Das heimgesuchte Hotel
| Das heimgesuchte Hotel | |
|---|---|
| Bellhop Detective | |
| Erstveröffentlichung: | 9. August 1940 – 21. Dezember 1940 |
| Entstehungsdatum: | 1940 |
| Storycode: | YM 043 |
| Story: | Floyd Gottfredson & Merrill De Maris |
| Zeichnungen: | Floyd Gottfredson, Bill Wright & Ted Thwaites |
| Seiten: | 108 Tagesstrips, 37 Seiten in der FGL |
| Deutsche Übersetzung: | Fabian Gross (FGL) |
| Weiterführendes | |
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| ← Entführer auf der Ranch | |
Das heimgesuchte Hotel oder auch Geisterreigen im Hotel "Zur schönen Aussicht" (engl. Bellhop Detective) ist eine Comicgeschichte von Floyd Gottfredson und Merrill De Maris aus dem Jahr 1940, die unmittelbar an die Geschichte Entführer auf der Ranch anschließt.
Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Minnie Maus
- Quizmaster im Theater
- Kommissar und Polizisten
- Patrizia und Percy (Cameo)
- Hotelpersonal „Fröhliche Morgensonne“
- Eigentümer: Emil Bibbel
- Rezeptionist: Schnösli
- Page: Micky Maus
- Hausmeister: Andy
- Putzfrau: Rosa
- Koch
- Detektiv: Poirot
- Jasper
- Portiere
- Hotelgäste
- Albert Alberner alias Aalglatter Al (Herr Klump, Oberst Knallaufall)
- Heyudi I – III
- Adelheid und Waltraud
- Weitere namenlose Gäste
Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Entenhausener Theater veranstaltet ein Quiz, und Minnie fordert Micky auf, daran teilzunehmen. Micky nimmt die Sache zunächst nicht besonders ernst, kann jedoch sämtliche Fragen beantworten und gewinnt dadurch eine Anstellung als Hotelpage im Hotel „Fröhliche Morgensonne“. An seinem ersten Arbeitstag lernt er den Eigentümer Emil Bibbel, den Rezeptionisten Herrn Schnösli, die Putzfrau Rosa sowie deren Mann Andy, den Hausmeister, kennen. In den ersten Tagen hat Micky alle Hände voll zu tun, sich um die extravaganten Gäste des Hotels zu kümmern. Sogar an seinem freien Tag muss er einige von ihnen bei Freizeitaktivitäten begleiten.
Schon bald begegnet er einer verdächtigen Person im Hotel, die sich später als Detektiv des benachbarten Hotels herausstellt. Daraufhin wirft Emil Bibbel den Detektiv hinaus. Dennoch taucht er immer wieder im Hotel auf und scheint nach etwas zu suchen. Zur gleichen Zeit checkt ein merkwürdiger Gast namens Oberst Knallaufall ein, der gleich drei Zimmer gleichzeitig bucht. Kurz darauf wird das Hotel nachts vom Geist Heyudi heimgesucht. Micky gelingt es zwar, den Geist zu vertreiben, doch dieser hinterlässt auf einem Bettlaken eine Drohung. In den folgenden Nächten kommt es zu weiteren Erscheinungen, und die Zahl der Geister nimmt stetig zu. Erst nachdem Oberst Knallaufall auscheckt, verschwinden die Geister vorübergehend.
Inzwischen wird auch der Detektiv im Hotel angestellt. Micky beginnt daraufhin, das Personal genauer zu beobachten, und vermutet bald, dass die Geistererscheinungen keinen ganz natürlichen Ursprung haben. Bei Nachforschungen in alten Hotelunterlagen stößt er auf eine wichtige Spur. Gemeinsam mit einem Kommissar erfährt er auf der Polizeistation, dass der Dieb Albert Alberner im November 1937 insgesamt 10.000 US-Dollar aus dem Hotel gestohlen hatte. Zwar wurde Alberner später wegen anderer Verbrechen verhaftet, doch das Geld blieb verschwunden. Da Emil Bibbel nicht versichert war, brachte ihn der Verlust an den Rand des Ruins.
Micky entdeckt außerdem, dass Alberner während seiner Haft Schauspielunterricht genommen und später mehrfach unter falschem Namen im Hotel eingecheckt hatte, stets für drei Tage. Genau in diesen Zeiträumen war es auch regelmäßig zu den Geistererscheinungen gekommen. Schließlich gelingt es Micky, die Geister zu vertreiben und einen Plan zu entwickeln, um den Spuk endgültig zu beenden. Gemeinsam mit Emil Bibbel versammelt er alle Angestellten des Hotels in einem Raum, in dem sich ein präparierter Schreibtisch befindet. Dort erklärt Micky, dass die Geister lediglich Projektionen gewesen seien, die mit der Suche nach dem verschwundenen Geld zusammenhingen.
