Dortel (Pferd)

Dortel (engl. Hortense) ist das ungestüme, jedoch ausgesprochen treue Pferd von Onkel Dagobert, das ihn bei einigen Stationen seines bewegten Lebens im Opus magnum Sein Leben, seine Milliarden von Don Rosa begleitet.
Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bevor Onkel Dagobert der reichste Mann der Welt wurde, war er unter anderem als Cowboy im ausgehenden, sogenannten „Wilden Westen“ tätig. Dieser Umstand wird bereits bei Dagoberts Schöpfer Carl Barks mehrfach erwähnt. In Der arme reiche Mann von Carl Barks erzählt Dagobert, er habe 1882 als Viehtreiber in Montana gearbeitet und dort sogar die berühmt-berüchtigte James-Bande aufgemischt. In einer Rückblende sieht man am Bildrand eines Panels ein braunes Pferd mit Zaumzeug: Damit das Debüt von Dortel. Die bösen Gebrüder Brantewien ließ Barks später auch in Das Geheimnis der Eisenbahnaktien und Der Rinderkönig gegen den jungen Cowboy Onkel Dagobert antreten. Somit war es naheliegend, dass der Cowboy Dagobert auch ein richtiges Pferd besessen haben musste.
Im dritten Kapitel der Saga Sein Leben, seine Milliarden ließ Don Rosa den jungen Dagobert nach einem ersten Abenteuer auf amerikanischem Boden ein Cowboy werden und stellte ihm erstmalig ein Pferd als Reittier zur Seite. Diesem Pferd gab Onkel Dagobert den Namen Dortel: Wie er in einem Brief an seine Familie in Schottland schrieb, erinnerte ihn das Temperament des Pferdes ihn an seine jüngere Schwester Dortel Duck mit dem ebenfalls aufbrausenden Gemüt. Einerseits als Gag entwickelt, erlaubte die Namensgebung es Rosa andererseits, dass sich Onkel Dagobert mit seinem Pferd unterhalten konnte und „Dialoge“ geführt werden konnten. Außerdem bietet Dagoberts tierische Begleitung viel Raum für Humor, zum Beispiel haben Onkel Dagobert und Dortel in vielen Momenten den gleichen, animalischen Gesichtsausdruck und werden durch eine sehr ähnliche Mimik verbunden. [1]
Aussehen und Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Kolorierungen hat das Pferd Dortel eine braune Fellfarbe und eine schwarze Mähne sowie einen schwarzen Schweif. Es kann daher aufgrund des braunen Fells und den schwarzen Abzeichen an Mähne, Schweif, Ohrspitzen und den Gliedmaßen als „Brauner“ bezeichnet werden. Braun mit seinen Schattierungen ist die häufigste Pferdefarbe und kommt in nahezu allen Rassen vor. Der Cleveland Bay und der Maremmano sind Rassen, bei denen es ausschließlich Braune gibt.[2]
Bei sehr jungen Fohlen sind die später schwarzen Bereiche der Beine des Braunen gewöhnlich noch hell, teilweise sogar fast weiß. Da dies bei Dortel nicht (mehr) der Fall ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Tier schon ausgewachsen ist und vermutlich schon einige Jahre als Arbeitstier eingesetzt worden war.
Braune mit braunen Röhrbeinen werden auch Wildtyp-Braune genannt, was für Dortel ebenfalls zutreffend ist. Allerdings könnte Rosa sich auch an sogenannten Schwarzbraunen inspiriert haben, also sehr dunklen Braunen, die je nach Jahreszeit (Sommerfell) und Lichteinfall wie ein Rappe wirken können. Er ist jedoch meist an seinem Kupfermaul erkennbar. Die Nüstern, einige Haare um die Augen, der Bereich vor dem Ansatz des Hinterbeines und die Beininnenseiten sind immer erkennbar heller als der Rest des Körpers. Diese Details lassen sich in den Geschichten mit Dortel jedoch nicht zweifelsfrei erkennen, sodass sich eine genauere Eingrenzung der Rasse als schwierig gestaltet.
Dortels Charakter wird schon bei ihrem ersten Auftritt als wild beschrieben. Erst Onkel Dagobert gelingt es – mehr oder weniger beabsichtigt – Dortel zu zähmen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Seitdem scheinen sich Dortel und Dagobert blind zu vertrauen. Außerdem hat Dortel einige Tricks auf Lager, die Dagobert bei seinen Abenteuern zum Vorteil gereichen.
