LTB 4: Rezension

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© Egmont Ehapa
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In diesem Artikel wird das LTB 4 rezensiert. Welche Geschichten erfreuen das Fan-Herz und welche sollte man dem Gemütszustand halber lieber weglassen? Das erfährst du hier! Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 4.

Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 4 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight Highlight, Gut Gut, Mittelmaß Mittelmaß oder Schlecht Schlecht bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!

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Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Vor gelbem Hintergrund wirbelt Donald Duck einmal um die eigene Achse und feuert zwei Pistolen auf ein Ziel rechts außerhalb des Bildes ab. Welchen Kontrahenten dieser Auftritt des Enterichs als Revolverheld noch nicht nachhaltig erschreckt hätte, würde vollends von der mal wieder äußerst gewagten Kleidungskombination (hellgrüner Cowboyhut, blaues Halstuch, rotes Hemd, graue Handschuhe, dunkelgrüner Pistolengürtel) in die Knie gezwungen…

Das erste von Giuseppe Perego gezeichnete Cover eines LTB ist eigentlich ziemlich gelungen. Die Dynamik des Geschehens ist durch die flirrenden Bewegungslinien, welche das blitzschnelle Ziehen der Pistolen adäquat einfangen, ebenso gut unterstrichen wir durch die kringelig „rauchenden Colts“ mit ihren Mündungsfeuern. Der deutsche Schriftzug nimmt deren diagonale Linie geschickt auf. Gut gefällt mir auch die Präsenz der großformatigen Donald-Figur – mit einem Tic zu monumentalem Schnabel –, deren Hut sogar links über die Bildgrenze „hinauswächst“. Hier zeigt Perego sein Potenzial als Cover-Gestalter. (9/15 - Fine) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Rahmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlecht Eine Rahmengeschichte rund um das Schießen und das Schlafen: Donald kreuzt in Cowboy-Kluft auf der Farm von Oma Duck auf und sprengt dort die Dreharbeiten zum Western „Tödliche Verfolgung“. Nun ist Donald natürlich extremst ruhebedürftig und füllt sich schließlich mit Schlaftabletten ab, die Daniel Düsentrieb in seinem Medikamentenschrank in rauen Mengen vorrätig hat. Am Ende schlägt Pistolero Donald sogar seinen Onkel Dagobert in die Flucht – dabei wollte der seinen Neffen doch nur fragen, ob er Lust hat, vier Wochen an der See zu verbringen… Der Mix aus Selbst- und Fremdgefährdung ginge heute aus guten Gründen gar nicht mehr. Für eventuelle Neuauflagen fast schon ein Fall für den Zensor. (2/15 - Terrible) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Selbst wenn er alles richtig macht, macht in Romano Scarpas Spionage-Satire "Donald in geheimer Mission" alles falsch (© Egmont Ehapa)

Donald in geheimer Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Hallo! Einen Moment“ – „Wir sind vom Geheimdienst!““ (die Agenten Schnüff und Schnuff nehmen ihre Profession nicht übertrieben wörtlich)

Highlight Donald wird vom Geheimdienst ausgewählt, eine ultra-geheime Schachtel unbekannten Inhalts an General Waghals in Entenhausen abzuliefern. Verborgen ist sie im weiteren Verlauf in einem Reifen seines 313. Einfach ist der Auftrag nicht, denn an allen Ecken und Enden lauern Spione, welche die Übergabe zu verhindern trachten. Doch auch der Auftraggeber („der Chef“ genannt) und seine Agenten sind hinter Donald her, seit sie gemerkt haben, dass sie ihm versehentlich eine falsche Schachtel mitgegeben hatten. Nach Mühen, Unfällen, Gags und Verwechslungen aller Art langt Donald endlich beim säbelrasselnden General an: die Schachtel enthält ein paar Paradestiefel! Vom Aufmarsch kehrt Waghals zornentbrannt zurück und entsorgt Donald in die nächste Mülltonne – die Stiefel waren viel zu eng. Aber Donald hat erst einmal die Nase voll vom Geheimdienstfach…

