bezeichnet, was dieser Apparat tut. (2/15 – Terrible) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Siegel/Peregos Vagabunden-Schmonzes "Ferien vom Ich" weiß leider nicht einmal die niedrigsten LTB-Ansprüche zu befriedigen (© Egmont Ehapa)

Ferien vom Ich

Schlecht Es ist mal wieder so weit: Einmal im Jahr feiert Onkel Dagobert „Vagabundentag“, um sich bewußt zu machen, „daß ich ohne Ersparnisse, ohne Arbeit und ohne etwas Glück tatsächlich eine solche Elendsgestalt wäre“ (S. 86). Doch dann geschieht dem „Lumpenkönig“ (S. 88) ein Missgeschick: Im Büro seines Luxuszuges fällt ihm ein Foliant auf den Kopf, er verliert das Gedächtnis und nennt sich fortan „Theobald“. Die Tippelbrüder Gerd und Gustel, die sich seiner annehmen, haben vom Spleen des Milliardärs gelesen und unternehmen alles, damit dieser sich in naher Zukunft dankbar gegen sie erweisen werde. Doch langsam kommt Dagobert die Erinnerung wieder und er macht sich, nachdem er seine „Gönner“ belauscht hat, aus dem Staub. Zusammen mit ihrem neuen Sozius Manni legen Gerd und Gustel nun die Manschetten ab und zwingen Dagobert, ihnen Einlass in seinen Geldspeicher zu verschaffen. Doch die Polizei hatte längst die Spur des entführten Milliardärs aufgenommen und wartet dem Gaunertrio und ihrem Opfer auf…

Dieses Harun-al-Raschid-Motiv, sich auf arm gemacht unters Volk zu mischen, ist vielversprechend und lässt einiges erwarten, zumal als Autor Jerry Siegel firmiert. Ein wenig Hobo-Romantik, nun gut, aber alles andere an dieser Geschichte ist einfach nur schrecklich: Das Klischee des „natural born“ kriminellen Landstreichers sowieso, aber auch die völlig abwegigen Gorillas im Güterwagen und die Schokoladenkanone (!), mit denen Dagobert auf kurz seine Häscher auf Distanz halten will. Warum sich am Ende Donald unbedingt als Dagobert hat verkleiden müssen, wo die Polizei doch die Bande zweifelsohne auch so hätte hopsnehmen können, will man schon gar nicht mehr fragen. Nicht genug: Das einzige sympathische Motiv wird ganz am Ende und für alle Zukunft sogar auch noch geopfert, indem Dagobert seine Lumpenkluft den Flammen übergibt. Donald: „Ich bin froh, daß ich wieder ich selbst bin, und daß du vom Vagabund spielen genug hast!“ (S. 113) Traurig! (1/15 – Dreadful) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Das grinsende Monster

Highlight Daniel Düsentrieb hat mit seinem Kosmo-Explorator die „violette Dimension“ entdeckt und nun Onkel Dagobert zu sich gerufen, um mit diesem zu eruieren, ob es dort vielleicht seltene Mineralien gibt, die es auszubeuten lohnt. Doch was sie sich durch den X-Scooper, der die Verbindung zwischen beiden Welten herstellt, einhandeln, ist etwas ganz anderes: ein grinsendes Monster aus jener Dimension, das übernatürliche Fähigkeiten hat und Dagobert von nun an nicht mehr von der Seite weicht. Zwar macht sich das Wesen hervorragend als Leibwächter, doch Dagobert ist von nun an keine Sekunde mehr allein – kann nicht einmal mehr in Ruhe fernsehen. Er lässt sich auf den Boden des Ozeans versenken und mit der Rakete ins All schießen, doch wer alsbald wieder zur Stelle ist: Ratet mal!... Erst als das Monster seines eigenen Spiegelbildes ansichtig wird, flieht es – zurück in seine violette Dimension. Als Düsentrieb anbietet, den durch das Monster zerstörten X-Scooper zu reparieren, wird dieser von Dagobert vom eigenen Hof gejagt…

Siegel/Cavazzanos "Grinsendes Monster" warnt eindringlichst vor den Tücken des Dimensionssprungs (© Egmont Ehapa)

