Dagobert Duck: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:A4cf53e959.png|thumb|300px|rechts|Dagobert Duck (© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | [[Datei:A4cf53e959.png|thumb|300px|rechts|Dagobert Duck (© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | ||
'''Dagobert Duck''' ist der | '''Dagobert Duck''' (im englischen Original ''Scrooge McDuck'') ist der Onkel [[Donald Duck]]s und der reichste Mann (oder die reichste Ente) der Welt. Ursprünglich aus Schottland stammend, lebt er heute in [[Entenhausen]], wo er sein Geld in seinem [[Geldspeicher]] hortet. Die Figur wurde 1947 von [[Carl Barks]] erfunden und trat erstmals in der Comicgeschchte ''[[Die Mutprobe]]'' auf. Der Originalname „Scrooge McDuck“ spielt auf Ebenezer Scrooge aus [[wikipedia:de:Charles Dickens|Charles Dickens’]] ''[[Eine Weihnachtsgeschichte]]'' (''A Christmas Carol'') an, der deutsche Name „Dagobert“ bezieht sich hingegen auf [[wikipedia:de:Dagobert I.|den gleichnamigen Merowingerkönig]]. | ||
Dagobert Duck ist wohl | Dagobert Duck ist eine der wohl vielschichtigsten Figuren des Duck-Universums. Einerseits ist er charakterisiert durch seinen unfassbaren Geiz und seine Gier nach Geld, für die er auch zu den schändlichsten Mitteln greift, andererseits wird er manchmal als liebenswürdig und schrullig dargestellt. Er ist auch eine der Figuren, bei der am stärksten auf die Vergangenheit eingegangen wird, so gibt es etliche Werke über Dagoberts Jugend, wie beispielsweise [[Don Rosa]]s [[Magnum Opus]] ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]''. Dagobert Duck ist eine der wenigen Comicfiguren von [[The Walt Disney Company|Disney]], die später auch in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen auftraten und auch in der Welt der Videospiele Erfolge feierten. | ||
== Entstehung und Geschichte == | == Entstehung und Geschichte == | ||
[[Datei:Dagobert Mutprobe.jpg|thumb|200px|links|Dagobert bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]'' (© Egmont Ehapa)]] | [[Datei:Dagobert Mutprobe.jpg|thumb|200px|links|Dagobert bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]'' (© Egmont Ehapa)]] | ||
Dagobert Duck kam erstmals in der Geschichte ''[[Die Mutprobe]]'' (auch ''Weihnachten auf dem Bärenberg'', engl. ''Christmas on Bear Mountain'') als [[Donald]]s reicher, griesgrämiger Onkel zum Einsatz. Dagoberts englischer Name | Dagobert Duck kam erstmals in der Geschichte ''[[Die Mutprobe]]'' (auch ''Weihnachten auf dem Bärenberg'', engl. ''Christmas on Bear Mountain'') als [[Donald]]s reicher, griesgrämiger Onkel zum Einsatz. Dagoberts englischer Name „Scrooge McDuck“ spielt auf den kalten und hartherzigen Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens’ ''[[Eine Weihnachtsgeschichte]]'' an (auch die Geschichte ''Die Mutprobe'' selbst ist lose an ''A Christmas Carol'' angelehnt)<ref>[[Alberto Becattini]]: Barks und die Quellen seiner Inspiration, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 138.</ref><ref name="forschung frankfurt">[http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/43081494/FoFra-2012_02web.pdf Dagobert Duck: Vom Griesgram zum Fantastilliardär – Einige Kapitel aus der Urgeschichte der reichsten Ente der Welt] (PDF; 11,0 MB), Forschung Frankfurt 2/2012, S. 126.</ref> – eine Rolle, die Dagobert später noch in zahlreichen [[Adaption]]en des Dickens-Klassikers wie etwa dem Film ''[[Mickys Weihnachtsgeschichte]]'' oder dem Comic ''Die Geister der Weihnacht'' ([[Guido Martina]] & [[José Colomer Fonts]], [[DD 284]] & [[LTB Weihnachten 8]]) übernehmen sollte. | ||
Ein weiteres Vorbild für Dagobert Ducks Figur könnte eine Figur aus dem Propagandafilm ''[[Spirit of ’43]]'' sein: Hier kam eine mit schottischem Akzent sprechende Ente mit Backenbart, Gehstock und Zwicker vor, die Donald daran hindern wollte, sein Geld zu verprassen.<ref name="heise">[https://www.heise.de/tp/features/Dagobert-Duck-wird-60-3416571.html Peter Mühlbauer: Dagobert Duck wird 70], heise online, 24.12.2007, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Inwiefern ''Spirit of ’43'' beim Erschaffen Dagoberts in Barks’ Hinterkopf war und ob Barks an dem Kriegspropaganda-Trickfilm mitgewirkt hat, ist bis heute nicht hinreichend belegbar. Gesichert ist hingegen – weil von Barks in einem Interview bestätigt –, dass er stark von <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/The_Gumps Andy Gumps]</span> reichem Onkel Bim inspiriert war.<ref>[[Thomas Andrae]]: ''Ein reicher Onkel für Donald''. Übersetzt von [[Johnny A. Grote]]. [[Barks Library Special Donald Duck]] 8.</ref> | |||
In der Geschichte ''[[Die Mutprobe]]'' sitzt Dagobert an Weihnachten grimmig in seiner Villa. Er äußert den Satz: „Grauenhaftes Fest!“ und dass er Weihnachten nicht möge, denn niemanden könne ihn leiden und er könne auch niemanden leiden. [[Donald Duck|Donald]] und seine [[Tick, Trick und Track|Neffen]] möchte er erst beschenken, wenn sie in eine Mutprobe in einer Berghüte bestanden haben, wo es von Bären nur so wimmelt.<ref name="deutschlandradio">[https://www.deutschlandfunkkultur.de/jeden-tag-ein-talerbad.1013.de.html?dram:article_id=167552 Volkhard App: Jeden Tag ein Talerbad – Dagobert Duck zum 60. Geburtstag], Deutschlandfunk Kultur, 23.12.2007, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Anfangs blieb er auch dieser hinterlistige und eigentlich sogar gemeine Onkel. Kennzeichnend dafür sind Geschichten, wie zum Beispiel ''[[Wudu-Hudu-Zauber]]'', wo über eine Gräueltat in Dagoberts Vergangenheit berichtet wird, die dieser noch nicht einmal bereut oder auch ''[[Die magische Sanduhr]]'', wo er wieder einmal auf äußerst schändliche Mittel zugreift und nichts anderes als Geld im Kopf hat. | In der Geschichte ''[[Die Mutprobe]]'' sitzt Dagobert an Weihnachten grimmig in seiner Villa. Er äußert den Satz: „Grauenhaftes Fest!“ und dass er Weihnachten nicht möge, denn niemanden könne ihn leiden und er könne auch niemanden leiden. [[Donald Duck|Donald]] und seine [[Tick, Trick und Track|Neffen]] möchte er erst beschenken, wenn sie in eine Mutprobe in einer Berghüte bestanden haben, wo es von Bären nur so wimmelt.<ref name="deutschlandradio">[https://www.deutschlandfunkkultur.de/jeden-tag-ein-talerbad.1013.de.html?dram:article_id=167552 Volkhard App: Jeden Tag ein Talerbad – Dagobert Duck zum 60. Geburtstag], Deutschlandfunk Kultur, 23.12.2007, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Anfangs blieb er auch dieser hinterlistige und eigentlich sogar gemeine Onkel. Kennzeichnend dafür sind Geschichten, wie zum Beispiel ''[[Wudu-Hudu-Zauber]]'', wo über eine Gräueltat in Dagoberts Vergangenheit berichtet wird, die dieser noch nicht einmal bereut, oder auch ''[[Die magische Sanduhr]]'', wo er wieder einmal auf äußerst schändliche Mittel zugreift und nichts anderes als Geld im Kopf hat. | ||
[[Datei: | [[Datei:Early Versions of Scrooge McDuck.jpg|thumb|300px|rechts|Die optische Entwicklung Dagoberts, hier gezeichnet von [[Don Rosa]] (© Egmont Ehapa)]] | ||
Anfangs noch ein kränklicher alter Mann, änderte und verjüngte sich allmählich sein Erscheinungsbild von Comic zu Comic. 1950, in | Anfangs noch ein kränklicher alter Mann, änderte und verjüngte sich allmählich sein Erscheinungsbild von Comic zu Comic. 1950, in Barks’ ''[[Der zählende Papagei]]'' (auch ''Donald Duck und das mathematische Wundertier'', engl. ''The Pixilated Parrot'') entsprachen Aussehen und Kleidung, bestehend aus einem zumeist roten Gehrock, Zylinder, Zwicker, Gamaschen und Spazierstöckchen, erstmals vollständig der heute bekannten Norm. 1951 bekam die Figur mit den [[Panzerknacker]]n ihre ersten eigenen Gegenspieler. | ||
Nachdem Dagobert regen Zuspruch unter den Lesern gefunden hatte, erhielt er 1952 eine eigene Comic-Reihe: „Walt | Nachdem Dagobert regen Zuspruch unter den Lesern gefunden hatte, erhielt er 1952 eine eigene Comic-Reihe: „Walt Disney’s Uncle $crooge“. Die erste richtige Dagobert-Geschichte, die testweise für diese Reihe entstand, ist ein Meilenstein in Dagoberts Entwicklung: In ''[[Der arme reiche Mann]]'' wird Dagobert nun nicht mehr als simpler Geizkragen dargestellt, sondern bekommt eine eigene Vergangenheit und liebenswürdige Seiten. Das wird mit der nächsten richtigen Dagobert-Geschichte, ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'', wo Dagobert eine heldenhafte Jugend und eine verlorene Liebe ([[Nelly]]) bekommt, noch verstärkt. 1956 tauchte mit dem reichen Südafrikaner [[Mac Moneysac]] ein weiterer Gegenspieler auf, 1961 gefolgt von [[Klaas Klever]], der vor allem in den [[Lustiges Taschenbuch|LTBs]] häufiger anzutreffen ist, und der Hexe [[Gundel Gaukeley]], die es auf Dagoberts [[Glückstaler]] abgesehen hat. | ||
Nach Carl Barks folgten natürlich etliche andere Autoren, die Dagobert verwendeten, was ihn noch vielseitiger machte. Während er in italienischen Comics oft der harte Fantastilliardär blieb, den nichts außer sein Geld interessierte, hob beispielsweise [[Don Rosa]], der auch Dagoberts Biographie ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]'' schrieb, eher Dagoberts liebenswürdige und schrullige Art hervor. | Nach Carl Barks folgten natürlich etliche andere Autoren, die Dagobert verwendeten, was ihn noch vielseitiger machte. Während er in italienischen Comics oft der harte Fantastilliardär blieb, den nichts außer sein Geld interessierte, hob beispielsweise [[Don Rosa]], der auch Dagoberts Biographie ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]'' schrieb, eher Dagoberts liebenswürdige und schrullige Art hervor. | ||
==Name== | |||
Das englischsprachige Originalname von Dagobert Duck lautet Scrooge McDuck. Der Vorname „Scrooge“ ist an die männliche Hauptfigur an Charles Dickens’ ''[[Eine Weihnachtsgeschichte]]'' angelehnt. Bereits im Januar 1947 fertige Carl Barks eine Geschichte mit Barney Bear für das Comicheft ''Our Gang'' Nr. 30 an, in der Barney sich mit einem gewissen „Mr. MacDuff“ anlegte, einem geizigen Golfplatzbesitzer, den Barney als „Old Scrooge“ bezeichnete. Wenige Ausgaben später, in Nr. 33, bekam es Barney dann erneut mit einem miesepetrigen Geizkragen in Person seines Onkel Grizzly zu tun. Als Barks im Juli 1947 einen reichen Onkel für Donald Duck konzipierte, der in einer Weihnachtsgeschichte auftreten sollte, dachte er vielleicht an Mr. MacDuff und Onkel Grizzly. Der Name „McDuff“ war eine zweifache Anspielung, einerseits auf den Golfausdruck „duff“ (Fehlschlag), andererseits auf die Figur ''Macduff'' aus der Tragödie ''McBeth'' von [[William Shakespeare]].<ref>[[David Gerstein]]. „Der denkende Donald“ in ''[[Onkel Dagobert und Donald Duck von Carl Barks 5]]'', [[Egmont Comic Collection]], Berlin 2022, Seite 8, 10</ref> | |||
Den deutschen Namen ''Dagobert'' hat die promovierte Übersetzerin ''[[Erika Fuchs]]'', die sehr literaturinteressiert war, an den König <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert_I. Dagobert I.]</span> aus der frühesten Königsgeschichte der <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger Merowinger]</span> angelehnt.<ref name="welt">[https://www.welt.de/kultur/article1485028/Enten-wie-Dagobert-sind-keine-Heuschrecken.html Matthias Heine: Enten wie Dagobert sind keine Heuschrecken], Welt Online, 24.12.2007, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Der männliche Vorname entstammt keltischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „glänzend wie der Tag“ – oder im Falle von Onkel Dagobert womöglich „glänzend wie der Taler“. | |||
Im Deutschen, aber auch in einigen anderen Sprachen, hat Onkel Dagobert zudem einige Spitz- und Beinamen. Nicht selten wird er von Donald auch als „alter Knauser“, „der Geizhals“ oder „das alte Fossil“ bezeichnet. „Bertel“ wird er vor allem von seinen zwei Schwestern [[Mathilda Duck]] und [[Dortel Duck]] genannt sowie von Oma [[Dorette Duck]], aber auch von [[Primus von Quack]] und manchmal auch von den Panzerknackern oder Gundel. [[Gitta Gans]] verwendet gerne die nochmalige Verkleinerungsform „Bertelchen“. | |||
Aussagen zu Onkel Dagoberts Nachnamen „[[Duck]]“ bzw. „[[McDuck]]“ lassen einen Interpretationsspielraum zu. In fast allen Comicgeschichten lautet sein vollständiger Name „Dagobert Duck“. Seine schottischen Wurzeln führen jedoch auf den historischen Clan der McDucks zurück, was im US-sprachigen Raum durch den beibehaltenen Nachnamen zur Geltung kommt. Die in Schottland überlieferte und daher gängige Schreibform „MacDuck“ kann im US-Amerikanischen (ähnlich zum irischen „Mac“) zu „McDuck“ verkürzt werden. | |||
== Dagoberts Lebensgeschichte == | == Dagoberts Lebensgeschichte == | ||
Über Dagoberts Lebensgeschichte ist viel geschrieben worden, und in Folge dessen auch viel Widersprüchliches. [[Carl Barks]] erfand als erster zu seiner Figur auch Informationen zu deren Leben. Aus diesen „Fakten“ entwickelte später Don Rosa seine eigene Saga ''[[Sein Leben seine Milliarden]]''. Aber auch in Italien und anderen Ländern haben Autoren ihre eigenen Versionen und Vorstellungen eingebracht, wobei sich einige Behauptungen fast überall als „Fakten“ durchgesetzt haben. In vielen Fällen basieren diese auf Aussagen in | Über Dagoberts Lebensgeschichte ist viel geschrieben worden, und in Folge dessen auch viel Widersprüchliches. [[Carl Barks]] erfand als erster zu seiner Figur auch Informationen zu deren Leben. Aus diesen „Fakten“ entwickelte später Don Rosa seine eigene Saga ''[[Sein Leben seine Milliarden]]''. Aber auch in Italien und anderen Ländern haben Autoren ihre eigenen Versionen und Vorstellungen eingebracht, wobei sich einige Behauptungen fast überall als „Fakten“ durchgesetzt haben. In vielen Fällen basieren diese auf Aussagen in Barks’ Geschichten, die nur leicht variiert werden. Auch wenn beispielsweise der Italiener [[Guido Martina]] gern die dunklen und skrupellosen Seiten des alten Erpels zeigte, sind sich die meisten Autoren darüber einig, dass Dagobert sein Geld größtenteils hart und ehrlich erarbeitet hat, worauf er auch stolz ist, so bläut er seinen Neffen ein, dass Geld nur mit harter Arbeit zu verdienen sei. | ||
Barks selbst hatte die Informationen über Dagoberts Herkunft und Leben mit Absicht vage gehalten und nie eine konzise Biografie seiner berühmtesten Schöpfung zugrunde gelegt. Er bevorzugte, jede Geschichte als abgeschlossen zu sehen und keine wie auch immer gearteten Kontinuitäten zu früheren Geschichten herzustellen.<ref>[[Thomas Andrae]] (2006): ''Carl Barks and the Disney Comic Book'' (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 105.</ref> Demzufolge konnte er die fiktive Biografie je nach Bedarf adaptieren. In frühen Geschichten, die Dagobert als Gegner zeigen, wird sein schlechter Charakter durch erwähnte Ereignisse in der Vergangenheit unterstrichen. Bestes Beispiel hierfür ist ''[[Wudu-Hudu-Zauber]]'', wo Dagobert als Räuberbaron gezeigt wird, der sein Geld durch Diebstahl erwarb. Ebenso diente eine lange Reihe schottischer Vorfahren, einer geiziger und habgieriger als der andere, die alle dieser schlechten Eigenschaften wegen den Tod gefunden hatten, dazu, Dagoberts Geiz und Habgier herauszuarbeiten.<ref name="Andrae">Andrae: ''Carl Barks and the Disney Comic Book'', S. 205.</ref> Als Barks später seine Figur positiver umgestaltete, veränderte er auch dessen Biografie. Dagobert wurde zum „self-made man“, zum Milliardär, der sein Vermögen auf anständige Weise gemacht hatte und der an der „frontier“ am Klondike nach Gold gegraben hatte. „Ich dachte nie von Dagobert wie ich von manchen anderen Millionären denken würde, die ihr Geld zum Teil damit machten, andere auszunutzen.“<ref>Andrae: ''Carl Barks and the Disney Comic Book'', S. 191.</ref> Obwohl Dagobert zum Teil auf real existierenden Milliardären wie John D. Rockefeller basierte, grenzte ihn Barks zugleich von diesen ab. In ''[[13 Trillionen]]'' entwickelte er zudem eine neue Abstammung, die Dagobert als Erbe des ehrbaren Kapitäns [[David Fürchtegott Duck]] zeigte, der genau wie sein Nachfahre betrogen wurde – ein starker Kontrast zu ''[[Das Gespenst von Duckenburgh]]''.<ref name="Andrae"/> | Barks selbst hatte die Informationen über Dagoberts Herkunft und Leben mit Absicht vage gehalten und nie eine konzise Biografie seiner berühmtesten Schöpfung zugrunde gelegt. Er bevorzugte, jede Geschichte als abgeschlossen zu sehen und keine wie auch immer gearteten Kontinuitäten zu früheren Geschichten herzustellen.<ref>[[Thomas Andrae]] (2006): ''Carl Barks and the Disney Comic Book'' (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 105.</ref> Demzufolge konnte er die fiktive Biografie je nach Bedarf adaptieren. In frühen Geschichten, die Dagobert als Gegner zeigen, wird sein schlechter Charakter durch erwähnte Ereignisse in der Vergangenheit unterstrichen. Bestes Beispiel hierfür ist ''[[Wudu-Hudu-Zauber]]'', wo Dagobert als Räuberbaron gezeigt wird, der sein Geld durch Diebstahl erwarb. Ebenso diente eine lange Reihe schottischer Vorfahren, einer geiziger und habgieriger als der andere, die alle dieser schlechten Eigenschaften wegen den Tod gefunden hatten, dazu, Dagoberts Geiz und Habgier herauszuarbeiten.<ref name="Andrae">Andrae: ''Carl Barks and the Disney Comic Book'', S. 205.</ref> Als Barks später seine Figur positiver umgestaltete, veränderte er auch dessen Biografie. Dagobert wurde zum „self-made man“, zum Milliardär, der sein Vermögen auf anständige Weise gemacht hatte und der an der „frontier“ am Klondike nach Gold gegraben hatte. „Ich dachte nie von Dagobert wie ich von manchen anderen Millionären denken würde, die ihr Geld zum Teil damit machten, andere auszunutzen.“<ref>Andrae: ''Carl Barks and the Disney Comic Book'', S. 191.</ref> Obwohl Dagobert zum Teil auf real existierenden Milliardären wie John D. Rockefeller basierte, grenzte ihn Barks zugleich von diesen ab. In ''[[13 Trillionen]]'' entwickelte er zudem eine neue Abstammung, die Dagobert als Erbe des ehrbaren Kapitäns [[David Fürchtegott Duck]] zeigte, der genau wie sein Nachfahre betrogen wurde – ein starker Kontrast zu ''[[Das Gespenst von Duckenburgh]]''.<ref name="Andrae"/> | ||