Ein wundervolles Crossover aus Gag- und Abenteuergeschichte ist Romano Scarpa da gelungen – mit satirischen Spitzen auf das im Entstehungsjahr 1962 florierende Genre der Agentenfilme. Köstlich die Tricks, mit denen sich die Agenten versuchen gegenseitig hinters Licht zu führen – so verkleidet sich der panikgetriebene Chef (Was ist da bloß so Schlimmes in der Schachtel?...) sogar als vom Wind losgerissener Dornenbusch. Und auch Donald vergibt sich seinen Häschern in dieser Hinsicht nichts. Einmal posiert er als Michelin-(auf deutsch: „Gummolin“-)Männchen einer Reklametafel. Herrlich auch Donalds Ehrgeiz, alles gut und besser zu machen, womit er nicht nur seine Auftraggeber überrascht, die ihn ja gerade nach seiner Unbedarftheit ausgewählt hatten. Diese obrigkeitshörige Beflissenheit, die ihn alle Warnungen verbohrt in den Wind schlagen lässt, fällt ihm am Ende selbst voll auf die Füße – eine stark an Barks erinnernde und von Scarpa gekonnt adaptierte Erzählstruktur. Wenn es etwas zu meckern gibt, dann ist es das abrupte, angeklatschte Ende. Konfusion gibt es ferner um Donalds Mütze: Unterwegs scheint er sie verloren und gegen eine Dienstmütze des Fahrers vom Abschleppdienst (S. 48 oben) eingetauscht zu haben – im letzten Panel dieser Seite, als er bei General Waghals Sturm klingelt, hat er sie dann plötzlich wieder auf, nur um sie auf der nächsten Seite wieder einzubüßen, ohne sie bis zum Ende der Story wiederzuerlangen. Ungeschickterweise lenkt sogar das anschließende erste Panel der Rahmengeschichte („Und meine Mütze ist auch weg!“, S. 51) die Aufmerksamkeit des Lesers auf diesen Comic-„Goof“. Und ob vielleicht der blutjunge Inker da seine Hände im Spiel gehabt hatte? „Donald in geheimer Mission“ ist der erste Disney-Comic, für den der erst 15-jährige Giorgio Cavazzano die Tuschezeichnungen ausführte. (13/15 - Superb) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Onkel Dagoberts Arche Noah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich überlasse Ihnen den Plan für einen Taler! Ich gehe ja bei der Sintflut auch unter…/was nützen mir da noch 50 Millionen! Schluchz!“ – „Vollkommen richtig!/Was nützt Ihnen dann überhaupt noch 1 Taler?“ (Onkel Dagobert seziert den Panzerknacker-Plan – doch angebissen hat er dennoch)

