Der Fledermausbandit von Inferno Gulch: Unterschied zwischen den Versionen

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== Handlung ==
== Handlung ==
Micky eilt voller Freude zu seiner Verlobten Minnie. Der Grund: Er hat die Idee, zusammen mit ihr Ferien im Wilden Westen auf Onkel Mortimers Ranch zu machen. Die Überraschung ist groß, denn Minnie hatte genau die selbe Idee und wollte gerade losgehen. Micky poliert seinen Revolver und die beiden fiebern dem Start des Urlaubs entgegen. Klarabella und Rudi helfen beim Packen und verabschieden ihre Nachbarn am Bahnhof. In der Westernstadt Inferno Gulch werden Micky und Minnie bereits von Onkel Mortimer, Minnies Verwandtem, erwartet. Er nimmt die beiden mit zur Ranch und zeigt ihnen alles. Darunter sind nicht nur die Angestellten, sondern auch die Bediensteten und Don Jollio, ein Nachbarrancher mit einer beeindruckend großen Rinderherde. Auch gibt es ein Wiedersehen mit Dampfschiff, Mickys Pferd, das er beim letzten Mal hatte. Doch es werden nicht nur schöne Dinge übermittelt: Onkel Mortimer sagt, in der Gegend treibt sich ein gemeiner Bandit im Fledermauskostüm herum, der es nicht gut meint mit seinen Mitmenschen. Aber ein Gegner kann Micky nach so vielen Abenteuern nicht mehr beeindrucken, sondern nur noch herausfordern. Später am Abend unternehmen die drei noch einen kleinen Ausritt in der kargen Landschaft und unter klarem Himmel. Doch als sie um eine Kurve biegen, geht es früher als erwartet los mit dem Abenteuer: Der Fledermausbandit überfällt gerade einen Goldschürfer!
Micky eilt voller Freude zu seiner Verlobten Minnie. Der Grund: Er hat die Idee, zusammen mit ihr Ferien im Wilden Westen auf Onkel Mortimers Ranch zu machen. Die Überraschung ist groß, denn Minnie hatte genau die selbe Idee und wollte gerade losgehen. Micky poliert seinen Revolver und die beiden fiebern dem Start des Urlaubs entgegen. Klarabella und Rudi helfen beim Packen und verabschieden ihre Nachbarn am Bahnhof. In der Westernstadt Inferno Gulch werden Micky und Minnie bereits von Onkel Mortimer, Minnies Verwandtem, erwartet. Er nimmt die beiden mit zur Ranch und zeigt ihnen alles. Darunter sind nicht nur die Angestellten, sondern auch die Bediensteten und Don Jollio, ein Nachbarrancher mit einer beeindruckend großen Rinderherde. Auch gibt es ein Wiedersehen mit Dampfschiff, Mickys Pferd, das er beim letzten Mal hatte.<ref>Siehe den entsprechenden Abschnitt unter „[[Der Fledermausbandit von Inferno Gulch#Hintergrund#Diskontinuität|Hintergrund]]“.</ref> Doch es werden nicht nur schöne Dinge übermittelt: Onkel Mortimer sagt, in der Gegend treibt sich ein gemeiner Bandit im Fledermauskostüm herum, der es nicht gut meint mit seinen Mitmenschen. Aber ein Gegner kann Micky nach so vielen Abenteuern nicht mehr beeindrucken, sondern nur noch herausfordern. Später am Abend unternehmen die drei noch einen kleinen Ausritt in der kargen Landschaft und unter klarem Himmel. Doch als sie um eine Kurve biegen, geht es früher als erwartet los mit dem Abenteuer: Der Fledermausbandit überfällt gerade einen Goldschürfer!


Er bedroht auch Micky, Minnie sowie Onkel Mortimer, ist aber in Eile. Also bläst er sie, obwohl er es eigentlich gerne täte, nicht weg, sondern macht sich schnell wieder mit Beute und abgenommen Waffen davon. Doch Micky hat gelernt. Er weiß, dass es am besten ist, den noch frischen Spuren des Diebes auf sicherem Abstand zu folgen. Das hat wohl nur noch niemand gemacht, weil sich der Fledermausdieb in Inferno Gulch einen abschreckenden Ruf erarbeitet hat. Micky reitet den Spuren bis zu Don Jollios Ranch hinterher. Er könnte schwören, den Dieb dort verschwinden gesehen zu haben. Weil er sein Pferd in der Scheune abgestellt haben oder sich dort verstecken könnte, beschließt Micky, diese einmal genauer zu untersuchen. Und siehe da: Unter dem Stroh tauchen plötzlich die Goldsäcke vom Überfall auf! Don Jollio ist sehr glücklich, dass Micky so mutig war und in der Scheune nachgesehen hat. Der Bandit war wahrscheinlich so sehr in Eile, dass er das Geld hier deponieren und es später, wenn die Luft rein ist, wieder abholen wollte. Doch diesen Plan konnte Micky nun vereiteln. Aber das ist nicht alles, denn schon am nächsten Morgen bekommt Micky die Antwort serviert: Er soll innerhalb von fünf Tagen die Stadt verlassen, sonst...
