Der königliche Doppelgänger
| Der königliche Doppelgänger | |
|---|---|
| The Monarch of Medioka | |
| Erstveröffentlichung: | 9. August 1937 – 5. Februar 1938 |
| Entstehungsdatum: | 1937 |
| Storycode: | YM 034 |
| Story: | Floyd Gottfredson & Ted Osborne |
| Zeichnungen: | Floyd Gottfredson, Al Taliaferro & Ted Thwaites |
| Seiten: | 156 Tagesstrips, 52 Seiten in der FGL |
| Deutsche Übersetzung: | Susanne Walter |
| Weiterführendes | |
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Der königliche Doppelgänger oder auch Micky und der königliche Doppelgänger (engl. The Monarch of Medioka) ist eine Comicgeschichte von Floyd Gottfredson und Ted Osborne aus dem Jahr 1937, die unmittelbar an die Geschichte Der Schatz des Dschungels anschließt.
Figuren Bearbeiten
- Micky Maus
- Goofy
- Minnie Maus
- Klarabella Kuh
- Rudi Ross
- Königreich Medioka (Hauptstadt Trüffelberg)
- König Mausius III. (in der FGL König Michael Mausius XIV)
- Prinzessin Filomena, später Königin
- Fürst Schufty (in der FGL Fürst Krigsher)
- Graf Anker (in der FGL Herzog Flostich – Außenminister)
- Baron von Bregel (in der FGL Graf Migrene – Finanzminister)
- Baron von Bohmback (Staatsminister)
- Schaffner
Handlung Bearbeiten
Nach einem Schatzfund und der Belohnung von einer Million Dollar leben Micky, Minnie und Goofy zunächst sorglos, bis Micky einem scheinbar armen Mann hilft. Dieser entpuppt sich als Außenminister eines kleinen europäischen Staates. Zusammen mit dem Finanzminister überzeugt er Micky, die Rolle von König Michael XIV. zu übernehmen, da dieser das Land durch Verschwendung ruiniert hat und Micky ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Ziel ist es, Zeit zu gewinnen, um die Staatsfinanzen zu retten. Micky reist heimlich nach Europa und tauscht schließlich mit dem echten König die Rollen. Während der König das Leben als Playboy in Europa genießt, muss Micky sich mit politischen Intrigen, finanziellen Problemen und strengen Gesetzen auseinandersetzen. Darunter ein Gesetz, das jeden falschen Thronbesteiger mit dem Tod bestraft. Gleichzeitig versucht ein machthungriger Fürst und Michaels Vetter, den echten König gefangen zu nehmen und Micky zu erpressen, um selbst die Macht zu übernehmen.
Durch geschickte Maßnahmen (z. B. Steuererleichterungen) gewinnt Micky die Unterstützung des Volkes, gerät jedoch durch Zeitungsberichte, der Verlobten des Königs, Filomena und Minnies Nachforschungen zusätzlich unter Druck. Micky soll als König die Prinzessin Filomena heiraten und will deshalb unbedingt Michael wieder nach Medioka zurückholen. Minnie reist nach Europa, entdeckt die Wahrheit und hilft schließlich, den inzwischen gefangenen König zu befreien. Gemeinsam vereiteln sie die Pläne des Fürsten.
Am Ende wird der Verräter entlarvt und der echte König kehrt auf den Thron zurück, wobei er Einsicht in seine Fehler zeigt. Micky entgeht der Strafe nur durch einen Trick des Finanzministers, der den echten Thron heimlich ersetzt hat, sodass Micky formal nie darauf saß. Danach kehren Micky und Minnie nach ihrem Abenteuer zurück.
Hintergrund und Bedeutung Bearbeiten
David Gerstein erläutert, dass Micky Maus in den 1930er-Jahren wie andere Cartoonfiguren durch Optimismus zur Bewältigung der Große Depression beigetrugen, indem er trotz wirtschaftlicher Not Hoffnung vermittelte. Allerdings werde betont, dass Optimismus allein gesellschaftliche Probleme nicht löse, sondern von vielen Zeitgenossen als scheinheilige Ablenkung der Unterhaltungsindustrie kritisiert worden sei, da konkrete Hilfe oft ausblieb. In den Geschichten, insbesondere bei Floyd Gottfredson, werde diese Problematik aufgegriffen: Micky versuche zwar, mit Optimismus ein von der Krise betroffenes Land zu retten, stoße jedoch auf Widerstände und erkenne die Grenzen seiner Haltung. Letztlich zeige sich, dass sein Erfolg nicht nur auf Optimismus beruhe, sondern auf Unterstützung, Glück und Gemeinschaftssinn, wodurch Optimismus relativiert, aber nicht vollständig verworfen werde.[1] In Folge führt Gerstein an, dass Amerikaner heutzutage bei Figuren wie Micky, Goofy und den vielen anderen Entenhausenern in erster Linie an Zeichentrickfilme dächten und alles andere als zweitrangig betrachteten. Die sogenannten Disney-Standardcharaktere lebten zwar auch als literarische Figuren und als kostümierte Darsteller in Themenparks weiter, doch in einer vom Fernsehen geprägten Welt stünden Cartoons klar im Vordergrund.
