Micky auf den Spuren der Indianer: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Micky auf den Spuren der Indianer''' (alternativ ''Auf den Spuren der Indianer'', im italienischen Original ''Topolino e Bip-Bip alle sorgenti mongole'') ist eine [[Comicgeschichte]] von [[Romano Scarpa]]. Es handelt sich um die zweite Abenteuergeschichte mit [[Atömchen]] in der Hauptrolle, der als Begleiter von [[Micky Maus]] fungiert. Sie wurde in zwei Episoden in den | '''Micky auf den Spuren der Indianer''' (alternativ ''Auf den Spuren der Indianer'', im italienischen Original ''Topolino e Bip-Bip alle sorgenti mongole'') ist eine [[Comicgeschichte]] von [[Romano Scarpa]]. Es handelt sich um die zweite Abenteuergeschichte mit [[Atömchen]] in der Hauptrolle, der als Begleiter von [[Micky Maus]] fungiert. Sie wurde in zwei Episoden in den italienischen ''[[Topolino]]''-Heften 222 und 223 vom 10. und 25. November desselben Jahres veröffentlicht. | ||
Die Geschichte basiert auf der Theorie, dass die amerikanischen Ureinwohner aus Asien auf den neuen Kontinent gekommen seien, indem sie die Beringstraße überquerten, die im Winter von einem Eispfad überspannt wird, der die beiden Kontinente verbindet. Micky und Atömchen ergründen das Rätsel eines uralten Wasserschlauchs indianischen Ursprungs, welches sie tief in die Siedlungsgeschichte des nordamerikanischen Kontinents führt. | Die Geschichte basiert auf der Theorie, dass die amerikanischen Ureinwohner aus Asien auf den neuen Kontinent gekommen seien, indem sie die Beringstraße überquerten, die im Winter von einem Eispfad überspannt wird, der die beiden Kontinente verbindet. Micky und Atömchen ergründen das Rätsel eines uralten Wasserschlauchs indianischen Ursprungs, welches sie tief in die Siedlungsgeschichte des nordamerikanischen Kontinents führt. | ||
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==Rezeption== | ==Rezeption== | ||
''Micky auf den Spuren der Indianer'' gilt als eine der abenteuerlichsten und humorvollsten Geschichten von Romano Scarpa, die mit einer intelligenten, klug konstruierten Handlung mit authentischen historischen Bezügen und faszinierenden, liebenswerten Figuren daherkommt. Die Zeichnungen von Romano Scarpa verzaubern die Leser, sorgen für eine stimmige Atmosphäre und wirken streckenweise eher wie Filmbilder als wie Comicpanels erscheinen. An anderen Stellen wiederum ähnelt die Erzählweise einer Slapstick-Einlage eines Comicstrips. | |||
Die Geschichte spart nicht mit skurrilen Momenten, wie zum Beispiel, als Micky zu Beginn seinen großen Garten auf Vordermann bringen will, aber trotzdem anfängt, das Gras mit einer handelsüblichen Schere anstatt eines Rasenmähers zu schneiden. Das vermeintliche „Hilfsangebot“ von Rudi Ross sorgt für zusätzliches Chaos und Schmunzeln. | |||
Unvergesslich ist zudem die kleine Verfolgungsjagd von Hon-Ki-Ton, der die indianische Flasche entwendet hat, und Micky, Atömchen und Samuel Spinnweb versuchen, ihn nicht entkommen zu lassen. Da die Zugangstreppe des Antiquitätenladens (die einst zu Admiral Nelsons Flaggschiff gehört haben soll) in die Brüche gegangen ist, versuchen die Helden mit allerlei anderen Artefakten, die höher gelegene Tür zu erreichen. Der sonst so gediegene Geschichtskenner Spinnweb ruft außer sich: „Zum Kuckuck mit dem antiken Krempel!“. Das Mittel der Wahl ist dann ein Katapult aus dem 15. Jahrhundert, das die Freunde in hohen Bogen auf die Straße befördert, wo die Verfolgungsjagd unvermittelt fortgesetzt wird. | |||
Die subtile und elegante Ironie, die in den Geschichten von Romano Scarpa immer präsent ist, wird in diesem Abenteuer regelrecht auf die Spitze getrieben. Selbst im spannendsten Moment werden Szenen integriert, die ein Lachen hervorrufen, ohne dabei den roten Faden des Abenteuers zu unterbrechen. Beispielhaft kann hierfür die mehrdeutige Rekonstruktion der alten Goldgräberstadt herangezogen werden, dessen Einwohner mittlerweile reiche Pinkel geworden sind, aber nicht durch harte Arbeit mit den Händen, sondern Börsenspekulationen mit entdecktem Uran | |||