Er bedroht auch Micky, Minnie sowie Onkel Mortimer, ist aber in Eile. Also bläst er sie, obwohl er es eigentlich gerne täte, nicht weg, sondern macht sich schnell wieder mit Beute und abgenommen Waffen davon. Doch Micky hat gelernt. Er weiß, dass es am besten ist, den noch frischen Spuren des Diebes auf sicherem Abstand zu folgen. Das hat wohl nur noch niemand gemacht, weil sich der Fledermausdieb in Inferno Gulch einen abschreckenden Ruf erarbeitet hat. Micky reitet den Spuren bis zu Don Jollios Ranch hinterher. Er könnte schwören, den Dieb dort verschwinden gesehen zu haben. Weil er sein Pferd in der Scheune abgestellt haben oder sich dort verstecken könnte, beschließt Micky, diese einmal genauer zu untersuchen. Und siehe da: Unter dem Stroh tauchen plötzlich die Goldsäcke vom Überfall auf! Don Jollio ist sehr glücklich, dass Micky so mutig war und in der Scheune nachgesehen hat. Der Bandit war wahrscheinlich so sehr in Eile, dass er das Geld hier deponieren und es später, wenn die Luft rein ist, wieder abholen wollte. Doch diesen Plan konnte Micky nun vereiteln. Aber das ist nicht alles, denn schon am nächsten Morgen bekommt Micky die Antwort serviert: Er soll innerhalb von fünf Tagen die Stadt verlassen, sonst...
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Micky muss mit Entsetzen feststellen, dass auf ihn eine Belohnung ausgesetzt ist und sein Name auf einem Plakat mit dem Fledermausbanditen steht. Nachts kehrt Micky zu Onkel Mortimers Ranch zurück. Er hat einen Plan, will Minnie aber ausrichten, dass er in Sicherheit ist und es ihm gut geht. So lässt er durch Schüsse die Rinder wild werden, damit alle Cowboys abgelenkt sind. Jetzt kann er auch Don Jollios Scheune untersuchen. Micky stößt auf einen ungewöhnlichen Luftstoß, der aus dem Boden kommt. Und unter dem Stroh findet er eine wahre Verborgenheit: Einen Geheimgang, der direkt in Jollios Wohnzimmer mündet. Er kann mithören, wie der eigentliche Dieb für morgen einen weiteren Banküberfall plant. Also will Micky dem Fledermausbanditen zuvorkommen. Nach dem Treffen in der Bank liefern sich Micky und Don Jollio, der sein Kostüm wegwirft, ein heißes Rennen und danach einen harten Zweikampf. Doch nach vielen Wendungen und Windungen kann Micky ihn für sich entscheiden und den Banditen dem Sheriff vorführen. Das Abenteuer und auch der Urlaub sind vorbei. Nach einem köstlichen Abschiedsessen geht es für Minnie und Micky wieder zum Bahnhof und von dort aus zurück nach Hause, wo sie schon von Klarabella, Rudi und Pluto erwartet werden. Aber anstatt erst die beiden Nachbarn zu begrüßen, widmet Micky sich erst einmal Pluto und umarmt ihn kräftig!
Micky muss mit Entsetzen feststellen, dass auf ihn eine Belohnung ausgesetzt ist und sein Name auf einem Plakat mit dem Fledermausbanditen steht. Nachts kehrt Micky zu Onkel Mortimers Ranch zurück. Er hat einen Plan, will Minnie aber ausrichten, dass er in Sicherheit ist und es ihm gut geht. So lässt er durch Schüsse die Rinder wild werden, damit alle Cowboys abgelenkt sind. Jetzt kann er auch Don Jollios Scheune untersuchen. Micky stößt auf einen ungewöhnlichen Luftstoß, der aus dem Boden kommt. Und unter dem Stroh findet er eine wahre Verborgenheit: Einen Geheimgang, der direkt in Jollios Wohnzimmer mündet. Er kann mithören, wie der eigentliche Dieb für morgen einen weiteren Banküberfall plant. Also will Micky dem Fledermausbanditen zuvorkommen. Nach dem Treffen in der Bank liefern sich Micky und Don Jollio, der sein Kostüm wegwirft, ein heißes Rennen und danach einen harten Zweikampf. Doch nach vielen Wendungen und Windungen kann Micky ihn für sich entscheiden und den Banditen dem Sheriff vorführen. Das Abenteuer und auch der Urlaub sind vorbei. Nach einem köstlichen Abschiedsessen geht es für Minnie und Micky wieder zum Bahnhof und von dort aus zurück nach Hause, wo sie schon von Klarabella, Rudi und Pluto erwartet werden. Aber anstatt erst die beiden Nachbarn zu begrüßen, widmet Micky sich erst einmal Pluto und umarmt ihn kräftig!
