Die Sumpfgnome

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Die Sumpfgnome
Mystery of the Swamp
Erstveröffentlichung: 1. Dezember 1944
Entstehungsdatum: September 1944
Storycode: W OS 62-03
Story: Carl Barks
Zeichnungen: Carl Barks
Seiten: 24
Deutsche Übersetzung: Dr. Erika Fuchs
Deutsche Erstveröffentlichung: Micky Maus Magazin 44–47/1976
Weiterführendes
Liste aller Comicgeschichten von Carl Barks
Infos zu Die Sumpfgnome beim I.N.D.U.C.K.S.
Das Splashpanel (© Egmont Ehapa, © Disney)

Die Sumpfgnome (im Original: Mystery of the Swamp) ist eine von Carl Barks gezeichnete Comicgeschichte aus dem Jahr 1944, in der die Ducks ein rätselhaftes Volk in den Sümpfen Floridas entdecken.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donald und die Kinder machen Ferien in Florida. Donald ist gelangweilt, denn er möchte wie Kolumbus neue Welten entdecken. Ein Angler verrät ihnen, dass direkt hinter der Stadt die Everglades beginnen, eine wilde Sumpflandschaft, wo noch kein Mensch seinen Fuß hineingesetzt hat. Also brechen die Ducks auf, um sich in den Everglades umzusehen.
Bald passieren merkwürdige Dinge: den Ducks werden die Campingsachen und das Zelt gestohlen, doch niemand ist zu sehen. Als sie weiterfahren, finden sie zwei Tafeln: „Warnung! Gnicht weiterfahren! Hier beginnt Gnixenland“ sowie, etwas später, „2. Warnung! Beim dritten Mal wird geschossen!“. Davon lassen sie sich nicht entmutigen – und prompt durchbohrt ein Pfeil Donalds Hut. Geschützt durch einen übers Boot gelegten hohlen Baumstamm wagen sie sich weiter vor. Donald entdeckt ein Pfahldorf, das aber unmittelbar darauf verschwindet und durch die Gegend läuft. Als Donald erneut ein Pfeil trifft, löst sich ein Schuss aus Donalds Gewehr und sie erkennen ein bislang unbekanntes gnomenartiges Volk, die Gnixen.

Hier beginnt Gnixenland (© Egmont Ehapa, © Disney)

Die Gnixen ziehen sich in Gnixens Gnest zurück und auch Donald und die Neffen finden den Weg dorthin und beobachten, wie die Gnixen zu Ehren ihres Gottes Gnihilo tanzen. Donald beschließt, einen Gnix zu fangen, um der Welt seine Entdeckung zu präsentieren. Mit viel List und mit Verkleidungen schaffen sie es, den nacheilenden Gnixen zu entkommen, doch der Gnix, den sie gefangen haben, ist ein Schweller: kaum haben Donald und die Kinder ihn eingesperrt, schwillt er zu großer Form, durchbricht die Gitterstäbe und kann über das Wasser hüpfend entkommen. Donald versucht ihn wieder einzufangen, doch inzwischen haben die Gnixen sie entdeckt, fangen Donald und die Neffen in Körben und bringen sie in Gnixens Gnest.

Donald kann sich seine Freiheit erkämpfen, indem er gegen einen Gnix antritt, doch der Gnix schwillt erst an und stößt dann Donald auf eine Plattform umgeben von hungrigen Krokodilen – Donald ist gefangen. Die Kinder sind inzwischen in einer Zelle eingesperrt worden, doch es gelingt ihnen zu fliehen. Sie finden all jene Sachen, die die Gnixen gestohlen hatten, darunter ein Grammofon und Schallplatten. Damit gelingt es ihnen, die Gnixen abzulenken. Denn als das Grammofon zu spielen anfängt, glauben die Gnixen, dass ihr Gott Gnihilo sie zum Tanzen auffordert. Die Kinder können, gemeinsam mit dem von ihnen befreiten Donald entkommen. Doch von ihrer Entdeckung haben sie nichts: die Gnixen legen ein Korb mit Äpfeln in ihr Boot, die mit der „Essenz des Vergessens“ gedopt sind. Dadurch verlieren die Ducks alle Erinnerungen an dieses Ereignis.