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Auch über Dagoberts Herkunft gibt es viele Versionen. Bei Barks und Rosa stammt er vom [[Clan der Ducks]] ab und ist gebürtiger Schotte, beispielsweise in ''[[Glanz und Gloria derer von Duck]]'', einer Erzählung über die Geschichte der Ducks, wird jedoch berichtet, dass nur seine Vorfahren Schotten seien. | Auch über Dagoberts Herkunft gibt es viele Versionen. Bei Barks und Rosa stammt er vom [[Clan der Ducks]] ab und ist gebürtiger Schotte, beispielsweise in ''[[Glanz und Gloria derer von Duck]]'', einer Erzählung über die Geschichte der Ducks, wird jedoch berichtet, dass nur seine Vorfahren Schotten seien. | ||
Bezüglich Dagoberts Kindheit ist das Bild eines Schuhputzers sehr verbreitet. Es tauchte in ''[[Die Geschichte von Onkel Dagoberts Bett]]'' von [[Vic Lockman]] und Barks sowie in ''Die große Langeweile'' von [[Carl Fallberg]] und [[Tony Strobl]] auf und wurde von Rosa übernommen. | Bezüglich Dagoberts Kindheit ist das Bild eines Schuhputzers sehr verbreitet. Es tauchte in ''[[Die Geschichte von Onkel Dagoberts Bett]]'' von [[Vic Lockman]] und Barks sowie in ''Die große Langeweile'' von [[Carl Fallberg]] und [[Tony Strobl]] auf und wurde von Rosa übernommen. Einige Geschichten spielen vollständig in der Zeit des heranwachsenden Onkel Dagobert in dessen schottischer Heimat und zeigen diesen als unternehmungslustigen, aber auch gerechtigkeitsaffinen Burschen. Beispiele hierfür sind: ''Warmherzige Weihnacht'' (2013, [[Tormod Løkling]] und [[Arild Midthun]], erschienen u. a. in [[LTB Advent 1]], [[Walt Disneys Lustiges Weihnachtsfest]]), ''[[Damals]]: Das erste Abenteuer'' (2020, [[Kari Korhonen]], erschienen u.a. in [[Onkel Dagoberts Memoiren]]) und ''[[Dagobert und der Drache von Glasgow]]'' (2022, Joris Chamblain und [[Fabrizio Petrossi]]). Diese drei Geschichten orientieren sich stark an dem von Don Rosa geprägten Bild des jungen Dagoberts. | ||
Die fortwährende Suche des jungen Dagobert nach Reichtum in aller Herren Länder hat den Disney-Autoren die Möglichkeit gegeben, ihn alle nur erdenklichen Sprachen sprechen lassen zu können. So beherrscht er beispielsweise Tibetisch, da er angeblich anno 1892 bereits einmal in der Gegend geweilt hatte. Dagoberts Kenntnisse über asiatische Sprachen wird zum Beispiel in ''[[Der verhängnisvolle Kronenkork]]'' sichtbar, wo er sich ohne Probleme mit den Bewohnern von | Die fortwährende Suche des jungen Dagobert nach Reichtum in aller Herren Länder hat den Disney-Autoren die Möglichkeit gegeben, ihn alle nur erdenklichen Sprachen sprechen lassen zu können. So beherrscht er beispielsweise Tibetisch, da er angeblich anno 1892 bereits einmal in der Gegend geweilt hatte. Dagoberts Kenntnisse über asiatische Sprachen wird zum Beispiel in ''[[Der verhängnisvolle Kronenkork]]'' sichtbar, wo er sich ohne Probleme mit den Bewohnern von [[Tralla La]] verständigen kann. Laut ''Die Schreckensburg im Finstermoor'' (u.a. in [[LTB 317]]) beherrscht Onkel Dagobert dank seiner schottischen Wurzeln auch das den keltischen Sprachen zuzuordnende Schottisch-Gälisch in Wort und Schrift. | ||
=== Don Rosas Version === | === Don Rosas Version === | ||
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[[Datei:Dagobert findet das Straußeneinugget.jpg|thumb|400px|rechts|© Egmont Ehapa]] | [[Datei:Dagobert findet das Straußeneinugget.jpg|thumb|400px|rechts|© Egmont Ehapa]] | ||
Doch auch hier bleibt er vorerst erfolglos. Er versucht sich in Afrika, in Arizona und in Australien. Aber das Glück steht nicht auf seiner Seite. 1897 beschließt er dann, zum Klondike zu reisen, wo ein neuer Goldrausch stattfindet. Dort muss er sich gegen den Betrüger [[Shandy Schofel]] durchsetzen und lernt [[Nelly]], den Stern des Nordens kennen. Doch das hindert ihn nicht daran, Gold zu schürfen und nach monatelanger harter Arbeit in seinem Claim am White Agony Creek findet er ''es'': das Straußeneinugget. Danach sieht das Leben ganz anders aus. Nun kann er Geld in der Bank anlegen, doch vorerst rackert er sich weiter an seinem Claim ab. Weiterhin muss er sich gegen Shandy Schofel und gegen Nelly durchsetzen. Dabei entsteht zwischen Nelly und ihm eine Art Hassliebe, allerdings misstrauen die beiden sich gegenseitig zu sehr, | Doch auch hier bleibt er vorerst erfolglos. Er versucht sich in Afrika, in Arizona und in Australien. Aber das Glück steht nicht auf seiner Seite. 1897 beschließt er dann, zum Klondike zu reisen, wo ein neuer Goldrausch stattfindet. Dort muss er sich gegen den Betrüger [[Shandy Schofel]] durchsetzen und lernt [[Nelly]], den Stern des Nordens kennen. Doch das hindert ihn nicht daran, Gold zu schürfen und nach monatelanger harter Arbeit in seinem Claim am White Agony Creek findet er ''es'': das Straußeneinugget. Danach sieht das Leben ganz anders aus. Nun kann er Geld in der Bank anlegen, doch vorerst rackert er sich weiter an seinem Claim ab. Weiterhin muss er sich gegen Shandy Schofel und gegen Nelly durchsetzen. Dabei entsteht zwischen Nelly und ihm eine Art Hassliebe, allerdings misstrauen die beiden sich gegenseitig zu sehr, um sich ihre Gefühle zu gestehen. 1899 dann erreicht Dagobert seine erste Million. Nun steigt er groß ins Bankgeschäft ein und fünf Jahre nach seinem Goldfund ist er Milliardär! Nun beginnt der Höhenflug. | ||
[[Datei:Sein Leben, seine Milliarden Kapitel 11.jpg|thumb|400px|links|© Egmont Ehapa]] | [[Datei:Sein Leben, seine Milliarden Kapitel 11.jpg|thumb|400px|links|© Egmont Ehapa]] | ||
1902 beschließt er, in seine Heimat zurückzukehren und sich nahe der [[Duckenburgh]] niederzulassen. Doch dort merkt er, wie sehr er sich den Schotten entfremdet hat. Mittlerweile sind seine Eltern gestorben, so reist er mit seinen beiden Schwestern zurück nach Amerika, wo er sich nahe [[Entenhausen]] auf dem [[Glatzenkogel]], den er während seiner Zeit am Klondike [[Emanuel Erpel]] abgekauft hatte, niederlassen will. Er reißt das alte [[Fort Entenhausen]] ab und baut seinen [[Geldspeicher]]. Nun beginnt er, auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Geld zu machen, die ganze Welt zu bereisen. Im Jahre 1909 nimmt er seine Schwestern auf eine dieser Reisen mit. Diesmal geht es nach Afrika. Doch als es nicht läuft, wie es soll, greift Dagobert zu schändlichen Mitteln: Er brennt ein Dorf ab und vertreibt die Einwohner. Die jahrelange Reise durch die Welt, fern von seiner Familie, der harte Kampf gegen seine zahlreichen Gegner, allen voran Shandy Schofel, haben aus ihm einen skrupellosen, harten Mann gemacht, der seine Ideale verloren hat. Als seine Schwestern das sehen, verlassen sie ihn. Einen kurzen Moment lang zeigt Dagobert Reue, doch er lässt sich von seinen Geschäften ablenken. Als er dann im Jahre 1930 endlich nach Entenhausen zurückkehrt, haben seine Schwestern ihm verziehen, doch er hat sich ihnen völlig entfremdet und vertreibt sie. Nun ist er der reichste Mann der Welt, doch er ist einsam. Einige Jahre später zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück und fristet ein trostloses | 1902 beschließt er, in seine Heimat zurückzukehren und sich nahe der [[Duckenburgh]] niederzulassen. Doch dort merkt er, wie sehr er sich den Schotten entfremdet hat. Mittlerweile sind seine Eltern gestorben, so reist er mit seinen beiden Schwestern zurück nach Amerika, wo er sich nahe [[Entenhausen]] auf dem [[Glatzenkogel]], den er während seiner Zeit am Klondike [[Emanuel Erpel]] abgekauft hatte, niederlassen will. Er reißt das alte [[Fort Entenhausen]] ab und baut seinen [[Geldspeicher]]. Nun beginnt er, auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Geld zu machen, die ganze Welt zu bereisen. Im Jahre 1909 nimmt er seine Schwestern auf eine dieser Reisen mit. Diesmal geht es nach Afrika. Doch als es nicht läuft, wie es soll, greift Dagobert zu schändlichen Mitteln: Er brennt ein Dorf ab und vertreibt die Einwohner. Die jahrelange Reise durch die Welt, fern von seiner Familie, der harte Kampf gegen seine zahlreichen Gegner, allen voran Shandy Schofel, haben aus ihm einen skrupellosen, harten Mann gemacht, der seine Ideale verloren hat. Als seine Schwestern das sehen, verlassen sie ihn. Einen kurzen Moment lang zeigt Dagobert Reue, doch er lässt sich von seinen Geschäften ablenken. Als er dann im Jahre 1930 endlich nach Entenhausen zurückkehrt, haben seine Schwestern ihm verziehen, doch er hat sich ihnen völlig entfremdet und vertreibt sie. Nun ist er der reichste Mann der Welt, doch er ist einsam. Einige Jahre später zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück und fristet ein trostloses Dasein in einer einsamen Villa. | ||
Im Jahre 1947 erfolgt dann der Umbruch: An Weihnachten Dagobert lernt seine Neffen, [[Donald]] und [[Tick, Trick und Track]], kennen. Die erwecken in ihm neue Lebensfreude und lassen ihn zu seinen alten Idealen zurückkehren. Zusammen mit ihnen reist er wieder durch die Welt und erlebt zahlreiche Abenteuer. Einige Jahre später kehrt er dann für eine [[Schatzsuche]] in die Duckenburgh zurück. Dort trifft er seine Schwester und auch mit ihr verträgt er sich nach einem langen Streit wieder. So beginnt er wieder ein altes neues Leben, begleitet zwar durch die alten Feinde, wie die Panzerknacker oder Mac Moneysac, doch auch mit den alten Freuden, seiner Familie, seinen Schatzsuchen und vor allem mit seinen zahlreichen Erinnerungen an seine spannende Jugend. | Im Jahre 1947 erfolgt dann der Umbruch: An Weihnachten. Dagobert lernt seine Neffen, [[Donald]] und [[Tick, Trick und Track]], kennen. Die erwecken in ihm neue Lebensfreude und lassen ihn zu seinen alten Idealen zurückkehren. Zusammen mit ihnen reist er wieder durch die Welt und erlebt zahlreiche Abenteuer. Einige Jahre später kehrt er dann für eine [[Schatzsuche]] in die Duckenburgh zurück. Dort trifft er seine Schwester und auch mit ihr verträgt er sich nach einem langen Streit wieder. So beginnt er wieder ein altes neues Leben, begleitet zwar durch die alten Feinde, wie die Panzerknacker oder Mac Moneysac, doch auch mit den alten Freuden, seiner Familie, seinen Schatzsuchen und vor allem mit seinen zahlreichen Erinnerungen an seine spannende Jugend. | ||
→ siehe auch Hauptartikel ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]'' | → siehe auch Hauptartikel ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]'' | ||
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Die Entwicklung Dagoberts bei Barks lässt sich grob in drei Phasen beschreiben. | Die Entwicklung Dagoberts bei Barks lässt sich grob in drei Phasen beschreiben. | ||
===== Der | ===== Der frühbarks’sche Dagobert ===== | ||
Anfangs, etwa bei seinem ersten Auftritt in ''[[Die Mutprobe]]'', war Dagobert bei Barks noch eine Nebenfigur, „auf die Barks nicht allzu viele Gedanken verschwendet hatte“.<ref>[[Andreas Platthaus]]: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4.</ref> Bei seinem ersten Auftritt, der an den alten, griesgrämigen und kaltherzigen ''Ebenezer Scrooge'' aus Charles | Anfangs, etwa bei seinem ersten Auftritt in ''[[Die Mutprobe]]'', war Dagobert bei Barks noch eine Nebenfigur, „auf die Barks nicht allzu viele Gedanken verschwendet hatte“.<ref>[[Andreas Platthaus]]: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4.</ref> Bei seinem ersten Auftritt, der an den alten, griesgrämigen und kaltherzigen ''Ebenezer Scrooge'' aus Charles Dickens’ ''[[A Christmas Carol]]'' (''Eine Weihnachtsgeschichte'') angelehnt ist, zeigen sich schon Dagoberts harte und kaltherzige Charakterzüge, die ihn anfangs ausmachten: | ||
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Schon damals war Dagobert eine Klischeefigur:<ref>[[Andreas Platthaus]]: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 5.</ref> „Ein grämlicher Menschenfeind“, „ein reicher, unfreundlicher älterer Verwandter“, der „zum Fest geläutert werden [sollte].“<ref>[[Andreas Platthaus]]: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck!, in: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4–7.</ref> | Schon damals war Dagobert eine Klischeefigur:<ref>[[Andreas Platthaus]]: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 5.</ref> „Ein grämlicher Menschenfeind“, „ein reicher, unfreundlicher älterer Verwandter“, der „zum Fest geläutert werden [sollte].“<ref>[[Andreas Platthaus]]: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck!, in: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4–7.</ref> | ||
[[Datei:Die magische Sanduhr-4.jpg|thumb|300px|rechts|Der | [[Datei:Die magische Sanduhr-4.jpg|thumb|300px|rechts|Der frühbarks’sche Dagobert schreckt vor Gewalt nicht zurück. Hier in ''[[Die magische Sanduhr]]'' (© Egmont Ehapa)]] | ||
In der Zeit kurz nach | In der Zeit kurz nach Barks’ erster Dagobert-Geschichte ist Dagobert ausschließlich mit negativen Charaktereigenschaften behaftet. Dieser Dagobert ist ein Gebilde aus Machthunger, Habgier, Falschheit und Hinterlist – das Musterbild eines Bösewichts und Fieslings. Tatsächlich nimmt Dagobert damals vor allen Dingen in den kürzeren Donald-Duck-Geschichten die Rolle des Antagonisten ein. In diesen ersten Geschichten wird sein Geld dabei fast nie optisch dargestellt und auch für ihn selbst scheint es keine große Rolle zu spielen. Im Gegenteil – er hat keinerlei Skrupel, es in großen Mengen für Anerkennung und Macht auszugeben. Das große Merkmal des heutigen Dagoberts, der Geiz, ist hier also noch nicht ausgeprägt. Gerade in der ersten Geschichte kommt hingegen zum Vorschein, dass Dagobert ein Machtmensch ist, der alle anderen kontrollieren und im Dienste seiner Interessen mittels seines Reichtums manipulieren will. Damit stellt er sich – in geradezu menschenverachtender Manier – über alles und jeden. Von seiner unsympathischsten Seite zeigt sich Dagobert bei Barks im [[Zehnseiter]] ''[[Wehe dem, der Schulden macht!]]''; in ''[[Wudu-Hudu-Zauber]]'' rechtfertigt er gar eine Schurkerei aus seiner Vergangenheit mit dem fadenscheinigen Argument, dass man durch Edelmut nicht reich werde und in ''[[Die magische Sanduhr]]'' wendet er weiterhin schändliche Mittel an, um eine Sanduhr zurückzubekommen, der er laut dieser Geschichte seinen Reichtum verdankt. | ||
Mit den | Mit den Barks’schen [[Weihnachten#Weihnachten bei Carl Barks|Weihnachtsgeschichten]] rückte Dagoberts unvorstellbarer Reichtum in den Vordergrund, welcher zum Beispiel in ''[[Weihnachten für Kummersdorf]]'' der Armut Anderer gegenübergestellt wurde. Auch Dagoberts Geiz verdrängte in den frühen 1950er-Jahren allmählich seinen Machthunger, was generell auf einen langsamen Übergang zum klassischen Dagobert hindeutet. Mit dem Zehnseiter ''[[Geld fällt vom Himmel]]'' avancierte Dagobert erstmals zur heimlichen Hauptfigur. Ein gutes Jahr später war Dagobert zum Titelhelden einer neuen Heftreihe aufgestiegen. | ||
