Benutzer:DavidB/Schnipsel: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:SCG-Streik1941.jpg|thumb|right|„Disney Artists on strike.“ Foto vom 29. Mai 1941]] | [[Datei:SCG-Streik1941.jpg|thumb|right|„Disney Artists on strike.“ Foto vom 29. Mai 1941]] | ||
[[Datei:SCG-Streik1941-Flyer.jpg|thumb|right|„Disney Strike is still on!“ Ein Flyer der streikenden Screen Cartoonist’s Guild.]] | [[Datei:SCG-Streik1941-Flyer.jpg|thumb|right|„Disney Strike is still on!“ Ein Flyer der streikenden Screen Cartoonist’s Guild.]] | ||
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==== 1937-1938: Bedrohung durch die International Alliance of Theatrical Stage Employees, Entstehung der Federation of Screen Cartoonists ==== | ==== 1937-1938: Bedrohung durch die International Alliance of Theatrical Stage Employees, Entstehung der Federation of Screen Cartoonists ==== | ||
[[Datei:Willie-bioff.jpg|thumb|x300px|right|Willie Bioff, Repräsentant der International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE)]] | [[Datei:Willie-bioff.jpg|thumb|x300px|right|Willie Bioff, Repräsentant der International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE)]] | ||
Willie Bioff war ein Mitglied der Bande des Gangsters Al Capone und der Westküsten-Chef der bereits genannten Gewerkschaft International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE). Die IATSE war 1937 Hollywoods größte und korrupteste Gewerkschaft und laut Branchenblatt ''Variety'' war es „ein offenes Geheimnis“, dass IATSE regelmäßig ganze Abteilungen eines Studios unter Vertrag nahm, um ihnen dann mit einem Streik zu drohen, sollten die Studios ihm nicht Schmiergeld zahlen.<ref name="historynet-picket" group="f">Jake S. Friedman (9.3.2017). „1941 Disney Strike: Picket Lines In Paradise“. [https://www.historynet.com/1941-disney-strike-picket-lines-paradise/ historynet.com] / [https://www.navytimes.com/news/your-navy/2019/09/02/how-the-troublemaker-unionized-disney-studios-and-then-joined-the-marines/ navytimes.com]</ref> | Willie Bioff war ein Mitglied der Bande des Gangsters Al Capone und der Westküsten-Chef der bereits genannten Gewerkschaft International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE). Die IATSE war 1937 Hollywoods größte und korrupteste Gewerkschaft und laut Branchenblatt ''Variety'' war es „ein offenes Geheimnis“, dass IATSE regelmäßig ganze Abteilungen eines Studios unter Vertrag nahm, um ihnen dann mit einem Streik zu drohen, sollten die Studios ihm nicht Schmiergeld zahlen.<ref name="historynet-picket" group="f">Jake S. Friedman (9.3.2017). „1941 Disney Strike: Picket Lines In Paradise“. [https://www.historynet.com/1941-disney-strike-picket-lines-paradise/ historynet.com] / [https://www.navytimes.com/news/your-navy/2019/09/02/how-the-troublemaker-unionized-disney-studios-and-then-joined-the-marines/ navytimes.com] / [https://babbittblog.com/picket-lines-in-paradise/ babbittblog.com]</ref> | ||
Trickfilmzeichner [[Art Babbitt]] wurde im Dezember 1937 von [[Dave Hilberman]] auf einen Artikel im „Time Magazine“ über Bioffs Methoden und seinen korrupten Einfluss auf die Filmindustrie aufmerksam gemacht. Von Bill Garity erfuhr Babbitt, dass eine IATSE-Gruppe bereits das Studio besuchte, und dass er der Gruppe besser zuvorkomme.<ref name="NvD">Aussage Art Babbitt in: „NLRB v. Disney“</ref><ref group="f">Jake S. Friedman (2022). „15: Defense Against the Enemy“ in: „The Disney Revolt: The Great Labor War of Animation's Golden Age“. Chicago Review Press. ISBN-10: {{ISBN|164160719X}} ISBN-13: {{ISBN|978-1641607193}}</ref> Babbitt beriet sich mit [[Roy O. Disney]], der ihn wiederum zu Disneys Disney-Vizepräsidenten und Chefjuristen [[Gunther Lessing]] schickte.