Das Haus der Geheimnisse

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Haus der Geheimnisse
The House of Mystery
Erstveröffentlichung: 13. November 1944 – 27. Januar 1945
Entstehungsdatum: 1944
Storycode: YM 065
Story: Bill Walsh
Zeichnungen: Floyd Gottfredson, Dick Moores, Paul Murry & George Waiss
Seiten: 66 Tagesstrips, 22 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Marc Moßbrugger
Deutsche Erstveröffentlichung: Floyd Gottfredson Library 8
Weiterführendes
Liste der Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson
Infos zu Das Haus der Geheimnisse beim I.N.D.U.C.K.S.
Die Welt von morgen

Das Haus der Geheimnisse (engl. The House of Mystery) ist eine Comicgeschichte von Floyd Gottfredson und Bill Walsh aus dem Jahr 1944, die unmittelbar an die Geschichte Die Welt von morgen anschließt.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Micky Maus erfährt von einem Notar, dass sein verstorbener Großonkel Maximilian Maus ihm ein abgelegenes Haus am Rand von Entenhausen vermacht hat. Über diesen Verwandten wusste Micky bislang nur wenig, außer, dass er als schwarzes Schaf der Familie galt und früher in zwielichtige Fälle verwickelt gewesen sein soll. Trotz seiner Zweifel nimmt Micky das Erbe an und zieht vorübergehend in das Haus ein, das sich als heruntergekommen und alles andere als einladend entpuppt. Besonders unheimlich wirkt das Porträt von Onkel Maximilian, das im Wohnzimmer hängt.

Schon bald häufen sich im Haus seltsame und scheinbar unerklärliche Vorfälle: Der Notar verschwindet spurlos, eine geheimnisvolle Nachricht mit der Unterschrift „Onkel Max“ fordert Micky dazu auf, das Gebäude niederzubrennen, und geisterhafte Erscheinungen sorgen für Angst und Verwirrung. Schließlich begegnet Micky der geheimnisvollen Drusilla, einer schönen jungen Frau, die behauptet, einst Maximilians Sekretärin gewesen zu sein. Nach dessen Tod sei sie jedoch seine Gefangene geblieben, da der gefährliche Verbrecher selbst aus dem Jenseits noch Macht über sie ausübe.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, bringt Micky Drusilla bei Minnie unter, sehr zu deren Missfallen, und lässt das geheimnisvolle Haus sogar neben sein eigenes versetzen. Doch die übernatürlichen Ereignisse nehmen weiter zu: Minnie und Pluto werden plötzlich ohne ersichtlichen Grund gelähmt und bewusstlos. Unter dem Einfluss der Nachbarn und der allgemeinen Angst beginnt Micky schließlich zu glauben, selbst eine dunkle Seite von seinem Onkel geerbt zu haben. Die Situation eskaliert so weit, dass die Polizei ihn schließlich verhaftet.

Drusilla verhilft Micky jedoch zur Flucht und bringt ihn zurück in das geheimnisvolle Haus. Dort erscheint plötzlich Maximilian Maus persönlich. Zunächst hält Micky ihn für ein Gespenst, doch bald stellt sich heraus, dass sein Onkel gar nicht tot ist, sondern von Drusilla gefangen gehalten wird. Als diese schließlich ihre wahre kriminelle Natur offenbart und die beiden Mäuse mit einer Pistole bedroht, erzählt Maximilian seinem Neffen die ganze Wahrheit:

Drusilla ist eine wahnsinnige Wissenschaftlerin, die bereits vor fast einem Jahrhundert geboren wurde und bahnbrechende Entdeckungen gemacht hat, darunter ein Lebenselixier, das sie ewig jung und schön hält, sowie verschiedene hypnotische Gase. In dem Glauben, Maximilian teile ihre kriminellen Absichten, wollte sie ihn einst als Partner gewinnen. Als er ihre Pläne ablehnte, sperrte sie ihn in ihrem Haus ein.

Aus Rache stahl Maximilian die Formel für das lebensverlängernde Elixier, ohne das Drusilla rasch altern und sterben würde. Daraufhin verbreitete sie die Nachricht von seinem angeblichen Tod, um einen Verwandten in das Haus zu locken und diesen zu erpressen. Um Minnie und Pluto nicht weiter zu gefährden, überredet Micky seinen Onkel schließlich, die Formel zurückzugeben. Nachdem Drusilla erhalten hat, was sie will, macht sie Minnie und Pluto wieder gesund.

Doch während eines Kampfes mit einer Katze verwüstet Pluto das Labor der Wissenschaftlerin und löst eine gewaltige Explosion aus. Ein Feuer bricht aus, aus dem Micky, Minnie, Maximilian und Pluto nur knapp entkommen können. Drusilla hingegen weigert sich, ihr Labor zu verlassen, und findet vermutlich in den Flammen ihr endgültiges Ende.

