Ist das nicht ein Schweinebauch?

Ist das nicht ein Schweinebauch? (im englischen Original Ist das nicht ein sausage meat?) ist ein Cartoonsong aus „Die drei kleinen Wölfe“ (Three Little Wolves, 1936). Der Song basiert auf einem in den USA als typisch deutsch empfundenen traditionellen Lied und wird im englischen Original zum Teil auf Deutsch und mit deutschem Akzent gesungen. Sänger des Liedes sind Billy Bletcher in seiner Rolle als der große böse Wolf sowie Alyce Ardell und Leone Ledoux, die den drei kleinen Wölfen ihre Stimme leihen.
Inspiration und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Unter einer Schnitzelbank (weibliches Geschlecht) oder einfach nur Schnitzbank versteht man eine Werkbank, die besonders im ländlichen Raum zum Schnitzen verwendet wird. Im Unterschied zu anderen Arbeitstischen für die Holzbearbeitung sitzt der Schnitzer auf der Bank selbst und hat das Werkstück auf dieser vor sich eingespannt.[1] Dieser Name wurde dann auf eine Liedform übertragen, die bis heute Teil von Fastnachtstraditionen im süddeutschen und deutschschweizer (alemannischen) Raum ist. Im Zusammenhang mit der Liedform spricht man dann allerdings vom Schnitzelbank im männlichen Geschlecht. Besonders bekannt sind die Schnitzelbänke im Rahmen der Basler Fasnacht, bei der sie ein unverzichtbarer Bestandteil sind.[2]
Der Schnitzelbank steht in der Tradition des Bänkelsangs, der seit dem Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet war. Bänkelsänger waren fahrende Menschen, die von Ort zu Ort reisten und ihre Lieder dem Publikum darboten, wobei sie meist auf eine kleine Bank stiegen (Bänkel), sich mit einfachen Musikinstrumenten begleiteten und mit Schautafeln ihre Geschichte illustrierten. Mit einem Stock zeigten sie auf die jeweilige Abbildung, über die sie gerade sangen. Bänkelsängern gelang es hierdurch, Nachrichten etwa von bedeutenden Ereignissen zu übertragen, sie erzählten aber auch epische Balladen oder Schauergeschichten.[3]
Der Schnitzelbank als Liedform greift all dies auf, ist allerdings, da er zur Fastnacht intoniert wird, stets humorvoll gehalten und auf eine Pointe bedacht. Vorgetragen werden die Lieder in Lokalen von einem oder auch mehreren Schnitzelbänklern, die sich, wie in der alemannischen Fasnacht üblich, vollständig kostümiert und ihr Gesícht unter Masken verborgen haben. Die Schnitzelbänkler begleiten ihre Lieder mit Instrumenten und haben Schautafeln (Helgen) dabei, auf denen sie zu ihren Versen passende Bilder zeigen. Die Lieder sind im Dialekt gehalten und persiflieren oft rezente politische Ereignisse. An Melodien werden bei Schnitzelbänken meist eingängige verwendet und Volkslieder aufgegriffen. Einige, wenngleich nicht alle Bänke verwenden auch Refrains oder andere wiederkehrende Elemente, die dann mitgesungen werden sollen.
Die Tradition des Schnitzelbanks aus dem alemannischen Sprachraum wanderte Ende des 19. Jahrhunderts in die USA, wo sie nochmals eine Weiterentwicklung erfuhr. Bereits 1900 erschien die erste Druckfassung des „Schnitzelbank Song“, der als traditionell deutsches Lied begriffen wurde und sich nun zu einem Frage-und-Antwort-Spiel gewandelt hatte.[4] Der klassische Text beginnt mit der Zeile „Ist das nicht ein Schnitzelbank?“ des Vorsängers, der vom Chor beantwortet wird „Ja, das ist ein Schnitzelbank“. Hierauf folgen weitere Begriffe und Begriffspaare sowie der Refrain „Ei du schöne, ei du schöne, ei du schöne Schnitzelbank“. Der Vorsänger hat eine Schautafel vor sich stehen, auf der er mit dem Stock jeweils den Begriff und das zugehörige Bild zeigt, über das er gerade singt. Als Melodie wurde eine Abwandlung des traditionellen französischen Lieds „Ah ! vous dirai-je, maman“ benutzt, das auf Englisch auch mit dem Titel „Twinkle, Twinkle, Little Star“ oder auf Deutsch mit „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannt ist.[5]
Der „Schnitzelbank Song“ wurde besonders unter den zahlreichen Deutschamerikanern sehr populär, diente aber auch auf eine einfache und witzige Weise Kindern, die Deutsch lernen wollten. Ab den 1910er-Jahren gab es zahlreiche Plattenaufnahmen des Liedes und es entstanden diverse Variationen, die eine weite Verbreitung garantierten. Etwa die von Groucho Marx gesungene Form wurde sehr bekannt. Der Schnitzelbank wurde so zum wichtigsten deutschen Liederimport in die USA und bis heute immer wieder in Filmen oder für Reklame aufgegriffen.[6] Laut Carl Barks gewann das Lied an Resonanz in Bierhallen nach dem Ende der Prohibition und wurde gerne als Trinklied gesungen.[7] In der amerikanischen Wahrnehmung, dass es sich um deutsche Tradition handelte, spielte keine Rolle, dass die Liedform im größten Teil des deutschen Sprachraums gar nicht bekannt ist und dass die in den USA tradierte Fassung von den Schnitzelbänken der alemannischen Fastnacht abweicht.
