Micky Maus und Robinson Crusoe

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Warnung! Dieser Artikel oder Teil des Artikels behandelt rassistische Stereotype in einem historischen Kontext, inklusive negativer Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen.
Eine Reproduktion dieser Stereotype mit nicht-dokumentarischer Absicht ist beleidigend und kann strafrechtlich relevant sein.


Micky Maus und Robinson Crusoe
Mickey Mouse Meets Robinson Crusoe
Erstveröffentlichung: 12. Dezember 1938 – 13. April 1939
Entstehungsdatum: 1938
Storycode: YM 037
Story: Floyd Gottfredson & Merrill De Maris
Zeichnungen: Floyd Gottfredson, Bill Wright & Ted Thwaites
Seiten: 106 Tagesstrips, 34 Seiten in der FGL
Deutsche Übersetzung: Manuela Buchholz in der FGL
Deutsche Erstveröffentlichung: Wir, Micky und Minni
Weiterführendes
Liste der Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson
Infos zu Micky Maus und Robinson Crusoe beim I.N.D.U.C.K.S.
Der Klempnergehilfe

Micky Maus und Robinson Crusoe oder auch Auf den Spuren von Robinson Crusoe (engl. Mickey Mouse Meets Robinson Crusoe) ist eine mit stereotypen versehene Comicgeschichte von Floyd Gottfredson und Merrill De Maris aus dem Jahr 1938, die unmittelbar an die Geschichte Der Klempnergehilfe anschließt.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Micky Maus
  • Minnie Maus
  • Freitag
  • Robinson Crusoe
  • Goofy (Cameo)
  • Regisseur McKorkmann
  • Kannibalenkönig
  • Kannibalen
  • Portier Paul
  • Papagei Hezekiah
  • Tiere: Löwe, Tiger, Elefant
  • Britische Wissenschaftler

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte wird Micky Maus von Walt Disney für eine Filmadaption von Robinson Crusoe engagiert. Unter der Regie von McKorkmann entsteht ein abenteuerreicher Film mit Robinson Crusoe, Freitag, Kannibalen, Wissenschaftlern und exotischen Tieren.

Die Handlung zeigt die chaotischen Erlebnisse auf einer Insel, wobei die Einheimischen und Tiere oft klüger und mächtiger wirken als die britischen Figuren. Robinson wird als ängstlich und hilflos dargestellt und ist stark auf Micky angewiesen. Auch die britischen Wissenschaftler greifen nicht ein, sondern beobachten nur distanziert das Geschehen.

Die Figur Freitag wird als einfallsreich und faul zugleich skizziert. Er nutzt Tiere, um seine Arbeit erledigen zu lassen. Später, nach den Tierangriffen, greifen die Kannibalen das von Micky und Robinson errichtete Fort an und wollen beide fressen. Micky kann entkommen und gemeinsam mit Freitag befreit er Robinson aus den Fängen der Einheimischen. Am Ende der Geschichte treffen sie auf britische Wissenschaftler und verlassen die Insel wieder.

Hintergrund und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach David Gerstein hätten sich gesellschaftliche Normen und Vorstellungen von angemessener Darstellung im Laufe der Zeit stark verändert. Besonders deutlich werde dies bei den Comicstrips von Floyd Gottfredson aus den 1930er-Jahren, die zwar zur Unterhaltung gedacht gewesen seien, heute jedoch wegen ihrer stereotypen und rassistischen Darstellungen ethnischer Gruppen problematisch wirkten.

Gerstein betont, Gottfredson sei laut Zeitzeugen kein bewusster Rassist gewesen, habe jedoch, wie viele Medienschaffende seiner Zeit, die Wirkung solcher Darstellungen unterschätzt. In der Geschichte würden afrikanische Figuren als affenähnliche Charaktere mit Südstaatendialekt dargestellt. Zwar habe Gottfredson versucht, die negativen Stereotype durch positive Eigenschaften einzelner Figuren oder durch die ebenfalls satirische Darstellung weißer Charaktere abzumildern, doch sei dies letztlich misslungen.

Weiter erklärt Gerstein, dass Gottfredson sogar die Handlung als fiktiven Film innerhalb der Micky-Maus-Welt inszeniert habe, vermutlich um die problematischen Darstellungen zu relativieren. Dennoch könne dies die rassistischen Klischees nicht entschuldigen. Insgesamt bewertet Gerstein die Geschichte daher als einen deutlichen Fehltritt, den Gottfredson später in dieser Form nicht wiederholt habe.[1]

Thomas Andrae beschreibt, dass sich der Micky-Maus-Strip Ende der 1930er Jahre von spannungsreichen Abenteuern wieder stärker humorvollen Geschichten zuwandte. Dies habe sowohl mit internen kreativen Prozessen bei Disney als auch mit den politischen und gesellschaftlichen Krisen der Zeit zusammengehangen. Die neuen Geschichten seien jedoch keineswegs reine Unterhaltung gewesen, sondern hätten in ihrem oft düsteren und zynischen Humor die Unsicherheit angesichts von Weltkrieg und Wirtschaftskrise widergespiegelt. Besonders in „Micky Maus und Robinson Crusoe“ erkenne Andrae eine Auseinandersetzung mit amerikanischem Isolationismus und dem Selbstbild der USA als rettende Macht gegenüber einem schwachen Europa. Zugleich zeige die Geschichte den Wandel Mickys zu einer reiferen, vernünftigeren Heldenfigur, während Exzentrik und Komik zunehmend auf Nebenfiguren verlagert würden.

Darüber hinaus hebt Andrae hervor, dass Gottfredson mit der Geschichte bewusst den bisherigen erzählerischen Realismus des Comicstrips aufbreche. Schon zu Beginn werde deutlich gemacht, dass es sich bei den Ereignissen um einen Film innerhalb der Handlung handle. Dadurch werde die Vorstellung infrage gestellt, Mickys Abenteuer seien Teil einer konsistenten, „realen“ Welt. Andrae deutet diesen Bruch als Spiegel der gesellschaftlichen Verunsicherung in den USA kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Viele Amerikaner hätten damals sowohl den politischen Entwicklungen in Europa als auch der eigenen Rolle in internationalen Konflikten misstrauisch gegenübergestanden.[2]

Deutsche Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fortsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Darstellung von Micky wird hier an die Kurzfilme angepasst und so erhält er andere Pupillen und nicht mehr die in der Kuchenstückchenform.
  • Die Handlung basiert im Wesentlichen auf dem Kurzfilm Mickys Freund Freitag.
  • Micky telefoniert in der Geschichte mit Walt Disney persönlich und bekommt die Rolle im Film vorgeschlagen.
  • Goofy, der sich am Filmstudio befindet, dreht gerade den Kurzfilm Goofy und Wilbur. Er ist brüskiert über das Verhalten von Wilbur.
  • Robinson Crusoe hatte noch in zwei weiteren italienischen Geschichten einen Auftritt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerstein D. (2021). Zu negativ?. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 5, S. 112). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
  2. Andrae, T. (2021). Von Mäusen und Menschen – 1938–1940: Leichtfüssigkeit und Schwermut. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 5, S. 8-9). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.