Des Weiteren fehlt es nicht an Verweisen auf andere Medien: In diesem Fall bedient sich Scarpa einer lustigen Parodie des Literaturklassikers „Moby Dick“ von Herman Melville. In der Comicgeschichte ist der starrköpfige Käpt’n McGier (im Original: ''Capitano Mc Hab'') fast genauso davon besessen, die weiße Sardine „Bobby Dick“ zu fangen wie Kapitän Ahab – trotzdem bleibt die Figur sympathisch und hilft Micky und seinen Freunden mehrfach aus der Patsche. Die Ironie des Schicksals will es, dass die weiße Sardine Bobby Dick am Ende sogar zum eigentlichen Retter der Figuren wird, der einen Ausgang aus dem Höhlensystem kennt. | |||
Die wissenschaftlichen Hintergründe zur Comicgeschichte liefert Romano Scarpa in einem Rahmen: Die Geschichte beginnt mit einem ausführlichen Textkasten und endet mit weiteren, notwendigen Erklärungen des indianischen Hüters Hon-Ki-Ton. Dieser erläutert die Ursprünge der Ureinwohner und bestätigt die Theorie dieser Völkerwanderung vor 10.000 Jahren. Zwar gestattet er den drei Schatzsuchern, einen Blick auf den lang ersehnten Schatz zu werfen, bevor er die himmlischen Prärien erreicht. Aber wie es sich gehört, dürfen die Sucher nichts mitnehmen und müssen sich mit einem mongolischen Zahnstocher als Beweis für ihr aufregendes Erlebnis begnügen. | |||
== Deutsche Veröffentlichungen == | == Deutsche Veröffentlichungen == | ||
Aktuelle Version vom 26. Dezember 2025, 18:24 Uhr
| Micky auf den Spuren der Indianer | |
|---|---|
| Auf den Spuren der Indianer | |
| Topolino e Bip-Bip alle sorgenti mongole | |
| Erstveröffentlichung: | 11.11.1959 |
| Entstehungsdatum: | 1959 |
| Storycode: | I TL 222-AP |
| Story: | Romano Scarpa |
| Zeichnungen: | Romano Scarpa |
| Tusche: | |
| Seiten: | 59 |
| Deutsche Übersetzung: | Alexandra Ardelt, Gudrun Penndorf u.a. |
| Deutsche Erstveröffentlichung: | LTB 67 |
| Weiterführendes | |
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Micky auf den Spuren der Indianer (alternativ Auf den Spuren der Indianer, im italienischen Original Topolino e Bip-Bip alle sorgenti mongole) ist eine Comicgeschichte von Romano Scarpa. Es handelt sich um die zweite Abenteuergeschichte mit Atömchen in der Hauptrolle, der als Begleiter von Micky Maus fungiert. Sie wurde in zwei Episoden in den italienischen Topolino-Heften 222 und 223 vom 10. und 25. November desselben Jahres veröffentlicht.
Die Geschichte basiert auf der Theorie, dass die amerikanischen Ureinwohner aus Asien auf den neuen Kontinent gekommen seien, indem sie die Beringstraße überquerten, die im Winter von einem Eispfad überspannt wird, der die beiden Kontinente verbindet. Micky und Atömchen ergründen das Rätsel eines uralten Wasserschlauchs indianischen Ursprungs, welches sie tief in die Siedlungsgeschichte des nordamerikanischen Kontinents führt.
Das Abenteuer wurde von Romano Scarpa als Hommage an Floyd Gottfredson konzipiert und umgesetzt und zählt aufgrund der zahlreichen Gags, der tiefgreifenden Handlung und der interessanten Nebenfiguren zu den besten Geschichten von Scarpa.
Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Micky Maus
- Atömchen
- Samuel Spinnweb
- Rudi Ross
- Hon-ki-ton
- Käpt’n McGier
Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Teil eins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Micky Maus ist gerade dabei, seinen Garten aufzuräumen, als er den schweren Fehler begeht, die Hilfe seines Freundes Rudi Ross anzunehmen, um eine alte, abgestorbene Eiche zu entwurzeln. Rudi ist zwar voller guter Absichten, aber in der praktischen Durchführung eher ungeschickt. In seinem übertriebenen Eifer verwüstet er teilweise Mickys Haus, nur um alle tiefen Wurzeln des alten Stammes herauszuziehen.