Entwicklung bei Don Rosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Don Rosa verwendet Dortel zum ersten Mal in Der Held der Badlands (1991, u.a. Don Rosa Library 4). Hier beschließt Onkel Dagobert, sich als Cowboy bei dem schottischstämmigen Rinderbaron Murdo McKenzie anstellen zu lassen. Zunächst hält McKenzie den jungen Dagobert für einen unerfahrenen Burschen und ist sich möglicherweise bereits im Klaren darüber, dass die Zeit der Cowboys bald vorbei ist. Dennoch gibt er Dagobert eine Chance und lässt ihn ein besonders wildes Pferd bringen, in dem sich Dagobert eine Weile im Sattel halten soll. Im US-amerikanischen Original ist die Rede von einem „Remuda“, also einem Pferd aus einer Herde von Reservepferden, die von Cowboys bei Viehtrieben mitgeführt wurde, um Pferde auszutauschen. Das herbeigerufene Pferd trägt hier noch den Namen „Widowmaker“, also „Witwenmacher“ und lässt ein seitliches Brandzeichen mit fünf Strichmännchen und einen Hahn (o. Ä.) erkennen – wohl ein Indiz dafür, dass das gefährliche Pferd bereits fünf Frauen (und ein Huhn) zu Witwen gemacht hat. Trotzdem wagt sich der unruhige Onkel Dagobert auf den Rücken des wutschnaubenden Pferdes, obwohl er darüber sinniert, dass er noch nie auf einem Pferd gesessen habe (was insofern korrekt ist, als das kleine Dagobert Jahre zuvor in Der Letzte aus dem Clan der Ducks lediglich einen Pferdewagen steuerte). Da sich Onkel Dagoberts Geldgürtel bei Dortels erstem aufgeregten Hufschlag am Sattelknauf festgegurtet hat, wird Onkel Dagobert zwar hart auf Dortels Rücken durchgeschüttelt, kann aber nicht herunterfallen. Damit hat Dagobert die Aufnahmeprüfung bestanden und hat sich sogar den Respekt von McKenzie und den anderen Cowboys verdient. Für diese humorvolle Szene ließ sich Don Rosa vermutlich von dem Barks-Ölgemälde Webfoot Tenderfoot von Carl Barks aus dem Jahr 1973 inspirieren.

Ihr zweites Abenteuer erleben Dortel und Dagobert anschließend in Der Bezwinger des Kupferbergs (1992, u.a. Don Rosa Library 4). Bevor der Run auf eine ertragreiche Kupfermine ausbricht, besorgte sich der arbeitsame Dagobert noch eine Schürfausrüstung. Dazu will er das goldene Gebiss seines Urahns gegen 100 Dollar eintauschen, doch der windige Hehler hat nur Augen für das prächtige Gebiss von Dortel. Dagobert stellt klar, dass er das Pferd nicht eintauschen will, sondern die wertvolle Zahnprothese. Daraus kann man schließen, dass Onkel Dagobert zum einen weiß, dass er ohne ein Reit- und Transportpferd wie Dortel nicht als Schürfer erfolgreich werden kann und andererseits, dass er sein Pferd Dortel bereits so liebgewonnen hat, dass er es nicht einmal für 100 Dollar verkaufen würde. Die Treue zu Dortel (und ein abgerissenes Stromkabel) treiben das Pferd zu wahren Höchstleistungen an, sodass Dagobert tatsächlich als Erster die begehrte Mine erreicht. Die Szene nach der Ankunft ist der einzige Moment in Don Rosas Geschichten, in denen Dortel (bzw. ein anderes Tier) eine Gedanken-Sprechblase innehat.

Im SLsM-Nebenkapitel 6b Der Rächer von Windy City (1996, u.a. Don Rosa Library 8) ist Onkel Dagobert auf dem Höhepunkt seiner Cowboy-Karriere und schließt sich einer Truppe aus echten Wild-West-Legenden an, um Jagd auf die Daltons zu machen, die sich in Windy City versteckt halten. In dieser Geschichte ist Dortel an der Seite von Dagobert omnipräsent und es wird mehr als deutlich, welch für ein eingespieltes Team sie mittlerweile sind. Nicht nur, dass Dagobert auf Dortel schnell wie der Wind reiten kann und die Gangster in einem wilden, verwegenen Ritt einholen kann, sondern Dagobert kann dank Dortel auch auf das Pferd seines Opfers steigen und den Ganoven zur Strecke bringen. Außerdem ziehen Dortel und Dagobert sprichwörtlich an einem Seil, nachdem sie sich zugezwinkert haben, und Dortel springt ohne zu Zögern auf Dagoberts Anweisung hin durch ein Fenster im Obergeschoss eines alten Saloons. Nach dem furiosen Finale bemerkt Dortel eine halbgefüllte Flasche mit Alkohol und fühlt sich nach dem Verzehr ebenselbiger leicht benommen.
