Der Südsee-Yeti
| Der Südsee-Yeti | |
|---|---|
| Der Südsee Yeti | |
| Paperino e l'uomo di Ula-Ula | |
| Erstveröffentlichung: | 10.08.1959 |
| Entstehungsdatum: | 1959 |
| Storycode: | I TL 216-B |
| Story: | Romano Scarpa |
| Zeichnungen: | Romano Scarpa |
| Tusche: | |
| Seiten: | 37 |
| Deutsche Übersetzung: | Alexandra Ardelt, Gudrun Penndorf u.a. |
| Deutsche Erstveröffentlichung: | LTB 69 |
| Weiterführendes | |
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Der Südsee-Yeti (im italienischen Original Paperino e l'uomo di Ula-Ula) ist eine Comicgeschichte von Romano Scarpa. In dem Abenteuer besorgt sich Onkel Dagobert zum ersten Mal einen Supercomputer, der aber nur von einem bärtigen Mann aus der Südsee bedient werden kann. Zwar erweicht der Südsee-Yeti das Herz aller Familienmitglieder der Ducks, doch Dagobert tut ihm großes Unrecht an und will schlussendlich einen Weg finden, für echte Freundschaft und Gerechtigkeit zu sorgen.
Die Geschichte wurde im italienischen Topolino-Heft Nummer 216 vom 10. August 1959 erstveröffentlicht und zählt zu den wichtigsten Duck-Storys aus der Feder von Romano Scarpa, der damit Onkel Dagoberts Charakter mit positiven Eigenschaften belegte und die Figur in diesem Sinne weiterentwickelte.
Figuren
- Onkel Dagobert
- Donald Duck
- Tick, Trick und Track
- Herr Bauz, der Südsee-Yeti
- Dagoberts Butler
Handlung
Prolog
Wie schon viele Male zuvor kommen Onkel Dagobert, Donald Duck und Tick, Trick und Track mit einem Schiff an einer mysteriösen tropischen Insel an, die scheinbar unbewohnt ist – ohne, dass dem Leser der Grund für die Reise klar wird. Offensichtlich geht es dieses Mal nicht darum, einen verlorenen Schatz zu suchen, sondern um einen verlorenen Freund wiederzufinden. Dazu müssen Onkel Dagobert, Donald und seine Neffen jedoch viele Gefahren überwinden, die die Insel zu bieten hat: Angefangen bei Kurtchen, einem Senf liebenden Riesen-Oktopus. Nach der Landung am Strand beginnt dann der eigentliche Hindernislauf: Zunächst durchqueren die Ducks mit jeweils einem Paar Stelzen eine Herde Hummer, die die Höhe der Stelzen um gut die Hälfte reduzieren, dann müssen sie sich gegen eine Herde Vampir-Fledermäuse, dann gegen einen schwarzen Panther und schließlich gegen Treibsand verteidigen. All dies ist nur die Vorhut, bevor sie eine senkrechte Felswand mit einem Vorsprung am Ende erklimmen müssen.
Auf dem höchsten Gipfel der Insel angekommen, bereiten sich die erschöpften Ducks auf die Nacht vor. Dagobert, der als Einziger der fünf die Insel bereits kennt, erklärt, dass man besser kein Feuer entfachen sollte, da die Flamme Schwärme von gefräßigen Insekten anziehen würde. Dagobert zeigt seinem Neffen, dass schon das Anzünden eines kleinen Streichholzes eine Vielzahl von Insekten anlockt. Die Entenhausener haben also keine andere Wahl, als die Nacht im Dunkeln und wach zu verbringen, um sich gegen die Gefahren verteidigen zu können. Entschlossen, die ganze Nacht wach zu bleiben, beginnen Onkel Dagobert, Donald und die Jungs, sich gegenseitig die Ereignisse zu erzählen, die sie auf diese abgelegene Insel geführt haben.
Onkel Dagoberts Erzählung
Um den Überblick über die Bilanz seines weltumspannenden Finanzimperiums zu behalten, bedient sich Dagobert Duck gleich zweier Buchhaltungsabteilungen, sodass Abteilung A und Abteilung B ihre Ergebnisse gegenseitig kontrollieren können. Insgesamt beschäftigt der reichste Mann der Welt eine Heerschar von 384 Angestellten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch nie Probleme: Beide Konten waren auf den Kreuzer genau ausgeglichen. An einem schlimmen Tag jedoch stellt Onkel Dagobert eine Differenz in Höhe von 24 Talern und 65 Kreuzern! Die beinahe lächerliche Differenz versetzt ihn sogleich in Panik und er sieht sein Geschäft bereits vor dem Konkurs.