== Hintergrund ==
=== Diskontinuität ===
Dampfschiff? Onkel Mortimers Ranch? Badlands? Welches Abenteuer haben die treuen Leser der Comicstrips denn hier verpasst? Diskontinuität ist in ein den [[Comicstrip]]s von [[Floyd Gottfredson]] fast nie aufkommendes Thema. Wenn, dann geht es meistens um Kontinuität: [[Micky Maus]] begegnet einem bereits bekannten Schurken wie [[Kater Karlo]] wieder oder unternimmt mit seinen Freunden, seien es [[Rudi Ross]], [[Klarabella Kuh]], [[Pluto]] oder seine Verlobte [[Minnie Maus]], ein erneutes Abenteuer. Alle Figuren sind den Lesern bekannt und sie kennen ihre Eigenschaften, da die Daily-Strips logisch aufeinander aufbauen – ähnlich wie der seit 1932 laufende Sonntagsstrip (der in Farbe und größerem Umfang erschien). Warum also scheint es hier unbekannte Parallelen zu geben? ''Der Fledermausbandit von Inferno Gulch'' ist im Wesentlichen die Fortsetzung eines Micky-Maus-Sonntagsstrips ({{sc|ZM 003}}; Titel: ''The Lair of Wolf Barker''). Einige Zeitungen, die die Strips damals veröffentlichten, druckten aber nur bestimmte ebendieser ab. Entweder die wöchentlichen Sonntagsstrips oder die täglichen Daily-Strips. Weil man die Leser ja schlecht im Dunkeln tappen lassen konnte, gab es so gut wie keine Schnittstellen zwischen den zwei Comic-Medien.<ref name="Einleitung">[[David Gerstein]]: Was bisher geschah... [[Floyd Gottfredson Library 3]], [[Egmont Ehapa Media]], Berlin 2021, S. 52</ref>
Doch bei ''Der Fledermausbandit von Inferno Gulch'' hat man genau das getan: Gerade Onkel Mortimer, der im Daily-Strip zuletzt in ''[[Micky Maus im Tal des Todes]]'' als exzentrischer steinreicher Onkel aufgetaucht war, ist in den Sonntagsseiten eine deutliche Wandlung durchlaufen: Vorher besaß er eine Käsefabrik, eine Villa und eine Goldmine, jetzt hatte er plötzlich eine Ranch. Er ist von einem dünnen, abgemagerten und schüchternen Geschäftemacher, der sich auch gerne mal auf Auslandsreisen befindet, wenn Micky seine Hilfe brauchen könnte, zu einem Rundlicheren und Gemütlichen seiner selbst geworden, der jetzt auch keinen Schnurrbart mehr wie 1930 bei seinem Erstauftritt hatte. Auch Mickys Pferd [[Dampfschiff]] (im englischen Original ''Steamboat'') ist für die Daily-Strip-Leser völlig neu.<ref name="Einleitung"></ref>
=== Inspirationsquellen ===
==== Cartoons und Film: ====
'''Langsame Distanzierung zu den Cartoons und Einarbeitung von Sequenzen aus „[https://de.wikipedia.org/wiki/The_Bat_Whispers The Bat Whispers]“'''
In den [[Cartoon]]s war [[Kater Karlo]] nach wie vor Mickys Erzfeind Nummer 1, aber in den Comicstrips begann [[Gottfredson]] allmählich, seine eigenen Gegenspieler zu entwickeln. Der erste dieser neuen Bösewichte war der schwarz gekleidete Outlaw, der von allen nur der „Fledermausbandit“ genannt wird. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen Ganoven im Kostüm mit Flügeln. Gerade durch dieses hat er einen gewaltigen Vorteil, denn seine wahre Identität ist verschleiert. Dadurch kann er blitzschnell auftauchen und dann wieder unter anderen Leuten verschwinden.<ref name="Vorwort">[[Thomas Andrae]]: Von Mäusen und Menschen. Floyd Gottfredson Library 3, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 9–11</ref>