Gut Ein als Orientale verkleideter Panzerknacker präsentiert Onkel Dagobert eine Berechnung, nach der alsbald die ganze Welt in einer gigantischen Sintflut versinken werde. Doch er offeriert auch die Lösung: eine Arche Noah, auf die er sein Geld werde retten können. Bald baut der Milliardär an der Arche, Donald und die Kinder, im falschen Glauben, er werde wie auf die biblische Arche ein Tierpaar jeder Art aufnehmen, helfen ihm. In der Nacht verfrachten die Panzerknacker die mittlerweile mit Geld und Gold vollgestopfte Arche mit dem Hubschrauber auf die hohe See. Für die Ducks ist es ein unerfreuliches Erwachen, scheint doch die Überschwemmung schneller gekommen als erwartet. Es folgen schwere Tage für die kleine Besatzung, weil Onkel Dagobert aus Geldgier keinerlei Proviant mit an Bord genommen hatte. Als die Panzerknacker auf einem Schiff voller Köstlichkeiten auftauchen und einen Tausch der Schiffe vorschlagen, willigen Donald und die Kinder ein – nur ihr Onkel muss während der Abwicklung des Handels an den Großmast festgebunden werden. Bald darauf erfahren die Ducks auch, dass eine Sintflut gar nicht stattgefunden und die Bande sie reingelegt hatte. Sie stöbern sie auf dem Piraten-Eiland auf, wo sie angelegt haben mussten, um Proviant aufzunehmen. Die Panzerknacker wählten die Insel aber auch deshalb aus, weil ihr Schulfreund Glotzauge dort das Regiment über eine Horde Piraten führt. Da diese nicht recht im Training ist, verfehlen sie das Schiff der Ducks, die die Panzerknacker, die derweil das Geld von der Arche über die Insel verteilt hatten, auf der Insel aufsuchen. Glotzauge hat mittlerweile Verdacht gegen die „Schulfreunde“ geschöpft, dass er und seine Leite sauber hinter die Fichte geführt werden sollten, denn natürlich hatten sie von dem neuen Reichtum der Knacker gar nichts mitbekommen. Aber auch Dagobert hält Glotzauge zum Narren: Er verspricht dessen Piratenbande die Hälfte aller vergoldeten Taler, die sie auf der Insel finden, aber da Dagoberts Schätze natürlich sämtlich aus purem Gold sind, steht Glotzauge auch hier wieder ziemlich dämlich da. Während die Panzerknacker die Erde auf der Insel umgraben, um vielleicht doch noch eine Krume Goldes für sie übriggeblieben ist, macht sich Glotzauge an die Verfolgung der Ducks…

Pirat Glotzauge zieht den Kürzeren in Gazzarri/Carpis "Onkel Dagoberts Arche Noah" (© Egmont Ehapa)

Für mich als Jugendlicher war diese Geschichte von Giovan Battista Carpi nach einem Skript von Michele Gazzarri ein echter Hit, wovon die vier Bleistift-Sterne, die ich neben den Titel ins Inhaltsverzeichnis kritzelte, noch heute zeugen. Tatsächlich gibt es einige Textzeilen, die während der Jahre meiner Disney-Rezeption zu Klassikern von redensartlichem Format wurden: „Europäische Hauptstadt mit drei Buchstaben! Fängt mit R an! Hm! Keine Ahnung! Dabei darf der Gewinner 1 Gratiswoche im Gebirge verbringen!“ (Donald, S. 60) Im Nachhinein relativiert sich vieles, wobei es trotzdem eine durchweg gute Geschichte bleibt. Nur peripher wird die Stimmung von einem Helikopter getrübt, der eine randvoll mit Goldtalern befüllte Arche in die Luft zu heben in der Lage sein soll, und vom hypermodernen „Seetaler“ aus Dagoberts Fischereiflotte, der am Ende zu einem gemütlich schippernden kleinen Kutter mutiert zu sein scheint. Auch dass der zweite Teil mit der Glotzauge-Handlung nicht so recht zum Rest passen mag – so what. Die Initialzündung mit der Arche-Handlung passt, auch wenn sich Dagobert nach diesem Reinfall nicht so arg weit aus dem Fenster lehnen sollte, Donald möge das Denken doch ihm überlassen: „Ich habe ein größeres Gehirn!“ (S. 90) Im Schaffen Carpis markiert dieser Comic einen Übergang von den noch etwas klobig-großkopfigen Ducks seiner zweiten Schaffensphase (1958-63) hin zu den feingliedrigeren Gestalten der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre. Bereits in der nächsten in einem der frühen Lustigen Taschenbücher erschienenen Geschichte, „Onkel Dagobert droht Unheil“ (LTB 28), ziemlich genau ein Jahr später (April 1964), wirken die Figuren deutlich schlanker, frischer und hübscher, während die Hintergründe zunehmend stiefmütterlich behandelt werden. (11/15 - Good) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Onkel Dagoberts Unterschrift ist Gold wert![Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich bin 274mal reicher als der reichste Mann der Welt!“ (Dagobert Duck im Eröffnungspanel)