Hintergrund und Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gnixen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barks entwickelte die Gnixen eher zufällig: Er hatte lange darüber nachgedacht, aus welcher Idee er eine längere Geschichte gestalten konnte. Zu dieser Zeit hatte er Besuch und konnte sich kaum darauf konzentrieren. Schließlich ignorierte er die Gäste und zog sich zum Nachdenken in den Garten auf seine Schaukel zurück, als ihm plötzlich die Everglades als Schauplatz einfielen. Dann fragte er sich, welchen Wesen Donald dort begegnen würde. Barks erzählte weiter: „So fielen mir plötzlich diese seltsamen kleinen gnomenhaften Leute ein, die dort lebten. Sobald ich an sie dachte, fielen mir Schlag auf Schlag Situationen ein, in die ich sie verwickeln konnte. Während ich so dasaß, ließ ich die Ideen einfach fließen und versuchte anschließend, mich an so viele wie möglich zu erinnern. Als ich genug Gags für eine Geschichte zusammen hatte, ging ich zu unserem Besuch zurück und wir stießen darauf an. Am nächsten Tag setzte ich mich hin und begann hart an der Gnixen-Geschichte zu arbeiten.“[1]

Die Entwurfszeichnung für Schneewittchen und die Sieben Zwerge liefert einen ersten Anhaltspunkt für die viel spätere Entwicklung der Gnixen, bei der sich Barks von seinen früheren Kreationen inspirieren ließ (© Disney)

Tatsächlich aber existieren Vorläufer der Gnixen, die Barks in seiner Zeit in den Disney-Studios kennenlernte oder selber schuf. In den Disney-Studios gab es viele Pläne und Ideen für nie umgesetzte Filmprojekte, weiters fanden sich Skizzen, Storyboards und dergleichen. Vielleicht hatte Barks einmal Skizzen gesehen, die von Filmprojekten mit Zwergen stammten, denn von denen gab es einige in den Studios. Ziemlich sicher aber spukten irgendwo in seinem Kopf noch die Musterzeichnungen herum, mit denen er sich 1935 bei den Disney-Studios beworben hatte, als Disney Mitarbeiter für Schneewittchen und die sieben Zwerge suchte. Barks bewarb sich mit Zeichnungen von Märchenlandschaften, von Riesen und Zwergen und von einem blondhaarigen Mädchen als Schneewittchen. Interessant sind vor allem die Zwerge. Mit ihren Knollennasen, ihren langen Bärten und ihrer witzigen Kleidung sowie den merkwürdigen Hüten erinnern sie bereits an die Gnixen.[2] Auf einem Bild tanzen die Zwerge eine Art Volkstanz, genau wie es die Gnixen im Comic tun. Für die Darstellung der Zwerge und später auch der Gnixen konnte Barks zudem auf seine Erfahrungen als Karikaturist beim „Calgary Eye Opener“ zurückgreifen, wo er bereits einige seltsame Wesen gezeichnet hatte.

Auch einige Gags in der Geschichte basieren auf Barks' Erfahrungen im Trickfilm. Dass die Gnixen im Comic mehrfach anschwellen, ist ein oft gebrauchter Animationsgag aus den Studios über Figuren, die Gas einatmen und dann aufgebläht durch die Gegend schweben. Barks hatte denselben Gag bereits in seinem Zehnseiter Der sechste Sinn verwendet, als Donald sich aufbläht, und er sollte dies später in Maharadscha für einen Tag und der kurzen Onkel-Dagobert-Geschichte Das Wiesenfest wiederholen. Im Fall der Gnixen verzichtet Barks auf die Erklärung der Einatmung von Gas, denn den Gnixen gelingt das Schwellen jederzeit.