Weiter heißt es, dass dies in den Zeiten der Großen Depression noch anders gewesen sei: Damals habe jeder gewusst, dass die „fantastischen Figuren“ im Kino entstanden seien, doch die Fans hätten sie nicht primär dort erlebt, da ein Kinobesuch Zeit und Geld gekostet habe, während Zeitungen günstiger gewesen seien. Deshalb seien Floyd Gottfredsons Micky-Maus-Strips das verlässlichste und beständigste Fenster in Mickys Abenteuerwelt gewesen.
Zudem wird geschildert, dass ein erzählerisches „Unwetter“, das durch dieses Fenster gezogen sei, von Millionen Lesern wahrgenommen worden sei. Im Jahr 1937 habe die Geschichte „Der königliche Doppelgänger“ sogar einen diplomatischen Zwischenfall in Südosteuropa ausgelöst, für den sich der durchschnittliche Zeitungsleser auf bemerkenswerte Weise interessiert habe.[2]
- „Wie üblich kommt diese schlimmste Bedrohung der armen verängstigten Friedenstaube vom gottverlassenen Balkan, Europas Pulverfass. Es war die Regierung Jugoslawiens in Belgrad, die Micky ins Exil verbannt und die alle diplomatischen Beziehungen mit dem berühmten Staatsmann und Philosophen, dem Botschafter der guten Hoffnung für die freie Welt, abgebrochen hat.“– Milton Door, 19. Dezember 1937
Thomas Andrae und David Gerstein legen dar, dass Micky als einzige Figur über die nötigen Eigenschaften verfüge, um rational und moralisch zu handeln, was sich besonders in der Geschichte „Der königliche Doppelgänger“ zeige. Diese von Floyd Gottfredson entwickelte Erzählung sei stark vom Film „Der Gefangene von Zenda“ inspiriert, greife dessen Handlung auf, erweitere sie jedoch um eigene satirische und politische Elemente. Im Mittelpunkt stehe ein dekadenter König, dessen Verschwendungssucht das Land in eine Krise gestürzt habe, während Micky mit seinen demokratischen, amerikanisch geprägten Werten als Gegenbild auftrete.
Die Autoren erklären weiter, Gottfredson nutze die Geschichte, um soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch und politische Spannungen im Europa der 1930er Jahre zu kritisieren, wobei insbesondere ein Gegensatz zwischen aristokratischem Standesdenken und einem idealisierten amerikanischen Demokratieverständnis herausgearbeitet werde. Micky verkörpere dabei den „American Way of Life“, indem er für Gerechtigkeit eintrete, einfache Menschen respektiere und wirtschaftliche Probleme effizient löse.
Zugleich merken sie an, dass diese Lösung stark idealisiert und wenig realistisch sei, da sowohl die rasche Demokratisierung des fiktiven Staates als auch der plötzliche Charakterwandel des Königs unglaubwürdig wirkten. Abschließend weist er darauf hin, dass die politische Brisanz der Geschichte sich auch darin gezeigt habe, dass sie in Jugoslawien zensiert worden sei, da sie als antimonarchisch interpretiert wurde.[3]
Die Geschichte hat eine außerordentlich gute Bewertung auf Inducks und belegt derzeit (Stand März 2026) den Platz 100[4]
Deutsche Veröffentlichungen Bearbeiten
- Ich Goofy (1975)
- Disney Comic Bücher 5 (1986)
- Die großen Klassiker 2 (1993)
- Micky Maus Jubiläumsband 2 (2003)
- Floyd Gottfredson Library 4 (2021)
Remake und Fortsetzungen Bearbeiten
Trivia Bearbeiten
- Floyd Gottfredson schuf 1979 ein Aquarell zur Geschichte (CG WAT 7)
- Die Geschichte ist die längste mit den täglichen Comicsstrips und war sechs Monate lang ununterbrochen in den Zeitungen.
- Inspirationsquelle waren vermutlich die Romane Der Gefangene von Zenda, Der Prinz und der Bettelknabe sowie die Operette Die lustige Witwe
- Jugoslawien verbot die Geschichte, da die Situation in der Geschichte an Peter II und der Regentschaft des Cousins seines Vaters Prinz Paul erinnerte.
Weblinks Bearbeiten
Einzelnachweise Bearbeiten
- ↑ Gerstein, D. (2021). Wenn Optimismus vergebene Liebesmüh ist. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 4, S. 194). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
- ↑ Gerstein, D. (2021). Die Gottfredson-Bande in den Worten der anderen. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 4, S. 265). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
- ↑ Andrae, T. & Gerstein, D. (2021). Von Mäusen und Menschen, 1936-1938: Schwierige Zeiten. In F. Gottfredson, Floyd Gottfredson Library (A. Voigtmann, Übers., Bd. 4, S. 10-12). Berlin: Egmont Verlagsgesellschaften mbH.
- ↑ https://inducks.org/recommend.php?top100=1