Völlig verzweifelt und bereits in Gedanken im Elend versunken, in das er eines fernen Tages geraten wird, verlässt Onkel Dagobert den Geldspeicher mit einer Münze in der Hand, die er im Talerbad gefunden hat und die ihn an sein großes Glück in der Vergangenheit erinnert. Als er über die Brücke über den Fluss geht und sich gefährlich nach der Brüstung nähert, wird er sofort von Passanten umringt, die glauben, er wolle sich hinunterstürzen. Die Leute versuchen, Dagobert zurückzuhalten. Dessen Absicht war es jedoch, getrieben von der Verzweiflung, die sein Herz umfasst, die Münze mit all ihren schönen Erinnerungen in die Fluten des Flusses zu werfen.
Nachdem er seiner Verzweiflung Ausdruck verliehen hat, erfährt Dagobert jedoch aus einer alten Zeitung, dass ein gewisser Professor Ticktack im kleinen Tellvetien einen Supercomputer entwickelt hat, der jede ihm vorgelegte Berechnung schnell und mit äußerster Präzision ausführen kann. Sofort fliegt Onkel Dagobert nach Tellvetien, um dem Professor sein Elektronengehirn abzukaufen.
Zurück in Entenhausen eröffnet der Fantastilliardär die Buchhaltungsabteilung C, die einzig aus dem Supercomputer besteht. Doch der schusselige Professor hat vergessen, Onkel Dagobert Bescheid zu sagen, dass das Elektronenhirn so sensibel ist, dass er nur von einer Person richtig bedient werden kann, die der Maschine auch sympathisch ist. Ansonsten gibt der Computer nur pampig formulierte Antworten von sich. Nun sucht Onkel Dagobert also eine besonders liebenswürdige Person, die mit dem Computer kommunizieren kann.
Donalds Erzählung
An diesem Punkt kommt der gute Donald Duck ins Spiel. Sein knickeriger Onkel Dagobert ist überall auf der Suche nach einer Person, die dem frechen Elektronengehirn sympathisch ist. Gerade zu dieser Zeit hat Donald zufälligerweise den Ratgeber „Die Kunst, Freunde zu gewinnen” gelesen und macht sich mit diesem neuen Wissen auf den Weg zum Geldspeicher – in der Hoffnung, von Onkel Dagobert wenigstens ein paar Taler zum Dank zu erhalten.
Doch Donald findet sich als Letzter in einer langen Schlange von Menschen wieder, die versuchen, sich sympathisch zu zeigen, um eine heikle Anstellung beim reichsten Mann der Welt zu erhalten: die Steuerung des interessanten elektronischen Superhirns. Endlich ist Donald an der Reihe, und hier beginnt der als Matrose gekleidete Entenmann nach einem ersten erfolglosen Versuch mit Engagement und Hingabe eine lange Reihe von Versuchen, sich die Sympathie des Superhirns zu sichern. Donald bildet sich ein, sehr einfach Sympathiepunkte bei der Maschine sammeln zu können. Trotzdem beginnt Donald nach einem ersten erfolglosen Versuch mit Engagement eine lange Reihe von Tests und Verkleidungen, sich die Sympathie des Superhirns zu sichern.
Schließlich kontaktiert Onkel Dagobert telefonisch Professor Ticktack, der ihm den Rat gibt, dass sein früherer Gast Herr Bauz der Einzige ist, der das Elektronengehirn bedienen kann. Herr Bauz ist auch als Südsee-Yeti bekannt und lebt auf einer winzigen Insel Hula-Hula im südlichen Pazifik. Onkel Dagobert macht sich auf den Weg und kehrt schon bald mit Herrn Bauz, einem Mann mit dichtem Fell, der sich mit einfachen Kehlgeräuschen ausdrückt, nach Entenhausen zurück.
Es kommt zu einem rührenden Wiedersehen zwischen den alten Freunden Herrn Bauz und dem Elektronengehirn. Sofort löst die Maschine, in Gang gesetzt von den geschickten Händen von Herrn Bauz, eine algebraische Aufgabe und gibt prompt die richtige Lösung. Der eifersüchtige Donald bekommt nun einen kleinen Wutanfall und tritt den Supercomputer, woraufhin er von Bauz unsanft vertrieben wird. Aber kurz darauf zeigt Herr Bauz, dass er Donalds Frustration versteht und entschuldigt sich in aller Form bei dem jähzornigen Donald Duck, der nun auch Gewissensbisse erleidet und Herrn Bauz ins Herz schließt.
