LTB 38: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen

KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 48: Zeile 48:
{{gut}} [[Onkel Dagobert]] bekommt beim [[Tobia|„Alten Anton“]], einem Trödler, zu einem Grammophon eine Schriftrolle, die den Weg zu einer mysteriösen Wünschelflöte weist, gratis mit dazu. Doch die Reise, zu der Dagobert [[Donald]] und die [[Tick, Trick und Track|Kinder]] in einem Superfrosch-Gefährt abholt, gilt nicht der Flöte, sondern seinen Froschfarmen, die seit einiger Zeit mit einer seltsamen Austrocknung zu kämpfen haben. Hinter dem Gebirge stoßen die Ducks in einem verborgenen Tal auf ein Volk, bei dem Traurigkeit und Weinerlichkeit Pflichtprogramm sind – wer dem nicht entspricht und freudig tut, wie die Donald und die Kinder, werden eingebuchtet. Dagobert hat den Braten früh genug gerochen und bleibt auf freiem Fuß. Er findet heraus, dass er zufällig im Tal der Wünschelflöte gelandet ist. Ein wohlmeinender Untertan, ein alter Mann, den Dagobert bei Erfüllung ihrer Heulpflicht als möglichen Komplizen erkannt hat, klärt auf: Die Wünschelflöte ist in einer Höhle hinter einem künstlichen Wasserfall – dort bleibt also das Wasser  –  verborgen. Sie hatte früher die Menschen im Tal mit ihren Wohlklängen erfreut, wurde aber aufgrund einer schlechten Prophezeiung von den Herrschern des Tals aus dem Verkehr gezogen: Ihre Herrschaft werde enden, wenn alle Menschen im Tal gleichzeitig lachten. Dagobert befreit seine Verwandten, beschafft sich im Berg die Flöte, kann ihr aber nur einige schiefe Töne entlocken. Anders sein „Komplize“: Dessen wunderschönes Spiel auf der Flöte spornt die Bewohner zum Gelächter und zur Revolution gegen ihre Beherrscher an. Dagobert freilich erstarrt zu Gold: Auf ihn hatten die Flötentöne einen unheilvollen Einfluss. Erst in Entenhausen gelingt Donald, den Kindern und dem Alten Anton die Rückverwandlung, auf die alle mit Sekt anstoßen…
{{gut}} [[Onkel Dagobert]] bekommt beim [[Tobia|„Alten Anton“]], einem Trödler, zu einem Grammophon eine Schriftrolle, die den Weg zu einer mysteriösen Wünschelflöte weist, gratis mit dazu. Doch die Reise, zu der Dagobert [[Donald]] und die [[Tick, Trick und Track|Kinder]] in einem Superfrosch-Gefährt abholt, gilt nicht der Flöte, sondern seinen Froschfarmen, die seit einiger Zeit mit einer seltsamen Austrocknung zu kämpfen haben. Hinter dem Gebirge stoßen die Ducks in einem verborgenen Tal auf ein Volk, bei dem Traurigkeit und Weinerlichkeit Pflichtprogramm sind – wer dem nicht entspricht und freudig tut, wie die Donald und die Kinder, werden eingebuchtet. Dagobert hat den Braten früh genug gerochen und bleibt auf freiem Fuß. Er findet heraus, dass er zufällig im Tal der Wünschelflöte gelandet ist. Ein wohlmeinender Untertan, ein alter Mann, den Dagobert bei Erfüllung ihrer Heulpflicht als möglichen Komplizen erkannt hat, klärt auf: Die Wünschelflöte ist in einer Höhle hinter einem künstlichen Wasserfall – dort bleibt also das Wasser  –  verborgen. Sie hatte früher die Menschen im Tal mit ihren Wohlklängen erfreut, wurde aber aufgrund einer schlechten Prophezeiung von den Herrschern des Tals aus dem Verkehr gezogen: Ihre Herrschaft werde enden, wenn alle Menschen im Tal gleichzeitig lachten. Dagobert befreit seine Verwandten, beschafft sich im Berg die Flöte, kann ihr aber nur einige schiefe Töne entlocken. Anders sein „Komplize“: Dessen wunderschönes Spiel auf der Flöte spornt die Bewohner zum Gelächter und zur Revolution gegen ihre Beherrscher an. Dagobert freilich erstarrt zu Gold: Auf ihn hatten die Flötentöne einen unheilvollen Einfluss. Erst in Entenhausen gelingt Donald, den Kindern und dem Alten Anton die Rückverwandlung, auf die alle mit Sekt anstoßen…


