Der große böse Wolf (Cartoon)
| Der große böse Wolf | |
|---|---|
| The Big Bad Wolf | |
| © Disney • Quelle: keine | |
| Uraufführung: | 14. April 1934 |
| Titelheld: | Drei kleine Schweinchen |
| Regie: | Burton Gillett |
| Animation: | unbekannt |
| Drehbuch: | unbekannt |
| Produktion: | Walt Disney |
| Musik: | Frank Churchill |
| Länge: | 9 Minuten |
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Am 14. April 1934 kam der Silly-Symphony-Cartoon Der große böse Wolf (engl. The Big Bad Wolf) in die Kinos. Regie führte Burton Gillett.
Figuren und ihre Sprecher
- Ede Wolf, Billy Bletcher
- Schweinchen Schlau, Pinto Colvig
- Pfeifer, Mary Moder
- Fiedler, Dorothy Compton
- Rotkäppchen, Shirley Reed
- Großmutter, unbekannt
Handlung
Schweinchen Schlau bessert gerade etwas an seinem Haus aus, als Rotkäppchen vorbeikommt und den drei kleinen Schweinchen erzählt, dass sie ihre Großmutter besuchen möchte. Schlau ermahnt sie, auf dem rechten Weg zu bleiben und nicht die Abkürzung zu nehmen, da im Wald der böse Wolf lauert. Doch seine Brüder Fiedler und Pfeifer bieten ihr Geleitschutz an und missachten die Warnung des schlauen Schweinchens.
Sie schlagen auf Wunsch der beiden den kurzen Weg durch den Wald ein und laufen Ede Wolf direkt in die Arme. Diesmal hat er sich als Fee verkleidet und möchte Rotkäppchen verspeisen. Nachdem sie näher kommen, werden sie von Ede angegriffen und die beiden Schweinchen können fliehen. Auch Rotkäppchen gelingt die Flucht.
Allerdings dringt Ede in das Haus der Großmutter ein und stürzt sich heißhungrig auf sie. Der Großmutter gelingt es dem Wolf zu entgehen und in den Schrank zu flüchten. Sie sperrt die Schranktür zu. Gerade, als der Wolf verärgert an dieser rüttelt, klopft Rotkäppchen an die Tür des Hauses. Der Wolf verkleidet sich nun als Großmutter, verkriecht sich im Bett und bittet Rotkäppchen herein. Rotkäppchen wundert sich, dass ihre vermeintliche Großmutter so große Augen, eine so große Nase und einen so großen Mund hat. Ede antwortet auf alle ihre Fragen, doch als sie sich für seinen Mund interessiert, enttarnt er sich und greift sie an. Nach einer wilden Verfolgungsjagd wird Rotkäppchen durch ihre Großmutter in den Schrank gezogen und ist fürs Erste vor dem Wolf sicher.
Fiedler und Pfeifer laufen in der Zwischenzeit panisch aus dem Wald und erzählen Schlau, was passiert ist. Er zieht los, um Rotkäppchen und ihre Großmutter zu retten. Während der Wolf noch damit beschäftigt ist, die Schranktür aufzubekommen, schleicht Schlau unbemerkt in Großmutters Haus und kippt Ede Popcorn in die Hose. Danach holt mit dem Schürharken etwas von der Glut und kippt ihm diese ebenfalls in die Hose. Ede rennt vor Schmerz davon und hinterlässt eine Popcorn-Spur.
Hintergrund
Nach dem überwältigenden Erfolg von Die drei kleinen Schweinchen produzierte Disney gleich im folgenden Jahr einen weiteren Cartoon mit den beliebten Figuren. Nachdem der erste Cartoon das Märchen von den drei kleinen Schweinchen adaptiert hatte, griffen die Disney-Künstler nun auf eine weitere traditionelle Erzählung als Inspirationsquelle zurück, in der ein Wolf als Antagonist auftaucht: Rotkäppchen. Rotkäppchen wird in die Welt der Schweinchen integriert, indem Schlau die Rollen sowohl der besorgten Mutter zu Beginn des Märchens, die Rotkäppchen vor dem kürzeren Weg durch den Wald warnt, als auch des Jägers, der den Wolf schließlich zur Strecke bringt und Rotkäppchen und ihre Großmutter rettet, übernimmt. Im Unterschied zur klassischen Version des Märchens werden Rotkäppchen und ihre Großmutter nicht gefressen, sondern flüchten vor dem Wolf in einen Schrank. Diese Umformung des Rotkäppchen-Stoffes ging allerdings nicht auf Disney zurück, denn bereits im 19. Jahrhunderts hatte es etliche abgemilderte Versionen gegeben, in denen der Wolf Rotkäppchen nicht verschlingt.[1]
Andere Elemente wurden extra für den Cartoon hinzuerfunden. Hierzu zählt vor allem die Verkleidung Edes als Fee, die durch den Wald schwebt, aber auch Schlaus Trick, den Wolf mit glühenden Kohlen und Popcorn in die Flucht zu schlagen. Dass Ede sich gerne verkleidet, um die Schweinchen fangen zu können, war auch schon im vorherigen Cartoon Die drei kleinen Schweinchen zu sehen gewesen und würde in den beiden folgenden Cartoons beibehalten werden.
Gegenüber allen anderen Schweinchen-Cartoons treten Fiedler und Pfeifer hier stark in den Hintergrund. Zu Beginn des Cartoons überzeugen sie Rotkäppchen davon, den Weg durch den Wald zu nehmen und später warnen sie Schlau, ansonsten spielen sie jedoch keine Rolle. Nach dem ersten Angriff im Wald versucht der Wolf auch gar nicht mehr, die Schweinchen zu fangen, sondern konzentriert sich auf Rotkäppchen und ihre Großmutter. Fiedler und Pfeifer werden in diesem Cartoon zudem dafür genutzt, das Lied Wer hat Angst vor’m bösen Wolf? zu singen und zu spielen, das inzwischen zur Erkennungsmelodie der Schweinchen geworden war.
Schlau besitzt in diesem Cartoon eine ganze Reihe an „Wolf-Vernichtern“ („wolf exterminators“), darunter schwere Waffen. Dies zeigt, dass die Gefahr, die durch den Wolf entstand, in den 1930ern immer realer wurde und man sich mit Maschinen gegen die eindringende Bedrohung wehren musste. Dies wirft einen Schatten auf die folgenden Cartoons und die Kriegsjahre, in der der Wolf zunehmend mit dem NS-Regime gleichgesetzt wurde.[2]
Trivia
Den Rotkäppchen-Stoff setzte Disney bereits 1922 mit Little Red Riding Hood in Cartoonform um, was zugleich seine erste Regiearbeit war. Rotkäppchen taucht zudem im früheren Silly-Symphonies-Cartoon Der Märchenkönig kurz auf.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Rotkäppchen in der Wikipedia
- ↑ Geoffrey Cocks (2004): The Wolf at the Door: Stanley Kubrick, History, and the Holocaust (New York: Peter Lang), S. 36.