LTB 36: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Bild:LTB_036-2.jpg|right|thumb|270px|Der wie die Leser zu diesem Zeitpunkt noch völlig ratlose Zeitungskönig Onkel Dettmar in "Donald und die Krebse in Burgunder" (© Egmont Ehapa)]] | [[Bild:LTB_036-2.jpg|right|thumb|270px|Der wie die Leser zu diesem Zeitpunkt noch völlig ratlose Zeitungskönig Onkel Dettmar in "Donald und die Krebse in Burgunder" (© Egmont Ehapa)]] | ||
Der erste von [[Romano Scarpa]] sowohl geschriebene als auch gezeichnete Comic erschien Anfang 1956 in zwei Teilen in zwei aufeinanderfolgenden Heften des [[Topolino]], der italienischen „Micky Maus“. Und wenn man in Kenntnis des Autor-Zeichners Scarpa der folgenden Jahre dieses Werk begutachtet, kann man nur sagen: Schon 1956 war bei Scarpa „alles da“: Bild- und Wortwitz, Charaktere, Handlungsführung, Spannung, Raffinement, filmaffine Montagetechniken, sowie die für diesen italienischen Disney-Künstler so typische Empathie. Scarpa hatte sich bereits volle drei Jahre mit dem Skript beschäftigt und es dabei mehrfach überarbeitet, doch der Verlag [[Mondadori]] ließ Scarpa zunächst einige Skripte anderer Autoren umsetzen, bevor er mit seiner eigenen Story zum Zuge kam. So ein langer Vorlauf wäre beim späteren Produktionsdruck nicht mehr vorstellbar gewesen, doch man merkt dem Endergebnis „Krebse in Burgunder“ das liebevolle Feilen an Kleinigkeiten heute noch an. Als 1961 ein [[I Classici di Walt Disney|I Classici]]-Band den Kriminalfällen der Ducks („I Gialli“ – „die Gelben“ – ist ein italienischer Begriff für Kriminalgeschichten) gewidmet wurde, war der Rückgriff auf diesen Erstling Scarpas eine logische Wahl. Bereits die ersten beiden Seiten (S. 73/74) spielen exquisit und leichtfüßig mit dem damals noch zwielichtigeren Image dieser Form der Unterhaltungsliteratur: Donald „verschlingt“ geradezu, vor Aufregung schwitzend, einen Kriminalroman des Autors „Edgar Spallace“. Doch das ist ihm offensichtlich etwas peinlich, und als seine Neffen aus dem Polizeibericht des „Rasenden Kuriers“ vorlesen, nimmt er selbst instinktiv die „Hände hoch!“, kaschiert das aber, indem er vorgibt, gerade seine Morgengymnastik zu beginnen. Als Erziehungsberechtigter sorgt er sich vorgeblich um das sittliche Wohl seiner Neffen, nimmt ihnen dieses „Revolverblatt“ weg und zerreißt es demonstrativ. Alles Fassade: Er reagiert extrem begeistert, als Onkel Dettmar („eine Schande, daß einer unserer Verwandten so ein Blatt herausgibt“) ihm telefonisch eine Arbeit für diese Zeitung anbietet: „Ich habe schon immer davon geträumt…“ (S. 75) Eine weitere interessante Ebene dieses Werks ergibt sich aus der Spionage-Handlung. Mitten im Kalten Krieg wählt Scarpa als Protagonisten dieses globalpolitischen Konfliktes einen sanften Dissidenten, geradezu einen Künstler am Herd, dem der Hyperkapitalist Dagobert – natürlich „im Einvernehmen mit unserer Regierung“ – bei seinen Ausreiseplänen unter die Arme greift. Man vergleiche diesen Ansatz bei einem italienischen Autor mit [[Carl Barks]], der etwa ein Jahr später mit den „Brutopiern“ eher die menschenunwürdige, kalte und machtbesessene Seite des Kommunismus herausarbeitet und sich damit ganz auf die Seite der eigenen US-amerikanischen Propaganda schlägt. (15/15 - | Der erste