Romano Scarpa: Unterschied zwischen den Versionen
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Scarpas frühe Phase gilt gemeinhin als die mit den besten Geschichten, jedoch etwas schwächeren Zeichnungen, da sich sein so typischer und die italienischen Disney-Comics prägender Stil erst im Laufe der Zeit herausbildete. Scarpas Zeichenstil ist in der Phase etwas „trashig“, der Pinselstrich spitz. In seinen Micky-Geschichten orientiert sich Scarpa am Stil Gottfredsons und zeichnete Micky stets mit zwei Haaren am Kopf. Die Darstellung der Ducks ist etwas gestaucht, bisweilen wirken die Figuren sehr kantig. 1961/62 änderte sich sein Zeichenstil der Ducks etwas, die nun runder und dicklicher wirken, sodass sogar von einer „Pummel-Phase“ gesprochen wurde.<ref name="Fieselschweif"/> | Scarpas frühe Phase gilt gemeinhin als die mit den besten Geschichten, jedoch etwas schwächeren Zeichnungen, da sich sein so typischer und die italienischen Disney-Comics prägender Stil erst im Laufe der Zeit herausbildete. Scarpas Zeichenstil ist in der Phase etwas „trashig“, der Pinselstrich spitz. In seinen Micky-Geschichten orientiert sich Scarpa am Stil Gottfredsons und zeichnete Micky stets mit zwei Haaren am Kopf. Die Darstellung der Ducks ist etwas gestaucht, bisweilen wirken die Figuren sehr kantig. 1961/62 änderte sich sein Zeichenstil der Ducks etwas, die nun runder und dicklicher wirken, sodass sogar von einer „Pummel-Phase“ gesprochen wurde.<ref name="Fieselschweif"/> | ||
Die Comicgeschichten der ersten zwei Jahre, die Scarpa zeichnete, wurden noch von [[Guido Martina]] geschrieben. Dazu zählen insbesondere die Comics um [[Schneewittchen (Figur)|Schneewittchen]], für die Scarpa bei [[Mondadori]] angestellt worden war. ''[[Das doppelte Geheimnis des Schwarzen Phantoms]]'' war für längere Zeit die letzte Scarpa-Geschichte, die von Martina geschrieben wurde und bedeutete mit der Rückkehr des [[Das Schwarze Phantom|Schwarzen Phantoms]] einen Paukenschlag für die italienischen Disney-Comics, die bislang eher im Schatten der amerikanischen Produktion gestanden hatten. Das Ende der von ''King Features Syndicate'' produzierten langen Gottfredson-Geschichten mit Micky Maus ermöglichte es Scarpa, diesen Platz einzunehmen und, in der ersten Geschichte noch zusammen mit Martina, ab dann in Eigenregie, Kriminalgeschichten im Stile Gottfredsons zu schreiben. In den folgenden Jahren entstanden die großen, meist über 60 Seiten langen Micky-Geschichten aus der Feder Scarpas, die Micky vor äußerste Herausforderungen stellten und sich im Allgemeinen durch einen komplexen Handlungsaufbau auszeichneten. Mickys Hauptgegner in diesen Geschichten ist wie bei Gottfredson Kater Karlo, allerdings stellt Scarpa Micky mit [[Goofy]], [[Gamma]] und dem neugeschaffenen [[Atömchen]] wichtige Helfer an die Seite. Besonders der Atömchen-Zyklus ragt mit den Geschichten ''[[Micky und die vierte Dimension]]'', ''[[ | Die Comicgeschichten der ersten zwei Jahre, die Scarpa zeichnete, wurden noch von [[Guido Martina]] geschrieben. Dazu zählen insbesondere die Comics um [[Schneewittchen (Figur)|Schneewittchen]], für die Scarpa bei [[Mondadori]] angestellt worden war. ''[[Das doppelte Geheimnis des Schwarzen Phantoms]]'' war für längere Zeit die letzte Scarpa-Geschichte, die von Martina geschrieben wurde und bedeutete mit der Rückkehr des [[Das Schwarze Phantom|Schwarzen Phantoms]] einen Paukenschlag für die italienischen Disney-Comics, die bislang eher im Schatten der amerikanischen Produktion gestanden hatten. Das Ende der von ''King Features Syndicate'' produzierten langen