Es gibt in diesem atmosphärischen [[Cimino]]/[[Cavazzano]], der schon vorher einmal im 2. Band der [[Donald Duck (Taschenbuch)|Donald Duck]]-Reihe erstmals auf Deutsch erschien, einige Parallelen zur vorigen Geschichte: Er ist nur drei Monate später entstanden, steht also im engen zeitlichen und künstlerischen Kontext der Jahre 1971/72. Das Abenteuer-Gefährt (Superfrosch statt Einbaum) ist recht ähnlich, die sich um eine fantasievolle Legende aufbauende Handlung ist ähnlich actionreich und spannend. Mir würde die „Wünschelflöte“ ja besser gefallen, wären nicht auch die Mängel der „unsichtbaren Berge“ bei Beendigung der Handlung wiederholt und sogar gesteigert: Dass Dagobert zu Gold erstarrt, passt gar nicht zum Vorangehenden und zu den Qualitäten der Flöte. Dass der Alte Anton am Ende nicht als die Figur vom Anfang erkannt worden zu sein scheint, sollte aber eher ein Patzer der Übersetzung sein. Was ich ziemlich genial finde und immer fand, ist die Idee dieses Trübsal blasenden Volkes, dessen Herrscher Fröhlichkeit ahnden und Heulsusigkeit zur ersten Bürgerpflicht erhoben haben. Irgendwie musste ich da immer an uns Deutsche denken… [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 14:51, 16. Feb. 2024 (CET)
Es gibt in diesem atmosphärischen [[Cimino]]/[[Cavazzano]], der schon vorher einmal im 2. Band der [[Donald Duck (Taschenbuch)|Donald Duck]]-Reihe erstmals auf Deutsch erschien, einige Parallelen zur vorigen Geschichte: Er ist nur drei Monate später entstanden, steht also im engen zeitlichen und künstlerischen Kontext der Jahre 1971/72. Das Abenteuer-Gefährt (Superfrosch statt Einbaum) ist recht ähnlich, die sich um eine fantasievolle Legende aufbauende Handlung ist ähnlich actionreich und spannend. Mir würde die „Wünschelflöte“ ja besser gefallen, wären nicht auch die Mängel der „unsichtbaren Berge“ bei Beendigung der Handlung wiederholt und sogar gesteigert: Dass Dagobert zu Gold erstarrt, passt gar nicht zum Vorangehenden und zu den Qualitäten der Flöte. Dass der Alte Anton am Ende nicht als die Figur vom Anfang erkannt worden zu sein scheint, sollte aber eher ein Patzer der Übersetzung sein. Mehr noch: Auch der Münzhändler der folgenden "Handschuhe des Grafen Cagliostro" entspricht dieser von Cimino erfundenen Figur, was aber ebenfalls aus der Übersetzung von Gudrun Penndorf nicht hervorgeht. Was ich ziemlich genial finde und immer fand, ist die Idee dieses Trübsal blasenden Volkes, dessen Herrscher Fröhlichkeit ahnden und Heulsusigkeit zur ersten Bürgerpflicht erhoben haben. Irgendwie musste ich da immer an uns Deutsche denken… [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 14:51, 16. Feb. 2024 (CET)


== Die Handschuhe des Grafen Cagliostro==
== Die Handschuhe des Grafen Cagliostro==
Zeile 56: Zeile 56:
''„Hurra! Mit Cagliostros Handschuh verspüre ich nicht den geringsten Schmerz, dagegen in der nackten Hand… ojemineh!“'' (Onkel Dagobert)
''„Hurra! Mit Cagliostros Handschuh verspüre ich nicht den geringsten Schmerz, dagegen in der nackten Hand… ojemineh!“'' (Onkel Dagobert)


