Der Lektrokasten

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Der Lektrokasten
The 'Lectro Box
Erstveröffentlichung: 25. Oktober 1943 – 5. Februar 1944
Entstehungsdatum: 1943
Storycode: YM 058
Story: Bill Walsh
Zeichnungen: Floyd Gottfredson & Dick Moores
Seiten: 90 Tagesstrips, 30 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Arne Voigtmann
Weiterführendes
Liste der Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson
Infos zu Der Lektrokasten beim I.N.D.U.C.K.S.
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Der Lektrokasten (engl. The 'Lectro Box) ist eine Comicgeschichte von Floyd Gottfredson und Bill Walsh aus dem Jahr 1943, die unmittelbar an die Geschichte Micky Maus in geheimer Mission anschließt.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Micky Maus bastelt gern an Elektronik herum, doch ein unbedachtes Eingreifen Minnies setzt seine Amateurfunkstation außer Betrieb. Daraufhin beschließt Micky, für Mack ein Spielzeug zu bauen und bastelt aus ein paar Schrottteilen einen elektronischen Kasten. Das vermeintlich harmlose Gerät entpuppt sich bald als Apparat mit außergewöhnlichen und unkontrollierbaren Kräften. Allein durch das Aussenden eines Strahls kann es Gegenstände erscheinen und verschwinden lassen und löst die unterschiedlichsten, teils völlig absurden Reaktionen aus. So visualisiert es unter anderem ein Treffen japanischer Generalstabschefs, lässt ein Bakterium gigantische Ausmaße annehmen, verwandelt Goofys harmlose Pflanze in ein menschenfressendes Gewächs, macht Klarabella Kuh vorübergehend zu einer anmutigen und beinahe sinnlichen Frau und beschwört sogar das Bild von Mickys Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater aus dem 18. Jahrhundert herauf.

Gemeinsam mit seinem wieder zum Leben erweckten Vorfahren beschließt Micky, den elektronischen Kasten dem berühmten Physiker Professor Holung vorzuführen, um dessen Funktionsweise zu verstehen. Doch der Wissenschaftler richtet den Strahl versehentlich auf sich selbst und verschwindet mitsamt dem Bild des Vorfahren. Zunehmend besorgt versucht Micky daraufhin, seine Erfindung zu zerstören, vergeblich. Kurz darauf taucht ein unheimlicher Arzt namens Dr. Düster auf, der großes Interesse an dem Kasten zeigt. Sein Verhalten alarmiert Micky, doch er kann nicht verhindern, dass Düster das Gerät stiehlt. Der zwielichtige Wissenschaftler verschleppt Micky und Pluto in sein furchterregendes Anwesen, das von düsteren, zombieartigen Kreaturen bewohnt wird. Diese „Aberzombies“ hat Düster ihrer Denkfähigkeit beraubt, um sie nach seinem Willen lenken zu können.

Dr. Düster will Micky foltern, um das volle Potenzial des Kastens zu ergründen. Doch Mickys Geistesgegenwart ermöglicht es ihm schließlich, sich zu befreien und den Arzt sowie die Zombies außer Gefecht zu setzen. Auch Pluto trägt entscheidend zur Rettung bei! Er entkommt und alarmiert die Polizei. Düster, trotz seiner gefährlichen Neigung zum Wahnsinn ein brillanter Wissenschaftler, wird unter strenger Überwachung vom Staat angestellt, um seine Fähigkeiten für gesellschaftlich nützliche Experimente einzusetzen. Den unschuldigen Zombies wird ein Neuanfang ermöglicht; sie gründen eine Gesangsgruppe. Der elektronische Kasten wird schließlich einer Gruppe von Wissenschaftlern anvertraut, darunter auch Dr. Holung, der inzwischen wieder wohlauf ist.

Hintergrund und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Francesco Stajano und Leonardo Gori zufolge wirkt die Geschichte im Vergleich zu den großen früheren Micky-Maus-Abenteuern zunächst wie eine lose Folge von Episoden. Die Handlung entwickle sich offenbar erst im Verlauf der Wochen und werde erst allmählich zu einem actionreichen und zunehmend düsteren Abenteuer. Typisch für Bill Walsh seien dabei die ungeklärten übernatürlichen Ereignisse und die überschäumende Fantasie. Aus einem vermeintlich funktionslosen Gerät, das Micky für seinen Neffen Mack aus einem kaputten Radio baut, entsteht ein Apparat mit unglaublichen Kräften. Er könne unter anderem Röntgenstrahlen erzeugen, Dinge desintegrieren und sogar eine Bakterie auf Gorilla-Größe vergrößern. Als der Elektrokasten außer Kontrolle gerate, erinnere die Geschichte an die Zauberlehrling-Sequenz aus „Fantasia“.