Barks passte die Gnixen gut an den Schauplatz an, den er sich ausgesucht hatte. Später sagte er über die Gnixen: „Sie sollten ein wenig fremdartig aussehen, eher wie Märchengestalten denn zur menschlichen Welt gehörend. Sie hatten spitze Ohren, lustige Füße und trugen verrückte Kleider, aber sie lebten bereits so lange in dieser Umgebung, daß sie zu wilden kleinen Sumpfgestalten geworden waren.“[3]

Der Schauplatz: Die Everglades[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wandernden Hütten der Gnixen (© Egmont Ehapa, © Disney)

Der Schauplatz war in Barks-Abenteuergeschichten von eminenter Bedeutung und inspirierte ihn zu mehr Geschichten als irgendetwas sonst.[4] Barks liebte es, authentische Schauplätze darzustellen, die etwas hergaben, etwa eine bestimmte Stimmung. Später sagte er zu seiner Storykonstruktion: „Ich habe immer versucht, meine Geschichten in die jeweilige Umgebung einzubetten. Sie mussten richtig mit der Szene verbunden sein. […] Die Gags mussten sich aus der dort herrschenden Stimmung ergeben. Das Wesen der dort lebenden Menschen, die typische Natur und das Terrain mussten stimmig sein.“[5]

Auch für Die Sumpfgnome war der Schauplatz entscheidend, denn, wie bereits festgestellt, wählte Barks zunächst die Everglades als Handlungsort und baute von dem ausgehend seine Geschichte auf. Die Everglades sind eine tropische Sumpflandregion im Süden Floridas, die heutzutage von großen Umweltproblemen gezeichnet sind und als Nationalpark geschützt sind. 1943, als Barks die Geschichte schrieb, war der Schutz der Everglades allerdings erst in Verhandlung. Davor waren die Everglades jahrelang durch Baumaßnahmen zum Teil ausgetrocknet, zum Teil auch überbaut worden.[6] Von den Umweltproblemen der Everglades ist in Die Sumpfgnome allerdings nichts zu spüren. Barks stellt die Sumpflandschaft als vom Menschen unberührte Wildnis dar.

Dieses Foto diente Barks als Vorlage für die Hütten (© NGM)

Um die Everglades gut darstellen zu können, wandte sich Barks ans National Geographic Magazine (NGM), das er bereits für die Geschichten Piratengold und Der Schlangenring konsultiert hatte. In der Ausgabe vom Januar 1940 fand er einen Artikel von John O'Reilly, „South Florida's Amazing Everglades“. Im Artikel sah Barks Bilder von Sumpflandschaften, von Sumpfgras und von lauernden Alligatoren. Am wichtigsten war ein Bild mit einem Hausboot auf Stelzen, das die direkte Inspirationsquelle für die Hütten der Gnixen auf Stelzen bildete. Die Hütten selber gleichen eher den Behausungen der Seminolen, von denen es im Artikel keine Abbildungen gibt. Die blühende Sprache des Artikels beschwört eine zum Teil seit Menschengedenken unberührte Sumpflandschaft herauf und vermittelt fast ein wenig den Eindruck, als könnte dort Wundersames entdeckt werden. Dass Barks sich davon anregen ließ und seine Fantasiewelt erschaffte, verwundert nicht.[7]