Auch Disney griff wiederholt auf den Schnitzelbank zurück. In „Der Fuehrer’s Face“ wird er referiert, als der Nazianführer zu Beginn des Cartoons „Ist we not the Supermen?“ fragt.[6] Jimmie Dodd sang das „Schnitzelbank“-Lied mit dem Mouseketeers.[8] Die wichtigste Disney-Adaption stellt allerdings „Ist das nicht ein Schweinebauch?“ dar. Hier zeigt der große böse Wolf gleich am Anfang des Cartoons auf einer Schautafel die verschiedenen Körperteile von Schweinen und belehrt damit seine drei Kinder, die auf seine Fragen jeweils pflichtschuldig antworten. Dann aber, als der Wolf den Refrain vorsingt und auffordert, ihn gemeinsam zu wiederholen, bewerfen die kleinen Wölfe ihn mit Steinen. Später im Cartoon taucht das Lied nochmals auf, als der große böse Wolf Fiedler und Pfeifer zum Essen vorbereitet. Die Verwendung dieses deutschen Lieds im Cartoon dürfte nicht zufällig sein, da die Wölfe nun als (deutsche) Bedrohung von außen dargestellt werden und damit bereits mit den Nazis gleichgesetzt werden.[9] Diese Identifizierung sollte mit Das sparsame Schweinchen später noch offenkundiger werden. Zudem ist auffallend, dass nun auch der große böse Wolf ein Lied bekommt, nachdem er in den vorherigen beiden Filmen Die drei kleinen Schweinchen und Der große böse Wolf nicht gesungen hatte. In der Melodie nahm der Komponist des Lieds weniger Anleihe an „Ah ! vous dirai-je, maman“, bzw. dem „Schnitzelbank Song“, sondern lehnte es stärker an Wer hat Angst vor’m bösen Wolf? und an das amerikanische Volkslied „Little Brown Jug“ an.[10]
Liedtexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
englischer Liedtext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Ist das nicht ein sausage meat?
- Ja, das ist ein sausage meat!
- Ist das nicht ein pigsen feet?
- Ja, das ist ein pigsen feet!
- Ist das gut für schweine stew?
- Das ist gut für schweine stew!
- Ist das nicht ein curlicue?
- Ja, das ist ein curlicue!
- Roasted pork, glass of schnapps
- ham and eggs, pork a-chops
- pigsen feet, sausage meat
- little pigs is good to eat
deutscher Liedtext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Ist das nicht ein Schweinebauch?
- Ja, das ist ein Schweinebauch.
- Schmecken diese Pfötchen auch?
- Ja, die Pfötchen schmecken auch.
- Ist das gut für Schweinesteak?
- Das ist gut für Schweinesteak.
- Macht man daraus nicht den Speck?
- Ja, daraus macht man den Speck.
- Schwein am Spieß, ein Glas Schnaps,
- Schinkenspeck, Schweineklops,
- Ringelschwanz, Wurst im Sud,
- Kleine Schweinchen schmecken gut!
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Groucho Marx singt den „Schnitzelbank Song“ auf YouTube

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Schnitzbank
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Schnitzelbank_(Bänkelsang)
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Bänkelsang
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/Schnitzelbank
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Ah_!_vous_dirai-je,_maman
- ↑ 6,0 6,1 Edi Grieg. „Der Schnitzelbank“. trickfilmstimmen.de
- ↑ Barks an Thomas Andrae, 13.11.1987; zitiert in Thomas Andrae (2006): Carl Barks and the Disney Comic Book (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 285.
- ↑ Greg Ehrbar (06.06.2017). „Walt Disney’s ‚Three Little Pigs‘ on Records“. cartoonresearch.com
- ↑ Geoffrey Cocks (2004): The Wolf at the Door: Stanley Kubrick, History, and the Holocaust (New York: Peter Lang), S. 36–37.
- ↑ Edi Grieg. „Three little wolves“. trickfilmstimmen.de