Tick, Trick und Tracks Erzählung
Der Schlaf wird immer schwerer zu überwinden, die Augenlider werden immer schwerer und finstere Augen beobachten das Lager der Familie Duck auf dem Gipfelplateau. Nun sind die drei Neffen Tick, Trick und Track an der Reihe, von jenem Morgen zu erzählen, an dem sich das Drama fortentwickelte.
Die drei Jungen machten sich auf den Weg zum Duck’schen Geldspeicher, um Herrn Bauz persönlich kennenzulernen und mit eigenen Augen zu sehen, wie effizient die neue Buchhaltungsabteilung C arbeitet, die nur aus dem Elektronengehirn und Herrn Bauz besteht. Nachdem die Kinder dem freundlichen Bauz eine Tüte Bonbons geschenkt haben, zeigt der Südsee-Yeti seine Gegenliebe und schenkt Tick, Trick und Track einen echten Ameisenbären. Die Neffen werden vom glücklichen Onkel Dagobert in die Privaträume von Herrn Bauz begleitet, die nichts anderes sind als ein riesiger Urwald mit Sträuchern, Lianen und exotischen Tieren. Mit all dem Komfort will Dagobert es seinem Gast Herrn Bauz so angenehm wie möglich in der Großstadt Entenhausen machen.
Der Besuch wird im großen Tresorraum fortgesetzt, wo Onkel Dagobert zu gern ein Talerbad nimmt und stolz seine Messlatte im Geldspeicher präsentiert. Hier entkommt jedoch der kleine Ameisenbär, der sich ins Geld einbuddelt. Bei dem Versuch, das Tier in der ungewohnten Umgebung wieder einzufangen, decken Tick, Trick und Track einen furchtbaren Betrug auf: Unter der obersten Schicht mit etwas Geld befindet sich ein großes Netz, das mit einem System aus Flaschenzügen und Hebeln das Niveau von Dagoberts Barvermögen anhebt und so die regelmäßigen Diebstähle eines mysteriösen Schurken verbirgt. Onkel Dagobert und die Neffen bemerken einen Ansaugstutzen und kriechen durch einen langen, engen Schacht, der genau in einem Hohlraum in Dagoberts Supercomputer mündet.

Der bestohlene Onkel Dagobert reagiert wütend und beschuldigt den armen Herrn Bauz, ihn bestohlen zu haben. Entschlossen, ihn anzuzeigen, stellt sich Dagobert einen schrecklichen Gerichtsprozess gegen Herrn Bauz vor, deren vorgetragene Anklage den sanftmütigen Herrn Bauz übel mitnimmt; nach dem herzerwärmenden Schlussplädoyer aber sind die Jury und der vorsitzende Richter von dem unvermeidlichen Freispruch aus Mangel an Beweisen überzeugt. Trotz seiner Gewissensbisse entlässt Onkel Dagobert den unschuldigen Herrn Bauz, aber seine Neffen tick, Trick und Track, die an Bauz' Ehrlichkeit glauben, beschließen, eigene Nachforschungen anzustellen. Sie entdecken, dass eine bestimmte Rohrleitung, die aus Onkel Dagoberts Supercomputer herausführt, das gestohlene Geld tatsächlich zu einem großen Schiff transportiert, das im Hafen vor Anker liegt. Hier genießen die bösen Panzerknacker die Früchte ihres gut durchdachten Plans, den niemand zuvor bemerkt hat.
Nachdem die Jungs ein bemerkenswertes Gespräch zwischen kriminellen Knackern mitgehört haben, wird ihnen einiges klar. Denn die Panzerknacker haben die Anwesenheit des riesigen Computers ausgenutzt, um ihren Plan ungestört auszuführen und haben sich vor Herrn Bauz Ankunft im Gerät versteckt gehalten, um bewusst falsche Antworten auszugeben und so dessen Fehlfunktion zu rechtfertigen. Mit Hilfe der Polizei werden die Panzerknacker schlussendlich überführt und verhaftet.
Zwar ist Onkel Dagobert froh darüber, dass er sein geliebtes Geld zurückhat, doch er fühlt sich schuldig, da er Herrn Bauz vorschnell verurteilt hat.
