Erika Fuchs: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Bild:Erika Fuchs Jung.jpg|thumb|right|Erika Fuchs im Alter von 26 Jahren (Aufnahme 1933)]] | [[Bild:Erika Fuchs Jung.jpg|thumb|right|Erika Fuchs im Alter von 26 Jahren (Aufnahme 1933)]] | ||
Erika Fuchs wurde am 7. Dezember 1906 als ''Erika Petri'' in Rostock geboren. Sie war das zweitälteste Kind des Ehepaars Auguste und August Petri. Der Mädchenname ihrer Mutter war ''Horn'', bis sie ihren späteren Ehemann während des Studiums um 1900 in einer Studentenvereinigung kennen lernte. Die Mutter war ausgebildete Sängerin und Lehrerin, so unterrichtete sie unter anderem an einer Volksschule in Augsburg, Bayern. Ihr Mann August war im bis 1947 eigenständigen Staat Lippe-Detmold geboren worden und hatte seine Ausbildung ebenfalls mit einem erfolgreichen Studium beendet, so dass gute Voraussetzungen für Erika Fuchs geschaffen worden waren, ebenfalls eine hohe Schule besuchen zu können. Als Erika Fuchs sechs Jahre alt war, zogen ihre Eltern zusammen mit ihr und ihren Geschwistern um nach Belgard (oft auch mit dem Zusatz ''an der Persante'' geschrieben) (heute Białogard) nahe Köslin (heute Koszalin) in Hinterpommern. Dort fungierte August Petri als Direktor eines Elektrizitätswerks, genauer gesagt einiger Überlandwerke, wodurch er eine große Verantwortung trug. August Petri verdiente gut, sodass sich die Familie ein geregeltes Leben in der Kleinstadt Belgard leisten konnte. Dies ging sogar soweit, dass die Petris bereits in den 1910er-Jahren über ein Automobil verfügten, welches das einzige in der Umgebung darstellte. Dazu hatten sie auf ihrem großen Anwesen (Villa, direkt am Fluss Persante liegend, sogar mit Kühen<ref name="Bohn 15">[[Klaus Bohn]]: ''Das Erika Fuchs Buch. Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus: Ein modernes Mosaik.'', [[Dreidreizehn]], Lüneburg 1996: S. 15.</ref>) fünf Vollzeit-Angestellte: einen Gärtner, einen Koch und einen Dienstboten, dazu jeweils ein Kinder- und Stubenmädchen, so dass Auguste Petri weitgehend die Arbeit im Haushalt abgenommen war. Zu Erika Fuchs' Glück hätte nur noch ein verständnisvoller Vater gehört, den es allerdings nach ihrer Aussage nicht gab: „''Bei uns daheim wurde nicht argumentiert und nicht ausdiskutiert. Da wurde befohlen und gehorcht''“.<ref name="Bohn 13">Klaus Bohn: ''Das Erika Fuchs Buch Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus: Ein modernes Mosaik.'', Dreidreizehn, Lüneburg 1996: S. 13.</ref> So soll die Erziehung noch wesentlich strenger gewesen sein, als ohnehin um die Jahrhundertwende üblich. Erika Fuchs' Vater hatte Charaktereigenschaften wie [[Dagobert Duck]] bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]''. Er war autoritär und patriarchalisch und erteilte Befehle, die keinen Widerspruch duldeten („''Muß ich erst wieder böse werden? Du hast zu gehorchen! Deine Erläuterungen interesieren mich nicht!''“.