Die Geschichte ist vom Cartoon ''[[Two-Gun Mickey]]'' (1934) inspiriert. Gottfredson borgte sich daraus die Kostümierung für Micky und [[Minnie Maus|Minnie]] sowie den Kleinganoven Red, dessen Aussehen von Karlos Gangmitgliedern im Trickfilm stammte. Don Jollio spricht mit einem spanischen Akzent, ebenso wie Karlo im Cartoon. Mickys Kampf mit dem Fledermausbanditen auf einer hohen Mesa ist beinahe eine Kopie der Szene, in der Micky und Karlo sich auf einer Klippe raufen. Allerdings geht ''Der Fledermausbandit von Inferno Gulch'' weit über ''Two-Gun Mickey'' hinaus, da sich der [[Comic]] wie ein Mysteryfilm der 1930er Jahre darstellt. Tatsächlich hat Gottfredson den Fledermäuserich direkt aus einem solchen Film entlehnt. Im frühen Tonfilm [https://de.wikipedia.org/wiki/The_Bat_Whispers The Bat Whispers] von 1930 gibt es einen schwarz gekleideten Bösewicht namens „The Bat“. Nicht nur Gottfredson, sondern auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Kane Bob Kane], der 1939 den bekannten Superhelden [https://de.wikipedia.org/wiki/Batman Batman] schuf, berufen sich auf diesen Film als Inspiration für ihre Fledermausmänner.<ref name="Vorwort"></ref>
Wie auch die Fledermaus im Film hinterlässt [[Gottfredson]]s Charakter kleine Warnhinweise an den unmöglichsten Orten, ohne dass jemals jemand gesehen hätte, wie sie dort hingelangt sind. In ''The Bat Whispers'' ist Detective Anderson, der den Räuber zur Strecke bringen will, in Wahrheit die Fledermaus; in Gottfredsons Geschichte ist Don Jollio – Vorsitzender des Viehzüchterverbands – in Wahrheit der Fledermausbandit. Selbst Don Jollios Versteck unter dem Stroh stammt direkt aus dem Film, nur dass die Fledermaus dort die Farm ausrauben will anstatt sich dort zu verstecken. ''Der Fledermausbandit von Inferno Gulch'' ist jedoch keine schlichte Kopie von ''The Bat Whispers''. Don Jollios Charakter ist in großem Maße von [https://de.wikipedia.org/wiki/Pancho_Villa Pancho Villa] inspiriert, über den Gottfredson viel gelesen hatte. Villa (1878–1923), der wie Don Jollio einen stämmigen Körperbau und einen auffälligen Schnauzbart hatte, war einer der prominentesten Generäle während der mexikanischen Revolution, der zu Beginn von den Vereinigten Staaten unterstützt und bewundert wurde. Seine Anhänger sahen in Villa einen Hüter der Gerechtigkeit, der reiche Hacienda-Besitzer ausraubte und die armen Bauern beschützte. Doch als Präsident [https://de.wikipedia.org/wiki/Woodrow_Wilson Woodrow Wilson] den Erzfeind von Villa, den mexikanischen Präsidenten Venustiano Carranza, unterstützte, startete der betrogene Villa einen tödlichen Rachefeldzug in Columbus, New Mexiko, der jedoch in einem Fiasko endete und bei dem über hundert von Villas eigenen Männern, aber „nur“ zehn US-Amerikaner ums Leben kamen. Über Nacht wurde Villa dadurch zum Staatsfeind Nummer 1, der auf beiden Seiten der Grenze akribisch gesucht wurde. ''Viva Villa'', ein Film, in dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Wallace_Beery Wallace Beery] den Titelhelden spielte, erschien kurz vor Gottfredsons Comicabenteuer und war sicherlich auch eine wichtige Inspirationsquelle.<ref name="Vorwort"></ref>
Es gab allerdings noch weitere Einflüsse. In Stummfilmzeiten gab es das Stereotyp des Latino-„Bandido“, der als unangenehmes Raubein dargestellt wurde. Dieses Bild änderte sich in den 1930ern, insbesondere mit der Serie ''Cisco Kid'', in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Warner_Baxter Warner Baxter] einen Banditen spielte, der eine Art romantisch verklärter Latino-Robin-Hood war. Wie Baxter spricht auch Jollio eigentlich Englisch und imitiert den mexikanischen Akzent lediglich zur Tarnung. Das war in sofern ein Glücksfall für Gottfredson, weil dieser gern mit Akzenten und Dialekten spielte und dies auch bei Don Jollio zur Schau stellen konnte.<ref name="Vorwort"></ref>
==== Private Ereignisse Gottfredsons ====
