LTB 82: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen

Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 17: Zeile 17:
Der Nebel wabert mystisch über das Kürbisfeld zwischen den beiden Burgen zweier verfeindeter schottischer Clans… Die Gewitterhexen – ganz offenbar Shakespeares „Macbeth“ entlehnt, obwohl es hier vier statt drei sind – machen sich einen Spaß: Die der Kürbiskost überdrüssigen McDuckleys und die hungrigen McClevers sollen ihr Anrecht über die Anbaufläche ausspielen. Und da die Hexen einige Kürbisse vergiftet haben und die Clan-Angehörigen höllische Angst, sie zu berühren, soll der Kampf eben mit den Füßen erfolgen. Wer den Kürbis mit dem Pechpenny am Ende hinter seinem Burgtor liegen hat, ist Verlierer. So kam also das Fußballspiel in die Welt, und wahrscheinlich wäre die Geschichte von Romano Scarpa bereits dann unter seinen Top-Werken zu listen, wenn es dabei sein Bewenden gehabt hätte. Aber es ist ja nur der „Vorfilm“ für die weiteren Geschehnisse, die der bunten, verrückten Welt des „Calcio“, wie der Sport in Italien heißt, ein bleibendes Disney-Denkmal setzt. Die Erzählstruktur, hier offenbar nur einer Filmvorführung beigewohnt zu haben, welche Teil eines Geschäftskampfes zwischen Dagobert Duck und Klaas Klever ist, kann auch diejenigen Scarpa-Fans vollends begeistern, welche den späteren Scarpa immer etwas zu routiniert und überraschungsarm fanden. Auch die deutschen Übersetzer muss das initiierende Filmopus derart berauscht haben, dass sie die anschließenden drei Viertel der Handlung glatt übersahen und gleich die ganze Geschichte „Das erste Fußballspiel der Welt“ tauften (ital. schlichter und treffender „Paperino ai Mondiali di Calcio“, also „Donald bei den Fußball-Weltmeisterschaften“). Glänzend die Idee Scarpas, gegen Ende des Comics den ursprünglichen Clan-Wettkampf in einer entzückenden Verschiebung der Erzählebenen wieder in die Handlung zurückzuholen und Klever mit genau jenem „schottischen Pechpenny“ hantieren zu lassen, den sein Vorfahr McClever – aber schließlich ja nur in einem von Dagobert produzierten Film – zu seinem Verdruss einst hinter seinem Burgtor fand. Dass überhaupt Gundel Gaukeley eine Rolle bekommt und somit den mittelbaren Wettstreit der Fußball-Superstars Franz Dribbelbauer und Donald Duck forciert, ist ebenfalls ein überaus glücklicher Einfall zu nennen. Und was ist ihr Gegenspieler, der technisch begnadete Fußballer-Bruder Hans Dribbelbauer, eigentlich anderes als ein Vorläufer jener heutigen „E-Sportler“, die seltsame Avatare tatsächlicher Superstars durch ihre Fußballsimulationen wie die der bekannten FIFA-Reihe schicken? „Franz Dribbelbauer“ erinnert übrigens nur in der deutschen Übersetzung an den deutschen Fußballer-Prototypen Franz Beckenbauer, der kurz vor dem Erscheinen des LTB 82 mit dem Hamburger SV seine fünfte deutsche Meisterschaft feiern und sein Abschiedsspiel bestreiten durfte. Scarpa hatte ihn im italienischen Original als „Franz Paperott“ stärker in die „Paperi“, also die Gattung der Disney-Enten eingeordnet, und ihm darüber hinaus eine allgemeiner gehaltene deutsche Namensendung zugewiesen. Es macht auch Spaß zu sehen, wie mit den anderen Namen aus der Handlung verfahren wurde: Aus dem ehemaligen Meisterspieler Rolf Ball wird ein Uli Seiler, aus dem Funktionär „Mister Stopper“ ein „Herr Heuberger“, darin den damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger assoziierend. Auch im italienischen Original scheint die Figur – trotz des englischen Namens – für Fußball-Italien zu sprechen, träumt er doch von einem Titel für sein Heimatland – „noi – campioni del mondo!“ (S. 41). So kann interpretiert werden, dass Scarpa den Bergmenschen „Franz Paperott“ als Südtiroler avant la lettre konzipiert hatte, welcher den Italienern zum Titel verholfen hätte. In der Realität schafften es die Azzurri 1982 auch ohne einen Franz Paperott, den FIFA-Pokal aus Spanien mit nach Hause zu nehmen. Freilich war, wie man dabei bedenken muss, Scarpas Geschichte erstmals bereits 1974 erschienen, und zwar anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, was die vielen deutschen Bezüge erklärt. So finden auch die Verhandlungen um die WM-Übertragungsrechte offenbar in München statt (S. 30, 43). Immerhin wird von der deutschen Übersetzung auch nicht behauptet, dass man sich der Zwiebeltürme der Münchner Frauenkirche zum Trotz in Madrid befinde. (15/15 – Outstanding) [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 22:50, 25. Mai 2026 (CEST)