{{mm}} Seit Neuestem hat [[Onkel Dagobert]] beim Geldzählen immer so ein Stechen in den Fingern. [[Tick, Trick und Track]] verplempern ihre Zeit gar nicht erst mit einem Arzt, sondern gehen gleich zu einem Münzhändler: Die Positivität des Goldes habe ihn derart aufgeladen, dass ihm jetzt nur Ruhe helfe. In einem Urlaub in Venedig ersteigert Dagobert die Handschuhe des Grafen Cagliostro, mit denen ihm das Geldzählen jedenfalls nicht mehr wehtut. Das dicke Ende: Irgendwann spürt er, schon wieder auf eifriger Goldsuche, in den Fingern gar nichts mehr. Dank einer guten Tat – er schenkt die teuer erworbenen Handwärmer einem vorbeikommenden, frierenden Hundeschlittenfahrer – wird er jedoch vollständig geheilt. Sein Geld fasst er fürderhin zum Zählen nur noch mit der Kneifzange an…
{{mm}} Seit Neuestem hat [[Onkel Dagobert]] beim Geldzählen immer so ein Stechen in den Fingern. [[Tick, Trick und Track]] verplempern ihre Zeit gar nicht erst mit einem Arzt, sondern gehen gleich zu einem [[Tobia|Münzhändler]]: Die Positivität des Goldes habe ihn derart aufgeladen, dass ihm jetzt nur Ruhe helfe. In einem Urlaub in Venedig ersteigert Dagobert die Handschuhe des Grafen Cagliostro, mit denen ihm das Geldzählen jedenfalls nicht mehr wehtut. Das dicke Ende: Irgendwann spürt er, schon wieder auf eifriger Goldsuche, in den Fingern gar nichts mehr. Dank einer guten Tat – er schenkt die teuer erworbenen Handwärmer einem vorbeikommenden, frierenden Hundeschlittenfahrer – wird er jedoch vollständig geheilt. Sein Geld fasst er fürderhin zum Zählen nur noch mit der Kneifzange an…


Die von [[Giorgio Bordini]] umgesetzten Stories von [[Rodolfo Cimino]] sind ja meistens einen Zacken schwächer, und so ist es auch hier. Das liegt also weniger an der ganz manierlich durcherzählten Geschichte als an den uninspirierten Zeichnungen. Interessant, dass dem Großkapitalisten Dagobert vom Volk nur Unbill droht, wenn er sie durch sein Schmerzgeheul um die Nachtruhe bringt: „Aufhören mit der Heulerei!“ oder „Genug mit dem Gekreische“ steht auf den Pappschildern, mit denen die Entenhausener ihren reichsten Bürger erst einmal ins Ausland treiben. Erstaunlich wenig wird über den Grafen Cagliostro, den der Auktionär als „Zauberer“ einführt, erklärt (vielleicht ist das in Italien auch weniger nötig). Also: Der Graf Alessandro Cagliostro (*1743) war ein sizilianischer Alchimist, Lebemann und Hochstapler, seinerzeit eine europäische Berühmtheit, der 1795 in päpstlicher Haft starb. Mit „Zauberer“ freilich treibt man die Preise höher. [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 14:51, 16. Feb. 2024 (CET)
Die von [[Giorgio Bordini]] umgesetzten Stories von [[Rodolfo Cimino]] sind ja meistens einen Zacken schwächer, und so ist es auch hier. Das liegt also weniger an der ganz manierlich durcherzählten Geschichte als an den uninspirierten Zeichnungen. Interessant, dass dem Großkapitalisten Dagobert vom Volk nur Unbill droht, wenn er sie durch sein Schmerzgeheul um die Nachtruhe bringt: „Aufhören mit der Heulerei!“ oder „Genug mit dem Gekreische“ steht auf den Pappschildern, mit denen die Entenhausener ihren reichsten Bürger erst einmal ins Ausland treiben. Erstaunlich wenig wird über den Grafen Cagliostro, den der Auktionär als „Zauberer“ einführt, erklärt (vielleicht ist das in Italien auch weniger nötig). Also: Der Graf Alessandro Cagliostro (*1743) war ein sizilianischer Alchimist, Lebemann und Hochstapler, seinerzeit eine europäische Berühmtheit, der 1795 in päpstlicher Haft starb. Mit „Zauberer“ freilich treibt man die Preise höher. [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 14:51, 16. Feb. 2024 (CET)