Barks las ferner im NGM-Artikel über die Seminolen sowie den spanischen Konquistador Ponce de León.[7] Die Seminolen waren einen Stamm amerikanischer Ureinwohner, der sich im 19. Jahrhundert in die Everglades zurückzog. Die USA führten damals sieben Jahre lang Krieg gegen die Seminolen und deportierten schließlich viele von ihnen, aber einige verblieben in den Everglades. Dass die Seminolen lange Zeit sich abschotteten und von den eindringenden US-Amerikanern nichts wissen wollten,[8] ist die direkte Vorlage für die Lebensweise der Gnixen, die seit Ankunft der spanischen Truppen von Juan Ponce de León 1513 alle Fremden erfolgreich abwehren konnten. Mit ihren Waffen, Pfeil und Bogen, erweisen sich die Gnixen fast als Nachfahren der Seminolen. Auch Ponce de León wurde von Barks in seinen Comic eingebaut. Im Deutschen fehlt der Name allerdings. Der spanische Konquistador brach 1513 von Puerto Rico auf und erreichte als erster Europäer nachweislich Florida. Ponce de Leon erforschte Teile des Landes, stieß in die Everglades vor und nahm Florida schließlich für Spanien in Besitz.[9]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gnixen und ihr Gott Gnihilo (© Egmont Ehapa, © Disney)

Die Gnixen stellen Barks' ersten Versuch dar, ein „vergessenes“ Volk in einer völligen Phantasiewelt darzustellen, das von den Ducks entdeckt wird. In den vorherigen langen Geschichten hatte Barks die Ducks in real existierende Welten geschickt, nichts, was seiner Fantasie entsprungen wäre. In Der Schlangenring besuchen sie Ägypten, in Nordische Nächte Alaska. Beide Gegenden versuchte Barks so authentisch wie möglich darzustellen und erfand möglichst wenig dazu. Nunmehr entwickelte Barks ein völlig neues Volk, die jedoch in der Umgebung verwurzelt sein und sich stimmig aus ihr ergeben sollten. Im Unterschied zu vorherigen Märchengestalten aus den Disneyfilmen versuchte Barks ebenso, den Wesen eine eigene Kultur zu geben. Jedoch gelang ihm dies nur mit mangelnder Kohärenz. Die einzelnen Bausteine dieser kulturellen Identität wollen nicht so recht zusammen- und in die Sumpflandschaft hineinpassen: die Mischung aus verschiedenen zusammengeraubten Accessoires wie Helme, Amish-Hüte oder Hellebarden, das Schießen mit Pfeil und Bogen, die Volkstänze oder das Anschwellen. Das Stehlen von Accessoires passt nicht gut zu einer Kultur, die auf Abschottung beruht. Lediglich das wandernde Pfahlbaudorf wirkt in der Landschaft stimmig. Aber nur wenige Seiten darauf dreht sich das ganze Leben der Gnixen nur noch um die riesige steinerne Tempelanlage Gnixens Gnest und um ihren Gott Gnihilo. Diese Monumentalarchitektur passt überhaupt nicht in die sumpfigen Everglades, wo es weder genügend Steine noch festen Untergrund für solche Anlagen gibt. Barks gelingt es also noch nicht wirklich, alle diese disparaten Elemente zu einer stimmigen, homogenen Kultur der Gnixen zu verbinden.

Dennoch muss anerkannt werden, dass Die Sumpfgnome ein wirklicher Meilenstein ist, weil Barks nie zuvor etwas Vergleichbares geschaffen hat. Zudem ist der Storyaufbau stringenter ist als in den vorherigen Abenteuergeschichten von Barks. In diesen hatte es Passagen gegeben, die nur auf Sightseeing ausgerichtet waren (Der Schlangenring) oder auf wenig storyrelevante Gags (Nordische Nächte). In Die Sumpfgnome treiben die Figuren und ihre durchaus schlüssigen Motive die Geschichte voran und die meisten Szenen und Gags ergeben sich direkt aus der Storyline und den Motiven. Barks reift also deutlich im Vergleich zu früheren Geschichten und kann nun eine richtige Abenteuergeschichte mit Donald schreiben, die bereits ihren Schatten auf die großen Klassiker voraus wirft.