Gewiss macht auch das erzählerische und zeichnerische Umfeld in diesem LTB etwas mit mir. Kein Scarpa, kein Carpi, kein Massimo de Vita, lediglich die trostlosen Gatti, Lostaffa, Perego & Co.: Da beginnt diese kleine, nur 22-seitige Gaggeschichte womöglich auffälliger zu leuchten, als sie es unter normalen Umständen tun würde. Auch hier ist wieder Jerry Siegel am Werk, beschränkt sich aber auf einen einfachen Plot, in dessen Innern und Geheimverstecken sich Giorgio Cavazzano umso freier austoben kann. Das sind einfach klasse Panels, die Cavazzano 1977 auf dem Weg zum Meisterzeichner zeigen. Und doch ist da noch etwas weiteres, was vorerst nur unscharf in Erscheinung tritt. Es sei der Vergleich mit dem fünf Jahre früher erschienenen Werk dieses Gespanns, „Der Held der Maschine“ (LTB 51) erlaubt. Dort ist es noch so, dass Cavazzano, wenngleich bereits als Könner, den sensationshascherischen Ideen Siegels Gestalt verleiht, also: sensationell im Dienst der Story zu zeichnen bestrebt ist. In „Das grinsende Monster“ anverwandelt sich Cavazzano eher die Grundidee Siegels, macht etwas grundlegend anderes und für diesen Zeichner noch recht Neues daraus: Er nimmt dem Stoff jede Ernsthaftigkeit und scheint dem Leser ständig verschwörerisch zuzuzwinkern, er solle jetzt mal hauptsächlich Spaß an den bewegten, durchkomponierten Zeichnungen und diesem grotesken Grinsemonster haben und die fantastische Story als Beiwerk betrachten. Wenn nicht alles täuscht, ist der Erfolg, den Cavazzano in den folgenden Jahren in der italienischen Disney-Welt haben sollte, zum Teil auf diesen feinen Schwebezustand zurückzuführen und seiner Fähigkeit, den von ihm gezeichneten Comics eine solche entzückende Meta-Ebene unterzuschieben. Da hat jemand gehörig den Schalk im Nacken. (13/15 – Awesome) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Leerlauf

Schlecht Mit seiner „Pedalokanone“ katapultiert Onkel Dagobert einen Vertreter für Horoskope aus seinem Geldspeicher, der ihm einen vierwöchigen Leerlauf in seiner Geschäftstätigkeit vorhergesagt hat. Das könne gar nicht sein, denn seine Wachstumsmaschine zeige eindeutig steigende Tendenz an. Stimmt: Es gelingt ihm die Bausteine der legendären „goldenen Stadt“ auffinden und abtransportieren zu lassen. Das nächste Schatz-Abenteuer führt ihn ins „Steinnapfgebiet“, in dem er auf der Suche nach dem Schweresand mit sagenhaft hohem Goldanteil ist. Die einheimischen Sabbialeros haben zwar etwas dagegen, aber [Donald]] übersteht einen Zweikampf mit dem Kämpfer „Kleiner Bär“, worauf sie den Ducks zu Diensten sind. Der gesuchte Sand freilich ist nicht mehr da – Korn für Korn weggebracht vor langer Zeit durch ein geheimnisvolles Volk aus dem Innern der Erde. Dagobert gibt eine Art Maulwurf-Bohrmaschine in Auftrag, mit der er in die tiefe Höhle vorstößt, um doch noch des Sandes habhaft zu werden. Doch was er findet, sind seine eigenen Ingenieure – der Sand war das Rohmaterial für die mittlerweile abtransportierten Häuser der „goldenen Stadt“…

Ich hatte schon fest damit gerechnet, auch mit dieser Geschichte in die allertiefsten Abgründe meiner Bewertungsskala abtauchen zu müssen, da gab es doch noch ein Aufatmen: An diese Lösung konnte ich mich nicht erinnern und auch beim Wiederlesen hatte ich sie nicht auf dem Schirm. Das heißt freilich nicht, dass bis dahin Rodolfo Cimino und Franco Lostaffa den Titel ihrer Geschichte nicht einigermaßen ernst genommen hätten. Donald fällt mindestens zweimal zu viel in Ohnmacht und auch alle anderen offenbar als phantasievoll gemeinten Ideen, wie das durch ein Flugzeug in der Wüste abgeworfene Zirkusauto oder der Sandsturm, der den Sabbialeros die Augen vernebelt und die Keulen fehlgehen lässt, verpuffen als das, was sie sind: ein haarsträubender Unsinn. Bleiben als Pluspunkte also die zyklische Erzählstruktur und durchaus auch der deutsche Titel, der ausnahmsweise mal nicht zu viel vorwegnimmt. (3/15 – Rubbish) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Die guten alten Zeiten