Rudi, der wegen des von ihm angerichteten Chaos etwas verlegen ist, verspricht Micky, am nächsten Tag wiederzukommen, um ihm bei der Beseitigung der Schäden zu helfen. Der Hausbesitzer Micky hat jedoch keine Zeit, sich zu grämen, denn direkt aus der Delta-Dimension taucht Atömchen am Eingangstor seines Hauses auf. Der kleine blaue Kerl ist überrascht von dem Chaos, das in Mickys Garten herrscht. Als er die Wurzeln der gefällten Eiche betrachtet, findet er eine Lederflasche, die einem Wasserschlauch gleicht. In dem Moment, in dem die Flasche ausgegraben wird, materialisiert sich hinter dem Gartenzaun plötzlich eine seltsame Gestalt, die wie ein prähistorischer Indianer gekleidet ist, und lässt Rudi Ross mit einem mulmigen Gefühl zurück.
Die beiden Freunde entdecken unterdessen seltsame Zeichnungen, die in das Leder der Flasche eingeritzt sind, und finden darin elf Kürbiskerne. Atömchen gelingt es außerdem dank seiner herausragenden Fähigkeiten, das Fundstück zu datieren, das seiner Auffassung nach 8.372 Jahre und 4 Monate alt ist. Micky Maus möchte einige Erklärungen zu dieser ganz besonderen Flasche erhalten und begibt sich in den Antiquitätenladen von Samuel Spinnweb, der ihm zunächst alle möglichen Antiquitäten aufschwatzen will, sich dann aber doch bereit erklärt, ihm zuzuhören. Herr Spinnweb verrät ihnen, dass sie möglicherweise vor einer historischen Entdeckung stehen, die für die Rekonstruktion der Vorgeschichte des amerikanischen Kontinents von grundlegender Bedeutung sei. Einigen Funden zufolge könnte diese Flasche der Schlüssel zu einer Höhle sein, in der die Relikte eines Indianerstammes versteckt wurden, die beweisen würden, dass die ersten Bewohner des amerikanischen Kontinents über das Eis vom asiatischen Kontinent einwanderten.
Während die drei Freunde die Expedition vorbereiten, betritt der als Indianer gekleidete Mann den Laden und bemächtigt sich der Flasche. Micky Maus, Atömchen und Herrn Spinnweb versuchen vergeblich, ihn aufzuhalten, aber er schafft es, in den Straßen der Stadt zu verschwinden. Atömchen hat jedoch noch ein Ass im Ärmel: Dank seines mesonischen Gedächtnisses ist er in der Lage, die auf der Flasche eingravierte Karte zu rekonstruieren. Wenig später fliegen die drei Schatzsucher dank der Hilfe von Herrn Spinnwebs altem Schulkamerad Tim mit einem historischen Doppeldecker-Flugzeug nach Alaska.
Teil zwei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der geheimnisvolle Indianer, der die Flasche gestohlen hat und den sie bei dieser Schatzsuche mit allen Mitteln zu überholen versuchen, befindet sich im selben Flugzeug wie sie, aber die drei Reisenden bemerken das nicht. Während des Fluges wird das Flugzeug an den Flügeln beschädigt und die Insassen sind gezwungen, mit dem Fallschirm abzuspringen. Überraschenderweise öffnet sich auch ein vierter Fallschirm und schwebt mit ihnen in der Luft, aber anscheinend ist niemand darin festgeschnallt.
Wenig später landen Micky, Atömchen und der Antiquitätenhändler Herr Spinnweb auf einem Fischkutter vor der Küste Alaskas, der von Kapitän McGier kommandiert wird, der mit seiner verwegenen Crew seit Jahren den die weiße Sardine Bobby Dick jagt. Die drei Abenteurer begleiten den Kapitän auf seiner Fahrt und erreichen die Küste, während sie die kleine, schlaue Sardine verfolgen. Zu Fuß begeben sie sich in eine alte Goldgräberstadt, wo der örtliche Barkeeper im Saloon Mickys starkes Interesse an einem Gemälde mit einem Indianer bemerkt. Daraufhin erzählt er ihnen die Legende von Hon-Ki-Ton, dem tausendjährigen Hüter des Schatzes der Mongolen. Die dargestellte Person ist ganz offensichtlich identisch mit der geisterhaften Erscheinung, das sich die indianische Flasche angeeignet hat.