Gnero, der Meisterschweller. Das Schwellen verwendete Barks später für die Kullern wieder (© Egmont Ehapa)

Die unzusammenhängenden Faktoren der vergessenen Kultur der Gnixen hat Barks später in drei weitere Geschichten eingearbeitet: viel von der Gestaltung von Gnixens Gnest verwendete Barks in Im Land der viereckigen Eier; das Anschwellen passte hervorragend zu den Kullern in Land unter der Erdkruste; und schließlich war die zurückgezogene Lebensweise, die Kommunikation mit Tieren und das Stehlen von Booten eine wunderbare Idee für die Ausgestaltung von Im Lande der Zwergindianer. Die Sumpfgnome war also „der erste große ‚Knall‘ in Donalds Universum und enthielt eine Unmenge von Themen, die noch Stoff für zwei Jahrzehnte an Entengeschichten barg“.[10] Insofern ist diese Geschichte enorm wichtig für Barks' gesamtes Schaffen.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Geschichte ist, dass die Ducks am Ende alles vergessen, was sich zugetragen hat. Barks ging diesen Weg, dass seine Protagonisten einen Gedächtnisschwund erleiden, nur noch ein einziges Mal: in Die sieben Städte von Cibola.

Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barks schöpft in dieser Geschichte das grafische Potential eines Sumpfes aus. Schon das Eröffnungspanel bietet einen stimmigen Eindruck des Schauplatzes der Geschichte mit Seerosen, Schilfgras und Palmen. Barks lässt sogar die Schrift im Wasser verschwinden, als handle es sich um Wasserpflanzen wie Mangroven.[11] Im Comic selbst fallen die Hintergründe auf, die in vielen Panels bereits stark gefüllt sind und so einen sehr authentischen Eindruck machen. Möwen und Wolken am Himmel, ein Segelschiff am Meer und Hochhäuser erwecken eine Hafenstadt in Florida zum Leben. Ein kleines Detail in der Stadt ist der Ladenname des Kaufhauses, Nacy's, der nur leicht verfremdet vom Namen einer real existierenden Warenhauskette ist. In den Evberglades dann stellt Barks in vielen Panels im Hintergrund Vegetation dar. Aber auch im Bildvordergrund befindet sich Vegetation: knorrige, detailliert gezeichnete Bäume, Mangroven, Seerosen, Schilfgras. Im Unterschied zu früheren Barks-Geschichten hat kaum ein Panel keinen Hintergrund. Zudem zeichnet Barks in den Everglades etliche Tiere, die den Anblick noch authentischer machen: Alligatoren, Fische, Krebse und Flamingos. In Gnixens Gnest stellt Barks detailliert einzelne Steine in Steinmauern dar.

Die Gnixen selbst sehen alle fast ident aus, wie Zwillinge, und lediglich der Meisterringer Gnero und der König durch seinen grauen Bart sind von den anderen zu unterschieden. Barks machte dies, um die Panels übersichtlicher zu gestalten, damit nicht zu viele Details und zu unterschiedliche Gesichter im Hintergrund ablenken würden.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donald, der Abenteurer, geriert sich als moderner Kolumbus (© Egmont Ehapa)