===== Der klassische Dagobert ===== | ===== Der klassische Dagobert ===== | ||
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Diese Wandlung wird ferner markiert durch Geschichten wie ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'', wo Dagobert eine Jugendliebe namens [[Nelly]] bekommt, was ihn noch menschlicher und somit liebenswürdiger macht, oder ''[[Der zweitreichste Mann der Welt]]'', für die Barks [[Mac Moneysac]] erfand, eine Art „anderes Ich“ Dagoberts, der vor schändlichen Mitteln nicht zurückschreckt und somit Dagoberts Ehrlichkeit betont. Allerdings machte Dagobert | Diese Wandlung wird ferner markiert durch Geschichten wie ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'', wo Dagobert eine Jugendliebe namens [[Nelly]] bekommt, was ihn noch menschlicher und somit liebenswürdiger macht, oder ''[[Der zweitreichste Mann der Welt]]'', für die Barks [[Mac Moneysac]] erfand, eine Art „anderes Ich“ Dagoberts, der vor schändlichen Mitteln nicht zurückschreckt und somit Dagoberts Ehrlichkeit betont. Allerdings machte Dagobert nie eine wirkliche Metamorphose vom Bösen zum Guten durch, er wurde nur aus anderen Perspektiven betrachtet. Doch hin und wieder taucht in dieser Phase auch der „böse“ Dagobert auf, wie ein Gespenst, das den Leser daran erinnert, dass er sich kein allzu simples Bild von Dagoberts Wesensart machen darf. Dagobert selbst scheint diese Seite zu verdrängen und so ficht er, beispielsweise als sein Quasi-Doppelgänger [[Mac Moneysac]] als unerwünschtes anderes Ich auftaucht, symbolisch Wettkämpfe darum aus, welche Seite seines Charakters die stärkere ist.<ref>[[Geoffrey Blum]]: Onkel Dagoberts Doppelgänger. In: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 11.</ref> | ||
===== Der | ===== Der spätbarks’sche Dagobert ===== | ||
In den späteren Geschichten der 1960er Jahre wurde die markante Persönlichkeit Dagoberts, die er in den „klassischen Jahren“ erhalten hatte, nach Meinung einiger verwässert, indem er angeblich zu einem liebenswürdigen Opa, zu einem netten älteren Herrn mutierte – ein starker Kontrast zum Dagobert aus ''[[Die Mutprobe]]''. Jochen Bölsche beschreibt, Dagobert werde „allmählich zum lustigen Onkel und schließlich zum schrulligen, fast bemitleidenswerten Alten“<ref name="SpgON2"/>, der am Ende sogar bereit war, sein eigenes Geld für [[Tick, Trick und Track|seine Neffen]] zu opfern, wie in ''[[Oddball Odyssey]]''. Anderen hingegen kam die Figur zu dieser Zeit ironischerweise verjüngt vor. [[Carl Barks]] befasste sich schlicht nicht mehr so sehr mit Dagoberts Charakter wie in der „klassischen Zeit“, in der seine Geschichten fast Charakterstudien waren. Stattdessen standen mehr die Abenteuer im Vordergrund. Andererseits werden die Geschichten und die Figur selbst nun wehmütiger, was stark aus | In den späteren Geschichten der 1960er Jahre wurde die markante Persönlichkeit Dagoberts, die er in den „klassischen Jahren“ erhalten hatte, nach Meinung einiger verwässert, indem er angeblich zu einem liebenswürdigen Opa, zu einem netten älteren Herrn mutierte – ein starker Kontrast zum Dagobert aus ''[[Die Mutprobe]]''. Jochen Bölsche beschreibt, Dagobert werde „allmählich zum lustigen Onkel und schließlich zum schrulligen, fast bemitleidenswerten Alten“<ref name="SpgON2"/>, der am Ende sogar bereit war, sein eigenes Geld für [[Tick, Trick und Track|seine Neffen]] zu opfern, wie in ''[[Oddball Odyssey]]''. Anderen hingegen kam die Figur zu dieser Zeit ironischerweise verjüngt vor. [[Carl Barks]] befasste sich schlicht nicht mehr so sehr mit Dagoberts Charakter wie in der „klassischen Zeit“, in der seine Geschichten fast Charakterstudien waren. Stattdessen standen mehr die Abenteuer im Vordergrund. Andererseits werden die Geschichten und die Figur selbst nun wehmütiger, was stark aus Barks’ Gemütslagen und Frustrationen der damaligen Zeit abzuleiten ist. | ||
===== Fazit der Entwicklung ===== | ===== Fazit der Entwicklung ===== | ||
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Andererseits lassen sich auch ebenso große Differenzen zwischen [[Carl Barks|Barks]] und Dagobert finden und es bleibt letztlich Spekulation, wieviel Barks in Dagobert oder wieviel Dagobert in [[Carl Barks|Barks]] steckt. | Andererseits lassen sich auch ebenso große Differenzen zwischen [[Carl Barks|Barks]] und Dagobert finden und es bleibt letztlich Spekulation, wieviel Barks in Dagobert oder wieviel Dagobert in [[Carl Barks|Barks]] steckt. | ||
==== | ==== Rosa’scher Dagobert ==== | ||
[[Datei:Der Einsiedler der Villa Duck-1.jpg|thumb|300px|rechts|© Egmont Ehapa]] | [[Datei:Der Einsiedler der Villa Duck-1.jpg|thumb|300px|rechts|© Egmont Ehapa]] | ||
[[Don Rosa]] betont bei Dagobert meist dessen romantische Seite, seine träumerische und nostalgische Art. Er lässt Dagobert mit glasigen Augen in Erinnerungen schwelgen und bringt dabei einen sehr starken Kontrast zu dem italienischen Dagobert, der sehr in der Gegenwart lebt. Rosa hebt vor allen Dingen den Konflikt zwischen dieser „romantischen Art“ und der anderen, „harten Seite“ Dagoberts, die nichts mit „Gefühlsduseleien“ zu tun haben will, hervor. Mit stetigem Zähnefletschen und Augenrollen den weichen Kern unter der rauen Schale zu verbergen suchend, erscheint Dagobert hier als Gefangener seiner eigenen Härte, die laut Rosa auf seine Lebensgeschichte zurückzuführen ist (siehe ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]''). Wird Onkel Dagobert schon bei Barks als Inbegriff eines herzlosen, kalten, gefühlslosen und geldgierigen Kapitalisten dargestellt und von den Lesern als solcher rezipiert, vollzog sich schon bei ihm eine Wende zum schrulligen, liebenswürdigen Alten (siehe oben). Don Rosa vollzieht einen solchen Imagewandel nun komplett, indem er ihn als nostalgischen und schwärmerischen alten Mann darstellt, der wie oben erwähnt, oft an die Vergangenheit denkt und an die Abenteuer, durch die er sein Vermögen erwirtschaftet hat. Don Rosa, der Dagobert für „die größte Figur der Weltliteratur“ hält, erklärt diesen Imagewandel so: „Ich hätte es nicht ertragen können, Geschichten zu schreiben über einen Typen, der ewig gierig ist“.<ref name="SpgOn3">[http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/a-640630-3.html Jochen Bölsche: Absturz nach dem Boom: Das Ende einer Ente], Spiegel Online, 28.07.2009, 3. Teil: Wandlungen eines Erzkapitalisten, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Für ihn ist Dagobert ein Sammler und „Abenteurer, und Geld ist seine Trophäe“<ref name="SpgOn3"/>. Der Spiegel-Online-Rezensent Jörg Böckem betrachtete Rosas Dagobert-Biographie als „Liebeserklärung an die Figur Dagobert und Hommage an dessen Schöpfer“ sowie als „dringend notwendige Image-Kampagne für den Milliardär und Banker an sich“.<ref name="SPIEGEL">[http://www.spiegel.de/kultur/literatur/dagobert-duck-biografie-imagekampagne-fuer-bankiers-a-604135.html Jörg Böckem: Dagobert-Duck-Biografie: Imagekampagne für Bankiers], Spiegel Online, 12.02.2009, abgerufen am: 05.12.2018.</ref><ref name="SpgON2"/> Außerdem vertieft Rosa in einigen Geschichten das Verhältnis zwischen Dagobert und [[Nelly]], seiner von Carl Barks erfundenen Jugendliebe. In ''[[Die Gefangene am White Agony Creek]]'' heißt es gar, dass ein Büschel Haare, die einzige Erinnerung, die Dagobert an Nelly hat, sein wertvollster Besitz sei – noch vor [[Geldspeicher]], [[Glückszehner]] oder [[Duckenburgh]]. | [[Don Rosa]] betont bei Dagobert meist dessen romantische Seite, seine träumerische und nostalgische Art. Er lässt Dagobert mit glasigen Augen in Erinnerungen schwelgen und bringt dabei einen sehr starken Kontrast zu dem italienischen Dagobert, der sehr in der Gegenwart lebt. Rosa hebt vor allen Dingen den Konflikt zwischen dieser „romantischen Art“ und der anderen, „harten Seite“ Dagoberts, die nichts mit „Gefühlsduseleien“ zu tun haben will, hervor. Mit stetigem Zähnefletschen und Augenrollen den weichen Kern unter der rauen Schale zu verbergen suchend, erscheint Dagobert hier als Gefangener seiner eigenen Härte, die laut Rosa auf seine Lebensgeschichte zurückzuführen ist (siehe ''[[Sein Leben, seine Milliarden]]''). Wird Onkel Dagobert schon bei Barks als Inbegriff eines herzlosen, kalten, gefühlslosen und geldgierigen Kapitalisten dargestellt und von den Lesern als solcher rezipiert, vollzog sich schon bei ihm eine Wende zum schrulligen, liebenswürdigen Alten (siehe oben). Don Rosa vollzieht einen solchen Imagewandel nun komplett, indem er ihn als nostalgischen und schwärmerischen alten Mann darstellt, der wie oben erwähnt, oft an die Vergangenheit denkt und an die Abenteuer, durch die er sein Vermögen erwirtschaftet hat. Don Rosa, der Dagobert für „die größte Figur der Weltliteratur“ hält, erklärt diesen Imagewandel so: „Ich hätte es nicht ertragen können, Geschichten zu schreiben über einen Typen, der ewig gierig ist“.<ref name="SpgOn3">[http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/a-640630-3.html Jochen Bölsche: Absturz nach dem Boom: Das Ende einer Ente], Spiegel Online, 28.07.2009, 3. Teil: Wandlungen eines Erzkapitalisten, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> Für ihn ist Dagobert ein Sammler und „Abenteurer, und Geld ist seine Trophäe“<ref name="SpgOn3"/>. Der Spiegel-Online-Rezensent Jörg Böckem betrachtete Rosas Dagobert-Biographie als „Liebeserklärung an die Figur Dagobert und Hommage an dessen Schöpfer“ sowie als „dringend notwendige Image-Kampagne für den Milliardär und Banker an sich“.<ref name="SPIEGEL">[http://www.spiegel.de/kultur/literatur/dagobert-duck-biografie-imagekampagne-fuer-bankiers-a-604135.html Jörg Böckem: Dagobert-Duck-Biografie: Imagekampagne für Bankiers], Spiegel Online, 12.02.2009, abgerufen am: 05.12.2018.</ref><ref name="SpgON2"/> Außerdem vertieft Rosa in einigen Geschichten das Verhältnis zwischen Dagobert und [[Nelly]], seiner von Carl Barks erfundenen Jugendliebe. In ''[[Die Gefangene am White Agony Creek]]'' heißt es gar, dass ein Büschel Haare, die einzige Erinnerung, die Dagobert an Nelly hat, sein wertvollster Besitz sei – noch vor [[Geldspeicher]], [[Glückszehner]] oder [[Duckenburgh]]. | ||
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==== Bis in die 1980er ==== | ==== Bis in die 1980er ==== | ||
[[Bild:Grimmbarts-Schatz-Panel.jpg|thumb|right|Wenn es um sein Geld geht, neigt der italienische Dagobert zu emotionalen Übertreibungen. (© Egmont Ehapa)]] | [[Bild:Grimmbarts-Schatz-Panel.jpg|thumb|right|Wenn es um sein Geld geht, neigt der italienische Dagobert zu emotionalen Übertreibungen. (© Egmont Ehapa)]] | ||
Vor allem in den frühesten italienischen Geschichten stellt Dagobert oft, wie bereits angedeutet, praktisch das Gegenstück zum | Vor allem in den frühesten italienischen Geschichten stellt Dagobert oft, wie bereits angedeutet, praktisch das Gegenstück zum Rosa’schen Dagobert dar. Er lebt sehr in der Gegenwart, ist weniger nostalgisch, aber auch weniger überlegt vorausschauend, handelt oft vorschnell und unbedacht. So „verplappert“ (wie er selbst es formuliert) er sich oft in Streitgesprächen mit seinem Rivalen Klaas Klever. Tatsächlich neigt er in den italienischen Geschichten zur Prahlerei. Allgemein agiert der italienische Dagobert um einiges emotionaler und auch theatralischer als der amerikanische. In den meisten Geschichten neigt er zur Überreaktion, schwankt zwischen absoluter Verzweiflung und Resignation, Wutanfällen und großer Hektik und Aktivität. | ||
Man kann den frühen italienischen Dagobert auch als Weiterentwicklung der | Man kann den frühen italienischen Dagobert auch als Weiterentwicklung der frühbarks’schen Figur sehen: gewissenlos, gierig, unbeschreiblich geizig und bereit, zur Durchsetzung seiner Ziele ALLES zu tun, und sei es – buchstäblich – über Leichen zu gehen. Vor allem [[Guido Martina]] setzt hier an, sein Dagobert ist vor allem für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Auch mit Lügen hat Dagobert keine Probleme; während er bei Rosa von Grund auf ehrlich ist, flunkert er in Italien oft hemmungslos. Bis in die 1980er Jahre hinein war Dagobert in den italienischen Donald-Geschichten daher meist der Antagonist (beziehungsweise – bei gemeinsamen Kämpfen gegen [[Klaas Klever]], [[die Panzerknacker]] oder [[Gundel Gaukeley]] – das „kleinere Übel“). Bei nahezu jeder Geschichte zieht Donald den Kürzeren: Entweder betrügt Dagobert seinen armen, oft unbedarften Neffen durch verzwickte Vertragsklauseln oder seine Erfahrung im Wirtschaftskampf um seinen verdienten Lohn, oder Dagobert verfolgt seinen Neffen mittels Waffengewalt, und sei es aus allernichtigsten Anlässen (etwa weil Donald ihn durch eine unbedarfte Bemerkung auf eine Idee gebracht hatte, die dann schiefging, oder weil er zu viel Geld ausgegeben habe, obwohl er dadurch viel mehr Geld retten konnte). Seinen Neffen gönnt Dagobert nicht die Butter auf dem Brot, wenn sie einmal Erfolg haben, wird Dagobert sofort neidisch und setzt alles daran, den Erfolg zu untergraben. Er ist sich auch nicht zu schade, seine eigenen Neffen auf gefährliche Missionen zu schicken, in deren Gefahren er selbst sich nicht begeben will. Und selbst wenn Donald in Lebensgefahr schwebt, etwa durch eine Entführung, entlockt man Dagobert nur ein Schulterzucken und ein „Das ist sein Problem!“ (''Phantomias in den Händen der Panzerknacker'' in [[LTB 75]]). | ||
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<center><small>Ein paar Beispiel des Verhältnisses Dagoberts zu seinem Neffen bei Guido Martina, das offensichtlich nicht nur von Liebe geprägt ist und einiges über die Brutalität und Gewaltbereitschaft des frühen italienischen Dagoberts aussagt (Panels von links nach rechts aus den Geschichten ''Die Reistafel'', ''Reingold'', ''Eine Wette mit Konsequenzen'' und ''Die indianische Erbschaft'', alle Bilder © Egmont Ehapa)</small></center> | |||
Auch seine Lebensgeschichte wird von Guido Martina bei weitem nicht so glorreich dargestellt, wie von den Amerikanern. Hier einige Beispiele: | |||
* Er war professioneller Falschspieler, bevor er zum Yukon ging (''Die Gedanken-Uhr'' in [[LTB 129]]) | * Er war professioneller Falschspieler, bevor er zum Yukon ging (''Die Gedanken-Uhr'' in [[LTB 129]]) | ||
* Er war Hehler in Java (''Onkel Dagobert auf Sensationssuche'' in [[LTB 50]]) | * Er war Hehler in Java (''Onkel Dagobert auf Sensationssuche'' in [[LTB 50]]) | ||
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* Er lieferte einen Geschäftspartner dem sicheren Tod aus (''Der große Sarani'' in [[LTB 36]]) | * Er lieferte einen Geschäftspartner dem sicheren Tod aus (''Der große Sarani'' in [[LTB 36]]) | ||
Allerdings muss nuanciert werden: Während etwa der bereits erwähnte Guido Martina sich in der Boshaftigkeit der Figur voll austobte und sie wie bereits erwähnt oft als Antagonist einsetzte, | Weitere italienische Autoren schlossen sich der Charakterisierung der Figur durch Martina an. In den Comics von [[Luciano Bottaro]] zögert Dagobert nicht, seinen Neffen wegen geringster Schulden zu verfolgen und zur Rechenschaft ziehen zu wollen. In der auf Deutsch unveröffentlichten Geschichte ''[[Rebo#Paperino e il razzo interplanetario|Paperino e il razzo interplanetario]]'' scheut Dagobert nicht davor zurück, Donald einfach auf einem Planeten auszusetzen, weil er unnötiger Ballast für die Rakete sei. In der von Bottaro erfundenen Inkarnation des [[Dagobert-Pirat]]en verhält sich die Figur besonders grausam und arbeitet sogar mit den Panzerknackern zusammen, die er wie Sklaven behandelt. [[Giulio Chierchini]] wiederum benutzte in seiner grafischen Ausgestaltung von Dagoberts Charakter des Öfteren einen waffenschwingenden Dagobert, der seinen Neffen mit Morgensternen und dergleichen verfolgt, um zu zeigen, zu welch Brutalität Dagobert imstande ist. | ||
===== Romano Scarpa ===== | |||
[[Datei:Der Fliegende Schotte-3.jpg|thumb|250px|links|Weicher Dagobert in [[Romano Scarpa]]s ''[[Der Fliegende Schotte]]'' (© Egmont Ehapa)]] | |||