Hintergrund und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonardo Gori und Francesco Stajano zufolge wiesen Floyd Gottfredsons frühe Micky-Maus-Geschichten bereits deutlich düstere und für Disney ungewöhnlich ernste Elemente auf. Besonders in Geschichten wie Micky Maus im Tal des Todes oder Burg Unfried seien Horroratmosphäre, Tod und bedrohliche Bildsprache präsent gewesen. Themen, die in späteren Disney-Comics weitgehend vermieden wurden.

Den eigentlichen „erwachsenen“ Micky sehen Gori und Stajano jedoch erst in Das Haus der Geheimnisse verwirklicht. Die Geschichte überschreite bewusst die bis dahin üblichen Grenzen des Disney-Kosmos, insbesondere durch die Behandlung von Tod und unterschwelliger Sexualität. Die Figur Drusilla erscheine dabei als klassische Femme fatale, inspiriert von Film-noir-Darstellerinnen wie Veronica Lake und Gene Tierney. Gleichzeitig werde Micky zunehmend vermenschlicht und verliere seine ursprünglich tierhaften Züge.

Darüber hinaus betonen die Autoren, dass die Geschichte Horror und Humor miteinander verbinde, sich aber deutlich von früheren Abenteuern wie Das Haus der sieben Gespenster unterscheide: Während dort scheinbar Übernatürliches rational erklärt worden sei, begegne Micky nun echten unerklärlichen Phänomenen. Damit habe der Strip einen Wendepunkt markiert, nach dem Mickys Welt dauerhaft komplexer und ambivalenter geworden sei.[1] Thomas Andrae und David Gerstein erklären, dass „Das Haus der Geheimnisse“ deutliche Parallelen zu Rebecca aufweist. Wie in Hitchcocks Film stehe eine junge Figur im Mittelpunkt, die mit einer bedrohlichen männlichen Vergangenheit konfrontiert werde. Während in Rebecca die namenlose Heldin unter der Erinnerung an die verstorbene Rebecca und unter der Kontrolle ihres Mannes Maxim leide, erzähle „Das Haus der Geheimnisse“ von Micky, der ein düsteres Haus seines verstorbenen Onkels Maximilian erbt. Dieser erscheine zunächst als gefährlicher Verbrecher, dessen Einfluss selbst nach seinem vermeintlichen Tod weiterwirke. Die Autoren beschreiben, dass die Handlung zunächst typische Elemente des Female-Gothic-Genres nutze: Eine junge Frau scheine von einem bedrohlichen Mann verfolgt zu werden. Gleichzeitig verbinde die Geschichte diese Motive mit dem Film Noir. Denn letztlich stelle sich heraus, dass nicht Maximilian, sondern Drusilla die eigentliche Verbrecherin und Anführerin einer Bande sei. Mithilfe eines Hypnosegases manipuliere sie Männer und benutze sie für ihre Verbrechen. Dadurch werde der vermeintliche Female-Gothic-Plot in einen Film Noir umgewandelt. Andrae und Gerstein deuten Drusilla zudem als Ausdruck veränderter Geschlechterrollen der Kriegszeit. Anfangs wirke sie wie das traditionelle Bild einer hilfsbedürftigen Frau, tatsächlich sei sie aber unabhängig, intelligent und mächtig. Gerade diese Stärke werde jedoch als gefährlich dargestellt: Drusilla erscheine als manipulative Wissenschaftlerin, die Männer beherrsche und sogar ein Mittel gegen das Altern entwickelt habe. Ihre Besessenheit von Jugend und Schönheit führe schließlich zu ihrem Untergang. Die Autoren sehen darin eine Bestätigung patriarchaler Vorstellungen der damaligen Zeit. Weibliche Macht und Selbstständigkeit würden als Bedrohung inszeniert, während ältere Männer positiv bewertet würden. Dennoch bleibe Drusilla trotz ihrer negativen Darstellung als starke, kluge und selbstbestimmte Frau in Erinnerung und stelle damit traditionelle Vorstellungen vom „schwachen Geschlecht“ infrage.[2] Die Geschichte hat eine außerordentlich gute Bewertung auf Inducks und belegt derzeit (Stand Mai 2026) den Platz 388[3]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Micky ist in dieser Geschichte Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, am Ende brennt das Haus ab.
  • Es sind keine weiteren Auftritte mit Maximilian Maus bekannt. Micky hat aber einen weiteren Onkel Maximilian.
  • Es handelt sich dabei um eine der wenigen Geschichten, die das Thema Tod so offen zeigt. Vermutlich wurde die Geschichte deshalb so selten publiziert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gori, L. & Stajano, F.. (2022). Düstere D(r)amen. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 8, S. 80). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  2. Andrae, T. & Gerstein, D. (2022). Von Mäusen und Menschen – 1944–1946: Die Schlacht der Zukunft. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 8, S. 10-11). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  3. https://inducks.org/recommend.php?top100=1