Donald ist am Beginn der Geschichte gelangweilt und von Abenteuerlust gepackt. Er möchte Kolumbus nacheifern und neue Kontinente und unbekannte Völker entdecken. Dem Vorschlag gegenüber, in die Everglades zu fahren, ist er zunächst abweisend, weil er denkt, dort gibt es nichts Interessantes und Unbekanntes. Doch er lässt sich überreden. Als er schließlich mit Boot und Neffen in die Everglades vordringt, erweist er sich nun als zielstrebig und wagemutig. Er lässt sich weder von gestohlenen Sachen, noch von Warnungen und auch nicht von Pfeilen davon abhalten, weiter in die Everglades vorzudringen, um die Gnixen zu entdecken. Als es hart auf hart kommt und die Neffen fliehen wollen, bleibt Donald standhaft und unerschrocken und vergleicht sich mit Kolumbus: „Wenn es Gnixen gibt, dann werden wir sie entdecken! Wie stünde ich da neben einem Mann wie Kolumbus! Wir gehen aufs Ganze!“ Donald wächst also voll in die Rolle des großen Entdeckers hinein. Er wird immer unerschrockener und auch leichtsinniger und beschließt, einen Gnixen zu entführen, um der Welt seine Entdeckung zu präsentieren. Ab dann dreht sich der Spieß um und Donald ist auf der Flucht vor den Gnixen. Als er schließlich gefangen wird, behält er seine widerborstige Kampfbereitschaft: Mit seinem Taschenmesser befreit er sich aus dem Bastkorb. Den Kampf gegen Meisterschweller Gnero glaubt er mit überlegener Körperkraft zu gewinnen und scheitert natürlich. Kurz, Donald handelt zu einem Gutteil impulsiv, so wie in vielen Comics, und legt sich auch mit einer Vielzahl von Gegnern an. Typische Charakterzüge Donalds schafft Barks also nun in eine Abenteuergeschichte einzubringen und diese tragen auch die Story.

Tick, Trick und Track bilden, wie auch in anderen Geschichten, das komplementäre Gegenstück zu ihrem Onkel. Am Beginn der Geschichte, als Donald einer Erkundungsfahrt in die Everglades skeptisch gegenüber eingestellt ist, überreden die Neffen ihren Onkel. Als dann aber die ersten Hindernisse auftauchen, wird es den dreien schnell unheimlich und sie würden lieber umkehren. Die Kriegstrommeln der Gnixen verängstigen und so sind sie mahnende Stimmen, die Donald von seinem Leichtsinn abbringen wollen. Auch wenn sie von Donalds Idee, einen Gnixen zu entführen, nichts halten, unterstützen sie ihn dennoch bei seinem Vorhaben und entwickeln einen Plan, um verkleidet die Gnixen auszutricksen. Als es schließlich ans Eingemachte geht, Donald seinen Kampf gegen Gnero verliert und die Ducks wohl bald den Alligatoren zum Fraß vorgeworfen werden, schlägt endgültig die Stunde der Neffen. Sie brechen aus ihrer Gefängniszelle aus, erkunden den großen Tempel der Gnixen und tüfteln schließlich den Plan aus, der ihnen und ihrem Onkel den Hals rettet. Damit erweisen sie sich als überlegter und besonnener als ihr Onkel und gehen an kaum lösbare Probleme mit Köpfchen ran. Barks hat damit in der Beziehung zwischen Donald und den Neffen ein Muster kreiert, das er noch in vielen späteren Geschichten verwenden sollte.

Aberglaube der Gnixen (© Egmont Ehapa)

Die Gnixen sind in dieser Geschichte natürlich die Antagonisten der Ducks, aber sie sind keine Schurken und insofern ist die Ausgangslage anders als in den früheren Abenteuergeschichten von Barks. Dort hatte es Donald vor allem mit Kater Karlo zu tun bekommen, dem Disney-Schurken schlechthin, oder mit bedrohlich wirkenden Ägyptern, die in die Welt der Ducks eindringen. Donald lässt sich in früheren Comics nichts zu Schulden kommen und dass den Ducks übel mitgespielt wird, sichert ihnen unsere Sympathie. In Die Sumpfgnome ist es allerdings anders herum: Die Ducks sind nun die Eindringlinge in einen fremden Lebensraum und die Gnixen versuchen aus guten Gründen, sie wieder loszuwerden. Als Donald ihnen zuruft: „Wir wollen euch doch nur entdecken“, da flüchten sie lieber und verstecken sich. Kein Wunder, wenn man bedenkt, was den amerikanischen Ureinwohnern passierte, die die Europäer „entdeckten“. Den Gnixen ist klar, was es für sie und ihren Lebensraum bedeutet, wenn die Ducks eindringen und ihre Entdeckung allgemein publik machen. Obwohl sie große Angst vor Donalds Schießgewehr haben und verzweifelt auf Beistand ihres ewig stummen Gottes Gnihilo hoffen, wehren sie sich nach allen Kräften. Als Donald schließlich einen der ihren entführt, ist klar, dass sie ihn befreien müssen. Barks lässt Donald also zu einem Unrecht tuenden Feind der Gnixen werden, was die kleinen Sumpfgnomen wiederum sympathischer werden lässt. Dass sie schließlich die Ducks an die Alligatoren verfüttern wollen, ist eine harsche Strafe, aber auch eine Reaktion auf Donalds Missetat und die Bedrohung, die er für ihre Kultur darstellt. Dies war von den Gnixen anfangs sicher nicht beabsichtigt.