Schlecht Einst hatte Dagobert Duck einem alten Kumpel aus Goldgräberzeiten die Hälfte seines Vermögens, das er zukünftig machen werde, per Vertrag überschrieben. Und jetzt steht dieser Kunz Krummschnabel plötzlich in Dagoberts Geldspeicher und fordert seinen Anteil ein. Dagobert hatte damals aus Vorsicht den Vertrag mit Geheimtinte unterschrieben, die einen Tag später verschwand, weshalb Krummschnabel nun Dagoberts Fingerabdruck nachjagt, denn dieser, den er auf dem Schreiben hinterlassen habe, gelte „vor dem Gesetz als Unterschrift“ (S. 118). Dagobert spannt mal wieder die Kinder und Donald in seine Interessen ein. Letzterer hat die Idee, den Vertrag einfach aus Krummschnabels Villa zu entwenden. Dabei soll Lude Langfing helfen, ein begnadeter Geldschrankknacker, der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und den Ducks wie ein Geschenk des Himmels vor die Füße fällt. Doch aus Versehen trinkt Langfing ein Schlafmittel Daniel Düsentriebs und ist somit für den Rest der Handlung aus dem Spiel genommen. Und weiter geht es mit dem fröhlichen Unterschriftentreiben: Während Dagobert seinem Neffen Donald sein Vermögen überschreibt, zwingt Krummschnabel denselben Donald zu einer Unterschrift, nach welcher auch er ihm die Hälfte seines Vermögens verspricht. Dagobert jagt Donald für diese Verfehlung mit einem Schlag-Schemel hinterher. In einer Atempause offenbart er ihm, dass er auch die Schenkungsurkunde mit Geheimtinte unterschrieben hat…

Was man in Schießstetten tunlichst vermeiden sollte: Chendi/Bottaros Western-Satire "Donald und das Pistolenduell" (© Egmont Ehapa)

…woraufhin der Grundkonflikt zwischen Dagobert und Krummschnabel ja immer noch nicht gelöst wäre. Aber solche Feinheiten spielen in dieser krachledernen, 1961 von Guido Martina ersonnenen und von Luciano Capitanio umgesetzten Angelegenheit schon längst keine Rolle mehr. Nur mäßig trägt wieder einmal eine Episode aus Dagoberts Vergangenheit alle weiteren Motivationen der beteiligten Personen. Das meiste ist nur sehr grobmaschig gestrickt und in ihrer Einfachheit ebenso stupend wie stupide, so die ausufernden Hoffnungen, welche die Ducks auf den Großerfinder Daniel Düsentrieb legen. Typisch in dieser Hinsicht S. 128/129: Dagobert weiht im Geheimen Donald in einen phänomenalen Plan ein, dem daraufhin ein anerkennendes „Dass mir das nicht eingefallen ist!“ entfährt. Gegenstand des Plans? Die Ducks stürmen auf Krummschnabel zu, überwältigen und durchsuchen ihn und nehmen ihm den ominösen Vertrag ab. Das funktioniert natürlich nicht. Noch mehr Schwachsinn hätte es nun wirklich nicht sein dürfen. (4/15 - Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Donald und das Pistolenduell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sheriff, dieser Fremde behauptet, Sie hätten Muskeln aus Marmelade!“ – „Den kauf‘ ich mir!“ (Wen wundert es, dass „dieser Fremde“ im Dialog zwischen Dagobert und dem Sheriff von Schießstetten Donald Duck heißt?)