Epilog
Nachdem alle ihre Geschichten erzählt sind, geben die Familienmitglieder der Ducks, erschöpft von Schlaf und Müdigkeit, dem Schlaf nach. Genau in diesem Moment wird es in der Umgebung der Lichtung, auf der sie ihr Lager aufgeschlagen haben, gefährlich, denn unheilvolle Tiere nähern sich den schlafenden Ducks. Doch da taucht plötzlich der sonst sanftmütige Herr Bauz mit einem knorrigen Ast in den Händen aus dem Gebüsch auf und verteidigt seine Freunde vor dieser letzten Gefahr.
Onkel Dagobert, der sich und seine Neffen zu dieser langen und gefährlichen Reise gezwungen hatte, um sich bei dem Südsee-Yeti von Hula-Hula zu entschuldigen, tröstet sich mit der Feststellung, dass Herr Bauz ihm gegenüber keinen Groll mehr hegt. Im Gegenteil, der zottelige Geselle freut sich sogar, ihn und die Neffen wiederzusehen. Nachdem der Fantastilliardär sich vergewissert hat, dass ihm vergeben wurde, nutzt er die Gelegenheit, um Herrn Bauz den überempfindlichen Supercomputer zu schenken, damit die beiden nie mehr getrennt sind.
In Zukunft will Dagobert ein verbessertes Exemplar des Elektronengehirns für seine Buchhaltung verwenden, das von Professor Ticktack überarbeitet wurde und welches nun keine Sympathiepunkte mehr benötigt, um richtig zu funktionieren.
Aufbau und Analyse
Die Comicgeschichte zeichnet sich vor allen Dingen durch ihre ungewöhnliche Erzählstruktur aus, die durch Rückblenden geprägt ist und von einer in der Gegenwart spielenden Rahmenhandlung getragen wird. Der Comic ist wie ein griechischer Chor angelegt und bietet damit eine Technik des ständigen Perspektivwechsels, die für dieses Medium eher ungewöhnlich ist, ihre Vorläufer jedoch in der antiken Literatur hat. So wird die Handlung von den Erzählern Onkel Dagobert, Donald und Tick, Trick und Track nacheinander erzählt, die immer wieder verschiedene Blickwinkel einnehmen und das Geschehne ausschließlich aus ihrer eigenen Sichtweise heraus beschreiben und auch beurteilen können.
Selten und für die damalige Zeit wegweisend ist die Darstellung der menschlicheren und sensibleren Seite von Onkel Dagobert, der sich hier zunächst um die Funktionsfähigkeit des künstlich geschaffenen Elektronengehirns sorgt, dann aber freundschaftliche Gefühle für den lebendigen Herrn Bauz entwickelt, der schon bald einen höheren Stellenwert hat als die Maschine. Das wird zum Ende dadurch zum Ausdruck gebracht, dass Onkel Dagobert Herrn Bauz den Supercomputer einfach schenkt. Der von Scarpa eindrucksvoll udnd tief verstörende „Suizid-Versuch“ von Onkel Dagobert demonstriert, welch starke emotionale Bindung er zu seinen einzelnen Talermünzen hat, die für ihn ein Stück eigene Erinnerungen an persönliche Erfolge transportieren.
Thematisch von bemerkenswertem Interesse aus heutiger sicht ist die frühe Einführung des Konzepts der künstlichen Intelligenz. Erst neun Jahre zuvor verfasste der begnadete Mathematiker Alan Turing seinen berühmten Artikel, der als die Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz gilt. Diese wird im Comic als „mechanisches Gehirn” gezeigt, von der niemand so richtig sagen kann, wie sie eigentlich funktioniert. Scarpa karikiert hier die Vorstellung, dass man nicht einfach in den Kasten hineinschauen könne – denn genau das tut Onkel Dagobert, als er in die Maschine hineingeklettert ist. Das angeblich so schlaue Elektronengehirn lässt sich von Niemandem etwas sagen und reagiert regelrecht pampig mit den Fragestellern. Einzig der freundliche Herr Bauz ist in der Lage, die Maschine zu bedienen und korrekte Lösungen zu erhalten.
Der Ursprung des Elektronengehirns in der Comicgeschichte liegt in dem europäischen Staat „Svizerlandia“, einer offensichtlichen Anspielung auf die Schweiz. Professor Ticktack verkörpert hier den präzisen Uhrmacher, dessen handgefertigte Maschinen absolut genau sind und perfekt funktionieren. In der deutschen Übersetzung wurde aus dem Ort „Tellvetien“: Eine doppelte Anspielung, die einerseits auf Helvetien (den latinisierten Name der Schweiz in der Antike) Bezug nimmt, andererseits auf den Namen Wilhelm Tell, die legendäre Figur des Freiheitskämpfers aus dem Schweizer Nationalmythos.