Mexikanische Outlaws interessierten Gottfredson auch auf einer persönlichen Ebene. Sein Onkel [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_Acord Art Acord], der Champion-Rodeoreiter und ein Westernstar war, starb 1931 unter mysteriösen Umständen in Mexiko. Die mexikanischen Behörden waren der Ansicht, dass Acord Selbstmord begangen hatte; aber Acords Freunde glaubten, er sei von Betrügern ermordet worden und dass es um eine örtliche Silbermine ging. [[Floyd Gottfredson]] war fasziniert von dem Thema und flocht einige Details aus Acords Leben in seine Geschichte ein: Als Micky ein Wildpferd namens „Dampfschiff“ (im Original ''Steamboat'') reitet, ist das nicht etwa eine Anspielung auf seinen ersten erfolgreichen Film ''[[Steamboat Willie]]'', sondern auf ''Old Steamboat'', ein legendäres Rennpferd aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, auf dem sich Acord beim Rodeo als einer der Ersten bis zum Zeitlimit halten konnte.<ref name="Vorwort"></ref>
=== Das Funny-Animal-Genre ===
Gottfredson hat in dieser Geschichte nicht nur einen bemerkenswerten neuen Gegner erfunden, sondern auch den Typus der „Funny-Animal“-Abenteuergeschichte gefestigt. Disney-Zeichner [[Carl Barks]] sollte dieses Genre einmal wie folgt beschreiben:
{{Zitat|Es geht um anthropomorphe [Tier]-Charaktere in realistischen Gefahrensituationen, [die] ihre Probleme auf amüsante Weise lösen.|Carl Barks}}
– Eine perfekte Beschreibung des finalen Kampfs zwischen [[Micky]] und Don Jollio, der zu Beginn realistisch und wirklich bedrohlich wirkt, sich am Ende aber in Gags verläuft. Gags kommen aus den Cartoons und sind deshalb so amüsant, weil klar ist, dass übertriebene Situationen (wie etwa das Verwenden eines Hundeschwanzes zum Antreiben eines Flugzeugs in {{sc|YM 001}} ([[Micky auf der geheimnisvollen Insel]]) im wahren Leben niemals passieren könnten. Doch im Gegensatz zu einem Cartoon, der auf den schnellen Gag aus ist, darf ein realistisch anmutender Abenteuercomic die spannende Atmosphäre nicht kaputt machen, und so müssen die Charaktere auch auf solch unwirklich erscheinende Situationen glaubwürdig reagieren. Mickys zunehmend wagemutigere Persönlichkeit war perfekt für diesen Spagat geeignet.<ref name="Vorwort"></ref>
=== Dialekte und Klischees ===
[[Floyd Gottfredson]], der gerne mit Dialekten und Akzenten der Figuren experimentierte, konnte sich bei ''Der Fledermausbandit von Inferno Gulch'' geradezu austoben. So verpasste er Don Jollio etwa einen typisch spanischen Akzent, der den Eindruck, dass der Nachbarrancher geheimnisvoll und fremd war, ungemein unterstützte. Auch einen chinesischen Koch ließ Gottfredson typisch asiatisch reden. Sein Originalname „Mr. Chinky“ (was auf Deutsch „Schlitz“ heißt, in Anspielung auf „Schlitzauge“) bedient aus heutiger Sicht ein besonders negatives Klischee. Dieser beiläufige Rassismus schlich sich 1934 selbst in das Werk wohlwollender und politisch unverdächtiger Cartoonisten ein.<ref name="Einleitung"></ref> In der ''[[Floyd Gottfredson Library]]'' wurde bei der Übertragung der Dialekte und Akzente, auch teils nicht mehr üblichen Slangs, Abstand genommen.<ref>David Gerstein und [[Gary Groth]]: Fer Gosh Sakes! Floyd Gottfredson Library 3, Egmont Ehapa Media, Berlin 2021, S. 14.</ref>


== Deutsche Veröffentlichungen ==
== Deutsche Veröffentlichungen ==
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*[[Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson]]
*[[Liste der Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson]]
*[[Floyd Gottfredson Library]]
*[[Floyd Gottfredson Library]]
== Einzelnachweise ==
<references />


[[Kategorie:Comicgeschichte]]
[[Kategorie:Comicgeschichte]]
[[Kategorie:Floyd Gottfredson]]
[[Kategorie:Floyd Gottfredson]]