Die drei Freunde steigen einen Nebenfluss des Yukon hinauf und finden in der Nähe eines Wasserfalls die „Schlösser” zum Öffnen der Höhle, können diese jedoch nicht öffnen. Während sie überlegen, was sie tun sollen, werden sie von Hon-Ki-Ton unterbrochen, der seine wahre Natur offenbart: Er ist ein Geist, der jahrelang auf der Erde umherwanderte, um die Flasche zu finden und seine Mission zu erfüllen. Er steckt die elf Kürbiskerne in das Rohr, wodurch der Mechanismus entsperrt wird. Die drei wissbegierigen Freunde können endlich den Schatz der Mongolen bewundern, der die Migrationstheorie der asiatischen Völker in jeder Hinsicht bestätigt. Während sie der Blick auf die Schätze in der Höhle überwältigt, beginnt das Gewölbe plötzlich heftig zu vibrieren. Der Geist Hon-Ki-Ton erklärt, dass es sich wohl um ein Missverständnis handelt: Die Höhle war schon immer offen und der Mechanismus diente ausschließlich dazu, sie für alle Zeiten zu verschließen. Nun stürzt die Decke ein, um die Geheimnisse des Stammes für immer zu begraben.
Micky, Atömchen und Samuel Spinnweb werden in letzter Sekunde von Kapitän McGier gerettet, der sich in die unterirdischen Tunnel begeben hatte, um seine weiße Sardine zu jagen. Hon-ki-ton aber verschwindet endgültig und hinterlässt Micky, Atömchen und Samuel Spinnweb als Erinnerung an das Abenteuer einen wertvollen Zahnstocher, der zumindest ein sehr kleiner Teil des Schatzes seines Volkes war.
Aufbau und Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Diese Geschichte ist zwar ein zusammenheängendes Abenteuer, in dem Micky Maus und Atömchen den verlorenen Schatz der prähistorischen Mongolen suchen, doch die Haupthandlung ist in mehrere Abschnitte untergliedert. Ganz im Stil von Floyd Gottfredson lassen sich innerhalb der Geschichte mindestens sechs Unterkapitel unterscheiden, die teilweise ineinandergreifen.
- Der erste Abschnitt beinnt beinahe harmlos auf Mickys Grundstück und zeigt in urkomischen Situationen, wie Micky und sein Kumpel Rudi Ross versuchen, einen knorrigen Baum zu fällen. Dabei nimmt die Intensität der Gags im Verlauf stetig zu – am Ende ist Mickys Küche völlig demoliert und sein Häuschen akut einsturzgefährdet. Micky ist genervt und sucht eine Abwechslung, seinem Alltag zu entkommen. Der Besuch von Atömchen komtm ihm dabei sehr gelegen.
- Im zweiten Abschnitt besuchen Micky Maus und Atömchen den Antiquitätenhändler Samuel Spinnweb, der ihnen allerlei historische Artefakte andrehen will, die der grundehrliche Atömchen als Fälschungen enttarnen kann. Neben dem Humor setzt die Geschichte hier auch zu Erklärungsversuchen an, wie der amerikanische Kontinent möglicherweise besiedelt wurde. Um den Ort der mongolischen Wasserfälle zu lokalisieren, braucht Atömchen sprichwörtlich neuen Saft – und nach den textlastigen Erläuterungen folgt eine Komödie in einem Restaurant.
- Im dritten Abschnitt treten Micky, Atömchen und Herr Spinnweb ihre aufregende Reise nach Alaska an. Im Doppeldecker wagen wie einen wilden Flug, der durch einen Vogelschaden stark beeinträchtigt wird. Trotzdem finden sie eine mehr als ungewöhnliche Lösung, am Himmel zu bleiben.
- Der vierte Abschnitt steht im Zeichen es Lebens von Kapitän Mac Gier und stellt eine offensichtliche Parodie auf den Roman „Moby Dick“ von H. Melville dar. Scarpa beschränkt sich jedoch darauf, die wichtigsten Aspekte der Handlung im Disney-Stil zu parodieren, ohne eine vollständige Neufassung zu schreiben, wie es viele Jahre später Francesco Artibani mit seiner Literaturparodie Moby Duck in die Realität umsetzte. Anstelle eines weißen Wals macht der unerschrockene Kapitän Jagd auf eine weiße Sardine, die zwar ungefährlich, aber nicht minder raffiniert ist.