<ref name="historynet-picket" group="f" /> Zusammen mit Lessing gründete Babbitt eine vom Unternehmen gesponserte Gewerkschaft, die ''Federation of Screen Cartoonists'' (FSC),<ref name="csun.edu-pledge">„Federation of Screen Cartoonists pledge“. [https://digital-collections.csun.edu/digital/collection/SFVH/id/293/ digital-collections.csun.edu]</ref> welche laut Lessing genau ihren Zwecken diente. Babbitt lud zum ersten Treffen der Gewerkschaft 35 Kollegen ein, darunter [[Hal Adelquist]], [[Norm Ferguson]], [[Fred Moore]], [[Woolie Reitherman]] und [[Frank Thomas]]. Zusammen mit Lessing erklärte er den Sinn der Gewerkschaft, die immer mehr an Mitgliedern gewann. Babbitt wurde zum Vorsitzenden gewählt.<ref name="NvD" /> | Trickfilmzeichner [[Art Babbitt]] wurde im Dezember 1937 von [[Dave Hilberman]] auf einen Artikel im „Time Magazine“ über Bioffs Methoden und seinen korrupten Einfluss auf die Filmindustrie aufmerksam gemacht. Von Bill Garity erfuhr Babbitt, dass eine IATSE-Gruppe bereits das Studio besuchte, und dass er der Gruppe besser zuvorkomme.<ref name="NvD">Aussage Art Babbitt in: „NLRB v. Disney“</ref><ref group="f">Jake S. Friedman (2022). „15: Defense Against the Enemy“ in: „The Disney Revolt: The Great Labor War of Animation's Golden Age“. Chicago Review Press. ISBN-10: {{ISBN|164160719X}} ISBN-13: {{ISBN|978-1641607193}}</ref> Babbitt beriet sich mit [[Roy O. Disney]], der ihn wiederum zu Disneys Disney-Vizepräsidenten und Chefjuristen [[Gunther Lessing]] schickte.<ref name="historynet-picket" group="f" /> Zusammen mit Lessing gründete Babbitt eine vom Unternehmen gesponserte Gewerkschaft, die ''Federation of Screen Cartoonists'' (FSC),<ref name="csun.edu-pledge">„Federation of Screen Cartoonists pledge“. [https://digital-collections.csun.edu/digital/collection/SFVH/id/293/ digital-collections.csun.edu]</ref> welche laut Lessing genau ihren Zwecken diente. Babbitt lud zum ersten Treffen der Gewerkschaft 35 Kollegen ein, darunter [[Hal Adelquist]], [[Norm Ferguson]], [[Fred Moore]], [[Woolie Reitherman]] und [[Frank Thomas]]. Zusammen mit Lessing erklärte er den Sinn der Gewerkschaft, die immer mehr an Mitgliedern gewann. Babbitt wurde zum Vorsitzenden gewählt.<ref name="NvD" /> | ||
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Der vom ''National Labor Relations Board'' als einzige Gewerkschaft der Disney-Studios gewählte FSC waren ohne Vertrag die Hände gebunden.<ref name="historynet-picket" group="f" /> Der Verhandlungsausschuss des FSC beriet sich, sie könnten Roy Disney eine Frist bis zum Unterzeichnen geben, ab der sie sich dann beim NLRB beschweren, sie könnten aber auch die FSC schließen. Stattdessen beschlossen sie, abzuwarten, damit die Disneys ihren Fehler einsehen können.<ref name="revolt-18" group="f" /> Ein weiterer Vertrag, den die FSC nach dem Umzug in die Studios in Burbank ausarbeitete, wurde ebenfalls ignoriert. Zuletzt stimmten sie dafür, die Studioleitung nicht unter Druck zu setzen, und die Versammlungen der FSC wurden seltener.<ref name="revolt-19" group="f">Jake S. Friedman (2022). „19: Dreams shattered“ in: „The Disney Revolt: The Great Labor War of Animation's Golden Age“. Chicago Review Press. ISBN-10: {{ISBN|164160719X}} ISBN-13: {{ISBN|978-1641607193}}</ref> | Der vom ''National Labor Relations Board'' als einzige Gewerkschaft der Disney-Studios gewählte FSC waren ohne Vertrag die Hände gebunden.