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übersetzung von Erika Fuchs orientiert sich weitgehend am Original von Barks, enthält aber einige inhaltliche Abweichungen. Generell fällt allerdings der höhere sprachliche Stil der Fuchs-Version auf und dass oft mehr Worte gebraucht werden, um Ähnliches auszudrücken. Die Gnixen heißen im Original Gneezles. Ihren Sprachfehler, dass sie vor Ns ein G platzieren, haben sie in beiden Versionen. Da Barks die Figuren als Gnomen gestaltete, inspirierte er sich wohl an den eigentümlichen Anfangsbuchstaben des Wortes Gnom. Auf Deutsch macht Erika Fuchs die Gnome zu Gnixen, was eine Assoziation zu Nixen weckt, auch wenn die Gnixen eindeutig nicht als Nixen gezeichnet sind. Im Original sprechen sie zudem einen Südstaatenslang.

Ein Unterschied fällt auf Seite 3 auf. Im Original freuen sich die Kinder lediglich, dass sie weiter in Sumpf vorgedrungen sind als alle zuvor. In der Übersetzung äußert einer der Neffen bereits die Angst, dass das dicke Ende noch kommen könnte. Ein sprachliches Kleinod auf Seite 4 findet sich in beiden Versionen: „Zeig dich, Halunke, und stiehl wie ein Mann!“, schreit Donald. Als die Ducks auf die Schilder der Gnixen treffen, unterscheidet sich der Wortlaut der Schilder in beiden Versionen und vor allem wird auf dem zweiten Schild nicht angekündigt, dass die Gnixen gleich schießen werden. Donald wiederum hält die Gnixen im Deutschen für Nixen mit einem Sprachfehler, denn in den Everglades soll es ja Wunder geben. Im Original hält er die Gneezles für eine Bande übermütiger Kinder, die sich in den Sümpfen verstecken, und droht an ihre Eltern zu suchen, damit sie die Kinder übers Knie legen können. Als Donald endlich die Gnixen zu Gesicht bekommt, hält er sie im Original für Ausgeburten eines Albtraums, während ihn im Deutschen bereits der Gedanke an die Sensation umtreibt, die die Entdeckung der Gnixen bedeutet.

Bei Barks heißt der Ort, wo die Gnixen leben, „Gneezle Gnob“, also Gnixenanhöhe, und ihr Gott heißt Gnasty Face, also Gemeines Gesicht. Erika Fuchs macht daraus „Gnixens Gnest“ und Gnihilo. Nihil heißt auf Lateinisch „nichts“. Der Schweller, der Donald überwältigt, heißt im Original Gnostradamus und bei Eriko Fuchs Gnero. Nero war ein römischer Kaiser, während Nostradamus durch seine Weissagungen berühmt wurde. Im Original bezeichnet er sich selbst „the swellin'est sweller that ever swelt“, auf Deutsch etwas weniger witzig als „der größte Schweller aller Zeiten“.