<ref name="Bohn 13"/> Die Eltern legten einen großen Wert auf die moralische und schulische Erziehung ihrer Kindern, für Äußerlichkeiten wie Kleidung und Ausgehen war kein Geld da. Doch da die sechs Geschwister nur neun Jahre auseinander lagen, waren sie sich wenigstens untereinander sehr nahe und konnten ihre Kindheit in der Gruppe genießen. Dabei half auch die Musik, welche im Hause Petri eine wichtige Rolle spielte und allzeit ein Thema war. So wurde vor Gästen, bei Veranstaltungen und an den Festtagen genauso gesungen wie privat, bei der Arbeit und beim Spielen. | Erika Fuchs wurde am 7. Dezember 1906 als ''Erika Petri'' in Rostock geboren. Sie war das zweitälteste Kind des Ehepaars Auguste und August Petri. Der Mädchenname ihrer Mutter war ''Horn'', bis sie ihren späteren Ehemann während des Studiums um 1900 in einer Studentenvereinigung kennen lernte. Die Mutter war ausgebildete Sängerin und Lehrerin, so unterrichtete sie unter anderem an einer Volksschule in Augsburg, Bayern. Ihr Mann August war im bis 1947 eigenständigen Staat Lippe-Detmold geboren worden und hatte seine Ausbildung ebenfalls mit einem erfolgreichen Studium beendet, so dass gute Voraussetzungen für Erika Fuchs geschaffen worden waren, ebenfalls eine hohe Schule besuchen zu können. Als Erika Fuchs sechs Jahre alt war, zogen ihre Eltern zusammen mit ihr und ihren Geschwistern um nach Belgard (oft auch mit dem Zusatz ''an der Persante'' geschrieben) (heute Białogard) nahe Köslin (heute Koszalin) in Hinterpommern. Dort fungierte August Petri als Direktor eines Elektrizitätswerks, genauer gesagt einiger Überlandwerke, wodurch er eine große Verantwortung trug. August Petri verdiente gut, sodass sich die Familie ein geregeltes Leben in der Kleinstadt Belgard leisten konnte. Dies ging sogar soweit, dass die Petris bereits in den 1910er-Jahren über ein Automobil verfügten, welches das einzige in der Umgebung darstellte. Dazu hatten sie auf ihrem großen Anwesen (Villa, direkt am Fluss Persante liegend, sogar mit Kühen<ref name="Bohn 15">[[Klaus Bohn]]: ''Das Erika Fuchs Buch. Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus: Ein modernes Mosaik.'', [[Dreidreizehn]], Lüneburg 1996: S. 15.</ref>) fünf Vollzeit-Angestellte: einen Gärtner, einen Koch und einen Dienstboten, dazu jeweils ein Kinder- und Stubenmädchen, so dass Auguste Petri weitgehend die Arbeit im Haushalt abgenommen war. Zu Erika Fuchs' Glück hätte nur noch ein verständnisvoller Vater gehört, den es allerdings nach ihrer Aussage nicht gab: „''Bei uns daheim wurde nicht argumentiert und nicht ausdiskutiert. Da wurde befohlen und gehorcht''“.<ref name="Bohn 13">Klaus Bohn: ''Das Erika Fuchs Buch Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus: Ein modernes Mosaik.'', Dreidreizehn, Lüneburg 1996: S. 13.</ref> So soll die Erziehung noch wesentlich strenger gewesen sein, als ohnehin um die Jahrhundertwende üblich. Erika Fuchs' Vater hatte Charaktereigenschaften wie [[Dagobert Duck]] bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]''. Er war autoritär und patriarchalisch und erteilte Befehle, die keinen Widerspruch duldeten („''Muß ich erst wieder böse werden? Du hast zu gehorchen! Deine Erläuterungen interesieren mich nicht!''“).<ref name="Bohn 13"/> Die Eltern legten einen großen Wert auf die moralische und schulische Erziehung ihrer Kindern, für Äußerlichkeiten wie Kleidung und Ausgehen war kein Geld da. Doch da die sechs Geschwister nur neun Jahre auseinander lagen, waren sie sich wenigstens untereinander sehr nahe und konnten ihre Kindheit in der Gruppe genießen. Dabei half auch die Musik, welche im Hause Petri eine wichtige Rolle spielte und allzeit ein Thema war. So wurde vor Gästen, bei Veranstaltungen und an den Festtagen genauso gesungen wie privat, bei der Arbeit und beim Spielen. | ||
=== Schul- und Studienzeit === | === Schul- und Studienzeit === |