Gottfredson-Geschichten mit Micky Maus ermöglichte es Scarpa, diesen Platz einzunehmen und, in der ersten Geschichte noch zusammen mit Martina, ab dann in Eigenregie, Kriminalgeschichten im Stile Gottfredsons zu schreiben. In den folgenden Jahren entstanden die großen, meist über 60 Seiten langen Micky-Geschichten aus der Feder Scarpas, die Micky vor äußerste Herausforderungen stellten und sich im Allgemeinen durch einen komplexen Handlungsaufbau auszeichneten. Mickys Hauptgegner in diesen Geschichten ist wie bei Gottfredson Kater Karlo, allerdings stellt Scarpa Micky mit [[Goofy]], [[Gamma]] und dem neugeschaffenen [[Atömchen]] wichtige Helfer an die Seite. Besonders der Atömchen-Zyklus ragt mit den Geschichten ''[[Micky und die vierte Dimension]]'', ''[[Micky auf den Spuren der Indianer]]'', ''[[Die Irokesenkette]]'' und ''[[Der Kaiser von Quacktanien]]'' heraus, hinzu treten die Klassiker ''[[Ein entfernter Verwandter]]'' und ''[[Die Kralle der Kali]]''. | ||
[[Datei:Die Krebse in Burgunder-5.jpeg|mini|rechts|x200px|''[[Krebse in Burgunder]]'' war Scarpas erste selbstgeschriebene Geschichte (© Egmont Ehapa)]] | [[Datei:Die Krebse in Burgunder-5.jpeg|mini|rechts|x200px|''[[Krebse in Burgunder]]'' war Scarpas erste selbstgeschriebene Geschichte (© Egmont Ehapa)]] | ||
Gegenüber den langen, spannenden Maus-Geschichten, die für diese Phase so typisch sind, fallen die in der Regel kürzeren Duck-Geschichten etwas ab. Sie sind in der Regel humorvoller und einfacher gestaltet. Dass Scarpa aber auch hier Großes zu leisten vermochte, zeigt die Geschichte ''[[Die Linsen aus Babylonien]]'', die sich in ihrer Komplexität den Vergleich mit den Maus-Geschichten nicht zu scheuen braucht und zu den raffiniertesten Geschichten gehört, die Scarpa je geschrieben hat. Mit ''[[Der rasende Kurier]]'' lässt Scarpa auch Donald ins Krimi-Milieu eintreten. Sowohl in dieser Geschichte als auch in ''[[Der Fliegende Schotte]]'', die beide zu den Meisterwerken Scarpas zählen, betont Scarpa Dagoberts weiche Seite. Ebenfalls in diese Phase fällt die Erfindung von Gitta Gans, die für mehrere Duck-Geschichten genug Stoff bot. Einflussreich war nicht nur die erste Geschichte mit ihr, ''[[Der letzte Gulu-Gulu]]'', sondern auch der 1962 erstveröffentlichte Klassiker ''[[Der Kolumbusfalter]]'', in welchem Gitta erstmals Dagobert Konkurrenz zu machen beginnt. | Gegenüber den langen, spannenden Maus-Geschichten, die für diese Phase so typisch sind, fallen die in der Regel kürzeren Duck-Geschichten etwas ab. Sie sind in der Regel humorvoller und einfacher gestaltet. Dass Scarpa aber auch hier Großes zu leisten vermochte, zeigt die Geschichte ''[[Die Linsen aus Babylonien]]'', die sich in ihrer Komplexität den Vergleich mit den Maus-Geschichten nicht zu scheuen braucht und zu den raffiniertesten Geschichten gehört, die Scarpa je geschrieben hat. Mit ''[[Der rasende Kurier]]'' lässt Scarpa auch Donald ins Krimi-Milieu eintreten. Sowohl in dieser Geschichte als auch in ''[[Der Fliegende Schotte]]'', die beide zu den Meisterwerken Scarpas zählen, betont Scarpa Dagoberts weiche Seite. Ebenfalls in diese Phase fällt die Erfindung von Gitta Gans, die für mehrere Duck-Geschichten genug Stoff bot. Einflussreich war nicht nur die erste Geschichte mit ihr, ''[[Der letzte Gulu-Gulu]]'', sondern auch der 1962 erstveröffentlichte Klassiker ''[[Der Kolumbusfalter]]'', in welchem Gitta erstmals Dagobert Konkurrenz zu machen beginnt. | ||
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== Hintergründe seines Werks == | == Hintergründe seines Werks == | ||