Ed Nofzigers und Jaime Diaz' "Die guten alten Zeiten" versetzen den Leser in die seligen Kindheitstage von Dorette und Dagobert Duck (© Egmont Ehapa)

Mittelmaß Oma Duck schwärmt von ihrer Jugendzeit – gar nicht langweilig seien die gewesen, sondern „heiter und ergötzlich“ (S. 179). Ihr zu Ehren initiieren Donald und Daisy ein Fest, das diese alten Zeiten wiederaufleben lassen soll. Mit Mühe bewegen sie Onkel Dagobert zu Finanzierung und Teilnahme. Zwar verschwinden die verweichlichten Städter schon beim ersten Regenschauer, doch nach einer gemütlichen nächtlichen Kutschfahrt kann Donald resümieren: „Es war aber auch ein schöner Tag“ (S. 191)…

Das „S“ des Storycodes auf dem Opening Splash verrät es zur Genüge: Diese kleine Landgeschichte war nicht Teil des originalen I Classici, sondern eine nachträgliche Einfügung des Ehapa Verlags für den deutschen Markt. Viele Fans sehen das anders, aber so überschaubar das Niveau dieser amerikanischen Stories – diese stammt von Ed Nofziger und dem Jaime Diaz Studio – auch ist, so viel Abwechslung bringt sie auch in die italienischen Routinen von Schatzsuchen und Familienzwist. Hier wird der Leser durch ein wohliges Gefühl von Wärme und Liebe geradezu eingehüllt, und sogar dem argentinischen Studio gelingt es auf den letzten beiden Seiten im Ansatz, diesem Gedanken gestalterisch Ausdruck zu verleihen. Überraschend für ein LTB ist ein sprachlicher Schnitzer: Auf S. 181 heißt es sogar zweimal: „Da schweige ich in Erinnerungen“, richtig muss es natürlich „schwelgen“ heißen. (7/15 – Fair) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Eine Hand wäscht die andere

Gut Durch Agent XY 36 seines Umsatzsteigerungs-Suchtrupps erfährt Onkel Dagobert erstmals vom Orangutanga, eines im Dschungel der Takakuyo-Zone von Amina lebenden Wesens, das Personen, mit denen es in Kontakt kommt, zu Reichtum verhilft, und zwar durch „Gnupfen“. Da die Eingeborenen als besonders wild gelten, benötigt Dagobert einen Führer, und er findet Raf Canone, einen Kriminellen, der aber ein ausgezeichneter Amina-Kenner ist. Gemeinsam entführen sie unter den von den Einheimischen verehrten Orangutanga. Zurück in Entenhausen, wendet sich Canone gegen seinen Wohltäter und beansprucht das Wunderwesen für sich. Das Manöver misslingt, doch auch Dagobert wird mit dem Orangutanga zunächst nicht froh – der will und will einfach nicht gnupfen!... Erst als Dagobert einen Kinderwagen kurz vor der Steilküste vor Absturz rettet und großmütig dem Waisenhaus zehn Millionen Taler spendet, stimmt das offenbar den Orangutanga im Herzen froh. Er beginnt zu gnupfen („Gnupf! Gnupf! Gnupf!“) und Dagoberts Geldspeicher vermehren sich auf wundersame Weise…

Gegnupft wird in Siegel/Scalas Expedition "Eine Hand wäscht die andere" später - erst einmal ist Raf Canones rettende Hand gefragt (© Egmont Ehapa)