Allerdings muss nuanciert werden: Während etwa der bereits erwähnte Guido Martina sich in der Boshaftigkeit der Figur voll austobte und sie wie bereits erwähnt oft als Antagonist einsetzte, gab es bereits in den frühen italienischen Comics einige wenige Autoren, die andere Wege gingen, allen voran [[Romano Scarpa]], der sich oft am amerikanischen Dagobert orientierte. Scarpa nahm Anleihen an der Barks’schen Konzeption in ''[[Wiedersehn mit Klondyke]]'' und stellte Dagobert nach außen hartherzig dar, der jedoch seine weichen Seiten hat. Obwohl Dagobert bei Scarpa ein knallharter Geschäftsmann sein kann, tut er bisweilen Dinge, die aus reinem Profitstreben heraus nicht erklärbar wären. Erwähnenswert ist hier etwa die Geschichte ''[[Der Fliegende Schotte]]'', in der Dagobert einen Vogel kauft und nicht ruht und rastet, um diesen auch zu ernähren. In ''[[Krebse in Burgunder]]'', der ersten selbstgeschriebenen Geschichte Scarpas, erweist sich Dagobert anfangs noch als rücksichtslos- und skrupellos, aber am Ende wird Dagoberts edle Gesinnung offenbart. In Scarpas Geschichten wird schnell klar, dass Dagobert seine Neffen enorm schätzt und dass das Geld nicht das einzig Wertvolle in seinem Leben ist. Des Weiteren verlässt Scarpas Dagobert kaum den Bereich der Ehrlichkeit und sieht Betrug nur in seinen schwächsten Phasen als probates Mittel an, sich zu behaupten, wie in ''[[Die Linsen aus Babylonien]]'' augenscheinlich wird. Während also andere italienische Comics ein dezidiert anderes, härteres Bild von Dagobert konstruierten, ist das Bild, das Scarpa zeichnet, deutlich an das Bild Dagoberts von Barks angelehnt. | |||
==== Neuere Entwicklungen ==== | ==== Neuere Entwicklungen ==== | ||
[[Datei:LTB 555-5.jpg|thumb|300px|rechts|Der moderne italienische Dagobert ist öfter an den amerikanischen angelehnt, hier aus ''Der Persönlichkeitsumwandler'' von [[Vito Stabile]] und [[Marco Rota]] ([[LTB 555]], © Egmont Ehapa)]] | [[Datei:LTB 555-5.jpg|thumb|300px|rechts|Der moderne italienische Dagobert ist öfter an den amerikanischen angelehnt, hier aus ''Der Persönlichkeitsumwandler'' von [[Vito Stabile]] und [[Marco Rota]] ([[LTB 555]], © Egmont Ehapa)]] | ||
Mit dem neuen Bild, das insbesondere die Geschichten um Don Rosa von Dagobert zeichneten, wurde der italienische Dagobert als ewiger Antagonist nicht mehr tragbar. Daher zeichnen die italienischen Comics seit etwa Ende der 1980er Jahre ein deutlich harmloseres Bild von ihm: Zwar immer noch geizig, geldgierig und prahlerisch, aber | Mit dem neuen Bild, das insbesondere die Geschichten um Don Rosa von Dagobert zeichneten, wurde der italienische Dagobert als ewiger Antagonist nicht mehr tragbar. Daher zeichnen die italienischen Comics seit etwa Ende der 1980er Jahre ein deutlich harmloseres Bild von ihm: Zwar immer noch geizig, geldgierig und prahlerisch, zieht er aber nun mit einem solch augenzwinkernden Charme zu Felde, dass der Leser dem verschmitzten alten Herrn mit dem Zylinder nichts ankreiden kann. Vor allem in den letzten Jahren findet sich auch in Italien der Trend, Dagobert vielseitiger und menschlicher darzustellen, wobei sowohl „klassische“ italienische Einflüsse eine Rolle spielen, als auch die von Barks oder Rosa vorgeschlagenen Charakterisierungen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die zwei Monumentalwerke ''[[Alle gegen einen]]'' und ''[[LTB 525#Ein gefährlicher Gegner|Ein gefährlicher Gegner]]'' von [[Francesco Artibani]] und [[Alessandro Perina]], in denen verschiedene Seiten Dagoberts, wie sein Durchhaltevermögen im Kampf um die Spitze, aber auch seine Verletzlichkeit und seine Beziehung zu Freunden und Verwandten ausgearbeitet werden. Ein anderes Beispiel ist der Autor [[Vito Stabile]], der mit Geschichten wie ''Im Namen des Mondes'' ([[LTB 459]]), ''Die Krone der Wünsche'' ([[LTB 540]]) oder ''Der Persönlichkeitsumwandler'' ([[LTB 555]]) sich sehr stark an dem klassischen Barks-Dagobert orientiert. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich in den letzten Jahren sogar in Italien ein sehr weicher, feinfühliger Dagobert durchgesetzt hat, weitere Beispiele von anderen Autoren sind Geschichten wie ''Zurück zum Klondike'' ([[LTB Winter 3]]) oder ''Das Spiel des Schicksals'' ([[LTB 566]]). | ||
=== Harte Schale, weicher Kern – Dagoberts Beziehung zu Geld und zu seinen Verwandten === | === Harte Schale, weicher Kern – Dagoberts Beziehung zu Geld und zu seinen Verwandten === | ||
[[Bild:Only A Poor Old Man.jpg|thumb|300px|left|„Du bist bloß ein '''armer | [[Bild:Only A Poor Old Man.jpg|thumb|300px|left|„Du bist bloß ein '''armer reicher Mann'''.“ (© Egmont Ehapa)]] | ||
Da Dagoberts Geld stark mit seinem Charakterbild zusammenhängt, wird dieser Aspekt genauer behandelt. Über Dagoberts Beziehung zum [[Geld]] wurde schon viel diskutiert. Auch die Beziehung zu seiner Verwandtschaft wurde bereits sehr verschieden dargestellt. Dieser Artikel soll möglichst allgemeingültig sein, bezieht sich jedoch insbesondere auf die Geschichten von [[Carl Barks|Barks]]. Da man in den Geschichten nur sehr selten direkte Charakterisierungen findet, kann es durchaus verschiedene Interpretationen geben. | Da Dagoberts Geld stark mit seinem Charakterbild zusammenhängt, wird dieser Aspekt genauer behandelt. Über Dagoberts Beziehung zum [[Geld]] wurde schon viel diskutiert. Auch die Beziehung zu seiner Verwandtschaft wurde bereits sehr verschieden dargestellt. Dieser Artikel soll möglichst allgemeingültig sein, bezieht sich jedoch insbesondere auf die Geschichten von [[Carl Barks|Barks]]. Da man in den Geschichten nur sehr selten direkte Charakterisierungen findet, kann es durchaus verschiedene Interpretationen geben. | ||
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Doch wenn wir ehrlich sind, zeigt sich Dagobert in den letzten vier Panels von ''[[Der arme reiche Mann]]'' trotz der nachklingenden Melancholie als ein glücklicher Mensch, denn „''Kein Mensch ist arm zu nennen, der ab und zu tun kann, was immer ihm Spaß macht''“ und einem Dagobert Duck macht es eben Spaß, in seinem Geld schwimmen zu können. | Doch wenn wir ehrlich sind, zeigt sich Dagobert in den letzten vier Panels von ''[[Der arme reiche Mann]]'' trotz der nachklingenden Melancholie als ein glücklicher Mensch, denn „''Kein Mensch ist arm zu nennen, der ab und zu tun kann, was immer ihm Spaß macht''“ und einem Dagobert Duck macht es eben Spaß, in seinem Geld schwimmen zu können. | ||
[[Bild:Babylonlinsen.jpg|thumb|left| | [[Bild:Babylonlinsen.jpg|thumb|left|Ein Panel aus [[Die Linsen aus Babylonien]] (in [[LTB 74]](© Egmont Ehapa))]] | ||
Mit Geld ist jedoch für einen Menschen wie Dagobert auch der Aspekt der Sicherheit verbunden. [[Leonardo Gori]] hat ein Panel in der Geschichte ''[[ | Mit Geld ist jedoch für einen Menschen wie Dagobert auch der Aspekt der Sicherheit verbunden. [[Leonardo Gori]] hat ein Panel in der Geschichte ''[[Linsen aus Babylonien]]'' von [[Romano Scarpa]], indem Dagobert als ärmlicher Straßensänger einhergeht, während oben ein Flugzeug den Himmel kreuzt, folgendermaßen interpretiert: | ||
{{Zitat|Ein [...] Bild für einen kraftlosen Plutokraten, der unabänderlich an der Vergangenheit hängt. Die Zeit für romantische und leidenschaftliche Kapitalisten – halb Seeräuber und halb Abenteurer – in einer Welt mit unbegrenzten Möglichkeiten [ist abgelaufen]. Im technikbegeisterten Amerika der 60er Jahre [...] hat ein alter, angeschlagener und müder Dagobert keine Chance mehr.|Leonardo Gori<ref>[[Hall of Fame 3]]: „[[Romano Scarpa]]“, [[Egmont Comic Collection]], Köln 2004: S.14-15</ref>}} | {{Zitat|Ein [...] Bild für einen kraftlosen Plutokraten, der unabänderlich an der Vergangenheit hängt. Die Zeit für romantische und leidenschaftliche Kapitalisten – halb Seeräuber und halb Abenteurer – in einer Welt mit unbegrenzten Möglichkeiten [ist abgelaufen]. Im technikbegeisterten Amerika der [19]60er Jahre [...] hat ein alter, angeschlagener und müder Dagobert keine Chance mehr.|Leonardo Gori<ref>[[Hall of Fame 3]]: „[[Romano Scarpa]]“, [[Egmont Comic Collection]], Köln 2004: S.14-15</ref>}} | ||
Obgleich es fraglich ist, dass [[Romano Scarpa]] diesen Gedanken hatte, als er das Bild zeichnete, trifft der Kommentar von Gori durchaus auf Dagoberts Situation zu. „Wie wir in ''Der arme reiche Mann'' und der Geschichte über den Geldspeicherumzug gesehen haben, lehnen diejenigen, die eisern an der Vergangenheit festhalten, jegliche Form von Veränderung und Fortschritt ab“, schreibt [[Geoffrey Blum]].<ref>[[Geoffrey Blum]]: Einstürzende Imperien. In: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 19, S. 20.</ref> Als ein Beamter in eben dieser Geschichte ''Moderne Zeiten'' sagt: „Die Welt bleibt doch nicht stehen!“, antwortet Dagobert energisch: „Ich will aber, dass sie stehen bleibt!“ | Obgleich es fraglich ist, dass [[Romano Scarpa]] diesen Gedanken hatte, als er das Bild zeichnete, trifft der Kommentar von Gori durchaus auf Dagoberts Situation zu. „Wie wir in ''Der arme reiche Mann'' und der Geschichte über den Geldspeicherumzug gesehen haben, lehnen diejenigen, die eisern an der Vergangenheit festhalten, jegliche Form von Veränderung und Fortschritt ab“, schreibt [[Geoffrey Blum]].<ref>[[Geoffrey Blum]]: Einstürzende Imperien. In: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 19, S. 20.</ref> Als ein Beamter in eben dieser Geschichte ''Moderne Zeiten'' sagt: „Die Welt bleibt doch nicht stehen!“, antwortet Dagobert energisch: „Ich will aber, dass sie stehen bleibt!“ | ||
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[[Bild:Goldie.jpg|thumb|Nelly wurde später vom Autor und Zeichner [[Don Rosa]] wieder aufgegriffen (© Disney)]] | [[Bild:Goldie.jpg|thumb|Nelly wurde später vom Autor und Zeichner [[Don Rosa]] wieder aufgegriffen (© Disney)]] | ||
Diese Geschichte, ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'', beinhaltet einen vierseitigen [[Rückblick]] auf Dagoberts Biografie, indem auch die Beziehung zur Bardame „Nelly“ genauer behandelt wird. Dies ist die einzige Geschichte bei Barks, in der der jüngere Dagobert eine Beziehung zu einer Dame hat. Ob es nun die Liebe zu einer Frau oder zu seinen Eltern ist, nimmt die Projektionsfläche Geld hier eine ähnliche Rolle ein wie schon in der Geschichte ''[[Weihnachtsüberraschungen]]'' beschrieben. [[Geoffrey Blum]] hatte schon angemerkt, dass Dagobert nie von seinen Eltern redet (er bezieht sich ausschließlich auf Barks). Mit zwölf Jahren soll er nach [[Don Rosa]] dann nach Amerika ausgereist sein. Dagobert war Zeit seines Lebens auf sich gestellt. Frank Schätzing hat die Bedeutung von Dagoberts Besitz als Liebesersatz untersucht. Sein Geld hat in jeder Hinsicht Fetischcharakter und so erscheint es mehr als klar, dass Dagobert seine verlorene Kindheit, den Mangel an Liebe durch sein Geld zu kompensieren versucht. | Diese Geschichte, ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'', beinhaltet einen vierseitigen [[Rückblick]] auf Dagoberts Biografie, indem auch die Beziehung zur Bardame „Nelly“ genauer behandelt wird. Dies ist die einzige Geschichte bei Barks, in der der jüngere Dagobert eine Beziehung zu einer Dame hat. Ob es nun die Liebe zu einer Frau oder zu seinen Eltern ist, nimmt die Projektionsfläche Geld hier eine ähnliche Rolle ein wie schon in der Geschichte ''[[Weihnachtsüberraschungen]]'' beschrieben. [[Geoffrey Blum]] hatte schon angemerkt, dass Dagobert nie von seinen Eltern redet (er bezieht sich ausschließlich auf Barks). Mit zwölf Jahren soll er nach [[Don Rosa]] dann nach Amerika ausgereist sein. Dagobert war Zeit seines Lebens auf sich gestellt. Frank Schätzing hat die Bedeutung von Dagoberts Besitz als Liebesersatz untersucht. Sein Geld hat in jeder Hinsicht Fetischcharakter und so erscheint es mehr als klar, dass Dagobert seine verlorene Kindheit, den Mangel an Liebe durch sein Geld zu kompensieren versucht.<ref name="schätzing 1">[[Frank Schätzing]]: Der Glückszehner als Potenzsymbol und Frauenersatz. Über „[[Wunder der Tiefsee]]“. In: [[Die tollkühnen Abenteuer der Ducks auf hoher See]], S. 461.</ref><ref>[[Frank Schätzing]]: Dagobert vögelt sein Geld. Über „[[Der verlorene Zehner]]“. In: [[Die tollkühnen Abenteuer der Ducks auf hoher See]], S. 135–137.</ref> | ||
Alle genannten Themen, die sich um Dagoberts Charakter ziehen, wurzeln stark in der Biografie Dagoberts. Er ist ein Mensch, der sich über seine Vergangenheit definiert. Gerade diese Thematik ist stark mit Dagoberts Lebenslauf verstrickt. | Alle genannten Themen, die sich um Dagoberts Charakter ziehen, wurzeln stark in der Biografie Dagoberts. Er ist ein Mensch, der sich über seine Vergangenheit definiert. Gerade diese Thematik ist stark mit Dagoberts Lebenslauf verstrickt. | ||
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Es ist fast so, als hätte Dagobert einen Teil seiner Persönlichkeit in seinen Besitz angelegt. Ein Dagobert ohne sein Geld ist kein Dagobert mehr, ein Dagobert, der nicht mehr der reichste Mann der Welt ist, will nicht mehr Dagobert sein. Insofern sind Gegner wie [[Mac Moneysac]] besonders gefährlich für ihn. Wie schon oben angesprochen symbolisieren sie eine dunkle Seite in ihm. Wenn Dagobert mit [[Mac Moneysac]] um den Titel „Reichster Mann der Welt“ kämpft, dann kämpft er um seine Identität. Womit man wieder bei dem Thema „Sicherheit“ und „Moralisches, seelisches Gleichgewicht“ wäre ... | Es ist fast so, als hätte Dagobert einen Teil seiner Persönlichkeit in seinen Besitz angelegt. Ein Dagobert ohne sein Geld ist kein Dagobert mehr, ein Dagobert, der nicht mehr der reichste Mann der Welt ist, will nicht mehr Dagobert sein. Insofern sind Gegner wie [[Mac Moneysac]] besonders gefährlich für ihn. Wie schon oben angesprochen symbolisieren sie eine dunkle Seite in ihm. Wenn Dagobert mit [[Mac Moneysac]] um den Titel „Reichster Mann der Welt“ kämpft, dann kämpft er um seine Identität. Womit man wieder bei dem Thema „Sicherheit“ und „Moralisches, seelisches Gleichgewicht“ wäre ... | ||
Diese Glorifizierung seines Geldes und damit seines Lebens komprimiert sich im sogenannten [[Glückszehner]]. Er wirkt als einzelner Gegenstand ohne jeglichen materiellen Wert noch viel mehr als Symbol für das besagte Ideal, das sich Dagobert geschaffen hat (siehe oben Zitat [[Geoffrey Blum]]). „Er ist Dagoberts Lebensspender und sein Lebenszweck, man könnte sagen, seine komplette Potenz ist eingeschmolzen in der unscheinbaren kleinen Münze. Wer ihm den Zehner nimmt, raubt ihm die Kraft“, erklärt [[Frank Schätzing]] dieses Phänomen, das uns aus den [[Gundel Gaukeley|Gundel-Gaukeley]]-Geschichten bekannt ist.< | Diese Glorifizierung seines Geldes und damit seines Lebens komprimiert sich im sogenannten [[Glückszehner]]. Er wirkt als einzelner Gegenstand ohne jeglichen materiellen Wert noch viel mehr als Symbol für das besagte Ideal, das sich Dagobert geschaffen hat (siehe oben Zitat [[Geoffrey Blum]]). „Er ist Dagoberts Lebensspender und sein Lebenszweck, man könnte sagen, seine komplette Potenz ist eingeschmolzen in der unscheinbaren kleinen Münze. Wer ihm den Zehner nimmt, raubt ihm die Kraft“, erklärt [[Frank Schätzing]] dieses Phänomen, das uns aus den [[Gundel Gaukeley|Gundel-Gaukeley]]-Geschichten bekannt ist.<ref name="schätzing 1"/> | ||
Das Komplexe in Dagoberts Charakter entsteht durch die vielen (Teufels-)kreisläufe, in denen A Einfluss auf B hat und B Einfluss auf A hat. Diese Kreisläufe machen oft das Paradoxe in seinem Verhalten aus und erschweren es, sich ein klares Bild von ihm zu machen. Letztendlich ist Dagobert durch seine Undurchschaubarkeit, die nur wenige Figuren mit ihm gemein haben, für viele Leser erst ein so interessanter Charakter. | Das Komplexe in Dagoberts Charakter entsteht durch die vielen (Teufels-)kreisläufe, in denen A Einfluss auf B hat und B Einfluss auf A hat. Diese Kreisläufe machen oft das Paradoxe in seinem Verhalten aus und erschweren es, sich ein klares Bild von ihm zu machen. Letztendlich ist Dagobert durch seine Undurchschaubarkeit, die nur wenige Figuren mit ihm gemein haben, für viele Leser erst ein so interessanter Charakter. | ||
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=== Onkel Dagobert in den Abenteuergeschichten === | === Onkel Dagobert in den Abenteuergeschichten === | ||
==== Die Verbundenheit der Figur zum Genre ==== | ==== Die Verbundenheit der Figur zum Genre ==== | ||