Interessanterweise hat das bergige Umland der Alpenidylle, in der Professor Ticktack im Comic arbeitet, noch einen weiteren Anknüpfungspunkt: Der als Erfinder des modernen Computers bekannte Konrad Zuse ließ sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit seinen Wissenschaftlern in Hinterstein im bayrischen Allgäu nieder und baute hier seine funktionstüchtige Rechenmaschine Z4 wieder auf. Damit unterstützte Zuse die ortsansässigen Bauern bei der Abrechnung ihrer Milcherträge, was als erste digitale Dienstleistung in Deutschland bezeichnet wird.[1]
Charakterisierung von Herrn Bauz
Bauz, meist als Herr Bauz bezeichnet, trägt im italienischsprachigen Namen Bunz. Der titelgebende Mann aus Ula-Ula (bzw. Hula-Hula) ist trotz seines einzigen Auftritts in Der Südsee-Yeti eine der originellsten Figuren aus der Feder von Romano Scarpa und zeichnet sich durch einen hohen Wiedererkennungswert aus. Für den deutschen Titel wurde Herrn Bauz der unrühmliche Beiname „Südsee-Yeti“ vergeben, obwohl diese Bezeichnung an keiner Stelle bei Scarpa erwähnt wird und es sich bei dem freundlichen Zeitgenossen keinesfalls um einen unheilvollen Yeti handelt.

Zum ersten Mal hört Onkel Dagobert durch Professor Ticktack von Herrn Bauz, einen skurrilen Bekannten des Professors, der fernab der westlichen Zivilisation auf der abgelegenen Insel Hula-Hula lebt, aber über ein besonderes Gespür im Umgang mit elektronischen Geräten verfügt. Es ist unklar, ob Herr Bauz auf der Insel Hlua-Hula völlig isoliert oder mit seinesgleichen lebt. Es wird nicht ausgeführt, ob er Teil einer nicht näher bezeichneten indigenen Bevölkerung ist oder ein Einzelgänger, der die Verbindung zu seinen Wurzeln abbrechen musste oder wollte. Auf jeden Fall ist nichts über eine mögliche Familie bekannt und es ist auch nicht klar, wie er dem europäischen Professor Ticktack bekannt wurde.
Herr Bauz ist anhand seiner menschlichen Hände und Füße wahrscheinlich ein Mensch oder vielleicht ein anthropomorpher Hund. Er ist fast vollständig von einer dichten Fellschicht bedeckt, aus der nur die Extremitäten seiner Gliedmaßen herausragen und die nur einen Blick auf seine Augen und seinen Mund freigibt. Das zottelige Haar hat je nach Kolorierung eine unterschiedliche Farbe: Weiß, Schwarz oder braun. Sein natürliches Fell und seine völlige Gutmütigkeit ermöglichen es ihm, völlig ohne weitere Kleidungsstücke zu leben, abgesehen von einer Art Halskette aus Tierzähnen, die er immer um den Hals trägt. Insgesamt erinnert sein Bild an Erasmus den Einsiedler, eine bizarre Figur, die ebenfalls vollständig mit natürlichem Fell bedeckt ist und von Carl Barks in der Geschichte Die Macht der Töne auftritt.[2]
Trotz seines eher ungewohnten Erscheinungsbildes ist Herr Bauz ein intelligenter, sensibler und ehrlicher Charakter. Er ist unfähig, Groll zu hegen, und hat nur in seltenen Fällen Wutausbrüche, die er jedoch sofort bereut. Obwohl er keine Sprache der Entenhausener beherrscht (oder daran interessiert ist), versteht er Gesten und nonverbale Ausdrucksformen und macht sich damit leicht verständlich. Trotz dessen er fast sein ganzes Leben in unberührter Natur verbringt, scheint Herr Bauz eine besondere Begabung dafür zu haben, jedes elektronische Gerät zum Laufen zu bringen. Sein ursprüngliches Leben auf Hula-Hula, wo es ausschließlich naturgemachte Gefahren und keine Bedrohung durch menschliche Zivilisation gibt, steht im starken Kontrast zu Onkel Dagoberts neuartiger Rechenmaschine, die gefühlskalt und empathielos zu funktionieren scheint.