Als Micky behauptet, das Geld gefunden zu haben, und es auf den Schreibtisch legt, stürzen sich plötzlich sowohl der Rezeptionist Schnösli als auch der Detektiv Poirot darauf. Damit entlarven sie sich selbst als die Verantwortlichen für die Geistererscheinungen der vergangenen Monate. Immer wenn Albert Alberner im Hotel abgestiegen war um das Geld zu suchen, hatten sie gemeinsam die drei Zimmer nach dem versteckten Geld durchsucht und mithilfe der Projektionen Angst und Verwirrung gestiftet. Im entscheidenden Moment betreten der Kommissar und mehrere Polizisten den Raum und nehmen die beiden Verbrecher fest. Emil Bibbel bietet Micky daraufhin die freie Stelle des Rezeptionisten an. Doch Micky lehnt ab und kehrt zu Minnie zurück.
Hintergrund und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
David Gerstein zufolge ließ Floyd Gottfredson 1940 nach einer Phase besonders starker und logisch aufgebauter Micky-Maus-Geschichten etwas nach und griff zunehmend auf vertraute Handlungsmuster zurück. Besonders die Geschichten „Mickys Gast aus Afrika“ und „Das heimgesuchte Hotel“ bewertet Gerstein kritisch, da sie inhaltliche Widersprüche und erzählerische Schwächen aufwiesen. So bemängelt er, dass in „Mickys Gast aus Afrika“ die Figur „Donnerstag“ als Bruder eines bereits bekannten Charakters eingeführt wird, obwohl dieser zuvor lediglich einen Schauspieler dargestellt habe, eine Unstimmigkeit, die nie erklärt werde. Auch „Das heimgesuchte Hotel“ sei zwar unterhaltsam und abwechslungsreich, bediene jedoch nahezu jedes typische Gottfredson-Klischee: Micky suche auf Drängen Minnies eine neue Arbeit, gerate in ein ungewöhnliches Verbrechen und treffe auf exzentrische Figuren, versteckte Schätze und scheinbare Geister.
Gerstein kritisiert vor allem, dass die Geschichte keine überzeugende Erklärung für die Geistererscheinungen liefere. Die Handlung wirke sprunghaft, die Hinweise seien widersprüchlich, und die Auflösung funktioniere nur, weil zentrale Eigenschaften der Geister plötzlich verändert würden. Dennoch hält er die Geschichte insgesamt für liebenswert und vermutet, dass Disney intern aus diesen erzählerischen Problemen gelernt habe, da spätere Werke wieder stimmiger ausgefallen seien. Abschließend merkt Gerstein an, dass moderne Leser den Spuk heute möglicherweise rational, etwa mithilfe der Idee von Hologrammen, erklären könnten, auch wenn eine solche Technologie 1940 noch unvorstellbar gewesen sei.[1]
Die Geschichte hat eine außerordentlich gute Bewertung auf Inducks und belegt derzeit (Stand Mai 2026) den Platz 524.[2]
Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Disney Comic Bücher 5 (1986)
- Die großen Klassiker 2 (1993)
- Floyd Gottfredson Library 6 (2022)
Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Vom ersten Strip gibt es zwei Versionen. In der ersten Fassung war im Radio noch nicht von einem Quiz die Rede. Die ursprünglichen Panels wurden auf der Seite 272 in der FGL 5 abgedruckt.
- Der mit Kommissar Hunter befreundete Kommissar gibt an, dass Hunter, der beste begnadetste Damespieler der ganzen Truppe sei. Micky ergänzt, dass er ihn bereits geschlagen habe und erhält so den Respekt des Polizisten.
- Im Kurzfilm Donald, der Page muss sich Donald als Page mit Kater Karlo und dessen Sohn herumärgern. Der Kurzfilm ist aus dem Jahr 1942, entstand also nach dieser Geschichte.
- Der Detektiv sieht Inspektor Issel sehr ähnlich.
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Die Geschichte im Inducks
- Blogeintrag (italienisch)
- Die Geschichte in der Paperpedia (italienisch)
- Blogeintrag (italienisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Gerstein D. (2022). Hui-Bui. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 6, S. 54). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
- ↑ https://inducks.org/recommend.php?top100=1