LTB 30: Rezension
In diesem Artikel wird das LTB 30 rezensiert. Ist dieser Band einen Kauf wert oder sollte er lieber im Kiosk stehen bleiben? Du weißt es nicht? Dann lies das! Einen neutralen enzyklopädischen Artikel findest du unter LTB 30.
Jeder kann hier seine persönliche Meinung zu den in LTB 30 erschienenen Geschichten verfassen. Eine Unterschrift unter jedem Kommentar ist erwünscht (einzufügen mit ~~~~). Die Geschichten können mit Highlight
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oder Schlecht
bewertet werden. Bei der Bewertung sollten Zeichnungen, Plot und Übersetzungen mit einbezogen werden. Eine genaue Anleitung zum Verfassen einer Rezension findest du hier. Viel Spaß!
Cover
Klarabella Kuh und Dagobert Duck – was für eine gewagte Kombi – legen eine kesse Sohle aufs Parkett. Der Größenunterschied zwischen den Figuren sorgt dafür, dass sie ihm die linke Hand nicht auf die Schulter, sondern auf den Zylinder legt. Seitwärts steigen Notenzeichen in den rosa Hintergrund hinauf. Speziell Klarabella hat einen verzückten Gesichtsausdruck, aber auch Dagobert scheint mit der Gesamtsituation nicht unzufrieden – vielleicht hat sie ihn zu der „Gran Gala“ des Originaltitels eingeladen?...
Früher – ganz früher – gab es mal den Ausdruck „Geck“ für einen übertrieben modisch gekleideten Mann (oder, um einen ähnlich aus der Zeit gefallenen Begriff zu bemühen: „Stutzer“). Und „Geck“ ist auch das erste, was mir zu diesem Dagobert hier einfällt: Seinen abgewetzten roten Rock hat er gegen einen glänzenden blauen Smoking mit Stehkragen eingetauscht – und ist nicht sogar der Zwicker ein anderer?... Aber das ist alles nichts im Vergleich zu Klarabella, die dieses Cover nun erst richtig farblich explodieren lässt. Die gelbe Schleife am braungepunkteten grünen Kleid (!) hat gar die Ausmaße ihres Tanzpartners selbst. Es bleibt die Irritation dieses Crossovers aus Enten- und Mäusewelt, die mich das Ganze nicht übertrieben positiv beurteilen lässt. (7/15 – Not Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Rahmengeschichte
Ausnahmsweise hat die Rahmengeschichte eine durchgehende Idee: Ein Schloss- und Riegelunternehmer spricht beim Justizminister vor und betreibt eine Amnestie für die Panzerknacker. Denn seit sie im Gefängnis sind, seien sie Erträge dieses Industriezweigs eingebrochen. Auch in Entenhausen wird bei solch einem Anliegen erst einmal eine Kommission eingesetzt, deren Entscheidung Dagobert in den folgenden Zwischenhandlungen in seinem Sinne zu beeinflussen versucht. Umsonst: Im letzten Zwischenstück werden die Panzerknacker feierlich begnadigt und sitzen wieder Trübsal blasend in ihrer Bude: Im Knast habe es drei Mahlzeiten am Tage gegeben, „zweimal die Woche gab’s sogar Nachtisch“ (S. 217). Die witzige Idee reicht für eine der besseren Rahmengeschichten von Dalmasso/Perego, auch wenn die Handlung danach nicht einmal mehr austrudelt, sondern schlicht abbricht. (5/15 – Somewhat Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Onkel Dagobert und die kleinen Männchen aus der Fliegenden Untertasse
„Fliegt mir entgegen!“ (ein Entenhausener erklettert einen Baumwipfel, um seinem Appell an die Außerirdischen mehr Nachdruck zu verleihen)