Besonders bedrohlich werde die Handlung durch Dr. Düster und seine Zombiearmee. Stajano und Gori sehen in dessen Folterkammern, Waffen und entmenschlichten Gefolgsleuten deutliche Anspielungen auf die Nationalsozialisten und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Zum Schluss mache sich Walsh gemeinsam mit Floyd Gottfredson über die wissenschaftliche Welt lustig. Eine ursprünglich zensierte Szene sei für den Nachdruck von Henrieke Goorhuis nach Gottfredsons ursprünglicher Absicht rekonstruiert worden.[1]

Thomas Andrae zufolge sei „Der Lektrokasten“ die herausragendste Geschichte der Sammlung und zugleich die erste Schauergeschichte von Bill Walsh. Die Erzählung thematisiere die Ambivalenz moderner Technologie. Der Elektrokasten könne zwar für die Menschheit nützlich sein, entwickle sich jedoch schnell zu einer unkontrollierbaren und zerstörerischen Kraft. Andrae sehe darin eine deutliche Parallele zur Atomenergie und zur Gefahr von Massenvernichtungswaffen. Zugleich verbinde die Geschichte Science-Fiction, Horror und schwarzen Humor. Die Handlung zeige, wie der Elektrokasten immer größere chaotische Ereignisse auslöse, während der Bösewicht Dr. Düster mit absurden wissenschaftlichen Waffen die Menschheit bedrohe. Die sogenannten Aberzombies seien dabei von zeitgenössischen Horrorfilmen wie Revenge of the Zombies und White Zombie beeinflusst. Andrae weise außerdem auf rassistische Stereotype und Kriegspropaganda hin, die den Comic aus heutiger Sicht problematisch erscheinen ließen.

Besonders wichtig sei für Andrae die doppelte Botschaft der Geschichte: Wissenschaft könne der Menschheit großen Nutzen bringen, werde sie jedoch missbraucht oder gerate sie außer Kontrolle, könne sie ebenso zerstörerisch wirken. Auch das scheinbar glückliche Ende könne diese Gefahr nicht vollständig beseitigen, da der Elektrokasten weiterhin unberechenbar bleibe und Dr. Düster seine wissenschaftlichen Fähigkeiten vermutlich weiterhin für gefährliche Zwecke einsetzen könne. Andrae sehe in der Geschichte daher eine wichtige Grundlage für Themen, die Walsh und Gottfredson in späteren Micky-Maus-Geschichten weiterentwickelt hätten.[2]

Die Geschichte hat eine außerordentlich gute Bewertung auf Inducks und belegt derzeit (Stand September 2026) den Platz 1239.[3]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das ist die erste Geschichte, in der nur einer von Mickeys Neffen vorkommt. Walsh und Gottfredson waren der Ansicht, dass eine einzelne Kinderfigur besser funktionieren würde als Zwillinge und von da an verwendeten sie Muck nicht mehr in ihren Geschichten.
  • Die Geschichte deutet das erste Mal auf einem entfernten Vorfahren von Goofy hin, dieses Motiv wurde in späteren, besonders italienischen Geschichten, noch sehr häufig verwendet.
  • Der Geschichte baut Elemente aus zwei Zombiefilmen in die Handlung ein.
  • In der Geschichte sieht man die Geburtsurkunde von Jonathan Tobias Maus, der am 30. September 1754 in Wyvernis Inn (City of Worecester) geboren wurde. Seine Eltern heißen Nathan Johann Maus und Patricia Pamela Maus. Das deckt sich nicht mit der Serie „Es war einmal in Amerika.
  • Das ursprüngliche Storyboard sah vor, die mit der Elektronikbox betrauten Wissenschaftler im letzten Comicstrip von hinten in Unterwäsche zu zeigen. Damit sollte ihre vermeintliche Fähigkeit, das Gerät zu kontrollieren, ebenso verspottet werden wie dessen Unberechenbarkeit und seine Streiche. Die Zensur verbot dieses Detail, sodass der letzte Strip die Physiker lediglich von hinten in ihrer üblichen Kleidung zeigt. Umso merkwürdiger wirkt es, dass die damalige nicht an den zahlreichen verstörenden Details der Geschichte Anstoß nahm: am Riesenbakterium, der kannibalischen Pflanze, dem wenig beruhigenden Dr. Zazzera und seinem Halbtoten mit leeren Augenhöhlen. Auch der gewalttätige, an Rassismus grenzende Nationalismus, etwa das Bild der japanischen Generäle, das sich in das einer Horde Kanalratten verwandelt, blieb offenbar unangetastet und wäre in heutigen Disney-Veröffentlichungen vermutlich nicht mehr zulässig. Stattdessen traf die Zensur ausgerechnet das insgesamt harmlose und durchaus amüsante Detail der illustren Professoren in Unterwäsche.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑ Gori L & Stajano F. (2022). Das (un)scheinbar Mögliche. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 7, S. 180). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  2. ↑ Andrae, T. (2022). Von Mäusen und Menschen, 1942-1944: Die Welt steht Kopf. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 7, S. 11-13). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  3. ↑ https://inducks.org/recommend.php?top100=1
  4. ↑ https://disney-comics.fandom.com/it/wiki/Topolino_e_la_cassetta_elettronica/