Als die Ducks mit dem gefangenen Gnixen Gnapoleon flüchten, fangen die Kinder im Deutschen an zu sprechen wie die Gnixen, was Donald ärgert. Dies fehlt im Original. Dort reden sie nur darüber, dass ihnen niemand folgen kann und dass sie sich bald außer Gefahr befinden. Etwas später bezeichnet Donald den Gnixen im Original als „little pet“, degradiert ihn also zu einem Haustier, und als „freak“, also als Verrückten. In der deutschen Übersetzung verhält er sich freundlicher und spricht vom „Gefangenen“. Tick, Trick und Track haben im Original den Gnixen gegenüber auch keine freundlichen Worte übrig und nennen sie „dopes“, also „Idioten“. In der Übersetzung merken sie nur an, dass die Gnixen abergläubisch sind.

Fortsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederverwendung in einem brasilianischen Comic (© Disney)

Die Gnixen hatten nur in einer brasilianischen Geschichte einen weiteren Auftritt: In „A Fonte da Juventude“[12], einer brasilianischen Micky-Maus-Geschichte der frühen 1980er Jahre, traten die Figuren wieder auf. Die Geschichte hat es bisher nicht in den deutschen Sprachraum geschafft. In dieser wandern Micky, Goofy und Gamma in die Everglades auf der Suche nach dem Jungbrunnen, aus dem Fips bereits getrunken hat. Da sie ein Betäubungsgewehr dabei haben, halten die Gnixen sie für Eindringlinge, nehmen sie gefangen und bringen sie in Gnixens Gnest. Micky, Goofy und Gamma werden nicht an die Alligatoren verfüttert, sondern sie sollen die Tiere füttern. Als sie schließlich weglaufen und eine Quelle finden, handelt es sich um die Quelle des Alterns und Goofy, der davon trinkt, wird zum Greis. Die Gnixen finden sie, aber nach einem Kampf lassen sie sich davon überzeugen, ihre Gefangenen gehen zu lassen.

Als Barks 1974 das Gemälde „Student Witch“ auf Wunsch Michael Barriers schuf, nahm er sich möglicherweise Anleihen an den 30 Jahre zuvor erschaffenen Gnixen, indem er einen Kobold ganz ähnlich darstellt. Eine Skizze dieses Kobolds hat Stephen Eberhart sogar für eine frühe Konzeptzeichnung der Gnixen gehalten, was jedoch sehr unwahrscheinlich ist. Eberhart schreibt: „Als Barks an der Erscheinung der Gnixen arbeitete, war er sich offenbar unsicher, wie viel von ihnen aus der Erde und wie viel aus dem Wasser bestehen sollte. In einer Skizze tendierte er mehr zum Wasser und gab ihnen Füße mit Schwimmhäuten.“[13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Barks: Die Entstehung der Gnixen. Barks Library Special Donald Duck 3, S. 59.
  2. Geoffrey Blum: Der „klassische Barks“. Übersetzt von Johnny A. Grote. Barks Library Special Donald Duck 3, S. 32–33.
  3. Thomas Andrae und Geoffrey Blum: Realität und Fiktion bei Carl Barks, Teil II. Übersetzt von Johnny A. Grote. Barks Library Special Donald Duck 3, S. 59.
  4. Carl Barks Conversations, S. 95.
  5. Geoffrey Blum: Der klassische Barks. In: Carl Barks Collection II, S. 10.
  6. Die Everglades in der englischen Wikipedia
  7. 7,0 7,1 Thomas Andrae und Geoffrey Blum: Realität und Fiktion bei Carl Barks, Teil II. Übersetzt von Johnny A. Grote. Barks Library Special Donald Duck 4, S. 61–62.
  8. Die Seminolen in der Wikipedia
  9. Ponce de León in der Wikipedia
  10. Geoffrey Blum: Der „klassische Barks“. Übersetzt von Johnny A. Grote. Barks Library Special Donald Duck 3, S. 33–34.
  11. Geoffrey Blum: Erste Eindrücke. Übersetzt von Johnny A. Grote. In: Barks Library Special Donald Duck 4.
  12. A Fonte da Juventude auf Inducks
  13. https://www.seriesam.com/barks/art_npr.html#awnpr_7403