Der Entenhausener Zweiflerzirkel bietet jenem Mitbürger 1 Billion Taler, dem es gelingt, im Laufe eines am Abend stattfindenden Banketts eine echte Fliegende Untertasse mit echten Insassen zu präsentieren. Als unversehens solch ein Objekt in Onkel Dagoberts Geldspeicher eindringt, denkt der aber erst einmal gar nicht an diesen Wettbewerb, so begeistert ist er darüber, mit den Außerirdischen, winzigen „Mikro-Ducks“, die aussehen wie die Entenhausener Ducks selber, Geschäfte machen zu können. Die kleinen Wesen waren nämlich auf der Erde, um Getreide zu erwerben, von dem Dagobert ihnen jetzt auch drei Körner gegen winzige Goldpartikel verkauft hat. Umso entsetzter ist er, als ihm einfällt, welche Gelegenheit er sich da durch die Lappen hat gehen lassen. Panisch klettert er auf einen Fahnenmast, um den Mikro-Ducks hinterherzurufen, fällt dabei in den Abgrund, wird aber von den Männchen mithilfe von deren Schrumpfstrahlen an Bord gezogen und so gerettet. Donald und die Kinder werden eingeweiht. Ein Borstinger-ähnlicher Gauner raubt die Untertasse vorübergehend, und nach weiteren überstandenen Gefahren durch einen Greifvogel und auf dem Schießstand treffen die Kinder und die wieder auf ihre Normalgröße gebrachten Donald und Dagobert mit ihren neuen Freunden endlich auf dem Bankett ein. Doch der Zweiflerzirkel, der natürlich nichts weniger vorhat, als im Verlaufe des Abends 1 Billion Taler ärmer zu sein, spielt den Gästen übel mit und räuchert die Mikro-Ducks mit Zigarrenqualm derart ein, dass den Ducks, um sie zu schützen, keine andere Wahl bleibt, als sie ziehen zu lassen und auf die Billion zu verzichten. Selten hat uns ein Geschäftsabschluss Dagoberts so gerührt: „Dennoch! Es war kein solcher Fehlschlag! Wartet nur ab! In acht Jahren mache ich sicherlich ein bedeutendes Geschäft mit den Minoxianern!/Dann verkaufe ich ihnen gut und gern zwei Dutzend Körner Weizen!“ (S. 40)…
Für die meisten Carl-Barks-Fans gilt es ja als ausgemacht, dass der „Duck Man“ in den 60er Jahren bereits im Herbst seines Schaffens stand. Zumal hier haben wir eine der letzten von Barks selbst gezeichneten Geschichten vor uns – veröffentlicht wurde sie im Juli 1966, während die Entstehungszeit ein gutes halbes Jahr früher angesetzt werden kann. Doch ist es nur das Umfeld inmitten häufig recht schwacher italienischer Geschichten, die mich „Micro-Ducks from Outer Space“ als immer noch regelrecht brillant vorkommen lässt?... Hier sitzt wirklich jedes Panel, und auch der Erzählfaden ist von Barks meisterhaft auf die Spule gesetzt und aufgewickelt. Das Gag-Potential, das sich aus dem UFO-Motiv und dem groß-klein-Gegensatz ergibt, wird voll ausgeschöpft, ohne dass es je ins übertrieben Lächerliche abdriften würde (wie nicht selten bei den Italienern). Mal wieder fällt auch die Ummontierung auf das Dreireiher-Formal überhaupt nicht auf. Besonders gefällt mir die Idee des „Zweiflerzirkels“. In den 50er und 60er Jahren werden die amerikanischen Medien voll gewesen sein mit Berichten von vermeintlichen UFO-Sichtungen und ebenso häufigen „rationalen“ Erklärungsversuchen durch Wissenschaftler – Barks gibt beiden Seiten einige feine Spitzen mit. Durch den (englischen) Titel bezieht sich Barks, wenn auch fast zehn Jahre zu spät, auf den florierenden Science-Fiction-Boom, dessen Spielfilme wie „Plan 9 from Outer Space“ (1959), der übrigens als schlechtester amerikanischer Film aller Zeiten gilt, sich gerne dieser sensationsheischenden Endung bedienten. Gudrun Penndorf ist mit ihrer Übersetzung aus dem Italienischen für das LTB übrigens deutlich näher am englischen Original, insofern sie den Planeten „Micro“ als „Mikron“ wiedergibt, während Erika Fuchs in einer Ausgabe der Micky Maus sechs Jahre früher als „Diana“ übersetzte (und sich mit diesem Namen durchsetzte). Mittlerweile gibt es einige weitere Geschichten mit den „Besuchern vom Planeten Diana“, die erste, von Vicar gezeichnet, bereits aus dem Jahr 1977. Ich hatte nicht viel erwartet von dieser Barks-Geschichte, als ich zu diesem Band griff, um ihn zu rezensieren, doch ich wurde bekehrt: Auch 1966 war Barks noch King!... (13/15 - Fantastic)
