LTB 13: Rezension: Unterschied zwischen den Versionen
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Es ist ein Mysterium um diesen [[Romano Scarpa]]. Immer wieder stellt sich dieser befriedigende Lesegenuss ein, obwohl die Handlung völlig unlogische Brüche aufweist. Warum stört das bei anderen Autoren/Zeichnern, aber nicht oder kaum bei Scarpa? Auch bei „Der Mann aus Ping-Pong“ mag man kaum tiefer bohren, was Scarpa uns da für inhaltliche Abstrusitäten anbietet. Nur die größte: Wieso klingt das Trichterfon MIT einem Gedankenlesegerät darin hervorragend, ohne aber furchtbar? Warum also…? Ich denke, dass die Vorzüge der Kunst Scarpas so herausstechen, dass man die Handlung häufig getrost gänzlich übersehen darf. Geheimnisvolle Atmosphäre (S. 39!), filmische Schnitte (S. 23!), dynamische Panelfolgen (S. 44!), überraschender Situationswitz (S. 60!), Charakterstudien voller Mitgefühl (S. 65!) erschaffen eine Erzählwelt ganz eigener Dichte und Eleganz. Ich bin auch der Auffassung, dass Scarpa in der Kombination all dieser Elemente und seiner unbändigen Kreativität bereits in seiner Schaffensphase von 1957 bis 1963 seinen Zenit erreichte, vorher noch etwas zu ungeschliffen und später etwas zu routiniert war. Mehr noch: Scarpa schafft es, selbst bei einer vom Leser bitte schön ernstzunehmenden Krimihandlung die Unlogik als eine Art Stilmittel zu gebrauchen, die dem Plot anhaftet, ohne ihn zu zersetzen. Dabei gibt es in „Der Mann von Ping-Pong“ ein charakteristisches Beispiel: Als am Ende Wolf Wohlklang die schrecklichen Töne des Trichterfons herrlich findet, manifestiert sich darin so etwas wie eine Logik der Verkehrung, die man intuitiv auf alle anderen Handlungsbrüche auch anzuwenden gewillt ist. Scarpa hält seine selbstgeschaffene Welt in der Schwebe, „spielt“ mit den Erwartungen und Wahrnehmungen seiner Leser im Bewusstsein, dass er es in seiner Könnerschaft darf. Und noch etwas: Kein Disney-Zeichner – nicht einmal [[Carl Barks]] – hat es verstanden, so gehaltvolle und sympathische „Nicht-Disney“-Nebenfiguren zu schaffen: Hier Moritz Mollton, den wir Leser einfach nicht schuldig sehen wollen, so sehr anfangs der Augenschein auch dagegenzusprechen scheint. Im Original ist Mollton übrigens „Der Mann aus Alcatraz“, deshalb meinen wir die Gefängnisinsel der ersten Seiten schon zu kennen. Ein Jahr vor dem 1963 erstpublizierten Scarpa-Comic hatte Burt Lancaster in dem Hollywoodfilm „Der Gefangene von Alcatraz“ ebenfalls einen sensiblen Künstler – oder besser Wissenschaftler – verkörpert. Sicherlich kannte Scarpa diesen Film und schöpfte daraus seine Inspiration. In der deutschen Fassung wurde die vor dem Hafen von San Francisco gelegene, tatsächlich existierende Gefängnisinsel zu „Ping-Pong“ verfremdet, wobei der Name an Sing-Sing, das staatliche Gefängnis im Bundesstaat New York, erinnern soll. | Es ist ein Mysterium um diesen [[Romano Scarpa]]. Immer wieder stellt sich dieser befriedigende Lesegenuss ein, obwohl die Handlung völlig unlogische Brüche aufweist. Warum stört das bei anderen Autoren/Zeichnern, aber nicht oder kaum bei Scarpa? Auch bei „Der Mann aus Ping-Pong“ mag man kaum tiefer bohren, was Scarpa uns da für inhaltliche Abstrusitäten anbietet. Nur die größte: Wieso klingt das Trichterfon MIT einem Gedankenlesegerät darin hervorragend, ohne aber furchtbar? Warum also…? Ich denke, dass die Vorzüge der Kunst Scarpas so herausstechen, dass man die Handlung häufig getrost gänzlich übersehen darf. Geheimnisvolle Atmosphäre (S. 39!), filmische Schnitte (S. 23!), dynamische Panelfolgen (S. 44!), überraschender Situationswitz (S. 60!), Charakterstudien voller Mitgefühl (S. 65!) erschaffen eine Erzählwelt ganz eigener Dichte und Eleganz. Ich bin auch der Auffassung, dass Scarpa in der Kombination all dieser Elemente und seiner unbändigen Kreativität bereits in seiner Schaffensphase von 1957 bis 1963 seinen Zenit erreichte, vorher noch etwas zu ungeschliffen und später etwas zu routiniert war. Mehr noch: Scarpa schafft es, selbst bei einer vom Leser bitte schön ernstzunehmenden Krimihandlung die Unlogik als eine Art Stilmittel zu gebrauchen, die dem Plot anhaftet, ohne ihn zu zersetzen. Dabei gibt es in „Der Mann von Ping-Pong“ ein charakteristisches Beispiel: Als am Ende Wolf Wohlklang die schrecklichen Töne des Trichterfons herrlich findet, manifestiert sich darin so etwas wie eine Logik der Verkehrung, die man intuitiv auf alle anderen Handlungsbrüche auch anzuwenden gewillt ist. Scarpa hält seine selbstgeschaffene Welt in der Schwebe, „spielt“ mit den Erwartungen und Wahrnehmungen seiner Leser im Bewusstsein, dass er es in seiner Könnerschaft darf. Und noch etwas: Kein Disney-Zeichner – nicht einmal [[Carl Barks]] – hat es verstanden, so gehaltvolle und sympathische „Nicht-Disney“-Nebenfiguren zu schaffen: Hier Moritz Mollton, den wir Leser einfach nicht schuldig sehen wollen, so sehr anfangs der Augenschein auch dagegenzusprechen scheint. Im Original ist Mollton übrigens „Der Mann aus Alcatraz“, deshalb meinen wir die Gefängnisinsel der ersten Seiten schon zu kennen. Ein Jahr vor dem 1963 erstpublizierten Scarpa-Comic hatte Burt Lancaster in dem Hollywoodfilm „Der Gefangene von Alcatraz“ ebenfalls einen sensiblen Künstler – oder besser Wissenschaftler – verkörpert. Sicherlich kannte Scarpa diesen Film und schöpfte daraus seine Inspiration. In der deutschen Fassung wurde die vor dem Hafen von San Francisco gelegene, tatsächlich existierende Gefängnisinsel zu „Ping-Pong“ verfremdet, wobei der Name an Sing-Sing, das staatliche Gefängnis im Bundesstaat New York, erinnern soll. | ||
Wer Interesse an noch mehr Details zu diesem Werk von Romano Scarpa hat, mag [[Der Mann aus Ping-Pong|hier]] weiterlesen. [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 22:27, 26. Mai 2024 (CEST) | Wer Interesse an noch mehr Details zu diesem Werk von Romano Scarpa hat, mag [[Der Mann aus Ping-Pong|hier]] weiterlesen. [[Benutzer:Hobrowili|Hobrowili]] ([[Benutzer Diskussion:Hobrowili|Diskussion]]) 22:27, 26. Mai 2024 (CEST) | ||