<ref name="historynet-picket" group="f" /> Der Verhandlungsausschuss des FSC beriet sich, sie könnten Roy Disney eine Frist bis zum Unterzeichnen geben, ab der sie sich dann beim NLRB beschweren, sie könnten aber auch die FSC schließen. Stattdessen beschlossen sie, abzuwarten, damit die Disneys ihren Fehler einsehen können.<ref name="revolt-18" group="f" /> Ein weiterer Vertrag, den die FSC nach dem Umzug in die Studios in Burbank ausarbeitete, wurde ebenfalls ignoriert. Zuletzt stimmten sie dafür, die Studioleitung nicht unter Druck zu setzen, und die Versammlungen der FSC wurden seltener.<ref name="revolt-19" group="f">Jake S. Friedman (2022). „19: Dreams shattered“ in: „The Disney Revolt: The Great Labor War of Animation's Golden Age“. Chicago Review Press. ISBN-10: {{ISBN|164160719X}} ISBN-13: {{ISBN|978-1641607193}}</ref> | ||
[[Datei:Lessing-Gunther.jpg|thumb|right|[[Gunther Lessing]], Disneys Anwalt und Vize-Präsident des Unternehmens]] | |||
Am 25. März 1940 streikten Disneys Betreiber der Studio-Klimaanlage, bald darauf sollte sich die FSC die Kameramänner vertrösten, die mehr Lohn fordern. Von Mai bis Juni begannen die Kündigungen hunderter Mitarbeiter. Weitere Kündigungen konnte Disney nur durch Lohnkürzungen vermeiden.<ref name="revolt-19" group="f" /> Anfang September holte Lessing den FSC-Vorstand wieder in sein Büro, denn die Kameramänner waren nun größtenteils bei IATSE. Lessing plante, den Vorstand mit gefälschten Zahlen geplanter Lohnerhöhungen zu den Kameramännern zu schicken, während Lessing sie mit anderen, weniger kostspieligen Arbeiten beauftragt. Babbitt weigerte sich: „Wenn du ihnen das antust, werde ich das persönlich der IATSE melden, denn wenn du in der Lage bist, diesen Männern so etwas anzutun, nur weil sie der IATSE beigetreten sind, bist du in der Lage, das jedem von uns anzutun.“<ref group="e">„If you do that to them, I personally will report it to the IATSE, because if you are capable of pulling a trick like that on those men for joining the IATSE, you are capable of pulling the trick on any of us.“</ref><ref name="revolt-20" group="f" /> Die FSC entpuppte sich für dessen Vorstand als eine gelbe Gewerkschaft, die von einem Firmenmitarbeiter statt einem unabhängigen Dritten geleitet wird, die Firma finanziell und moralisch unterstützt und deshalb nicht alle Möglichkeiten einer Gewerkschaft ausnutzt.<ref>„Company union“. [https://en.wikipedia.org/wiki/Company_union wikipedia.org]</ref> In diesem Fall war sie vom Disney-Vizepräsidenten Lessing mitgegründet, um neben der Bedrohung durch IATSE auch die Gründung einer legitimen Gewerkschaft zu unterbinden.<ref name="collider" /> Bei einem späteren Treffen des FSCs am selben Tag beschloss der Vorstand, die FSC zu schließen.<ref name="historynet-picket" group="f" /><ref name="revolt-20" group="f" /> | Am 25. März 1940 streikten Disneys Betreiber der Studio-Klimaanlage, bald darauf sollte sich die FSC die Kameramänner vertrösten, die mehr Lohn fordern. Von Mai bis Juni begannen die Kündigungen hunderter Mitarbeiter. Weitere Kündigungen konnte Disney nur durch Lohnkürzungen vermeiden.<ref name="revolt-19" group="f" /> Anfang September holte Lessing den FSC-Vorstand wieder in sein Büro, denn die Kameramänner waren nun größtenteils bei IATSE. Lessing plante, den Vorstand mit gefälschten Zahlen geplanter Lohnerhöhungen zu den Kameramännern zu schicken, während Lessing sie mit anderen, weniger kostspieligen Arbeiten beauftragt<ref name="revolt-20" group="f" /> oder sogar kündigt.<ref group="f">Jake S. Friedman (13.03.2016). „Babbitt Boycotts his Boss“. [https://babbittblog.com/2016/03/13/babbitt-boycotts-his-boss/ babbittblog.com]</ref> Babbitt weigerte sich: „Wenn du ihnen das antust, werde ich das persönlich der IATSE melden, denn wenn du in der Lage bist, diesen Männern so etwas anzutun, nur weil sie der IATSE beigetreten sind, bist du in der Lage, das jedem von uns anzutun.