Wie viele Geschichten von Barks hat auch diese einen Hauptartikel in der Duckipedia, nämlich hier. Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Aufstand der Roboter
„Lassen Sie mich es Ihnen erklären, Majestät! Wir sind hierhergekommen auf der Suche nach Ruhe! Die Panzerknackerblabla… Kurz: Gewähren Sie uns finanzielles Asyl!“ – „Vorher eine Frage: Können Sie alle fünf Quartett spielen?“ (der kleine König kommt gleich zur Sache, nur nicht zu der, die man erwartet)
Fliegende Geldspeicher ist man ja aus diversen Duck-Comics gewohnt – aber der hier fliegt sogar ins All! Dort will Dagobert (mal wieder) sein Geld vor den gierigen Klauen der Panzerknackerbande in Sicherheit bringen. Die Ducks landen auf einem Planeten, dessen örtlicher König sich sogar als außerordentlich freundlich erweist, und deren Bewohner sich in allen Lebenslagen von Robotern und Maschinen bedienen lassen. Leider drehen die hilfreichen Blechkisten durch, als sie zufällig von Dagoberts Gold kosten. Zwar fliehen die Ducks in blanker Not wieder auf die Erde, kehren jedoch mit einem umgebauten Kampf-Geldspeicher auf den Planeten zurück, um dort den „Aufstand der Roboter“ niederzuschlagen. Zuletzt können sogar die fiesen Hammerroboter eingerostet und so ausgeschaltet werden. Die Ducks finden den König und sein Volk auf der Flucht, wo sie wieder gelernt haben zu gehen und sogar zu springen. Beruhigt können die Ducks die Heimreise antreten – diesmal aber endgültig…
Und mal wieder sind die italienischen Disney-Comics Vorreiter. Die Geschichte von Rodolfo Cimino und Luciano Capitanio von Mai 1969 ist sogar noch einen Monat älter als der apokalyptische Science-Fiction-Folk-Rock-Song vom Duo Zager & Evans, in dem es heißt: „In the year 5555/Your arms are hanging limp at your sides/Your legs got nothing to do/Some machine is doing that for you.“ So geht es auch diesem seltsamen Volk auf dem entfernten, erdähnlichen Planeten, das passenderweise ein schildkrötenähnliches Aussehen hat und am Ende jeglicher Technik komplett abschwört. Das vielstimmige „RUMPEL! WRUMM! KRACKS“ in den Roboterkämpfen im „Outer Space“ kann nicht kompensieren, dass erzählerisch-kreativ kaum etwas zusammenläuft. Da kann man fast übersehen, dass Cimino uns am Ende tatsächlich den Bären aufbindet, der kleine König habe ein Paket vom entfernten Planeten auf die Erde geworfen, Onkel Dagobert direkt an den Kopf. Goldklumpen (der einzige auf dem ganzen Planeten!!) finden eben immer ihre richtige Zielperson. Aua! (4/15 – Poor) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Onkel Dagobert führt Klaas Klever an der Nase herum
„Ich wollte dir nur flüstern, daß es in dieser Gegend hier ganz entsetzlich schlecht riechen tut.“ (Die Sümpfe verleiden Donald die ganze Freude an dem Schmugglerparadies)