Zugegebenermaßen gibt es gerade im Mittelteil der Zusammenarbeit Jerry Siegels mit Guido Scala einige erzählerische Sackgassen (vor allem die allzu überstürzte Verabschiedung Raf Canones aus der Handlung), aber das wird durch das quietschbunte, vielgestaltige Vergnügen vor allem in der ersten Storyhälfte mit einigen saftigen Splash-Panels mehr als ausgeglichen. Das offensichtliche Vorbild [[Romano Scarpa (Der letzte Gulu-Gulu, Der Südsee-Yeti) kann nie abgestreift werden, ohne je dessen Tiefe in der Charakterisierung zu erreichen. Das gilt auch für das Äußere des Orangutanga, der als eine Kreuzung aus Tarzan, dem Marsupilami und einer handelsüblich-steifen Scala-Figur vorgestellt wird. Warum Ehapa schon wieder mit dem deutschen Titel so danebenlag, nachdem dieselbe Redensart sich schon für einen gut anderthalb Jahre vorher (LTB 99) publizierten Chendi/Carpi-Comic als Rohrkrepierer erwies, wissen die Götter. (9/15 – Fine) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Donald als Meisterkoch

Schlecht Donald will sich bei Daisy lieb Kind machen, indem er sie zu einem Schlemmermenu einlädt. Obwohl nur er weiß, dass es nur Tiefkühlkost ist, die er da kredenzt, geht der Schuss nach hinten los: Einem solchen Meisterkoch, so Daisy, könne sie keinesfalls am nächsten Tag einen einfachen Sonntagsbraten vorsetzen…

Zum Zukunftsoptimismus der 1960er Jahre gehört offenbar auch, dass es vorstellbar schien, ein TK-Menü könne einem frisch zubereiteten Mahl geschmacklich das Wasser reichen. Oder ist das einfach nur Werbung für Tiefkühlprodukte?... Daisy merkt jedenfalls nix. Die Pointe? Puuh, nun ja… (4/15 – Poor) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Das Zauberwasser

Schlecht Donald und seine Neffen stürzen mit Onkel Dagoberts brandneuem Flugzeug über einer Vulkanlandschaft ab. Und obwohl sie nichts zu essen haben, überleben sie und kehren, nachdem ein Rettungstrupp sie gefunden habt, nach zehn Tagen sogar ausgesprochen wohlgenährt zurück. Denn getrunken hatten sie von einem mit Proteinen und Vitaminen angereicherten Wasser aus einer Quelle, die ihr Onkel nun selbstverständlich ausbeuten will. Auf der folgenden Expedition werden die Ducks unterstützt von den zunächst unerkannt bleibenden Montanero-Indianern, die selbst auf die Quelle scharf sind, von der sie jahrhundertelang lebten, bevor ein Erdbeben sie verschüttete. Am Ende einigen sich die Beteiligten: Dagobert erhält die Abfüllrechte, wofür er den Montaneros die Wassermenge garantiert, die sie zum Leben brauchen…

Wie die meisten gelegentlichen Ausflüge Sergio Asteritis in die Entenwelt ist auch diese Geschichte ziemlich dröges, nichtssagendes Zeug. Asteriti fand in den Jahrzehnten seines zeichnerischen Schaffens niemals richtigen Zugriff auf diese Figuren. Und doch ist zuerst das auf dem Mist von Michele Gazzarri gewachsene Buch zu beanstanden, das nur so strotzt vor Ungereimtheiten. Genannt sei nur die Abstrusität, dass Donald mit seinem Schädel eine jahrzehntelang verschüttete Quelle freilegt, die für die einheimischen Montaneros so lange unzugänglich gewesen sein soll. Und dieses Ende, bei dem für jeden noch genau das herausspringt, was er braucht, ist selten so lieblos abgenudelt worden wie in dieser 1975 ersterschienenen Geschichte. (2/15 – Very bad) Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)

Fazit

Es gibt deutlich zu viele Geschichten, die sich am Bodensatz einer jeden Disney-Comic-Bewertungsskala tummeln müssten. Immerhin versteckt sich in diesem Band mit Siegel/Cavazzanos „Grinsendem Monster“ eine Perle. Aber das sind nur 22 von 254 Seiten. Das Umweltthema untergründet gemäß einführendem „Brief an den Leser“ den Band zwar irgendwie, wird aber nicht zu dominant. Hobrowili (Diskussion) 16:15, 1. Aug. 2026 (CEST)