“<ref group="e">„If you do that to them, I personally will report it to the IATSE, because if you are capable of pulling a trick like that on those men for joining the IATSE, you are capable of pulling the trick on any of us.“</ref><ref name="revolt-20" group="f" /> Die FSC entpuppte sich für dessen Vorstand als eine gelbe Gewerkschaft, die von einem Firmenmitarbeiter statt einem unabhängigen Dritten geleitet wird, die Firma finanziell und moralisch unterstützt und deshalb nicht alle Möglichkeiten einer Gewerkschaft ausnutzt.<ref>„Company union“. [https://en.wikipedia.org/wiki/Company_union wikipedia.org]</ref> In diesem Fall war sie vom Disney-Vizepräsidenten Lessing mitgegründet, um neben der Bedrohung durch IATSE auch die Gründung einer legitimen Gewerkschaft zu unterbinden.<ref name="collider" /> Bei einem späteren Treffen des FSCs am selben Tag beschloss der Vorstand, die FSC zu schließen.<ref name="historynet-picket" group="f" /><ref name="revolt-20" group="f" /> | ||
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:„In den 20 Jahren, die ich in diesem Geschäft verbracht habe, habe ich viele Stürme überstanden. Es war alles andere als ein leichter Weg. Es erforderte eine Menge Arbeit, Kampf, Entschlossenheit, Kompetenz, Vertrauen und vor allem Selbstlosigkeit. Manche Leute denken, dass es bei uns einen Klassenunterschied gibt. Sie fragen sich, warum manche Menschen bessere Plätze im Theater bekommen als andere. Sie fragen sich, warum manche Männer einen Parkplatz bekommen und andere nicht. Ich war immer der Meinung und werde immer der Meinung sein, dass die Männer, die am meisten zur Organisation beitragen, allein schon aus Respekt einige Privilegien genießen sollten. Meine erste Empfehlung an Sie alle lautet: Kehrt vor eurer eigenen Haustür, ihr können nichts erreichen, wenn ihr herumsitzt und darauf wartet, dass man euch alles sagt. Wenn ihr nicht so vorankommt, wie ihr solltet, dann tut etwas dagegen, anstatt zu meckern und zu knurren.“<ref name="wikipedia" /><ref name="washingtonpost">Francine Uenuma (04.09.2023), „Disney animators strike during WWII changed the company — and Hollywood“ [https://www.washingtonpost.com/history/2023/09/04/disney-animators-strike-1941-hollywood-snow-white/ washingtonpost.com]</ref> | :„In den 20 Jahren, die ich in diesem Geschäft verbracht habe, habe ich viele Stürme überstanden. Es war alles andere als ein leichter Weg. Es erforderte eine Menge Arbeit, Kampf, Entschlossenheit, Kompetenz, Vertrauen und vor allem Selbstlosigkeit. Manche Leute denken, dass es bei uns einen Klassenunterschied gibt. Sie fragen sich, warum manche Menschen bessere Plätze im Theater bekommen als andere. Sie fragen sich, warum manche Männer einen Parkplatz bekommen und andere nicht. Ich war immer der Meinung und werde immer der Meinung sein, dass die Männer, die am meisten zur Organisation beitragen, allein schon aus Respekt einige Privilegien genießen sollten. Meine erste Empfehlung an Sie alle lautet: Kehrt vor eurer eigenen Haustür, ihr können nichts erreichen, wenn ihr herumsitzt und darauf wartet, dass man euch alles sagt. Wenn ihr nicht so vorankommt, wie ihr solltet, dann tut etwas dagegen, anstatt zu meckern und zu knurren.“<ref name="wikipedia" /><ref name="washingtonpost">Francine Uenuma (04.09.2023), „Disney animators strike during WWII changed the company — and Hollywood“ [https://www.washingtonpost.com/history/2023/09/04/disney-animators-strike-1941-hollywood-snow-white/ washingtonpost.com]</ref> | ||