Mit allen Ducks freundet sich Herr Bauz im Laufe der Zeit auf seine Weise an. Von Onkel Dagobert wird er als wichtiger Mitarbeiter angesehen, der die Verantwortung über die Buchhaltungsabteilung C hat und eine nützliche Funktion dank seiner Expertise und Qualifikation im Umgang mit dem Elektronengehirn einnimmt. Zum Dank richtet Dagobert ihm sogar eine eigene Wohnung im Geldspeicher ein, die Herrn Bauz an seine Heimat auf Hula-Hula erinnern soll. Donald, der zuerst etwas eifersüchtig auf Herrn Bauz war, schätzt dessen Ehrlichkeit und Unvoreingenommenheit, die ihn sympathisch machen, ohne dass Herr Bauz viel dafür tun müsste. Tick, Trick und Track sind ebenfalls fasziniert von dem lieben Herrn Bauz, der den Supercomputer im Alleingang steuert, und schenken ihm bei der ersten Begegnung eine Tüte Bonbons, wodurch sie zusätzlich Herrn Bauz Zuneigung gewinnen.
Rezeption
Die Geschichte zählt zu den bedeutendsten Werken von Romano Scarpa, der nicht zuletzt als vom Kino inspirierter Comiczeichner in Erinnerung geblieben ist.[3]
In Der Südsee-Yeti entwirft Scarpa wider aller Stereotype ein positives Bild eines vordergründig primitiven Südseeinsulaners und erschafft eine „antirassistische Apologie zum Thema Freundschaft“.[4]
Der Südsee-Yeti gilt als eines der berühmtesten und beliebtesten Werke des venezianischen Meisters Romano Scarpa: Am 28. Juli 2015 stieg sie in die Top 100 der INDUCKS-Rangliste auf (und belegte Platz 93). Außerdem wurde sie in einer Umfrage unter den Lesern des Topolino zur besten italienischen Geschichte der 1950er Jahre gewählt[5] und erreichte 2019 auf INDUCKS den 67. Platz.
Romano Scarpa zeige eindrucksvoll, dass er nicht nur sehr lange, sondern auch eher kürzere Stories meisterhaft umzusetzen weiß. Der zeichnerische Witz transportiere die Handlung und halte das Niveau durchgängig auf allerhöchsten Niveau.[6] Auch wenn die Darstellung der Dschungelbewohners Herrn Bauz anfänglich sicherlich nicht allzu schmeichelhaft ist, könnee man eine ungeheure Sympathie zu dem Herrn entwickeln. Die zeichnerische und auch erzählerische Klasse Scarpas komme voll zur Geltung und sei ein weiteres Beispiel für dessen exzellenten Ruf.
Deutsche Veröffentlichungen
- LTB 69 (1980, 1998 neu aufgelegt)
- Hall of Fame 11 – Romano Scarpa 2 (2007)
- LTB Spezial 53 (2013)
- Walt Disney's Donald Duck – Die Ultimative Chronik (2024)
Internationale Veröffentlichungen
Der Südsee-Yeti wurde nach der Erstveröffentlichung am 10. August 1959 mehrfach nachgedruckt, allein in Italien zehnmal.
Zudem wurde sie ausgewählt, um als Vertreter der 1950er Jahre in der Sonderausgabe 2264 des Topolino erneut veröffentlicht zu werden, die zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Zeitschrift eine besonders bedeutende Geschichte aus jedem der vorangegangenen Jahrzehnte kompilierte. Die Geschichte ist somit eine der wenigen, die zwei separate Veröffentlichungen im Topolino aufweist.
Außerdem wurde das Abenteuer in Brasilien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Norwegen, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und Schweden publiziert.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Zuse#Z4_%E2%80%93_Grundlage_einer_deutschen_Computerindustrie abgerufen am 26.12.2025
- ↑ https://disney-comics.fandom.com/it/wiki/Bunz abgerufen am 26.12.2025
- ↑ Scuola nazionale di cinema (Italia), Storia del cinema italiano, Edizioni di Bianco & Nero, 2001
- ↑ Luca Boschi, Leonardo Gori and Andrea Sani (1990): I Disney Italiani (Bologna: Granata Press) S. 102.
- ↑ Luca Boschi: Il papero benefico, (Le grandi storie Disney, vol. 3) S. 10.
- ↑ http://www.ltb-online.de/high47.htm abgerufen am 26.12.2025