[[Datei: | [[Datei:Scrooge McDucks Greatest Treasures.jpg|thumb|250px|rechts|Onkel Dagobert und die [[Schatzsuche]], gezeichnet von [[Don Rosa]] (© Egmont Ehapa)]] | ||
Abenteuergeschichten nehmen zusammen mit kurzen Gagstorys den großen Raum der Duckgeschichten ein. Dabei ist auffällig, dass Donald stets die Hauptfigur der Kurzgeschichten ist, während Dagobert in den Abenteuergeschichten die führende Rolle spielt. Insofern ist auch gar nicht verwunderlich, dass [[William Van Horn]], der sich in seinen Geschichten meist auf Donald konzentriert, hauptsächlich Kurzgeschichten schreibt, während [[Don Rosa|Rosa]], dessen Lieblingsfigur Dagobert ist, sich auf lange Abenteuergeschichten spezialisiert hat. Da Dagobert fast nur noch in diesen Geschichten die führende Rolle hat, ist der Einfluss des Typus „Abenteuergeschichte“ auf Dagobert größer als der jeder anderen Form und hat erheblich zu seinem Charakterbild beigetragen. Besonders bemerkenswert sind hier natürlich auch die [[Schatzsuche]]n, zu denen Dagobert massenweise aufbricht, um sich zu bereichern. | Abenteuergeschichten nehmen zusammen mit kurzen Gagstorys den großen Raum der Duckgeschichten ein. Dabei ist auffällig, dass Donald stets die Hauptfigur der Kurzgeschichten ist, während Dagobert in den Abenteuergeschichten die führende Rolle spielt. Insofern ist auch gar nicht verwunderlich, dass [[William Van Horn]], der sich in seinen Geschichten meist auf Donald konzentriert, hauptsächlich Kurzgeschichten schreibt, während [[Don Rosa|Rosa]], dessen Lieblingsfigur Dagobert ist, sich auf lange Abenteuergeschichten spezialisiert hat. Da Dagobert fast nur noch in diesen Geschichten die führende Rolle hat, ist der Einfluss des Typus „Abenteuergeschichte“ auf Dagobert größer als der jeder anderen Form und hat erheblich zu seinem Charakterbild beigetragen. Besonders bemerkenswert sind hier natürlich auch die [[Schatzsuche]]n, zu denen Dagobert massenweise aufbricht, um sich zu bereichern. | ||
Dass Dagobert fast ganz den Bereich der Abenteuergeschichten übernommen hat und [[Donald]] dort nur noch selten bedeutende Rollen einnimmt, mag verwunderlich erscheinen, wo doch Donald in frühen Jahren, als sein reicher Onkel noch nicht erfunden war, die Kategorie der Abenteuergeschichten erfolgreich anführte, und es ist erstaunlich, dass ein alter Mann mit Zwicker, Backenbart und Gehstock von den meisten Autoren passender für Abenteuergeschichten gehalten wird als ein dynamischer „Jungspund“, wenn man ihn so bezeichnen darf. | Dass Dagobert fast ganz den Bereich der Abenteuergeschichten übernommen hat und [[Donald]] dort nur noch selten bedeutende Rollen einnimmt, mag verwunderlich erscheinen, wo doch Donald in frühen Jahren, als sein reicher Onkel noch nicht erfunden war, die Kategorie der Abenteuergeschichten erfolgreich anführte, und es ist erstaunlich, dass ein alter Mann mit Zwicker, Backenbart und Gehstock von den meisten Autoren passender für Abenteuergeschichten gehalten wird als ein dynamischer „Jungspund“, wenn man ihn so bezeichnen darf. | ||
Wenn man sich den | Wenn man sich den frühbarks’schen Dagobert aus ''[[Die Mutprobe]]'' ansieht, so ist es offensichtlich, dass dieser Typ nicht als Held einer Abenteuergeschichte fungieren kann. Schon früh wurde für die Abenteuergeschichten sein Charakter abgeändert, und so finden wir in ''[[Das Gespenst von Duckenburgh]]'' keine Anzeichen von der Griesgrämigkeit, die den frühen Dagobert ausmacht. Doch erst nach ''[[Der arme reiche Mann]]'' waren die Abenteuergeschichten, wie wir sie heutzutage von den Ducks kennen, möglich. Gleichzeitig war mit der neuen Uncle-Scrooge-Reihe viel neuer Platz für das Genre. Mit der Zeit entstanden immer mehr Abenteuergeschichten, in denen Dagobert die Hauptrolle spielt, und sie hatten einen dementsprechend großen Einfluss auf ihn. | ||
Die Abenteuergeschichten haben den alten Knauser aus ''Die Mutprobe'' offensichtlich genauso stark mit verändert wie er selbst den Rhythmus und die Erzählweise der Abenteuergeschichten. | Die Abenteuergeschichten haben den alten Knauser aus ''Die Mutprobe'' offensichtlich genauso stark mit verändert wie er selbst den Rhythmus und die Erzählweise der Abenteuergeschichten. | ||
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In der Geschichte ''[[Das Geheimnis der verschollenen Mine]]'' lässt Rosa Tick, Trick und Track sagen: „Ein gutes Abenteuer ist ihm allemal wichtiger als die Kohle“. Auch wenn die Aussage im folgenden Teil der Geschichte wieder relativiert wird, trifft es zum Großteil Dagoberts Einstellung zum Abenteuer. | In der Geschichte ''[[Das Geheimnis der verschollenen Mine]]'' lässt Rosa Tick, Trick und Track sagen: „Ein gutes Abenteuer ist ihm allemal wichtiger als die Kohle“. Auch wenn die Aussage im folgenden Teil der Geschichte wieder relativiert wird, trifft es zum Großteil Dagoberts Einstellung zum Abenteuer. | ||
Wie schon weiter oben angemerkt erschien der Dagobert der Kurzgeschichten der | Wie schon weiter oben angemerkt erschien der Dagobert der Kurzgeschichten der frühbarks’schen Zeit anders als in den Abenteuergeschichten. So zeigt der Dagobert in ''Das Gespenst von Duckenburgh'' keinerlei Anzeichen von Geiz, Missgunst oder Hass. Onkel Dagobert geht durch die Liebe zum Abenteuer in diesem auf. Don Rosa hebt den Abenteurer in ihm als Kern seines Wesens mehr als alle anderen Zeichner hervor („Ich sah den Duck in ihnen [Donald und seinen Neffen], den Durst nach Wissen, Abenteuer und Spaß! Alles wonach auch ich einst suchte, als ich noch meinen Idealen folgte“, sagt Dagobert in ''[[Ein Brief von daheim]]''). | ||
Die Abenteuergeschichten haben einen beträchtlichen Anteil an der Entwicklung seines Charakters vom | Die Abenteuergeschichten haben einen beträchtlichen Anteil an der Entwicklung seines Charakters vom frühbarks’schen bis zum spätbarks’schen Dagobert gehabt. Durch die Veränderungen im Stil der Abenteuergeschichten sind auch notwendige Veränderungen in seinem Charakter aufgetreten. Viele Umformungen seines Charakters auf die Art der Geschichte haben ihn vielschichtiger werden lassen und dadurch paradoxerweise ein kompakteres, abgeschlosseneres Bild von ihm geschaffen. | ||
Die Abenteuergeschichten und ihr größter Held sind eine Zweckgemeinschaft, deren Produkt ein neuer Dagobert ist. | Die Abenteuergeschichten und ihr größter Held sind eine Zweckgemeinschaft, deren Produkt ein neuer Dagobert ist. | ||
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=== Vorlieben, Abneigungen und Leiden === | === Vorlieben, Abneigungen und Leiden === | ||
[[Bild:Dago01 hineinspringen.JPG|250px|thumb|Wie ein Seehund hineinspringen... (© Egmont Ehapa)]] | [[Bild:Dago01 hineinspringen.JPG|250px|thumb|links|Wie ein Seehund hineinspringen... (© Egmont Ehapa)]] | ||
Dagobert pflegt – meist früh morgens – ein erquickendes Bad in seinem [[Geld]] zu nehmen: Er liebt es, „wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu werfen“, dass es ihm „auf die Glatze prasselt“. | Dagobert pflegt – meist früh morgens – ein erquickendes Bad in seinem [[Geld]] zu nehmen: Er liebt es, „wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu werfen“, dass es ihm „auf die Glatze prasselt“. | ||
Leider führt der ständige Kontakt zu seinem Geld oft auch zu gesundheitlichen Problemen. So hat der Multimilliardär oft auch unter [[Geld#Nachteile von großen Vermögen|Geldkrankheiten]] wie der „Goldallergie“ zu leiden. Sie verbieten oft den Kontakt mit Geld oder machen ihn lebensnotwendig. Auch an Gedächtnisschwächen wie „Perduftia spiriti“ (engl. „blinkus of the thinkus“) leidet Dagobert in einigen Geschichten (''[[Wiedersehn mit Klondike]]''). Außerdem kann es passieren, dass der ganze Goldstaub seine Poren verstopft, wie er in ''[[Die Kohldampf-Insel]]'' erfahren muss. | Leider führt der ständige Kontakt zu seinem Geld oft auch zu gesundheitlichen Problemen. So hat der Multimilliardär oft auch unter [[Geld#Nachteile von großen Vermögen|Geldkrankheiten]] wie der „Goldallergie“ zu leiden. Sie verbieten oft den Kontakt mit Geld oder machen ihn lebensnotwendig. Auch an Gedächtnisschwächen wie „Perduftia spiriti“ (engl. „blinkus of the thinkus“) leidet Dagobert in einigen Geschichten (''[[Wiedersehn mit Klondike]]''). Außerdem kann es passieren, dass der ganze Goldstaub seine Poren verstopft, wie er in ''[[Die Kohldampf-Insel]]'' erfahren muss. | ||
Eine Krankheit anderer Art, eine realistische Erkrankung, die nicht in den Comics ausdrücklich erwähnt wird, aber deren Anzeichen sehr oft auftauchen, ergibt sich ebenfalls aus seiner physischen Bindung zu seinem Geld. Man kann in gewissem Sinne von infantilen, verspielten, „quasi erotischen Ausführungen [seines Umgangs mit Geld] (‚Money feels so good and smells so good! | Eine Krankheit anderer Art, eine realistische Erkrankung, die nicht in den Comics ausdrücklich erwähnt wird, aber deren Anzeichen sehr oft auftauchen, ergibt sich ebenfalls aus seiner physischen Bindung zu seinem Geld. Man kann in gewissem Sinne von infantilen, verspielten, „quasi erotischen Ausführungen [seines Umgangs mit Geld] (‚Money feels so good and smells so good! It’s the only thing in the world that I can never get enough‘)“ sprechen, die laut Henner Löffler sogar „eine neurotische Zwangsfixierung“ vermuten lassen.<!--Verweis fehlt!--> | ||
Hingegen erscheint sein Rheumatismus, über den Dagobert öfters klagt, bei einer Ente in seinem Alter, die in ihrem Leben (körperlich) hart arbeiten musste, eher normal. | Hingegen erscheint sein Rheumatismus, über den Dagobert öfters klagt, bei einer Ente in seinem Alter, die in ihrem Leben (körperlich) hart arbeiten musste, eher normal. | ||
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*''[[Scrooge McDuck and Money]]'' (1967) | *''[[Scrooge McDuck and Money]]'' (1967) | ||
Dieser Kurzfilm stellte das Filmdebüt Dagoberts dar. | Dieser Kurzfilm stellte das Filmdebüt Dagoberts dar. | ||
*''[[Mickys Weihnachtsgeschichte]]'' (1983, | *''[[Mickys Weihnachtsgeschichte]]'' (1983, „Mickey’s Christmas Carol“) | ||
In diesen Film, der eine Anlehnung an „Ein Weihnachtslied in Prosa“ von Dickens ist, kommt Dagobert (engl. Scrooge Mc Duck) wieder zu seinen Anfängen, indem er als Ebenezer auftritt, der Vorbild für die Figur war. | In diesen Film, der eine Anlehnung an „Ein Weihnachtslied in Prosa“ von Dickens ist, kommt Dagobert (engl. Scrooge Mc Duck) wieder zu seinen Anfängen, indem er als Ebenezer auftritt, der Vorbild für die Figur war. | ||
*''[[DuckTales: Der Film – Jäger der verlorenen Lampe]]'' (1990, „Duck Tales: The Movie, Treasure of the Lost Lamp“) | *''[[DuckTales: Der Film – Jäger der verlorenen Lampe]]'' (1990, „Duck Tales: The Movie, Treasure of the Lost Lamp“) | ||
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* ''[[Mickey Mouse Club]]'' (TV-Sendung, 1955) | * ''[[Mickey Mouse Club]]'' (TV-Sendung, 1955) | ||
Dagobert Duck hat einen kurzen Auftritt im Vorspann der Sendung. | Dagobert Duck hat einen kurzen Auftritt im Vorspann der Sendung. | ||
* 1983 oder | * 1983 oder ’84 erschien ein Werbespot mit Dagobert Duck, den [[Volker Reiche]] zeichnete. <ref>Jebe, Richard F. (1999). „Der Donaldist-Sonderheft 38: D.O.N.A.L.D.-Kalender 2000. Thema: Donald Duck im Trickfilm“ S. 54-59: „Die Werbefilme des Volker Reiche“. </ref> | ||
*''[[Goofy im Fußballfieber]]'' (TV-Special, 1986, „Sport Goofy in Soccer Mania“) | *''[[Goofy im Fußballfieber]]'' (TV-Special, 1986, „Sport Goofy in Soccer Mania“) | ||
Onkel Dagobert (gesprochen von Will Ryan) spendet einen alten, verbeulten Pokal als Siegestrophäe für Tick, Trick und Tracks Fußballturnier. | Onkel Dagobert (gesprochen von Will Ryan) spendet einen alten, verbeulten Pokal als Siegestrophäe für Tick, Trick und Tracks Fußballturnier. | ||
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===Direct-to-DVD-Produktionen=== | ===Direct-to-DVD-Produktionen=== | ||
* | * „Mickey’s Once Upon a Christmas“ im Segment „Stuck On Christmas“ (1999) | ||
* | * „Mickey’s Twice Upon a Christmas“ im Segment „Christmas: Impossible“ (2004) | ||
== Videospiele == | == Videospiele == | ||
[[Datei:Ducktales2.jpg|thumb|rechts|Dagobert wird von Mac Moneysac konfrontiert (© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | [[Datei:Ducktales2.jpg|thumb|rechts|Dagobert wird von Mac Moneysac konfrontiert (© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | ||
Schon bei seinem Debüt im 1989 erschienen Plattformer ''[[DuckTales 1|DuckTales]]'' für das [[Nintendo Entertainment System]] erhielt Dagobert Duck einen großen Part zugestanden und stellt den spielbaren Protagonisten dar. Genau wie in der Serienvorlage geht Dagobert hier auf eine gefährliche Schatzsuche und muss sich zahlreichen Feinden wie den Panzerknackern oder Gundel Gaukeley in den Weg stellen. Aufgrund des großen Erfolgs erhielt der Titel mit ''[[DuckTales 2]]'' einen Nachfolger, 2013 erschien mit ''[[DuckTales: Remastered]]'' zudem eine Neuauflage des Klassikers. Auch in ''[[DuckTales – The Quest for Gold]]'' erhielt der Enterich die Hauptrolle und liefert sich mit Mac Moneysac ein Duell um den Preis für den besten Geschäftsmann. Im [[Handyspiel]] ''[[DuckTales: | Schon bei seinem Debüt im 1989 erschienen Plattformer ''[[DuckTales 1|DuckTales]]'' für das [[Nintendo Entertainment System]] erhielt Dagobert Duck einen großen Part zugestanden und stellt den spielbaren Protagonisten dar. Genau wie in der Serienvorlage geht Dagobert hier auf eine gefährliche Schatzsuche und muss sich zahlreichen Feinden wie den Panzerknackern oder Gundel Gaukeley in den Weg stellen. Aufgrund des großen Erfolgs erhielt der Titel mit ''[[DuckTales 2]]'' einen Nachfolger, 2013 erschien mit ''[[DuckTales: Remastered]]'' zudem eine Neuauflage des Klassikers. Auch in ''[[DuckTales – The Quest for Gold]]'' erhielt der Enterich die Hauptrolle und liefert sich mit Mac Moneysac ein Duell um den Preis für den besten Geschäftsmann. Im [[Handyspiel]] ''[[DuckTales: Scrooge’s Loot]]'' muss Dagobert hingegen sein Vermögen von den Panzerknackern zurückerobern. | ||
Anfang der 1990er trat Dagobert auch in diversen Plattformern mit Donald Duck als Titelheld auf. Hier überlässt er in Titeln wie ''[[Lucky Dime Caper]]'' und ''[[Deep Duck Trouble Starring Donald Duck]]'' seinen Neffen das Abenteuer. Einen kürzeren Auftritt erhielt Dagobert außerdem im 1991 veröffentlichten ''[[Quackshot]]''. In der Folgezeit trat Dagobert an der Seite von anderen Disney-Charakteren auf. So etwa als Inhaber eines Vergnügungsparks in ''[[ | Anfang der 1990er trat Dagobert auch in diversen Plattformern mit Donald Duck als Titelheld auf. Hier überlässt er in Titeln wie ''[[Lucky Dime Caper]]'' und ''[[Deep Duck Trouble Starring Donald Duck]]'' seinen Neffen das Abenteuer. Einen kürzeren Auftritt erhielt Dagobert außerdem im 1991 veröffentlichten ''[[Quackshot]]''. In der Folgezeit trat Dagobert an der Seite von anderen Disney-Charakteren auf. So etwa als Inhaber eines Vergnügungsparks in ''[[Disney’s Party]]'' oder in ''[[Disney Sports Football]]'', wo er als Schiedsrichter jede Partie pfeift. Nachdem Dagobert im 2003 gestarteten Onlinespiel ''[[Toontown Online]]'' abermals als Nebencharakter auftritt, gehört er in ''[[Disney Th!nk – Das Schnelldenker-Quiz]]'', ''[[Disney All-Star Racers]]'' oder ''[[Disney Mirrorverse]]'' dem Teilnehmerfeld an. Beiweilen tritt Dagobert auch an Seite von Micky Maus auf, wie etwa in ''[[Micky Epic: Macht der Fantasie]]'' oder im [[Remake]] von ''[[Castle Of Illusion Starring: Mickey Mouse (2013)|Castle of Illusion]]''. In ''[[Disney Magical World]]'' und ''[[Disney Magical World 2]]'' ist Dagobert Inhaber eines großen Kaufhauses. Seine unternehmerischen Fähigkeiten stellt er ebenfalls in ''[[Disney Dreamlight Valley]]'' unter Beweis. In der DLC-Erweiterung „C.A.S.H.“ des Plattformers ''[[Illusion Island]]'' wohnt Dagobert den Abenteuern von [[Fab Five|Micky und seinen Freunden]] auf der Insel Monoth bei. | ||
[[Bild:Dagobert BBS.png|thumb|left|Dagobert in ''[[Kingdom Hearts: Birth by Sleep]]'' (© Disney)]] | [[Bild:Dagobert BBS.png|thumb|left|Dagobert in ''[[Kingdom Hearts: Birth by Sleep]]'' (© Disney)]] | ||