Gut Vor Jahren raubten die Panzerknacker Bezirk Wild-West eine von Onkel Dagobert gegründete Bank in Schießstetten aus. Jetzt ist die Bande wieder auf freiem Fuß, woraufhin Dagobert zurecht annimmt, sie werde sich zunächst an dem Sheriff von Schießstetten rächen wollen, der sie damals hinter Gitter brachte. Das will Dagobert verhindern, weil die unterlegenen Panzerknacker ihn nicht mehr zu seinem eigenen Gold führen könnten. Glücklicherweise sieht Donald dem Sheriff sehr ähnlich und es gelingt auch, den echten Sheriff kurzzeitig außer Gefecht zu setzen. Wie vorausgesehen zieht Donald gegen die geballte Knacker-Power den Kürzeren. Wenig später tauchen die Panzerknacker verkleidet als Orientalen in Dagoberts Bank auf, um dort den Inhalt eines Safes abzuholen. Wie sich herausstellt, hatte die Bande ihre Beute aus dem Raubzug in der Bank dort schnurstracks wieder deponiert! Für „Zinsen und Zinseszinsen, Büroreinigung etc.“ (S. 181) überlassen die Panzerknacker dem Eigentümer der Bank 50.000 Taler, allerdings in Falschgeld, was wiederum den (diesmal echten) Sheriff auf den Plan ruft und die Bande wieder hinter Gitter wandern lässt. Zurück in Entenhausen, wird Dagobert von Gewissensbissen zerfressen, weil er Donald in dieser Angelegenheit so schäbig behandelt hatte. Dennoch spart er die fünf Taler, welche er als Entschädigung für seinen Neffen vorgesehen hatte, weil er ihn schlafend vorfindet…

Während der für seine skurrilen Geschichten bekannte Luciano Bottaro das Piraten- und das Ritter-Genre durchaus in Serie beackerte, produzierte er nur vergleichsweise wenige Western, wobei dieser hier mit den Ducks von 1961, der den Vergleich mit Barks ‘ weit früheren „Sheriff von Bullet Valley“ nicht zu scheuen braucht, unter Autorschaft des großartigen Carlo Chendi sein wahrscheinlich bester ist: Es gibt hübsche oder sogar geistreiche Genre-Ideen in Hülle und Fülle, etwa als Sheriff Donald der anrückenden Panzerknackerbande in einen Tresor eingeschlossen gegenübertritt (S. 171/172). Klasse auch die Genre-Brüche, etwa wenn plötzlich ganz in der Nähe dieses Shitholes Schießstetten ein Maharadscha mit seinem Gefolge aus den Felsen herauszuwachsen scheinen (S. 177). Was ich schon weiter oben zu Carpis „Arche Noah“-Story gesagt habe, gilt auch hier: Die oben zitierten „Muskeln aus Marmelade“ gingen wohl nicht nur in meinen, sondern in den Sprachschatz vieler Jungen meiner Generation ein. Was Bottaro und die Panzerknacker betrifft, fiel mir während meiner Recherchen auf, wie bedrohlich sie ihm in diesem Jahr, 1961, noch gelangen, während sie unter seiner Feder später eher zu gemütlichen Witzfiguren degenerierten (z.B. Die Panzerknacker gehen baden, 1965, LTB 21). (12/15 – Very Good) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Das Märchen von Donald Aschenputtel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Du solltest nachgeben, Onkel Donald!“ – „Nie! Schluß jetzt mit der Tyrannei!“ (Die Neffen und Donald-Aschenputtel in typischen Rede-Posen)

Anstatt auf seine drei defätistischen Unglücksengel zu hören, hat "Donald Aschenputtel" mal wieder seinen Koller in Missaglia/Capitanios gleichnamigem "Märchen" (© Egmont Ehapa)