- Der fünfte Abschnitt thematisiert das Schicksal einer abgelegenen Goldgräberstadt in Alaska, deren Bewohner nach der Entdeckung einer riesigen Uranlagerstätte alle zu Milliardären wurden und seitdem in maßlosem Luxus leben. Zudem liefert das Gespräch mit dem Barkeeper, dessen Alkoholkonsum parodiert wird (er liegt mit dem Gesicht im Schnaps auf seinem Tresen und niemand glaubt ihm seine Erzählung von der lebendigen Geistererscheinung) weitere Informationen über Hon-ki-Ton, der schon im Jahr 1875 in der Gegend unterwegs war.
- Der sechste Abschnitt ist nunmehr dem Finale vorbehalten. Es wird das Geheimnis des Schatzes und Hon-Ki-Tons Vermächtnis gelüftet. Da weder Micky noch Atömchen oder Samuel Spinnweb böse Absichten verfolgen, erlaubt ihnen der Hüter Hon-Ki-Ton (der ebenfalls kein Bösewicht ist) den dreien einen Blick auf den Schatz – wohl wissend, dass dieser mit dem Einsturz der Höhle für immer und ewig versiegelt wird.
Die Charakterisierung von Rudi Ross, die Scarpa in dieser Geschichte vornimmt, erinnert sehr an die ersten Comicgeschichten von Floyd Gottfredson, in denen der fleißige rudi obwohl es von aufrichtiger Hilfsbereitschaft beseelt war, nur Unheil anrichtete und die Probleme seiner Freunde eher noch verschlimmerte.
Im italienischsprachigen Original befinden sich in der Wasserflasche keine Kürbiskerne, sondern Holunderbeeren.
Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Für dieses Abenteuer nahm Romano Scarpa eine weitestgehend akkurate und detaillierte historische Rekonstruktion vor, die wahrscheinlich einer längeren Recherche bedurfte. Nur wenige Jahre zuvor hatte Carl Barks mit Der goldene Helm eine Abenteuergeschichte mit Donald Duck geschaffen, die sich um die (Wieder-)Entdeckung Amerikas vor Kolumbus drehte. Mit Die Karten des Christoph Kolumbus schuf der Zeichner Don Rosa 1995 eine direkte Fortsetzung zu Der goldene Helm, in welcher das Abenteuer um die Ahnen Amerikas erneut seinen Lauf nimmt.
Vor allem seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg das Interesse der Anthropologen für die amerikanischen Ureinwohner. Man begann, ihre reichen und einzigartigen Traditionen zu beobachten, während sich die Studien in den letzten Jahrzehnten auch mit der Genetik dieser Völker befassten, die jahrhundertelang isoliert von den Völkern anderer Kontinente gelebt hatten. Wissenschaftler stellen erste Vermutungen über die möglichen Ursprünge der Ureinwohner auf. Die am meisten akzeptierte Theorie besagte, dass asiatische Völker mongolischer Herkunft während der letzten Eiszeit die Beringstraße überquerten, die damals vollständig aus dem Meer ragte und Beringia genannt wurde, und die Stämme anschließend Amerika kolonisierten.
Eine kürzlich durchgeführte italienische Forschungsstudie, bei der mitochondriale DNA analysiert wurde, brachte hervor, dass es vier Migrationswellen gab, die die Besiedlung Amerikas ermöglichten. Nach jüngsten Schätzungen fanden diese vor etwa 15.000 Jahren statt. Damit ist Scarpas Datierung der indianischen Wasserflasche nicht aus der Luft gegriffen.
All diese evolutionären Theorien, die heute durch zahlreiche Studien bestätigt sind, setzten sich in der Wissenschaft Mitte des 20. Jahrhunderts durch, und Scarpa, der immer neugierig auf neue Forschungsergebnisse war, wollte sie bereits 1961 in den Disney-Comics umsetzen. drei Jahre bevor der Wissenschaftler Caleb Vance Haynes in einer Fachpublikation ein valides Migrationsmodell vorstellte, das erklärte, wie die Besiedlung des amerikanischen Kontinents durch asiatische Völker stattgefunden hatte.
Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Micky auf den Spuren der Indianer gilt als eine der abenteuerlichsten und humorvollsten Geschichten von Romano Scarpa, die mit einer intelligenten, klug konstruierten Handlung mit authentischen historischen Bezügen und faszinierenden, liebenswerten Figuren daherkommt. Die Zeichnungen von Romano Scarpa verzaubern die Leser, sorgen für eine stimmige Atmosphäre und wirken streckenweise eher wie Filmbilder als wie Comicpanels erscheinen. An anderen Stellen wiederum ähnelt die Erzählweise einer Slapstick-Einlage eines Comicstrips.