Klaas Klever spioniert seinem ewigen Kontrahenten Dagobert Duck hinterher, der seit Wochen rätselhafterweise einen täglichen Spaziergang mit seinem Neffen Donald unternimmt. Es gelingt den Ducks auch nicht, Klever, der in dieser Geschichte mit seinem „Gaunerfreund“ Norbert Neese unterwegs ist, in einem Auktionshaus abzuschütteln. Dort denken die beiden Gegner, dass sie den jeweils anderen auf der laufenden Versteigerung von einem „großen Fang“ abhalten wollen. Am Ende stehen sie beide für den Preis von einer Million mit jeweils der Hälfte eines ehemaligen Schmugglernests da, der sogenannten „Schatzbude“, die sich nun irgendwie teilen müssten, wenn sie auf dem Weg zum Objekt nicht weiterhin versuchen würden, sich gegenseitig auszustechen. Die einfache Holzhütte birgt jedoch offenbar einfach keine Geheimnisse. Beide merken nun, dass sie auf dem Holzweg waren, als sie dem anderen einen abgefeimten Plan unterstellten. Indem er fingiert, auf dem Gelände nach einem Schatz zu graben, ködert Klever Dagobert weiter. Doch der riecht den Braten, kauft Klever seinen Anteil aber trotzdem ab. Natürlich hat der alte Fuchs begriffen, dass der Boden vollgesogen ist mit Erdöl. Dagobert beginnt mit der Großförderung, während Klever und Neese nur zu ihren Hüten greifen können…
…um sie zu verspeisen. Der spätere „Running Gag“ im Verhältnis Dagobert-Klever wird hier, 1968, vermutlich zum ersten Mal verwendet. Wie das Missverständnis im Auktionshaus vom Autor Guido Martina eingefädelt wird, ist aller Ehren wert, und auch den Kabbeleien der beiden Milliardäre, von Romano Scarpa super-dynamisch und für die kommenden Jahre prototypisch gestaltet, schaut man in der Folge gerne zu. Die Lösung mit dem erdölgetränkten Boden ist allerdings ziemlich martinaesk billig und schon zu oft gesehen. Und was es mit den rätselhaften täglichen Spaziergängen Dagoberts mit Donald auf sich hat, wissen wir am Ende immer noch nicht. (9/15 – Somewhat Good) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Onkel Dagobert und die Gelbfußindianer
„Ich will alles noch einmal erleben, wie es damals war! Es soll für mich ein Verjüngungsbad sein, nicht nur eine Dusche, klar?“ (Dagoberts Motivation, warum es ihn in sein altes Goldgräberrevier zurücktreibt)
Onkel Dagobert ködert seine Neffen mit einem Urlaub in der Bergwildnis, in welcher er sich einst seine ersten Sporen als Goldschürfer verdiente. Im „Autokanu“ machen sie sich auf den Weg zum „Nord-Ost-See“ in dem seit jeher immer wieder Goldsucher unter unbekannten Umständen verschwunden sind. Es verspricht schon, tatsächlich ein erholsamer Urlaub zu werden, da wird Old Sam, ein alter Kumpel Dagoberts, den er dort zufällig wiedergetroffen hat, in die Fluten hinabgezogen. Es folgen ihm Dagobert, der diesem, sowie Donald, der jenem zu Hilfe eilen wollte. Es bleiben die cleveren Tick, Trick und Track am Seeufer übrig, die bald das Geheimnis des Sees entschlüsseln: Es ist ein unentdeckt bleiben wollender Indianerstamm, der die ganzen „Unfälle“ der Vergangenheit auf dem Gewissen hat. Mit einem System von Schleusen hatten sich diese einen Zuweg in den See gesichert und dabei gelernt, unter Wasser zu atmen – und zu reiten! Den Kindern gelingt es, Geiseln zu nehmen und gegen ihre Onkels und Old Sam auszutauschen. Dagobert macht auch noch einen Gewinn: Er liefert den Indianern neue Schleusentore aus Stahl und kassiert dafür deren aus Gold…