Mittelmaß Unter Graf Dagobert muss dessen Neffe Donald derart niederste Arbeiten verrichten, dass das Volk ihm den Spottnamen „Donald Aschenputtel“ gegeben hat. Der ehrgeizige Donald sieht seine Chance gekommen, als der König des Landes das Amt des Schatzmeisters neu ausschreibt, diesem ein Jahresgehalt von 50.000 Gulden verspricht sowie einen Diamantenschrein, wenn es ihm gelingt, das Land aus der Finanzkrise zu führen. Eine ihm wohlgesonnene Hexe macht Donald zum „schwarzen Ritter“ auf prachtvollem Pferd und zum Rechengenie – allerdings nur bis die Uhr Mittag schlägt. Obwohl auch Graf Dagobert unter seinen Gegnern ist, schlägt sich Donald phantastisch und wird bereits zum Sieger ausgerufen, als er sich unter den Glockenschlägen der Turmuhr aus dem Staub machen muss. Zurück bleibt sein schwarzer Helm, den der König allen Bewerbern anpassen will. So wird zwar Donald doch noch zum Schatzmeister, aber Graf Dagobert sinnt schon auf Rache und verbündet sich mit den Herren von der Panzerknacker AG. Diese schwatzen dem neuen Schatzmeister für eine halbe Million Gulden ein wertloses Schloss auf, von dem dieser glaubt, es würde enorme Diamantenvorkommen bergen. Doch es sind, als Donald nach Abschluss des Kaufs mit seinen Neffen und dem König das neue Krongut inspiziert, doch nur unechte Edelsteine gewesen, welche die Panzerknacker auf Betreiben des Grafen dort verstreut hatten. Nun soll Donald nach Willen des entsetzten Königs zeit seines Lebens hinter Kerkermauern schmoren – doch Graf Dagobert löst ihn aus und bietet ihm an, wieder für ihn zu arbeiten, womit die Geschichte gleichsam endet, wie sie begonnen hat…

Zum einen mag man, wenn man diese 60 wiederum von Capitanio 1961 gezeichneten Seiten denn durchgelesen hat, erleichtert aufatmen: Erzählerisch hat sich der Autor Ennio Missaglia halt so durchgewurstelt. Die Wendung hin zum Geschäftsbetrug im letzten Story-Drittel hat natürlich gar nichts mehr mit dem Aschenputtel-Stoff zu tun und zapft nur noch unverhohlen die zeitgenössischen italienischen Plot-Routinen an. Zum anderen kann man das Trashige der Geschichte, anders als in Capitanios anderem Beitrag in diesem Band, auch durchaus zu schätzen gelernt haben. Vor allem durchzieht das „Märchen von Donald Aschenputtel“ eine merkwürdig düstere, nun ja, Ästhetik. So kommen die Neffen, mit seltsam kleinen, leeren Äuglein, nicht nur wie schwarzgekleidete Pagen in Kostümierung der Zeit des englischen Königs Heinrich VIII. daher, sondern wirken dabei fast schon wie dräuende Unglücksengel. Auch sonst dominieren schwarze Silhouetten und erdige Farbtöne die Gestaltung. Die Umsetzung des märchenhaften Königreichs ist, wenn man sich einmal an dieses Konzept gewöhnt hat, auch gar nicht einmal so schlecht gelungen. Und anders als das Grimmsche Märchen oder auch Disneys Zeichentrick-Umsetzung Cinderella von 1950 wird diese Version natürlich den Realitäten der Ständegesellschaft viel eher gerecht: In zyklischer Struktur kann Donald aus seiner dienenden Stellung einfach nicht entkommen: „Ich Armer! Was gelingt mir schon?“ stöhnt Donald in seiner Küchenarbeit, und die Unglücksengel haben auch kein aufbauendes Wort für ihn übrig: „Nur Mut! Du hast noch 23 Jahre, 364 Tage und 23 Stungen Küchenarbeit vor dir!“ (S. 252) (7/15 – Not Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)

Fazit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natürlich kann man schwerlich davon absehen, dass der Band zwei schwächere, von Luciano Capitanio gezeichnete Geschichten enthält, die satte 100 von 254 Seiten einnehmen. Und doch sind alle „großen Drei“ der frühen italienischen Disney-Comics (Scarpa, Carpi und Bottaro) mit jeweils einer typischen und rundum gelungenen Geschichte vertreten, wodurch er doch wieder extrem gut lesbar wird. Einer der favorisierten Bände aus meiner Kindheit! Hobrowili (Diskussion) 23:11, 16. Dez. 2025 (CET)