Seit seinem Debüt in ''[[Kingdom Hearts II]]'' im Jahr 2005 ist Dagobert Duck ein fester Bestandteil der Videospielserie. Aufgrund seiner guten Freundschaft zu König Micky erfuhr er schon früh von der Existenz anderer Welten und reiste umher, um seine wirtschaftliche Tätigkeit in den Welten voranzutreiben. Anfangs wohnt er gemeinsam mit seinen Großneffen in Hollow Bastion und unterhält dort ein Eiskremgeschäft. [[Sora]], Donald und [[Goofy]] treffen bei ihrem ersten Besuch in der Stadt auf ihn. Nach [[Xemnas]] | Seit seinem Debüt in ''[[Kingdom Hearts II]]'' im Jahr 2005 ist Dagobert Duck ein fester Bestandteil der Videospielserie. Aufgrund seiner guten Freundschaft zu König Micky erfuhr er schon früh von der Existenz anderer Welten und reiste umher, um seine wirtschaftliche Tätigkeit in den Welten voranzutreiben. Anfangs wohnt er gemeinsam mit seinen Großneffen in Hollow Bastion und unterhält dort ein Eiskremgeschäft. [[Sora]], Donald und [[Goofy]] treffen bei ihrem ersten Besuch in der Stadt auf ihn. Nach [[Xemnas]]’ Niederlage kehrt Dagobert kurzzeitig in das Disney-Schloss zurück. Im Prequel ''[[Kingdom Hearts: Birth by Sleep]]'' residiert er in Radiant Garden und tritt in allen drei Handlungssträngen auf. So hilft er etwa [[Aqua]] bei ihrer Suche nach [[Terra]] und schenkt [[Ventus]] Eintrittskarten für das Festival in Disney-Stadt. Außerdem sieht man Dagobert kurzzeitig im Epilog, wo er nach [[Terra-Xehanort]]s Niederlage Meersalzeis an [[Lea]] und Isa verkauft. In ''[[Kingdom Hearts III]]'' eröffnet Dagobert gemeinsam mit Remy aus [[Ratatouille]] das Restaurant „Le Grand Bistrot“ in Twilight Town. | ||
Dagobert tritt zudem im [[Kingdom Hearts (Manga)|Manga von Kingdom Hearts]] auf. | Dagobert tritt zudem im [[Kingdom Hearts (Manga)|Manga von Kingdom Hearts]] auf. | ||
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Bei der Frage, wieviel Geld Dagobert Duck denn nun eigentlich habe, kommt man häufig zu unterschiedlichen Zahlen. Die Zeichner, Texter und Übersetzer lassen dabei gerne ihrer Fantasie freien Lauf, obgleich Dagobert sein Geld üblicherweise per Pegelstand und auch in Kubikhektar misst. | Bei der Frage, wieviel Geld Dagobert Duck denn nun eigentlich habe, kommt man häufig zu unterschiedlichen Zahlen. Die Zeichner, Texter und Übersetzer lassen dabei gerne ihrer Fantasie freien Lauf, obgleich Dagobert sein Geld üblicherweise per Pegelstand und auch in Kubikhektar misst. | ||
===Vermögensquantifizierungen=== | ===Vermögensquantifizierungen und Steuerlast=== | ||
[[Bild:Dagoberts Taler.jpg|thumb|right|Dagoberts Vermögen in einer anderen Version (© Disney)]] | [[Bild:Dagoberts Taler.jpg|thumb|right|Dagoberts Vermögen in einer anderen Version (© Disney)]] | ||
Je nach Quelle besitzt Onkel Dagobert (in der deutschen Version) | Je nach Quelle besitzt Onkel Dagobert (in der deutschen Version): | ||
*13 Trillionen, 224 Billionen, 567 Milliarden, 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer ([[DDSH 7]], S. 3) | *13 Trillionen, 224 Billionen, 567 Milliarden, 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer ([[DDSH 7]], S. 3) | ||
*500 Trillionen, 253 Billiarden, 675 Billionen, 123 Milliarden, 934 Millionen, 300 500 Taler und 13 Kreuzer ([[DDSH 18]], S. 49) | *500 Trillionen, 253 Billiarden, 675 Billionen, 123 Milliarden, 934 Millionen, 300 500 Taler und 13 Kreuzer ([[DDSH 18]], S. 49) | ||
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*6 Billionen, 48 Milliarden, 25 Millionen, 103 409 Taler und 65 Kreuzer (Gesamtvermögen – [[LTB 3]], S.7) | *6 Billionen, 48 Milliarden, 25 Millionen, 103 409 Taler und 65 Kreuzer (Gesamtvermögen – [[LTB 3]], S.7) | ||
*5 Pimpillionen, 396 Tripstrillionen (Gesamtvermögen – [[DDSH 78]], S.50) | *5 Pimpillionen, 396 Tripstrillionen (Gesamtvermögen – [[DDSH 78]], S.50) | ||
*30 Phantastillionen (''Das Phantastillionenjubiläum'', [[LTB 53]]) | |||
*29 Fantastillionen, 42 Quadrillionen, 87 Billionen, 978 Milliarden, 313 Millionen, 461356 Taler und 18 Kreuzer (Vermögen – [[LTB 373]], S. 21) | *29 Fantastillionen, 42 Quadrillionen, 87 Billionen, 978 Milliarden, 313 Millionen, 461356 Taler und 18 Kreuzer (Vermögen – [[LTB 373]], S. 21) | ||
*5 Fantastilliarden, 9 Trillionen Taler und 16 Kreuzer (Barvermögen – [[Sein Leben, seine Milliarden]], S. 9) | *5 Fantastilliarden, 9 Trillionen Taler und 16 Kreuzer (Barvermögen – [[Sein Leben, seine Milliarden]], S. 9) | ||
*276, 83 Fantastlliarden und 16 Kreuzer (''[[Die Linsen aus Babylonien]]'') | *276, 83 Fantastlliarden und 16 Kreuzer (''[[Die Linsen aus Babylonien]]'') | ||
*6 Fantastilliarden (werden erstmalig erreicht in ''Im Modus der D.R.A.N.G.S.A.L.'', [[LTB 594]]) | |||
Der „Fantastillionär“ ist wie der inzwischen etabliertere „Fantastilliardär“ eine Umschreibung für Onkel Dagobert und steht für eine Größenordnung, die eine hyperbolische, unermesslich hohe, aber ungenaue Zahl darstellt. Der Begriff, der in den Abenteuern von Onkel Dagobert häufig verwendet wird, um seinen Reichtum zu beschreiben, hat sich in der Umgangssprache verbreitet, um unverhältnismäßig hohe Zahlen auszudrücken – so ist der Begriff heute in zahlreichen Online-Wörterbüchern der italienischen Sprache zu finden. Die Zahl ergibt sich aus der Vorsilbe ''fantasti-(co)'' und ''(mi)-lione'' wie in milione, bilione usw.<ref>https://it.wikipedia.org/wiki/Fantastilione abgerufen am 17.10.2025</ref> | |||
Obwohl ein Fantastillion numerisch als kleiner als eine Fantastilliarde angesehen werden kann, gibt es in der Disney-Literatur einige Hinweise, die das Gegenteil beweisen würden. In dem Abenteuer ''Das Phantastillionenjubiläum'' (1957, [[LTB 53]]) wird eine Fantastillion im italienischsprachigen Original als 10^111 definiert, also 100.000.000.000 Googol: Eine Zahl, die deutlich höher ist als die, die [[Gian Giacomo Dalmasso]] im Prolog ([[Rahmenhandlung]]) zuweist, nämlich hunderttausend Milliarden oder 10^14. In der deutschen Übersetzung wurde die konkrete Sprechblase Dagoberts einfach mit Nullen ausgefüllt. | |||
Denn ein Großunternehmer wie Dagobert Duck hat natürlich kein ruhendes Vermögen, sondern verzeichnet ständig Vermögenszu- und -abgänge. Zu nennen ist etwa die „halbstündige Zuwachsrate aus den | In der amerikanischen Fassung besitzt Onkel Dagobert jede nach Quelle:<ref>Peter Kylling (10.11.2002). „Scrooge’s wealth“. [https://cbarks.dk/theserieswealth.htm cbarks.dk]</ref><ref>„史高治叔叔到底多有钱?“ [https://www.zhihu.com/question/30736946/answer/3304275956 zhihu.com]</ref> | ||
Dagobert selbst umschreibt seine Geldeinnahmen pro Tag folgendermaßen: „Knapp eine Milliarde! Den Sonntag nicht mitgerechnet.“ (MM 23/82, S. 4). Laut Tick, Trick und Track betragen seine Tageseinnahmen 10 bis 12 Millionen Taler ([[LTB 100]], S. 70). | *250 umptillion fabulatillion dollars<ref>[[Der Käse von Kirkebö]]</ref> | ||
*315,360,000,000,000,000<ref>[[Die magische Sanduhr]]</ref> | |||
*500,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000.16 dollars<ref>[[Unternehmen Inselfrieden]]</ref> | |||
*Five Billion Quadroplatillion Umptuplatillion Multiplatillion Fantasticatillion Centrifugalillion Dollars and sixteen cents<ref>[[Die Kohldampf-Insel]]</ref> | |||
*Five hundred triplicatillion multipludillion quadruplicatillion centrifugalillion dollars and sixteen cents<ref>[[Eingefrorenes Geld]]</ref> | |||
*Four Fantasticatillion, nine Trillion Dollars and sixteen cents{{Quelle nötig}} | |||
*Nine Fantasticatillion, four Billion Jillion Centriffugalillion Dollars and sixteen cents<ref>[[Der richtige Erbe]]</ref> | |||
*Nine hundred fantasticatillion, seven hundred doubledecadecillion, eight hundred kumquatmafrillion ...<ref>[[Eine haarige Geschichte]]</ref> | |||
*One multiplujillion, nine obsquatumatillion, six hundred and twenty-three dollars and sixty-two cents<ref>[[Der zweitreichste Mann der Welt]]</ref> | |||
*One quadrillion amplifatillion dollars<ref>[[Der Kugeltank]]</ref> | |||
*One umptillion uncountabalillions of dollars<ref>[[Grüner Salat]]</ref> | |||
*Seven hundred and eighty-eight billion, four hundred and twenty-three million seventeen dollars and sixteen cents<ref>[[Wehe dem, der Schulden macht!]]</ref> | |||
*Ten skyrillion dollars<ref>[[Der verlorene Zehner]]</ref> | |||
*Three cubic acres (das entspräche etwa 772 000 Kubikmeter)<ref>z. B. in [[Weihnachten für Kummersdorf]], [[Die sieben Städte von Cibola]], [[Der reichste Mann der Welt (1952)]] erwähnt</ref> | |||
Solche Angaben sind natürlich prinzipiell mit Vorsicht zu genießen, denn man weiß oft nicht, wie sie eigentlich gemeint sind: Beziehen sie sich bspw. nur auf den Bargeldbestand oder umfassen sie auch das Giralgeld, sind sämtliche Vermögenswerte (Kapitalanlagen, Wertsachen, Fabriken, ...) mit eingerechnet? Denn ein Großunternehmer wie Dagobert Duck hat natürlich kein ruhendes Vermögen, sondern verzeichnet ständig Vermögenszu- und -abgänge. Zu nennen ist etwa die „halbstündige Zuwachsrate aus den Duck’schen Unternehmungen“ ([[LTB 16]], S. 141). Man sieht auch, wie Hubschrauber den Geldspeicher aus der Luft mit Geld befüllen ([[DD 111]], S. 71). Dagobert selbst umschreibt seine Geldeinnahmen pro Tag folgendermaßen: „Knapp eine Milliarde! Den Sonntag nicht mitgerechnet.“ (MM 23/82, S. 4). Laut Tick, Trick und Track betragen seine Tageseinnahmen 10 bis 12 Millionen Taler ([[LTB 100]], S. 70). | |||
Wie er auch selbst einräumt, steigt und fällt die Höhe seines Einkommens immer recht schnell (MM 37/03, S. 36). | Wie er auch selbst einräumt, steigt und fällt die Höhe seines Einkommens immer recht schnell (MM 37/03, S. 36). | ||
Für ein derartig riesiges Vermögen muss Dagobert entsprechend riesige Steuersummen zahlen. Laut Don Rosa sichern einzig Dagoberts Steuern den Erhalt der Stadt Entenhausen. | Ein Versuch der Vermögensquantifizierung ist eine Schätzung anhand des gefüllten Geldspeichers. Für weitere Informationen zur Größe des Geldspeichers siehe [[Geldspeicher#Standort, Aussehen und Größe|hier]]. | ||
Dagoberts Verhältnis mit dem Finanzamt wird in Geschichten wie ''[[Seine Majestät Dagobert I.]]'' ([[Don Rosa]]) oder ''Die Steuerprüfung'' ([[Flemming Andersen]], [[LTB 268]]) beschrieben. | |||
Für ein derartig riesiges Vermögen muss Dagobert entsprechend riesige Steuersummen zahlen. Laut Don Rosa sichern einzig Dagoberts Steuern und Geschäfte den Erhalt der Stadt Entenhausen.<ref>In „[[Seine Majestät Dagobert I.]]“ wendet sich der [[Bürgermeister]] an ihn, als Dagobert droht, nicht nur keine weiteren Steuern zu zahlen, sondern auch seine bisherigen Steuern zurückzuverlangen. Er meint kleinlaut, dass diese Forderung das Ende von Entenhausen wäre.<br>„[[Der Duck, den es nie gab]]“ bildet teilweise eine alternative Realität dar, in der durch Donalds Fehlen alles etwas anders ist. Als Dagobert in dieser alternativen Realität sein Vermögen verliert, kauft [[Mac Moneysac]] seine Geschäfte auf und bringt diese nach Afrika, was Entenhausen laut [[Franz Gans]] in eine Geisterstadt verwandelt.</ref> | |||
Dagoberts angespanntes Verhältnis mit dem Finanzamt wird in Geschichten wie ''[[Seine Majestät Dagobert I.]]'' ([[Don Rosa]]) oder ''Die Steuerprüfung'' ([[Flemming Andersen]], [[LTB 268]]) beschrieben. Immer wieder verfällt er auf verrückte Ideen, um Steuern zu sparen. In ''Onkel Dagobert hoch drei'' (1970, u. a. [[LTB 89]]) spaltet Onkel Dagobert nicht nur seine Person in drei getrennte Persönlichkeiten, sondern auch die Gewinne aus seinem (gedritteltem) Finanzimperium, um Steuern zu sparen, wie er sogar anhand einer Beispielrechnung erläutert. | |||
In einer Vielzahl von Geschichten versucht Onkel Dagobert, die ihm aufgebürdete städtische Steuerlast zu umgehen – was nicht selten dazu führt, dass sich zwischen dem reichsten Mann der Welt und dem [[Bürgermeister]] (und dessen Verwaltungsapparat) ein kreativ ausgefochtener Konflikt entbrennt (siehe dazu beispielsweise ''Flucht nach Duckland'' ([[LTB 373]]), ''Onkel Dagoberts Steuerparadies'' ([[LTB 461]]) oder ''Der Kaiser von Talerhausen'' ([[LTB 467]], [[LTB Spezial 100]]). | |||
===Forbes-Liste der 15 reichsten fiktiven Figuren=== | ===Forbes-Liste der 15 reichsten fiktiven Figuren=== | ||
Bei den <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Fictional_15 Forbes Fictional Fifteen]</span>, der Liste der 15 reichsten fiktiven Figuren, ist Dagobert stets vorne mit dabei. 2007 führte er die Liste an,<ref>[https://www.forbes.com/2007/12/10/forbes-fictional-rich-oped-books-cx_fict1507_sort.html | Bei den <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Fictional_15 Forbes Fictional Fifteen]</span>, der Liste der 15 reichsten fiktiven Figuren, ist Dagobert stets vorne mit dabei. 2007 führte er die Liste an,<ref>[https://www.forbes.com/2007/12/10/forbes-fictional-rich-oped-books-cx_fict1507_sort.html Forbes Fictional 15 (2007)], forbes.com.</ref>, in den Jahren 2008<ref>[https://www.forbes.com/2008/12/18/scrooge-mcduck-money-oped-fictional1508-cx_de_1218scrooge.html Michael Noer: No. 2 McDuck, Scrooge], forbes.com, 18.12.2008, abgerufen am: 05.12.2018</ref> und 2010.<ref>[https://www.forbes.com/2010/04/13/scrooge-mcduck-bio-opinions-fictional-15-10-scrooge.html Matthew Herper: No. 2 McDuck, Scrooge], forbes.com, 14.04.2010, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> belegte er Platz Zwei (hinter Uncle Sam<ref>[https://www.forbes.com/2008/12/18/uncle-sam-money-oped-fictional1508-cx_mn_1218unclesam.html Michael Noer: No. 1 Uncle Sam], forbes.com, 18.12.2008, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> bzw. Carlisle Cullen<ref>[https://www.forbes.com/2010/04/13/carlisle-cullen-bio-opinions-fictional-15-10-twilight.html#5f68ada029ad Nicole Perloth: No. 1 Cullen, Carlisle], forbes.com, 14.04.2010, abgerufen am: 05.12.2018.</ref>). Im Jahr 2011 gelang es ihm er wegen des stark gestiegenen Goldpreises, wieder auf den ersten Platz vorzurücken,<ref>[https://www.forbes.com/sites/davidewalt/2011/04/06/the-forbes-fictional-15/ David M. Ewalt: The 2011 Forbes Fictional 15], forbes. com, 06.04.2011, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> den er 2012 wegen einer angeblichen Wette mit Mac Moneysac wieder verlor<ref>[https://www.forbes.com/sites/davidewalt/2012/04/20/2012-forbes-fictional-15/#ffce7ee3f5d2 David M. Ewalt: The Forbes Fictional 15], forbes.com, 12.04.2012, abgerufen am: 05.12.2018.</ref>, 2013 aber zurückeroberte.<ref>[https://www.forbes.com/sites/davidewalt/2013/07/31/the-2013-forbes-fictional-15/#59aebc8367ff David M. Ewalt: The Forbes Fictional 15], forbes.com, 31.07.2013, abgerufen am: 05.12.2018.</ref> | ||
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*2018: 1<ref>[https://www.tomkox.net/2018/09/forbes-list-of-fictional-billionaires Forbes List Of Fictional Billionaires 2018] tomkox.net, abgrufen am: 05.12.2018.</ref> | *2018: 1<ref>[https://www.tomkox.net/2018/09/forbes-list-of-fictional-billionaires Forbes List Of Fictional Billionaires 2018] tomkox.net, abgrufen am: 05.12.2018.</ref> | ||
== | ==Näheres Umfeld== | ||
===Dagoberts Angestellte=== | ===Dagoberts Angestellte=== | ||
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[[Bild:Kunstvoll-gescheitert.jpg|200px|thumb|right|Dagobert mit seinem treuen Butler Baptist.]] | [[Bild:Kunstvoll-gescheitert.jpg|200px|thumb|right|Dagobert mit seinem treuen Butler Baptist.]] | ||
Es kommen mehrere Butler von Onkel Dagobert in den Comics vor: | Es kommen mehrere Butler von Onkel Dagobert in den Comics vor: | ||
*Gleich bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]'' bekam Dagobert einen Butler namens Franz. Dieser wurde jedoch lange nicht wiederverwendet, erst in ''[[Der Einsiedler der Villa Duck]]'' von [[Don Rosa]] war er wieder zu sehen. Laut Don Rosa war | *Gleich bei seinem Erstauftritt in ''[[Die Mutprobe]]'' bekam Dagobert einen Butler namens Franz. Dieser wurde jedoch lange nicht wiederverwendet, erst in ''[[Der Einsiedler der Villa Duck]]'' von [[Don Rosa]] war er wieder zu sehen. Laut Don Rosa war er also Dagoberts Butler während seiner Zeit in der Villa, nach seiner Rückkehr in den Geldspeicher hat er ihn wohl entlassen. | ||
*In ''Die Mutprobe'' bekam Dagobert auch einen Chauffeur namens Fritz, der allerdings auch nur in ''Der Einsiedler der Villa Duck'' wiederverwendet wurde und daher wohl auch nach Dagoberts Rückkehr in den Geldspeicher entlassen wurde. | *In ''Die Mutprobe'' bekam Dagobert auch einen Chauffeur namens Fritz, der allerdings auch nur in ''Der Einsiedler der Villa Duck'' wiederverwendet wurde und daher wohl auch nach Dagoberts Rückkehr in den Geldspeicher entlassen wurde. | ||