Der Nebel wabert mystisch über das Kürbisfeld zwischen den beiden Burgen zweier verfeindeter schottischer Clans… Die Gewitterhexen – ganz offenbar Shakespeares „Macbeth“ entlehnt, obwohl es hier vier statt drei sind – machen sich einen Spaß: Die der Kürbiskost überdrüssigen McDuckleys und die hungrigen McClevers sollen ihr Anrecht über die Anbaufläche ausspielen. Und da die Hexen einige Kürbisse vergiftet haben und die Clan-Angehörigen höllische Angst, sie zu berühren, soll der Kampf eben mit den Füßen erfolgen. Wer den Kürbis mit dem Pechpenny am Ende hinter seinem Burgtor liegen hat, ist Verlierer. So kam also das Fußballspiel in die Welt, und wahrscheinlich wäre die Geschichte von Romano Scarpa bereits dann unter seinen Top-Werken zu listen, wenn es dabei sein Bewenden gehabt hätte. Aber es ist ja nur der „Vorfilm“ für die weiteren Geschehnisse, die der bunten, verrückten Welt des „Calcio“, wie der Sport in Italien heißt, ein bleibendes Disney-Denkmal setzt. Die Erzählstruktur, hier offenbar nur einer Filmvorführung beigewohnt zu haben, welche Teil eines Geschäftskampfes zwischen Dagobert Duck und Klaas Klever ist, kann auch diejenigen Scarpa-Fans vollends begeistern, welche den späteren Scarpa immer etwas zu routiniert und überraschungsarm fanden. Auch die deutschen Übersetzer muss das initiierende Filmopus derart berauscht haben, dass sie die anschließenden drei Viertel der Handlung glatt übersahen und gleich die ganze Geschichte „Das erste Fußballspiel der Welt“ tauften (ital. schlichter und treffender „Paperino ai Mondiali di Calcio“, also „Donald bei den Fußball-Weltmeisterschaften“). Glänzend die Idee Scarpas, gegen Ende des Comics den ursprünglichen Clan-Wettkampf in einer entzückenden Verschiebung der Erzählebenen wieder in die Handlung zurückzuholen und Klever mit genau jenem „schottischen Pechpenny“ hantieren zu lassen, den sein Vorfahr McClever – aber schließlich ja nur in einem von Dagobert produzierten Film – zu seinem Verdruss einst hinter seinem Burgtor fand. Dass überhaupt Gundel Gaukeley eine Rolle bekommt und somit den mittelbaren Wettstreit der Fußball-Superstars Franz Dribbelbauer und Donald Duck forciert, ist ebenfalls ein überaus glücklicher Einfall zu nennen. Und was ist ihr Gegenspieler, der technisch begnadete Fußballer-Bruder Hans Dribbelbauer, eigentlich anderes als ein Vorläufer jener heutigen „E-Sportler“, die seltsame Avatare tatsächlicher Superstars durch ihre Fußballsimulationen wie die der bekannten FIFA-Reihe schicken? „Franz Dribbelbauer“ erinnert übrigens nur in der deutschen Übersetzung an den deutschen Fußballer-Prototypen Franz Beckenbauer, der kurz vor dem Erscheinen des LTB 82 mit dem Hamburger SV seine fünfte deutsche Meisterschaft feiern und sein Abschiedsspiel bestreiten durfte. Scarpa hatte ihn im italienischen Original als „Franz Paperott“ stärker in die „Paperi“, also die Gattung der Disney-Enten eingeordnet, und ihm darüber hinaus eine allgemeiner gehaltene deutsche Namensendung zugewiesen. Es macht auch Spaß zu sehen, wie mit den anderen Namen aus der Handlung verfahren wurde: Aus dem ehemaligen Meisterspieler Rolf Ball wird ein Uli Seiler, aus dem Funktionär „Mister Stopper“ ein „Herr Heuberger“, darin den damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger assoziierend. Auch im italienischen Original scheint die Figur – trotz des englischen Namens – für Fußball-Italien zu sprechen, träumt er doch von einem Titel für sein Heimatland – „noi – campioni del mondo!“ (S. 41). So kann interpretiert werden, dass Scarpa den Bergmenschen „Franz Paperott“ als Südtiroler avant la lettre konzipiert hatte, welcher den Italienern zum Titel verholfen hätte. In der Realität schafften es die Azzurri 1982 auch ohne einen Franz Paperott, den FIFA-Pokal aus Spanien mit nach Hause zu nehmen. Freilich war, wie man dabei bedenken muss, Scarpas Geschichte erstmals bereits 1974 erschienen, und zwar anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, was die vielen deutschen Bezüge erklärt. So finden auch die Verhandlungen um die WM-Übertragungsrechte offenbar in München statt (S. 30, 43). Immerhin wird von der deutschen Übersetzung auch nicht behauptet, dass man sich der Zwiebeltürme der Münchner Frauenkirche zum Trotz in Madrid befinde. (15/15 – Outstanding) [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 22:50, 25. Mai 2026 (CEST)


== Eine unnachahmliche Idee ==
== Donald, der Libero ==
''„Tormeier, Rasenhauer, Knochenbrecher, Stoppauer, Flankenberger, Schussinger, Lachberger, Dribblinger, Donald Duck, Kopfinger, Treffauer“'' (die Mannschaftsaufstellung des FC Entenhausen im „Spiel des Jahres“ gegen den 1. FC Bolzenhausen)
''„Tormeier, Rasenhauer, Knochenbrecher, Stoppauer, Flankenberger, Schussinger, Lachberger, Dribblinger, Donald Duck, Kopfinger, Treffauer“'' (die Mannschaftsaufstellung des FC Entenhausen im „Spiel des Jahres“ gegen den 1. FC Bolzenhausen)