von [[Romano Scarpa]] sowohl geschriebene als auch gezeichnete Comic erschien Anfang 1956 in zwei Teilen in zwei aufeinanderfolgenden Heften des [[Topolino]], der italienischen „Micky Maus“. Und wenn man in Kenntnis des Autor-Zeichners Scarpa der folgenden Jahre dieses Werk begutachtet, kann man nur sagen: Schon 1956 war bei Scarpa „alles da“: Bild- und Wortwitz, Charaktere, Handlungsführung, Spannung, Raffinement, filmaffine Montagetechniken, sowie die für diesen italienischen Disney-Künstler so typische Empathie. Scarpa hatte sich bereits volle drei Jahre mit dem Skript beschäftigt und es dabei mehrfach überarbeitet, doch der Verlag [[Mondadori]] ließ Scarpa zunächst einige Skripte anderer Autoren umsetzen, bevor er mit seiner eigenen Story zum Zuge kam. So ein langer Vorlauf wäre beim späteren Produktionsdruck nicht mehr vorstellbar gewesen, doch man merkt dem Endergebnis „Krebse in Burgunder“ das liebevolle Feilen an Kleinigkeiten heute noch an. Als 1961 ein [[I Classici di Walt Disney|I Classici]]-Band den Kriminalfällen der Ducks („I Gialli“ – „die Gelben“ – ist ein italienischer Begriff für Kriminalgeschichten) gewidmet wurde, war der Rückgriff auf diesen Erstling Scarpas eine logische Wahl. Bereits die ersten beiden Seiten (S. 73/74) spielen exquisit und leichtfüßig mit dem damals noch zwielichtigeren Image dieser Form der Unterhaltungsliteratur: Donald „verschlingt“ geradezu, vor Aufregung schwitzend, einen Kriminalroman des Autors „Edgar Spallace“. Doch das ist ihm offensichtlich etwas peinlich, und als seine Neffen aus dem Polizeibericht des „Rasenden Kuriers“ vorlesen, nimmt er selbst instinktiv die „Hände hoch!“, kaschiert das aber, indem er vorgibt, gerade seine Morgengymnastik zu beginnen. Als Erziehungsberechtigter sorgt er sich vorgeblich um das sittliche Wohl seiner Neffen, nimmt ihnen dieses „Revolverblatt“ weg und zerreißt es demonstrativ. Alles Fassade: Er reagiert extrem begeistert, als Onkel Dettmar („eine Schande, daß einer unserer Verwandten so ein Blatt herausgibt“) ihm telefonisch eine Arbeit für diese Zeitung anbietet: „Ich habe schon immer davon geträumt…“ (S. 75) Eine weitere interessante Ebene dieses Werks ergibt sich aus der Spionage-Handlung. Mitten im Kalten Krieg wählt Scarpa als Protagonisten dieses globalpolitischen Konfliktes einen sanften Dissidenten, geradezu einen Künstler am Herd, dem der Hyperkapitalist Dagobert – natürlich „im Einvernehmen mit unserer Regierung“ – bei seinen Ausreiseplänen unter die Arme greift. Man vergleiche diesen Ansatz bei einem italienischen Autor mit [[Carl Barks]], der etwa ein Jahr später mit den „Brutopiern“ eher die menschenunwürdige, kalte und machtbesessene Seite des Kommunismus herausarbeitet und sich damit ganz auf die Seite der eigenen US-amerikanischen Propaganda schlägt. (15/15 - Perfect) [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 06:47, 3. Jul. 2024 (CEST) | ||
Einen ausführlichen enzyklopädischen Artikel zum Scarpa-Klassiker „Krebse in Burgunder“ mit einer Fülle weiterer Hintergründe bietet die Duckipedia [[Krebse in Burgunder|hier]]. | Einen ausführlichen enzyklopädischen Artikel zum Scarpa-Klassiker „Krebse in Burgunder“ mit einer Fülle weiterer Hintergründe bietet die Duckipedia [[Krebse in Burgunder|hier]]. | ||