[[Datei:Die Irokesenkette-1.jpg|mini|links|In ''[[Die Irokesenkette]]'' ist der Einfluss von Alfred Hitchcock auf Scarpas | [[Datei:Die Irokesenkette-1.jpg|mini|links|In ''[[Die Irokesenkette]]'' ist der Einfluss von Alfred Hitchcock auf Scarpas Werk besonders spürbar (© Egmont Ehapa)]] | ||
Etliche von Scarpas Geschichten sind von Bezügen zu Filmen geprägt. Scarpa war ein Fan der Filme der 1940er und | Etliche von Scarpas Geschichten sind von Bezügen zu Filmen geprägt. Scarpa war ein Fan der Filme der 1940er und 1950er, besonders der Kriminalfilme, und bewunderte das Werk von Alfred Hitchcock. Hitchcocks Einfluss auf Scarpa kann gar nicht geringgeschätzt werden. Mit ''[[Die Irokesenkette]]'' schuf Scarpa einen Comic, der seine Inspirationen aus zwei Hitchcock-Filmen zieht. Besonders eindrücklich ist die Referenz auf ''Vertigo'', indem auch Micky in der Geschichte Schwindelanfälle bekommt. In ''[[Der Mann aus Ping-Pong]]'' lassen sich Ähnlichkeiten zu Hitchcocks ''Das Fenster zum Hof'' erkennen, etwa was die stark eingeschränkte Wahrnehmung sowohl Mickys wie auch des Lesers betrifft. [[Luca Boschi]], [[Leonardo Gori]] und [[Andrea Sani]] haben Micky in Scarpas Frühphase sogar als „Topolino hitchcockiano“ bezeichnet, was dem dezidierten Hitchcock-Feeling der klassischen Kriminalgeschichten Scarpas Rechnung trägt.<ref>Luca Boschi, Leonardo Gori and Andrea Sani (1990): ''I Disney Italiani'' (Bologna: Granata Press) S. 114.</ref> | ||
Aber auch zu anderen Filmen bestehen Bezüge. Frank Capras ''In den Fesseln von Shangri-La'' inspirierte Scarpa zu seiner Geschichte ''Hilferuf aus Shangrila''. Die Grundidee von ''Der Mann aus Ping-Pong'' dürfte von John Frankenheimers Film ''Der Gefangene von Alcatraz'' übernommen worden sein. Aus Comics zog Scarpa seine Anregungen für die Geschichte ''[[Das ewige Feuer]]''. Manchmal geschah auch das genaue Gegenteil: Der italienische Film ''Riusciranno i nostri eroi a ritrovare l'amico misteriosamente scomparso in Africa?'' (1968) basiert auf Scarpas Geschichte ''Ein entfernter Verwandter''. Auch zu Büchern bestehen Bezüge. In ''[[Krebse in Burgunder]]'' durchschmökert Donald ein Buch von Edgar Wallace (im Comic zu Edgar Spallace verfremdet) und das anfängliche Setting in ''[[Die Kralle der Kali]]'' legt einen Einfluss der klassischen Kriminalromane von Agatha Christie nahe, da Scarpa ganz allgemein eine Schwäche für Kriminalromane und die Noir-Literatur hatte.<ref>Luca Boschi: Interview mit Romano Scarpa. In: [[Die besten Geschichten von Romano Scarpa]], S. 10.</ref> | Aber auch zu anderen Filmen bestehen Bezüge. Frank Capras ''In den Fesseln von Shangri-La'' inspirierte Scarpa zu seiner Geschichte ''Hilferuf aus Shangrila''. Die Grundidee von ''Der Mann aus Ping-Pong'' dürfte von John Frankenheimers Film ''Der Gefangene von Alcatraz'' übernommen worden sein. Aus Comics zog Scarpa seine Anregungen für die Geschichte ''[[Das ewige Feuer]]''. Manchmal geschah auch das genaue Gegenteil: Der italienische Film ''Riusciranno i nostri eroi a ritrovare l'amico misteriosamente scomparso in Africa?'' (1968) basiert auf Scarpas Geschichte ''Ein entfernter Verwandter''. Auch zu Büchern bestehen Bezüge. In ''[[Krebse in Burgunder]]'' durchschmökert Donald ein Buch von Edgar Wallace (im Comic zu Edgar Spallace verfremdet) und das anfängliche Setting in ''[[Die Kralle der Kali]]'' legt einen Einfluss der klassischen Kriminalromane von Agatha Christie nahe, da Scarpa ganz allgemein eine Schwäche für Kriminalromane und die Noir-Literatur hatte.<ref>Luca Boschi: Interview mit Romano Scarpa. In: [[Die besten Geschichten von Romano Scarpa]], S. 10.</ref> | ||