Heiß her geht es zudem in Der Cowboy-Käpt'n der Cutty Sark (1998, u.a. Don Rosa Library 8), als sich Dagobert und Dortel auf der Insel Java befinden, wo der Vulkan Krakatau ausbricht. Die aus dem Vulkan herausgeschleuderten Gesteinsbrocken schwimmen auf dem Meer und haben genug Auftrieb, dass der Cowboy-Käpt'n Dagobert Duck vor der Küste mit seinem Pferd Dortel vom Dampfschiff Cutty Sark springt und schließlich trockenen Fußes die Insel erreichen kann.
Kurz zu sehen Dortel zudem in Lebensträume (2001, u.a. Don Rosa Collection 9), als Onkel Dagobert sich in seine bewegte Zeit als Cowboy nach Windy City zurückträumt.
Alternative Reittiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bereits geschildert, schwang sich Onkel Dagobert schon bei Carl Barks gelegentlich in den Sattel eines Pferdes. Einen bemerkenswert holprigen Ritt legt Dagobert in dem Einseiter W US 22-05 (späterer Titel: High Rider, u. a. LTB Classic Edition 13) hin und kommt mit dem Bürzel kaum auf den Rücken des Pferdes. Deutlich wird dies vor allem in der Geschichte Die Fuchsjagd aus dem Jahr 1948 (u. a. LTB Classic Edition 4), in der Onkel Dagobert ganz schön zu kämpfen hat, um sein Pferd in den Griff zu bekommen. Gleiches gilt für Der Rinderkönig (1967, u. a. LTB Classic Edition 20), wo Dagobert jedoch schon etwa gesetzter wirkt. Auch Don Rosa zeigte den Cowboy Dagobert teilweise sogar im Stehen reitend und etablierte damit einen Running Gag.
Dass Onkel Dagobert auf kein Pferd als Reittier angewiesen ist, stellt Don Rosa in Der Schrecken von Transvaal (1992, u. a. Don Rosa Library 4) eindrucksvoll unter Beweis: Hier besteigt Onkel Dagobert eine Giraffe, ein Nashorn und schwingt sich mutig auf den Rücken eines brüllenden Löwen. Schon bei Barks war Familie Duck in Heia Safari in Afrika unterwegs und nutzte die dortige vielseitige Fauna als Fortbewegungsmittel. Um die Die Goldgrube der Königin von Saba zu erreichen (1964, u. a. LTB Classic Edition 19) wagt sich Onkel Dagobert auf ein Wüstenschiff in Gestalt eines Kamels.
Auch innerhalb der Comicserie Damals von Kari Korhonen, die Episoden aus Onkel Dagoberts jungen Jahren beleuchtet, reitet Dagobert auf verschiedensten Tieren. So sitzt er in Das erste Abenteuer (Micky Maus Magazin 23/2021) auf einem Schafbock, in Eckig in den Anden (u. a. DDSH 450 auf einem Lama und in Der beste Löwe (u. a. DDSH 448) auf einem beharrlichen Esel.
In Die Weihnachtszeitreise (2021) von Arild Midthun erinnert Rita Rührig daran, dass Onkel Dagobert einst Schürfer in Montana war. In einer Rückblende stellt Midthun eine Hommage an das Cover von Der Bezwinger des Kupferbergs dar, auf dem auch Dortel zu sehen ist. In dem Zeitreise-Abenteuer taucht auch das Pferd aus Der Letzte aus dem Clan der Ducks wieder auf, auf dem der aus der Zukunft stammende Dagobert durch die engen Gassen von Glasgow reitet. Dieses Pferd trägt hier den Namen Millie und hat eine schottische Tartan-Baskenmütze auf dem Kopf.
Wie schnell Onkel Dagobert die Zuneigung eines Pferds vor einem wichtigen Pferderennen für sich gewinnen kann, schildert Carlo Panaro in der italienischen Geschichte Auf Trab gebracht (2004, LTB Ostern 9).
Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Der Held der Badlands (1991, u.a. Don Rosa Library 4)
- Der Bezwinger des Kupferbergs (1992, u.a. Don Rosa Library 4)
- Der Rächer von Windy City (1996, u.a. Don Rosa Library 8)
- Der Cowboy-Käpt'n der Cutty Sark (1998, u.a. Don Rosa Library 8)
- Lebensträume (2001, u.a. Don Rosa Collection 9)
- Die Weihnachtszeitreise (2021, Arild Midthun, erschienen in Walt Disneys Weihnachtliches Entenhausen, nur Rückblende)
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Don Rosa: In den Badlands. In: Don Rosa Collection 3, S. 245–247.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Brauner_(Pferd) abgerufen am 02.12.2025