Melzer Verlag
Der Melzer Verlag war ein deutscher Buchverlag mit Sitz in Köln und später in Darmstadt, der 1958 gegründet und 2012 aufgelöst wurde. Der Verlag spezialisierte sich auf Judaica.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Verlag wurde 1959 unter dem Namen Joseph Melzer Verlag in Köln gegründet. Der Verlagsgründer, Joseph Melzer, war ein 1908 im damals noch österreichischen Kronland Galizien geborener Jude, der nach dem Ersten Weltkrieg – nunmehr als polnischer Staatsbürger – nach Berlin ausgewandert war. Melzer lehnte zwar wie viele andere Juden den Zionismus ab. Als er allerdings 1933 vor dem Nationalsozialismus floh, entkam er schließlich, nachdem er zwei Jahre in der Sowjetunion im Gulag interniert gewesen war, nach Palästina. Nachb dem Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück. Der Verleger hatte zuvor schon die Zeitschrift „Die freie jüdische Monatsschau“ herausgegeben. Mit der Verlagsgründung des Melzer Verlags 1959 wollte Joseph Melzer im Nationalsozialismus bis 1945 verbotene Bücher und philosophische Schriften deutschsprachigen Lesern wieder zugänglich machen. 1966 zog der Verlag nach Darmstadt um.
Um den drohenden Konkurs zu entgehen, veröffentlichte der Verlag ab den 1960ern auch erotische Romane. Die Romane „Geschichte der O“ waren ein großer kommerzieller Erfolg für den Verlag.
Übergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Joseph Melzers Sohn, Abraham, trat 1970 ins Unternehmen ein und gestaltete das Programm mit. Nachdem Jörg Schröder den Verlag in den 1960ern noch sanieren konnte, jedoch das Unternehmen im Streit verließ und auch die Pornografiewelle abebbte, musste der Verlag 1971 Konkurs anmelden. 1972 führte Joseph Melzer den Verlag als Melzer Verlag GmbH fort, schied aber 1974 als Geschäftsführer aus. 1979 wurde die Gesellschaft gelöscht, im selben Jahr gründete Abraham Melzer das Unternehmen als Abi Melzer Verlag GmbH neu.
Verlagsneugründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
2001 gründete Abraham den Verlag neu und veröffentlichte Publikationen zum Nahostkonflikt, israelische Kultur und jüdischer Kunst. Dabei kam es zu einigen Kontroversen und sogar Kritik von der eigenen Familie.[1]
Dazu kamen noch Romane, Sachbücher oder Fotobände sowie Produktion für andere Verlage. Die wurde zu einem zweiten Standbein des Verlages. Abraham Melzer war auch als Übersetzer (hebräisch <-> deutsch) tätig. Es folgten noch einige weitere kontroverse Veröffentlichungen, die 2012 zur Einstellung des Verlagswesens beitrugen. Da der Name Melzer Verlag als mit dem Palästina-Konflikt belastet gilt, gründete Melzer 2016 den Cosmics Verlag.
Disney-Bücher im Melzer Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Anfang der 1970er veröffentlichte der Melzer Verlag einige Bücher mit Disney-Bezug, die teilweise auch im Bertelsmann Verlag erschienen sind. Hier wurden viele Geschichten von Carl Barks veröffentlicht, die von Peter O. Chotjewitz oder Renate Chotjewitz übersetzt wurden.
- Ich Micky Maus 1 und 2 (1973)
- Ich Donald Duck 1 und 2 (1974)
- Ich Onkel Dagobert 1 und 2 (1974)
- Ich Goofy 1 und 2 (1975)
Der Verlag brachte zu dieser Zeit auch andere Comicbücher heraus wie „Prinz Eisenherz“, „Sigurd“ oder „Ich Popeye“.