Abgesehen von dem Schwachsinn der unter Wasser galoppierenden Indianer und ihren Pferden mit Sauerstoffgeräten: Wie so viele Geschichten sowohl von Autor Rodolfo Cimino als auch von Zeichner Giulio Chierchini ist das zu schablonenhaft. Dagobert zwingt seine Verwandten mehr oder weniger, ihn in die Weltgeschichte zu begleiten, dabei kabbelt er sich ausgiebig mit Donald, der irgendwann einen Satz sagt wie „Ich rühr‘ keinen Finger mehr!“ (hier auf S. 152), dann passiert etwas, wodurch die Ducks in Gefangenschaft geraten, aus der nur die neunmalkluge Gewitztheit von Tick, Trick und Track oder die bloße Blödheit ihrer Konterparts sie befreien können. Und am Ende steht noch ein gutes Geschäft Onkel Dagoberts. Diese Geschichte stammt von 1970 – bald wurde Cimino mit Giorgio Cavazzano eine andere Nummer an die Seite gestellt, mit dem er diese Motive etwas vielschichtiger zu bearbeiten verstand. Chierchini hingegen schafft Abwechslung allenfalls durch die hin und wieder (S. 147, 156, 163) eingeklinkten Panels mit aufmerksam zuhörenden Eichhörnchen. (4/15 – Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Die süsse Tour
„Oh, Fasching!“ (der Bürgermeister hält nicht viel von der Leibgarde „Dagoberts des Großen“)
Kriegsrat im Großfürstentum Fruktanien: Dort wurden Millionen Gläser Pfeffergurkenmarmelade hergestellt, die nun keiner haben will – alle Konsumenten sind nur scharf auf die Fruchtmarmeladen aus dem Hause Duck. Die zündende Idee eines kleinen Generals aus dem Duodez-Staat: Er lässt [[Dagobert eine Spritze mit einem Serum verabreichen, das den Cäsarenwahn auslöst. Der Plan, nach dem Dagobert irgendwann aus der Gemeinde Entenhausen verbannt und seine Fabriken enteignet würden, funktioniert zunächst prächtig: Der reichste Mann der Welt liest sich in das Leben der großen Feldherren ein, lässt seine Belegschaft als Eskorte mit Fantasie-Uniform ausstaffieren und legt sich tatsächlich mit der ganzen Stadt und dessen politischer Führung an. Die Verbannung Dagoberts steht bereits vor der Tür, da kommen Donald, vor allem aber Tick, Trick und Track den fremdländischen Machenschaften auf die Spur, lassen ein Gegenserum entwickeln und ihrem Onkel spritzen. In Sekundenschnelle wird er wieder normal, lässt sich zum Schein auf die Verbannung ein, beschießt dann aber, als die fruktanischen Marmeladenfrachter in die Bucht von Entenhausen einlaufen, diese mit überreifen Wassermelonen. Durch das Fernrohr kann er jetzt auch beobachten, wie der bedröppelte Großfürst den kleinen General für dessen fehlgeschlagenen Plan zur Verantwortung zieht…
Im Mai 1967 ersonnen, gehört dieser Comic von Rodolfo Cimino und Luciano Gatto in die Vorgeschichte eines der besten Werke dieses Gespanns, „Onkel Dagobert als geheimnisvoller Verfolger“ (Juli 1967), das in Deutschland bereits in LTB 20 erschienen war. Der Wahn, der in dieser Geschichte hier noch extrinsisch motiviert war (er musste dem nichtsahnenden, quasi naiv-unschuldigen Dagobert erst durch übelwollende Polit-Schurken injiziert werden), wird erst in jener sozusagen in die Abgründe der seit jeher auffälligen Persönlichkeitsstruktur Dagoberts verlegt. In „Die süsse Tour“ funktioniert das Psychologische auch schon ganz gut, ist aufgrund der herkömmlichen Anlage aber kein Kracher. Immerhin ist es zum Schmunzeln, wie die kurios ausstaffierte Leibwache Dagoberts aus Riesen-Füllfederhaltern, welche die geschulterten Gewehre ersetzen, den Stadtrat mit Tinten-Ladungen überzieht, während Melonen die Kanonenkugeln ersetzen. Stilistisch ist der verlässliche Gatto 1967 in einer ausgesprochenen Breit- und Langschnabel-Phase angelangt. (8/15 – OK) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Der Jungbrunnen
„Aaah! Einmal in der Woche muß man schon ein Schaumbad nehmen, um die verstopften Poren vom Goldstaub zu reinigen!“ (Dagobert rettet knapp den irritierenden Titel dieser Geschichte – vergleiche dazu auch das Zitat zu „Onkel Dagobert und die Gelbfußindianer“!)