Die Geschichte spart nicht mit skurrilen Momenten, wie zum Beispiel, als Micky zu Beginn seinen großen Garten auf Vordermann bringen will, aber trotzdem anfängt, das Gras mit einer handelsüblichen Schere anstatt eines Rasenmähers zu schneiden. Das vermeintliche „Hilfsangebot“ von Rudi Ross sorgt für zusätzliches Chaos und Schmunzeln.
Unvergesslich ist zudem die kleine Verfolgungsjagd von Hon-Ki-Ton, der die indianische Flasche entwendet hat, und Micky, Atömchen und Samuel Spinnweb versuchen, ihn nicht entkommen zu lassen. Da die Zugangstreppe des Antiquitätenladens (die einst zu Admiral Nelsons Flaggschiff gehört haben soll) in die Brüche gegangen ist, versuchen die Helden mit allerlei anderen Artefakten, die höher gelegene Tür zu erreichen. Der sonst so gediegene Geschichtskenner Spinnweb ruft außer sich: „Zum Kuckuck mit dem antiken Krempel!“. Das Mittel der Wahl ist dann ein Katapult aus dem 15. Jahrhundert, das die Freunde in hohen Bogen auf die Straße befördert, wo die Verfolgungsjagd unvermittelt fortgesetzt wird.
Die subtile und elegante Ironie, die in den Geschichten von Romano Scarpa immer präsent ist, wird in diesem Abenteuer regelrecht auf die Spitze getrieben. Selbst im spannendsten Moment werden Szenen integriert, die ein Lachen hervorrufen, ohne dabei den roten Faden des Abenteuers zu unterbrechen. Beispielhaft kann hierfür die mehrdeutige Rekonstruktion der alten Goldgräberstadt herangezogen werden, dessen Einwohner mittlerweile reiche Pinkel geworden sind, aber nicht durch harte Arbeit mit den Händen, sondern Börsenspekulationen mit entdecktem Uran
Des Weiteren fehlt es nicht an Verweisen auf andere Medien: In diesem Fall bedient sich Scarpa einer lustigen Parodie des Literaturklassikers „Moby Dick“ von Herman Melville. In der Comicgeschichte ist der starrköpfige Käpt’n McGier (im Original: Capitano Mc Hab) fast genauso davon besessen, die weiße Sardine „Bobby Dick“ zu fangen wie Kapitän Ahab – trotzdem bleibt die Figur sympathisch und hilft Micky und seinen Freunden mehrfach aus der Patsche. Die Ironie des Schicksals will es, dass die weiße Sardine Bobby Dick am Ende sogar zum eigentlichen Retter der Figuren wird, der einen Ausgang aus dem Höhlensystem kennt.
Die wissenschaftlichen Hintergründe zur Comicgeschichte liefert Romano Scarpa in einem Rahmen: Die Geschichte beginnt mit einem ausführlichen Textkasten und endet mit weiteren, notwendigen Erklärungen des indianischen Hüters Hon-Ki-Ton. Dieser erläutert die Ursprünge der Ureinwohner und bestätigt die Theorie dieser Völkerwanderung vor 10.000 Jahren. Zwar gestattet er den drei Schatzsuchern, einen Blick auf den lang ersehnten Schatz zu werfen, bevor er die himmlischen Prärien erreicht. Aber wie es sich gehört, dürfen die Sucher nichts mitnehmen und müssen sich mit einem mongolischen Zahnstocher als Beweis für ihr aufregendes Erlebnis begnügen.
Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- LTB 67 (1980, 1998 neu aufgelegt)
- LTB Maus-Edition 5 (2014)
Internationale Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zwischen 1959 und 2025 erschien die Geschichte in zahlreichen Ausgaben in elf Ländern.
In den Ausgaben nach der Erstveröffentlichung verschwand eine Drucktafel, nämlich die erste der zweiten Episode, die einige verbindende Elemente und eine zusammenfassende Panel enthielt. Die einzige Ausgabe, in der die Geschichte vollständig enthalten ist, ist die Veröffentlichung Topolino 1959, die im Jahr 2000 erschienen. Dabei handelt es sich eigentlich um eine anastatische Faksimile-Ausgabe der beiden Topolino-Hefte, in denen die Geschichte erstmalig erschienen war.[1]
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ https://it.wikipedia.org/wiki/Topolino_e_Bip_Bip_alle_sorgenti_mongole#Edizioni abgerufen am 25.12.2025