*In den LTB bis ca. Band 100 war '''[[Johann]]''' normalerweise sein Butler, obwohl er | *In den LTB bis ca. Band 100 war '''[[Johann]]''' normalerweise sein Butler, obwohl er | ||
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*Im [[LTB 107]], sowie in anderen Comics (z.B. [[Disney Paperback]] – Der Dax der Ducks), gab es auch einen Butler namens '''Josef''', der in LTB 107 in Wirklichkeit ein verkleideter [[Panzerknacker]] ist. | *Im [[LTB 107]], sowie in anderen Comics (z.B. [[Disney Paperback]] – Der Dax der Ducks), gab es auch einen Butler namens '''Josef''', der in LTB 107 in Wirklichkeit ein verkleideter [[Panzerknacker]] ist. | ||
*In der Serie ''[[Duck Tales]]'' heißt Dagoberts Diener '''[[Johann]]'''. | *In der Serie ''[[Duck Tales]]'' heißt Dagoberts Diener '''[[Johann]]'''. | ||
*In ''Die Erbschaft'' zeichnete [[Frank McSavage]] gleich zwei Bedienstete; zum Einen seinen Butler '''Anton''' sowie zum Anderen den Chauffeur '''Friedrich'''. | |||
====Sekretärinnen und Sekretäre==== | ====Sekretärinnen und Sekretäre==== | ||
*Bis heute am häufigsten verwendet wird Fräulein [[Rita Rührig]], eine nette, ältere Sekretärin, die auch mal die ein oder andere Geschichte über Dagobert erzählt. | *Bis heute am häufigsten verwendet wird Fräulein [[Rita Rührig]], eine nette, ältere Sekretärin, die auch mal die ein oder andere Geschichte über Dagobert erzählt. | ||
*Auch [[Fräulein Emsig]] ist eine öfters auftauchende Sekretärin Dagoberts. | *Auch [[Fräulein Emsig]] ist eine öfters auftauchende Sekretärin Dagoberts. | ||
*Manchmal ist auch Daisy eine Sekretärin Dagoberts (bspw. in MM-M 05/ | *Manchmal ist auch Daisy eine Sekretärin Dagoberts (bspw. in [[MM-M]] 05/2010) | ||
*Es gibt auch die im Englischen '' | *Es gibt auch die im Englischen ''[[Herr Treulich|Clerkly]]'' genannte Figur. Im Deutschen wird dieser freundliche Sekretär am Häufigsten mit ''Treulich'', ''Herr Stift'' oder selten ''Stiftle'' (bspw. in der Geschichte ''Das große Geld'' in [[DDSH 241]] (2007)), aber auch mit diversen anderen Namen übersetzt. | ||
===Verwandtschaft=== | ===Verwandtschaft=== | ||
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*der Bruder von [[Dettmar Duck]] (''Gedeone de Paperoni'') | *der Bruder von [[Dettmar Duck]] (''Gedeone de Paperoni'') | ||
*Laut [[Marco Rota]] nahm Dagobert zusammen mit Dorette das Findelkind Donald auf, später stellte sich heraus, dass dieser sogar sein leiblicher Neffe ist | *Laut [[Marco Rota]] nahm Dagobert zusammen mit Dorette das Findelkind Donald auf, später stellte sich heraus, dass dieser sogar sein leiblicher Neffe ist | ||
… laut dem DuckTales Reboot … | |||
stellt sich im Serienfinale heraus, dass er der Vater von Nicki ist, bei der es sich um Dicky handelt. | |||
===Feinde=== | ===Feinde=== | ||
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===Dagobert und die Frauen=== | ===Dagobert und die Frauen=== | ||
Mit ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'' gab Barks Dagobert eine Jugendliebe, [[Nelly]], und stellte ihn damit erstmals in der Rolle des Liebhabers dar. Während das Verhältnis von Dagobert und Nelly auf gegenseitiger Anziehung beruht, wobei beide diese zu leugnen versuchen, ist das Verhältnis von Dagobert zu seiner Verehrerin [[Gitta Gans]], die von [[Romano Scarpa]] erfunden und erstmals in der Geschichte ''[[Der letzte Gulu-Gulu]]'' verwendet wurde, zumindest auf den ersten Blick von tiefer Abneigung seinerseits getragen. Gitta, die ihm wiederholt nachstellt, kassiert damit eine Abfuhr nach der anderen. In einigen Comics relativiert Scarpa allerdings das Verhältnis. In ''Die Formel des Reichtums'' ([[LTB 217]]) lernt Dagobert Gitta zu schätzen, zeigt sich um ihr Wohlergehen besorgt und schließt: „Sie wäre sicher eine gute Frau für mich ... wenn ich es je vorhaben sollte zu heiraten!“ | Mit ''[[Wiedersehn mit Klondike]]'' gab Barks Dagobert eine Jugendliebe, [[Nelly]], und stellte ihn damit erstmals in der Rolle des Liebhabers dar. Während das Verhältnis von Dagobert und Nelly auf gegenseitiger Anziehung beruht, wobei beide diese zu leugnen versuchen, ist das Verhältnis von Dagobert zu seiner Verehrerin [[Gitta Gans]], die von [[Romano Scarpa]] erfunden und erstmals in der Geschichte ''[[Der letzte Gulu-Gulu]]'' verwendet wurde, zumindest auf den ersten Blick von tiefer Abneigung seinerseits getragen. Gitta, die ihm wiederholt nachstellt, kassiert damit eine Abfuhr nach der anderen. In einigen Comics relativiert Scarpa allerdings das Verhältnis. In ''Die Formel des Reichtums'' ([[LTB 217]]) lernt Dagobert Gitta zu schätzen, zeigt sich um ihr Wohlergehen besorgt und schließt: „Sie wäre sicher eine gute Frau für mich ... wenn ich es je vorhaben sollte zu heiraten!“ | ||
[[Datei:Alte-Liebe-rostet-nicht.jpg|mini|rechts|Molly McGold (© Egmont Ehapa)]] | |||
In anderen italienischen Geschichten finden sich noch etliche weitere, nur gelegentlich auftauchende Jugendlieben Dagoberts. | |||
Als Beispiel wäre die toughe Geschäftsfrau Molly McGold (bei ihrem zweiten Auftritt ''Emily Emsig'') zu nennen, die wie Onkel Dagobert selbst in jungen Jahren Geschäfte in Entenhausen aufnahm und deren unternehmerische Tätigkeiten von einem einfachen Straßenverkauf über ein Ladengeschäft bis hin zu einem wahren Finanzimperium anwuchsen. Später errichtete Molly einen ähnlichen Geldspeicher wie Onkel Dagobert und aß regelmäßig mit ihm zu Abend. Es wird angedeutet, dass Dagobert sie zu seiner Frau nehmen wollte. Jedoch verließ Molly Entenhausen, als sie sich mit einem Bauvorhaben finanziell übernahm und keine Hilfe von Onkel Dagobert annehmen wollte, da sie davon ausging, er würde sie nicht als gleichrangig betrachten. Später kehrte sie in ''Alte Liebe rostet nicht'' (u.a. [[DD 425]]) jedoch zurück und riss bei Onkel Dagobert alte Wunden wieder auf. Einen weiteren Auftritt hat sie in ''Der Mann, den die Frauen lieben'' (u.a. [[DD 527]]) und schwärmt dort von Onkel Dagoberts romantischen Seiten. | |||
Des Weiteren berichtet Onkel Dagobert in ''Die Traum-Schublade'' ([[LTB 233]]) von seiner Jugendliebe Donatella. | |||
Innerhalb der vom finnischen Künstler [[Kari Korhonen]] geschaffenen [[Comicserie]] ''[[Damals]]'' trifft Onkel Dagobert in ''Der beste Löwe'' ([[DDSH 448]]) am angesehenen Duckford Institut auf die hübsche Studentin Millie, die ihm dabei hilft, die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Der kernige Cowboy Dagobert hat allerdings noch andere Verehrerin, die er gar nicht beachtet. Am Ende verabschieden sich Millie und Dagobert voneinander, doch in späteren Abenteuern eirnnert sich Dagobert an seine Freundin zurück. | |||
==Weitere Veröffentlichungen== | ==Weitere Veröffentlichungen== | ||
[[Bild:Gut gemeinter Geldraub.jpg|200px|thumb| | [[Bild:Gut gemeinter Geldraub.jpg|200px|thumb|rechts|Dagobert geht meist nicht sehr zimperlich mit seinen Gegnern um. (© Egmont Ehapa)]] | ||
Dagobert Duck wurde vom [[Egmont Ehapa Verlag]] zur Titelfigur für das Taschenbuch ''[[Dagobert Duck (Taschenbuch)|Onkel Dagobert]]'' gemacht. Dieses Heft ist ähnlich wie ein ''[[Donald Duck (Taschenbuch)|Donald Duck]]'' Heftchen aufgebaut, z. B. umfasst das Heft auch [[Micky Maus]] Geschichten. | Dagobert Duck wurde vom [[Egmont Ehapa Verlag]] zur Titelfigur für das Taschenbuch ''[[Dagobert Duck (Taschenbuch)|Onkel Dagobert]]'' gemacht. Dieses Heft ist ähnlich wie ein ''[[Donald Duck (Taschenbuch)|Donald Duck]]'' Heftchen aufgebaut, z. B. umfasst das Heft auch [[Micky Maus]] Geschichten. | ||
''[[Onkel Dagobert (Taschenbuch)|Onkel Dagobert]]'' war eine [[Comicreihe]], die von 1987 bis 1993 beim Egmont Ehapa Verlag im Taschenbuchformat erschien. Sie hat das gleiche Format wie die Comicreihen ''Donald Duck'' und ''[[Panzerknacker & Co]]''. Insgesamt gab es 82 Ausgaben. Jede Ausgabe hatte 100 Seiten und wurde für 3,80 DM verkauft. | ''[[Onkel Dagobert (Taschenbuch)|Onkel Dagobert]]'' war eine [[Comicreihe]], die von 1987 bis 1993 beim Egmont Ehapa Verlag im Taschenbuchformat erschien. Sie hat das gleiche Format wie die Comicreihen ''Donald Duck'' und ''[[Panzerknacker & Co]]''. Insgesamt gab es 82 Ausgaben. Jede Ausgabe hatte [[Hundertseiter|100 Seiten]] und wurde für 3,80 DM verkauft. | ||
Die Ausgaben 1 bis 4 waren deutsche Versionen der dänischen Panzerknacker-Hefte „Bjørne-Banden“, die meisten folgenden Ausgaben waren Übersetzungen der dänischen Micky-Maus-Hefte. | Die Ausgaben 1 bis 4 waren deutsche Versionen der dänischen Panzerknacker-Hefte „Bjørne-Banden“, die meisten folgenden Ausgaben waren Übersetzungen der dänischen Micky-Maus-Hefte. | ||
Eine Liste der Onkel-Dagobert-Taschenbücher gibt es [[Liste aller Onkel Dagobert Taschenbücher|hier]]. | Eine Liste der Onkel-Dagobert-Taschenbücher gibt es [[Liste aller Onkel Dagobert Taschenbücher|hier]]. | ||
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*Ungarisch: Dagobert McCsip | *Ungarisch: Dagobert McCsip | ||
*Vietnamesisch: Bác Scrooge | *Vietnamesisch: Bác Scrooge | ||
==Dagobert Duck – Ein Kapitalist?== | ==Dagobert Duck – Ein Kapitalist?== | ||
===Pro=== | ===Pro=== | ||
Oftmals wird Dagobert Duck als Inbegriff des Kapitalisten angesehen<ref name="welt"/><ref name="forschung frankfurt"/><ref name="heise"/>. Die Schülermitverwaltungs-Zeitung ''Wir machen mit'' charakterisierte Dagobert 1969 gar als „Prototyp des Monopolkapitalisten“, der von der Produktivität der Werktätigen lebe und „den Rahm“ abschöpfe; „im Konkurrenzkampf übertrifft er andere Spekulanten und Monopolkapitalisten (nach Marx: ‚Konzentration des Kapitals‘).“<ref name="SPG">[http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=45520582&aref=image036%2F2006%2F01%2F23%2FPPM-SP196904300650067.pdf&thumb=false Comics / „Micky Maus“: Jünger Maos], web-archive, aus: Der Spiegel, Nr. 43/1969, S. 67.</ref> | Oftmals wird Dagobert Duck als Inbegriff des Kapitalisten angesehen<ref name="welt"/><ref name="forschung frankfurt"/><ref name="heise"/>. Die Schülermitverwaltungs-Zeitung ''Wir machen mit'' charakterisierte Dagobert 1969 gar als „Prototyp des Monopolkapitalisten“, der von der Produktivität der Werktätigen lebe und „den Rahm“ abschöpfe; „im Konkurrenzkampf übertrifft er andere Spekulanten und Monopolkapitalisten (nach Marx: ‚Konzentration des Kapitals‘).“<ref name="SPG">[http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=45520582&aref=image036%2F2006%2F01%2F23%2FPPM-SP196904300650067.pdf&thumb=false Comics / „Micky Maus“: Jünger Maos], web-archive, aus: Der Spiegel, Nr. 43/1969, S. 67.</ref> | ||
Als besonders prägend für ein solches Verständnis erwiesen sich Untersuchungen der marxistischen Soziologen Ariel Dorfman und Armand Mattelart. Sie diskutierten in ihrem zuerst 1972 in Chile erschienenem Werk ''Para leer al Pato Donald'', (übersetzt 1975 ins Englische (''How to Read Donald Duck: Imperialist Ideology in the Disney Comic'') und 1977 ins Deutsche (''Walt Disneys ‚Dritte Welt’. Massenkommunikation und Kolonialismus bei Micky Maus und Donald Duck''), das als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit [[Comics]] gilt<ref>[Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 52.]</ref><ref name="DK">[David Kunzle: Dispossession by Ducks: The Imperialist Treasure Hunt in Southeast Asia, in: Art Journal Vol. 49 (1990), No. 2: Depictions of the Dispossessed, S. 159.</ref>, besorgt die Gefahren einer Lektüre von [[Disney]]-Comics durch Kinder.<ref name="Robert Boyd">Vgl. Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 55.</ref><ref>Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 35.</ref> Dabei stellten sie anhand von 100 untersuchten Comics eine ihrer Meinung nach den Comics „den Comics inhärente Ideologie […] einer <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Bourgeoisie bourgeoisen]</span> Fantasiewelt, in der alle Spuren von Produktion […] entfernt worden seien“, fest.<ref>Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 53: „The | Als besonders prägend für ein solches Verständnis erwiesen sich Untersuchungen der marxistischen Soziologen Ariel Dorfman und Armand Mattelart. Sie diskutierten in ihrem zuerst 1972 in Chile erschienenem Werk ''Para leer al Pato Donald'', (übersetzt 1975 ins Englische (''How to Read Donald Duck: Imperialist Ideology in the Disney Comic'') und 1977 ins Deutsche (''Walt Disneys ‚Dritte Welt’. Massenkommunikation und Kolonialismus bei Micky Maus und Donald Duck''), das als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit [[Comics]] gilt<ref>[Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 52.]</ref><ref name="DK">[David Kunzle: Dispossession by Ducks: The Imperialist Treasure Hunt in Southeast Asia, in: Art Journal Vol. 49 (1990), No. 2: Depictions of the Dispossessed, S. 159.</ref>, besorgt die Gefahren einer Lektüre von [[Disney]]-Comics durch Kinder.<ref name="Robert Boyd">Vgl. Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 55.</ref><ref>Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 35.</ref> Dabei stellten sie anhand von 100 untersuchten Comics eine ihrer Meinung nach den Comics „den Comics inhärente Ideologie […] einer <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/wiki/Bourgeoisie bourgeoisen]</span> Fantasiewelt, in der alle Spuren von Produktion […] entfernt worden seien“, fest.<ref>Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 53: „The authors’ purpose was to expose the ideology they believed to be inherent in Disney comics. [… They discovered] Disney comics were a sort of bourgeois fantasy-land where all traces of production […] were excluded“.</ref> Durch das Fehlen von Eltern (an deren Stelle Onkel und Tanten treten) würde eine „verfälschte, sexfreie Welt gezeigt“<ref>Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 53: „Disney ends up creating a aberrant, sexless world.“</ref>, zudem sehe der Leser nie Arbeiter oder Produktionsstätten (und deren Produktionsbedingeungen und Verhältnisse)<ref>Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 52–55 (S. 53).</ref> (der Fakt, dass Donald in vielen Geschichten schlecht bezahlten Beschäftigungen nachgeht, ändere daran nichts, da er nie arbeiten müsse, um zu überleben).<ref>Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 54.</ref> Zudem seien die Schätze, die Familie Duck regelmäßig finde, kein Produkt lebender Personen, sondern stets die Überbleibsel längst vergessener Zivilisationen (auch hier fehle der Blick auf die Industriearbeiter (und deren Ausbeutung)).<ref> Robert Boyd: Uncle $crooge, Imperialist – How to Read Donald Duck, in: The Comics Journal No. 138 (1990), S. 53: „The treasures that Donald is constantly finding are not the products of any living person, but of long dead civilizations that left no heirs.“</ref> | ||
Dieses Bild eines skrupellosen Kapitalisten wurde anschließend in den | Dieses Bild eines skrupellosen Kapitalisten wurde anschließend in den 1990er-Jahren durch den Kunsthistoriker David Kunzle erweitert. Er hatte das Werk Dorfmans und Mattelarts ins Englische übersetzt und mit seinem 1990 auf Deutsch erschienenen Buch ''Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive'', versucht, das von diesen Autoren entwickelte „Modell zur Demaskierung der Ideologie, die in den scheinbar so unschuldigen Produkten der Kinder-Comics versteckt ist“ auf die Duck-Comics anzuwenden.<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 12.</ref> Er stellt Onkel Dagobert in diesem Buch „als eine verachtungswürdige, wenn auch komische Gestalt, welche die unersättliche Gier amerikanischer Konzerne anklagt und sich selbst lächerlich macht“<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 15.</ref>, dar, „in seinem zwanghaften Streben nach Aneignung von Rohstoffen, Arbeitskraft, Geschichte und Kunstschätzen könnte er ein Vorbild für amerikanische Wirtschaftsmagnaten, Pentagon-Beamte und Museumsdirektoren sein“.<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 17.</ref> Kunzle warnt davor, dass „die Politik der wirtschaftlichen Eroberung anderer Länder […], indem sie in spannende, witziger Abenteuer umgesetzt wird, attraktiv und leichter verdaulich gemacht [wird].“<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 16.</ref> In seinem ebenfalls 1990 erschienenen Aufsatz ''Dispossession by Ducks: The Imperialist Treasure Hunt in Southeast Asia'' greift er spezifisch einige Geschichten auf, in der die den Comics zugrunde liegende ''imperialistische Ideologie'' besonders klar erkennbar sei,<ref name="DK"/> und stellt dabei fest: | ||
