Erika Fuchs: Unterschied zwischen den Versionen
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Der [[Ehapa Verlag]] als deutscher Ableger des dänischen Mutterkonzerns hatte 1951 lediglich vier Mitarbeiter. Deren Aufgabe bestand darin, allmonatlich eine Ausgabe des [[Micky Maus Magazin|Micky Maus Hefts]] zu veröffentlichen und zu bewerben. Einer von ihnen war der Verlagskaufmann [[Adolf Kabatek]], der den Ehapa-Verlag bis 1988 als Geschäftsführer leiten sollte. Am 29. August 1951 erschien das erste Heft von „Walt Disney’s Micky Maus – Das bunte Monatsheft“. Der Erfolg war so groß, dass schon 1956 auf zweiwöchige Erscheinungsweise umgestellt wurde und 1957 auf wöchentliche Erscheinungsweise. | Der [[Ehapa Verlag]] als deutscher Ableger des dänischen Mutterkonzerns hatte 1951 lediglich vier Mitarbeiter. Deren Aufgabe bestand darin, allmonatlich eine Ausgabe des [[Micky Maus Magazin|Micky Maus Hefts]] zu veröffentlichen und zu bewerben. Einer von ihnen war der Verlagskaufmann [[Adolf Kabatek]], der den Ehapa-Verlag bis 1988 als Geschäftsführer leiten sollte. Am 29. August 1951 erschien das erste Heft von „Walt Disney’s Micky Maus – Das bunte Monatsheft“. Der Erfolg war so groß, dass schon 1956 auf zweiwöchige Erscheinungsweise umgestellt wurde und 1957 auf wöchentliche Erscheinungsweise. | ||
Obwohl Erika Fuchs dem ihr bislang unbekannten Medium Comic anfangs sehr skeptisch gegenüberstand und Comics generell als anspruchslose Unterhaltungslektüre für Kinder galten (ganz zu schweigen von ihrem Ruf als „Schmutz und Schund“), nahm sie ihre Aufgabe sehr ernst und erkannte bald die | Obwohl Erika Fuchs dem ihr bislang unbekannten Medium Comic anfangs sehr skeptisch gegenüberstand und Comics generell als anspruchslose Unterhaltungslektüre für Kinder galten (ganz zu schweigen von ihrem Ruf als „Schmutz und Schund“), nahm sie ihre Aufgabe sehr ernst und erkannte bald die sprachlichen Möglichkeiten des Genres, zumal sie als Übersetzerin große gestalterische Freiheit hatte. Viel später, als sie eine gesuchte Interview-Partnerin geworden war, erzählte sie oft, dass sie sich am Anfang gar nicht vorstellen konnte, dass jemand so etwas kaufen würde. Auch las sie die Disney-Comics nie zum privaten Vergnügen, sondern nur für die Arbeit (die übrigens gut bezahlt war). | ||
In den frühen 1950er Jahren hatte die deutsche Redaktion mit Erika Fuchs und Adolf Kabatek noch Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der Hefte. Manche vom dänischen Mutterhaus gelieferten, qualitativ unzureichenden Comics wurden in der ''Micky Maus'' nicht abgedruckt. Aber schon wenig später wurde der Inhalt der Hefte von Gutenberghus in Kopenhagen vorgegeben. Bis Anfang der 1970er Jahre übersetzte Erika Fuchs alle Texte alleine. 1974 kam [[Dorit Kinkel]] zur Redaktion der ''Micky Maus'', und Erika Fuchs beschränkte ihre übersetzerische Tätigkeit auf die Duck-Geschichten, noch später auf die Geschichten von [[Carl Barks]], der inzwischen als herausragender Zeichner und Erzähler breite Anerkennung gefunden hatte. Viele Geschichten von Barks überarbeitete sie in den 1960er Jahren für die Serie [[Die tollsten Geschichten von Donald Duck – Sonderheft]], so dass es heute zahlreiche Barks-Geschichten in zwei verschiedenen Textfassungen gibt (umgangssprachlich „Fuchs I“ und „Fuchs II“ genannt). Aufgrund ihrer seit den 1970er Jahren stetig nachlassenden Sehkraft fiel ihr die Arbeit immer schwerer. 1988 trat Erika Fuchs offiziell in den Ruhestand, übernahm aber noch in den 1990er Jahren Übersetzungen für die [[Barks Library]]. Leider hat sie weder den Umfang ihrer eigenen Arbeiten dokumentiert noch Kopien ihrer Typoskripte aufbewahrt. Auch im Verlag ist dies nicht geschehen. Daher, und auch weil Erika Fuchs seit Beginn an innerhalb eines Redaktionsteams arbeitete, ist es fast unmöglich, genau zu sagen, welche Übersetzung zu 100 % von ihr stammt. 2022 wurde erstmals der Versuch unternommen, den Umfang ihrer Übersetzungsarbeit für den Ehapa Verlag zu rekonstruieren.<ref>Jörg Ungerer: ''Erika Fuchs-Werkverzeichnis (Fuchs-Index) bei Ehapa''. In: ''[[Der Donaldist]]'' Nr. 164, 2022, S. 49–59.</ref> | In den frühen 1950er Jahren hatte die deutsche Redaktion mit Erika Fuchs und Adolf Kabatek noch Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der Hefte. Manche vom dänischen Mutterhaus gelieferten, qualitativ unzureichenden Comics wurden in der ''Micky Maus'' nicht abgedruckt. Aber schon wenig später wurde der Inhalt der Hefte von Gutenberghus in Kopenhagen vorgegeben. Bis Anfang der 1970er Jahre übersetzte Erika Fuchs alle Texte alleine. 1974 kam [[Dorit Kinkel]] zur Redaktion der ''Micky Maus'', und Erika Fuchs beschränkte ihre übersetzerische Tätigkeit auf die Duck-Geschichten, noch später auf die Geschichten von [[Carl Barks]], der inzwischen als herausragender Zeichner und Erzähler breite Anerkennung gefunden hatte. Viele Geschichten von Barks überarbeitete sie in den 1960er Jahren für die Serie [[Die tollsten Geschichten von Donald Duck – Sonderheft]], so dass es heute zahlreiche Barks-Geschichten in zwei verschiedenen Textfassungen gibt (umgangssprachlich „Fuchs I“ und „Fuchs II“ genannt). Aufgrund ihrer seit den 1970er Jahren stetig nachlassenden Sehkraft fiel ihr die Arbeit immer schwerer. 1988 trat Erika Fuchs offiziell in den Ruhestand, übernahm aber noch in den 1990er Jahren Übersetzungen für die [[Barks Library]]. Leider hat sie weder den Umfang ihrer eigenen Arbeiten dokumentiert noch Kopien ihrer Typoskripte aufbewahrt. Auch im Verlag ist dies nicht geschehen. Daher, und auch weil Erika Fuchs seit Beginn an innerhalb eines Redaktionsteams arbeitete, ist es fast unmöglich, genau zu sagen, welche Übersetzung zu 100 % von ihr stammt. 2022 wurde erstmals der Versuch unternommen, den Umfang ihrer Übersetzungsarbeit für den Ehapa Verlag zu rekonstruieren.<ref>Jörg Ungerer: ''Erika Fuchs-Werkverzeichnis (Fuchs-Index) bei Ehapa''. In: ''[[Der Donaldist]]'' Nr. 164, 2022, S. 49–59.</ref> | ||