Beim erholsamen Fichtennadelbad holt Onkel Dagobert längst Vergessenes zurück in sein Bewusstsein: Im Jahre 1938 hatte er am Rande eines Mammutbaumwaldes, unmittelbar von anrückenden Flusspiraten bedroht, einen Schatz vergraben und seinen Lageplan in einen niedrigen Baum geritzt. Als die Ducks zur Bergung anrücken, werden sie gewahr, dass die Bäume seitdem natürlich auf ihre Mammutgröße gewachsen sind. Während Onkel Dagobert, Tick und Track in die Stadt zurückkehren, um von dort eine Schatzgräberausrüstung mitzubringen, kommt Trick der goldene Einfall, an welchem Baum sich der eingeritzte Plan befinden muss. Doch alsbald wird er mit seinem Onkel Donald von den Panzerknackern überfallen, die den Ducks von Anfang an auf der Spur waren. Per Rauchschwaden-Telegraphie holt Trick Hilfe herbei – seine Brüder und Dagobert rücken mit der Polizei an. In Bedrängnis durch die Panzerknacker hatte Donald den aus der Rinde geschnittenen Plan verbrannt, vorher aber noch damit im weichen Moos einen Abdruck hinterlassen. Doch der Stempel führt die grabenden Donald und Dagobert in die Irre, während Tick, Trick und Track an der richtigen Stelle graben und den Schatz finden…
LTB 30 findet leider keinen gelungenen Abschluss. Wie schon der Cimino/Chierchini früher im Band reihen auch Martina/Bordini lediglich längst bekannte Versatzstücke einer Duckschen Schatzjagd hintereinander auf. Und sorgen dort die seltsamen Bergsee-Indianer wenigstens noch für den einen oder anderen Splash-Panel-Schaueffekt, ist das hier einfach nur langweilig. Nicht einmal die Kinder, die wieder einmal von Anfang an Recht hatten – wollten sie ihre Onkels doch schon davor warnen, dass Bäume auch wachsen tun –, sehen wir am Ende irgendwie befriedigt triumphieren. (2/15 – Very Bad) Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)
Fazit
Barks-Comics gibt es überhaupt nur in drei LTBs: zwischen den beiden anderen, LTB 8 (1969) und LTB 53 (1978), liegt das hier (1974) genau in der Mitte. Noch seltsamer ist der „einsame Barks“ aber, wenn man sich die Publikationsgeschichte der zugrunde liegenden I Classici anschaut – denn als im Dezember 1973 die „Gran Gala di Paperone“ als 52. Band der Prima Serie erschien, hatte es seit bereits acht Jahren keine Barks-Comics mehr in den I Classici gegeben. Es ist unklar, warum man sich bei der Auswahl der Geschichten „urplötzlich“ wieder mal auf den alten amerikanischen Meister besann, obwohl natürlich viele seiner auch aktuelleren Geschichten mittlerweile im „Topolino“ veröffentlicht worden waren und damit zur Verfügung gestanden hätten. Zurück zu diesem LTB: Gerade in der Breite vermag es auch die schöne Barks-Geschichte nicht, dass wir einen wirklich positiven Eindruck von diesem Band zurückbehalten. Hobrowili (Diskussion) 23:00, 23. Mai 2026 (CEST)