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Bereits Barks selbst äußerte sich ablehnend zu dieser Einordnung. Er sah Dagobert als „Feind des kapitalistischen Systems“, der den Wettbewerb und das freie Unternehmertum in nur einem Jahr zerstören würde, weil er alles Geld hortet und es so dem Wirtschaftskreislauf entzieht. Barks schloss, dass nur Dagobert immer reicher werden würde, während alle anderen ihr Geld verlören.<ref>Thomas Andrae (2006): ''Carl Barks and the Disney Comic Book'' (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 193.</ref> Dieses Problem des absoluten Monopols, das sich sogar auf den Geldbesitz erstreckt, wurde von Barks allerdings kaum thematisiert, da er selten Armut zeigt. | Bereits Barks selbst äußerte sich ablehnend zu dieser Einordnung. Er sah Dagobert als „Feind des kapitalistischen Systems“, der den Wettbewerb und das freie Unternehmertum in nur einem Jahr zerstören würde, weil er alles Geld hortet und es so dem Wirtschaftskreislauf entzieht. Barks schloss, dass nur Dagobert immer reicher werden würde, während alle anderen ihr Geld verlören.<ref>Thomas Andrae (2006): ''Carl Barks and the Disney Comic Book'' (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 193.</ref> Dieses Problem des absoluten Monopols, das sich sogar auf den Geldbesitz erstreckt, wurde von Barks allerdings kaum thematisiert, da er selten Armut zeigt. | ||
Manche Autoren sehen in Barks-Geschichten nicht nur eine Darstellung Dagoberts als skrupellosen Kapitalisten; auch für ihn gebe es „tiefergehende Bindungen als die zwischen Käufer und Verkäufer.“<ref>[Geoffrey Blum: Kalter Krieg, warmes Herz, in: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 12 (2000), S. 31.</ref> Russel W. Belk etwa sagt, dass Dabobert trotz seines Reichtums ein liebenswürdiger Charakter sei, da er sein Vermögen durch Intelligenz und eigene harte Arbeit erlangt habe.<ref name="Russel B. Welk">Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 33–36.</ref><ref>Vgl. Geoffrey Blum: Bodenschätze, in: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 14 (2000), S. 31.</ref> Dagobert verkörpere damit zwar konservative Werte und eine protestantische Ethik,<ref name="welt | Manche Autoren sehen in Barks-Geschichten nicht nur eine Darstellung Dagoberts als skrupellosen Kapitalisten; auch für ihn gebe es „tiefergehende Bindungen als die zwischen Käufer und Verkäufer.“<ref>[Geoffrey Blum: Kalter Krieg, warmes Herz, in: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 12 (2000), S. 31.</ref> Russel W. Belk etwa sagt, dass Dabobert trotz seines Reichtums ein liebenswürdiger Charakter sei, da er sein Vermögen durch Intelligenz und eigene harte Arbeit erlangt habe.<ref name="Russel B. Welk">Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 33–36.</ref><ref>Vgl. Geoffrey Blum: Bodenschätze, in: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 14 (2000), S. 31.</ref> Dagobert verkörpere damit zwar konservative Werte und eine protestantische Ethik,<ref name="welt" /><ref>Vgl. [https://www.heise.de/tp/features/Dagobert-Duck-wird-60-3416571.html Peter Mühlbauer: Dagobert Duck wird 60], heise online, 24.12.2007, abgerufen am: 05.12.2018.</ref>, die Komplexität der Geschichten transportiere jedoch stets einen zweischneidigen Blick auf materiellen Reichtum.<ref name="Russel B. Welk"/><ref>Vgl. Geoffrey Blum: Die Quelle des güldenen Wasserfalls – Teil I: Der leidende König, in: [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 14 (2000), S. 61.</ref> Russel W. Belk hat zudem 60 Comics analysiert, nur in sieben Prozent davon findet sich eine uneingeschränkt positive Darstellung eines solchen Reichtums.<ref>Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 36.</ref> | ||
Außerdem spricht gegen eine Einordnung Dagoberts als Kapitalisten, dass er sein Geld in erster Linie sammelt, was für einen Kapitalisten großen Stils unvorstellbar wäre, und nur ausnahmsweise in waghalsige Expeditionen investiert.<ref>[https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.65-jahre-dagobert-duck-ein-kapitalist-nein-ein-sparer.024f3e60-c47e-49d3-8d06-94f7106a7556.html Rupert Koppold: 65 Jahre Dagobert Duck: Ein Kapitalist? – Nein, ein Sparer!], Stuttgarter Zeitung.de, 23.11.2012, abgerufen am: 05.12.2018.</ref><ref>Vgl. Dirk Müller, in: Immer schön dem Schnabel nach, Sonntags-Echo [Wochenend-Magazin des Darmstädter Echos], 24. November 2012, S. 5.</ref> „Heute käme gewiss kein Kapitalist großen Stils mehr auf die Idee, Geld herumliegen zu lassen, bis es schimmlig oder von Mäusen gefressen wird (zwei immer wiederkehrende Heimsuchungen Dagoberts), sondern er würde es investieren, damit es sich mehrt oder es für prestigeträchtige Anschaffungen (Fußballclubs, Models, Wolkenkratzer, Politiker) ausgeben.“<ref name="welt | Außerdem spricht gegen eine Einordnung Dagoberts als Kapitalisten, dass er sein Geld in erster Linie sammelt, was für einen Kapitalisten großen Stils unvorstellbar wäre, und nur ausnahmsweise in waghalsige Expeditionen investiert.<ref>[https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.65-jahre-dagobert-duck-ein-kapitalist-nein-ein-sparer.024f3e60-c47e-49d3-8d06-94f7106a7556.html Rupert Koppold: 65 Jahre Dagobert Duck: Ein Kapitalist? – Nein, ein Sparer!], Stuttgarter Zeitung.de, 23.11.2012, abgerufen am: 05.12.2018.</ref><ref>Vgl. Dirk Müller, in: Immer schön dem Schnabel nach, Sonntags-Echo [Wochenend-Magazin des Darmstädter Echos], 24. November 2012, S. 5.</ref> „Heute käme gewiss kein Kapitalist großen Stils mehr auf die Idee, Geld herumliegen zu lassen, bis es schimmlig oder von Mäusen gefressen wird (zwei immer wiederkehrende Heimsuchungen Dagoberts), sondern er würde es investieren, damit es sich mehrt oder es für prestigeträchtige Anschaffungen (Fußballclubs, Models, Wolkenkratzer, Politiker) ausgeben.“<ref name="welt"/> Zudem spielten auch Entlassungen spielten bei Dagobert Duck, im Unterschied zum kapitalistischen Mechanismus (besonders in Amerika: ''hire & fire'') nie eine Rolle.<ref name="welt"/> Auch die emotionale Struktur Dagoberts, geprägt von Leidenschaft und theatralischen Wutausbrüchen (man denke auch an sein Auf- und Abwandeln im [[Sorgenraum]] sowie an das Bezahlen Donalds als „Jammermädchen“ in ''[[Der Selbstschuß]]''), passe nicht in das Bild des ausbeuterischen Kapitalisten.<ref name="Robert Boyd"/>. Matthias Heine von der Zeitung ''Die Welt'' äußerte sich folgendermaßen dazu: „Verglichen mit diesen Vertretern des Kalte-Fische-Kapitalismus ist der temperamentvolle Onkel Dagobert ein wandelnder kleiner Heizofen, der nach allen Seiten weihnachtliche Wärme ausstrahlt.“<ref name="welt"/> Zudem würde sich Dagobert durch seine emotionale Struktur wie Heulen/Sorgen haben und seine Wutausbrüche unter den [[CEO]]s internationaler Konzerne der Gegenwart völlig unmöglich machen. Denn schon auf ihren US-Eliteuniversitäten werden die angehenden Manager in Psychologie-Seminaren darauf getrimmt, bloß keine Gefühle zu zeigen, vor allem aber nicht wütend zu werden.“<ref name="welt"/> Heine sprach in diesem Zusammenhang auch von Dagobert als „Anti-Heuschrecke“.<ref name="welt"/> | ||
In der deutschen Übersetzung von einer von Barks letzten Geschichten, ''[[Der Rinderkönig]]'', bezeichnet sich Dagobert indirekt selbst als Kapitalisten (im Original fehlt diese Selbstzuschreibung)<ref>Vgl. [[Andreas Platthaus]]: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck!, in: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4.</ref>, jedoch muss hierbei bedacht werden, dass Barks seine Comics dennoch stets für unpolitisch-ironisch erachtete.<ref>Vgl. Geoffrey Blum: Kalter Krieg, warmes Herz, in [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 12 (2000), S. 30.</ref>. Und Dagobert sei in erster Linie das Symbol für einen unerreichbaren Traum der Menschheit: unerschöpflichen Reichtum.<ref>Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 33.</ref> | In der deutschen Übersetzung von einer von Barks letzten Geschichten, ''[[Der Rinderkönig]]'', bezeichnet sich Dagobert indirekt selbst als Kapitalisten (im Original fehlt diese Selbstzuschreibung)<ref>Vgl. [[Andreas Platthaus]]: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck!, in: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4.</ref>, jedoch muss hierbei bedacht werden, dass Barks seine Comics dennoch stets für unpolitisch-ironisch erachtete.<ref>Vgl. Geoffrey Blum: Kalter Krieg, warmes Herz, in [[Barks Library Special Onkel Dagobert]] 12 (2000), S. 30.</ref>. Und Dagobert sei in erster Linie das Symbol für einen unerreichbaren Traum der Menschheit: unerschöpflichen Reichtum.<ref>Vgl. Russell W. Belk: Material Values in Comics: A Content Analysis of Comic Books Featuring Themes of Wealth, in: Journal of Consumer Research Vol. 14 (1987), No. 1, S. 33.</ref> | ||
Dass sich die Gemüter bei der politischen Einordnung Dagoberts entzweien, kann auch auf die auch auf die sprachlichen Unterschiede zwischen dem englischsprachigen Original und den verschiedenen Übersetzungen zurückgeführt werden. David Kunzle stellt fest: „Jedes Land entwickelt seine eigenen Disney-Bildgeschichten.“<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 9.</ref> So seien die deutschen Übersetzungen von [[Erika Fuchs]] von einer erkennbaren Entamerikanisierung und Entaktualisierung geprägt, gerade die „wörtliche Aufnahme schmerzlicher Realitäten, die ein Gütesiegel Barks’ sind [sic]“ werde getilgt.<ref> David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 9 f.</ref><ref>Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, 220–231.</ref> Als auffällig erachtet Kunzle hier die Veränderung einzelner Namen: „[Der allmächtige Dollar] wird in der deutschen Fassung zu einer archaischen, deshalb recht harmlosen und unwirklichen Währung: dem [[Taler]]. | Dass sich die Gemüter bei der politischen Einordnung Dagoberts entzweien, kann auch auf die auch auf die sprachlichen Unterschiede zwischen dem englischsprachigen Original und den verschiedenen Übersetzungen zurückgeführt werden. David Kunzle stellt fest: „Jedes Land entwickelt seine eigenen Disney-Bildgeschichten.“<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 9.</ref> So seien die deutschen Übersetzungen von [[Erika Fuchs]] von einer erkennbaren Entamerikanisierung und Entaktualisierung geprägt, gerade die „wörtliche Aufnahme schmerzlicher Realitäten, die ein Gütesiegel Barks’ sind [sic]“ werde getilgt.<ref> David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 9 f.</ref><ref>Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, 220–231.</ref> Als auffällig erachtet Kunzle hier die Veränderung einzelner Namen: „[Der allmächtige Dollar] wird in der deutschen Fassung zu einer archaischen, deshalb recht harmlosen und unwirklichen Währung: dem [[Taler]]. ‚Uncle Scrooge‘ selbst, nach Dickens’ berühmtem Geizhals benannt, verliert jede moralische Bewertung und Aktualität, wenn er Onkel Dagobert genannt wird. Dieser Name weckt Assoziationen an Überholtes und längst Vergangenes.“<ref>David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 10.</ref> | ||
Es gab – entgegen Vorwürfen kapitalistischer Ideologie in Dagobert-Comics – sogar Kritik, die die Dagobert-Comics im linken Bereich ansiedelten: So sah Bayernkurier, die Parteizeitung der Christlich-Sozialen Union, 1969 hinsichtlich der Fuchs-Übersetzung der Geschichte ''The Yacht Plot'' / ''Ein schwerer Reinfall'' ([[Vic Lockman|Lockman]]/[[Pete Alvarado|Alvarado]]) sogar, dass die Figuren in der [[Micky Maus Magazin|Micky Maus]] das „Soziologen-Chinesisch der neuen Linken“ sprächen und den jugendlichen Lesern so eine linke „Phraseologie eingeimpft“ werde; „eine Nomenklatur die sich – wenn sie nicht sinnvoll später interpretiert wird – rasch mit Schlag-Inhalten füttern lässt.“<ref name="SPG"/><ref>Vgl. Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, 229f.</ref> | Es gab – entgegen Vorwürfen kapitalistischer Ideologie in Dagobert-Comics – sogar Kritik, die die Dagobert-Comics im linken Bereich ansiedelten: So sah Bayernkurier, die Parteizeitung der Christlich-Sozialen Union, 1969 hinsichtlich der Fuchs-Übersetzung der Geschichte ''The Yacht Plot'' / ''Ein schwerer Reinfall'' ([[Vic Lockman|Lockman]]/[[Pete Alvarado|Alvarado]]) sogar, dass die Figuren in der [[Micky Maus Magazin|Micky Maus]] das „Soziologen-Chinesisch der neuen Linken“ sprächen und den jugendlichen Lesern so eine linke „Phraseologie eingeimpft“ werde; „eine Nomenklatur die sich – wenn sie nicht sinnvoll später interpretiert wird – rasch mit Schlag-Inhalten füttern lässt.“<ref name="SPG"/><ref>Vgl. Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, 229f.</ref> | ||
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== Quellen == | == Quellen == | ||
'''Abschnitt „Charakter“''' | '''Abschnitt „Charakter“''' | ||
*[[Geoffrey Blum]]: „Eine Liebesgeschichte vom Geld“, [[Barks Library Onkel Dagobert]] | *[[Geoffrey Blum]]: „Eine Liebesgeschichte vom Geld“, [[Barks Library Special Onkel Dagobert 3]] | ||
*[[Geoffrey Blum]]: „Einstürzende Imperien Teil 1: Die Zeit als Goldgräber“, Barks Library Onkel Dagobert 19 | *[[Geoffrey Blum]]: „Einstürzende Imperien Teil 1: Die Zeit als Goldgräber“, [[Barks Library Special Onkel Dagobert 19]] | ||
*[[Geoffrey Blum]]: „Ausgebrannt“ Barks Library Onkel Dagobert 17 | *[[Geoffrey Blum]]: „Ausgebrannt“ [[Barks Library Special Onkel Dagobert 17]] | ||
*[[Geoffrey Blum]]: „Onkel Dagoberts Doppelgänger“ Barks Library Onkel Dagobert 11 | *[[Geoffrey Blum]]: „Onkel Dagoberts Doppelgänger“ [[Barks Library Special Onkel Dagobert 11]] | ||
*[[Frank Schätzing]]: „Die Abenteuer der Ducks auf hoher See“ (Kommentare) | *[[Frank Schätzing]]: „Die Abenteuer der Ducks auf hoher See“ (Kommentare) | ||
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'''Abschnitt „Onkel Dagobert in Film und Fernsehen“''' | '''Abschnitt „Onkel Dagobert in Film und Fernsehen“''' | ||
*Dave Smith und Steven Clark: „Disney – die ersten 100 Jahre“ | *[[Dave Smith]] und Steven Clark: „Disney – die ersten 100 Jahre“ | ||
'''Abschnitt „Dagobert in anderen Sprachen“''' | '''Abschnitt „Dagobert in anderen Sprachen“''' | ||
*[ | *[https://inducks.org/character.php?c=US Inducks: Dagobert Duck] | ||
'''Abschnitt "Dagobert Duck – Ein Kapitalist?''' | '''Abschnitt "Dagobert Duck – Ein Kapitalist?''' | ||
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* [https://hinter-den-kulissen-entenhausens.blogspot.de/2016/12/im-herzen-des-dagobert-duck.html Charakteranalyse Dagobert Ducks auf dem Blog "Hinter den Kulissen Entenhausens"] | * [https://hinter-den-kulissen-entenhausens.blogspot.de/2016/12/im-herzen-des-dagobert-duck.html Charakteranalyse Dagobert Ducks auf dem Blog "Hinter den Kulissen Entenhausens"] | ||
* [http://www.dagobert-duck.com Fanpage Dagobert-Duck.com] | * [http://www.dagobert-duck.com Fanpage Dagobert-Duck.com] | ||
* [http://coa.inducks.org/simp.php?d1=Dagobert+Duck&kind=0 Dagobert Duck | * [http://coa.inducks.org/simp.php?d1=Dagobert+Duck&kind=0 Dagobert Duck] im [[Inducks]] {{Ind}} | ||
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert_Duck Wikipedia-Artikel über Dagobert Duck] | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert_Duck Wikipedia-Artikel über Dagobert Duck] | ||
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Fantastilliarde Wikipedia-Artikel über die erfundene Zahl „Fantastilliarde“] | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Fantastilliarde Wikipedia-Artikel über die erfundene Zahl „Fantastilliarde“] | ||
* [http://www.uni-koblenz.de/~antonina/onkel-dagobert.html Erörterung zu „sagenhaften Elementen in Onkel-Dagobert-Geschichten“] | * [http://www.uni-koblenz.de/~antonina/onkel-dagobert.html Erörterung zu „sagenhaften Elementen in Onkel-Dagobert-Geschichten“] | ||
* [https://www.youtube.com/watch?v=nHLhJ8RMOno Steckbrief Dagobert Duck Disney Channel] | * [https://www.youtube.com/watch?v=nHLhJ8RMOno Steckbrief Dagobert Duck Disney Channel] | ||
* [https://www.lustiges-taschenbuch.de/entenhausen/charaktere/die-ducks/dagobert-duck Dagobert Duck] auf [[Lustiges-Taschenbuch.de]] | |||
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