Walt Disneys Rede polarisierte seine Mitarbeiter und sorgte für weitere SCG-Mitgliedschaften.<ref name="wikipedia" /> | Walt Disneys Rede polarisierte seine Mitarbeiter und sorgte für weitere SCG-Mitgliedschaften.<ref name="wikipedia" /> | ||
[[Bild:SCG-Streik1941-card.jpg|thumb|right|Ausweis der SCG.]] | |||
Die SCG reichte Anfang Februar eine Beschwerde wegen unlauteren Arbeitspraktiken der Disney-Studios beim National Labor Relations Board ein, da die dortige Gewerkschaft FSC eine gelbe Gewerkschaft wäre. Sollte diese nicht aufgelöst werden, würden die Filme und Cartoons der Studios auf der ''unfair list'' landen, gegen deren Ausstrahlung vor den Kinos protestiert wird.<ref group="v">(04.02.1941). „‚Company Union‘ Charge Is Laid To Walt Disney“ in: ''Variety'' vom 5. Februar 1941, S. 15. [https://archive.org/details/variety141-1941-02 archive.org]</ref> Als Babbitt am 25. Februar Gewerkschaftsführer wurde,<ref group="v">(25.02.1941). „H’wood Labor Showdown“ in: ''Variety'' vom 26. Februar 1941, S. 1 und S. 20. [https://archive.org/details/variety141-1941-02 archive.org]</ref> erreichten die Spannungen zwischen Walt Disney und Babbitt ihren Höhepunkt.<ref name="wikipedia" /> Hilbermann war unter Babbitt Sekretär der SCG-Gruppe.<ref name="hilberman" group="f">Jake S. Friedman (10.09.2017). „The Truth about Dave Hilberman“. [https://babbittblog.com/2017/09/10/the-truth-about-dave-hilberman/ babbittblog.com]</ref> Anfang März wurden nach der Drohung der SCG die Disney-Studios auf die ''unfair list'' gesetzt,<ref group="v">(04.03.1941). „Extras Demand A Voice“ in: ''Variety'' vom 5. März 1941, S. 7 und 60. [https://archive.org/details/variety142-1941-03 archive.org]</ref> Ende März folgte ein weiteres Treffen von Sorrell im Namen der American Federation of Labor mit Lessing, um in den Disney-Studios eine legale Gewerkschaft einzusetzen.<ref group="v">(25.03.1941). „White Collar Workers’ Guild, 2,500 Emloyees, Sets Studio Demands“ in: ''Variety'' vom 26. März 1941, S. 23. [https://archive.org/details/variety142-1941-03 archive.org]</ref> Seit dem 29. März wechselte das Disney-Studio infolgedessen auf 40-Stunden-5-Tage-Wochen, um den Unterschied von Mitarbeitern mit einer 40-Stunden-Woche und denen mit einer 44-Stunden-Woche zu entfernen. Ehemalige 44-Stunden-Mitarbeiter bemerkten dies durch eine Lohnkürzung von zehn bis fünfzehn Prozent. Einer der Ansichten zu dieser Änderung kam von den Gewerkschafts-Leitern, welche vermuteten, dass die Studios die Löhne kürzten, um bei Verhandlungen mit der SCG eine niedrigere Ausgangslage zu haben und so Geld zu sparen.<ref group="v">(01.04.1941). „$3,000,000 Pay Back Storm“ in: ''Variety'' vom 2. April 1941, S. 7 und 12. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Am 15. April kam es beim National Labor Relations Board zum Verfahren gegen die Disney Studios wegen ihrer Leitung einer gelben Gewerkschaft.<ref group="v">(15.04.1941). „NLRB Vs. Disney“ in: ''Variety'' vom 16. April 1941, S. 21. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Die Verhandlungen von Sorrell im Namen der American Federation of Labor mit Lessing am selben Tag ließen Gewerkschaftsmitglieder mit dem Gefühl zurück, dass Lessing nur auf Zeit spiele.<ref group="v">(15.04.1941). „Studios Face Labor Shortage As Government Draws Heavily For Its Nat’l Defense Work“ in: ''Variety'' vom 16. April 1941, S. 21. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Ende April einigten sich Lessing und Sorrell auf einen vorübergehenden Waffenstillstand, während sich das Studio über die verschiedenen Gewerkschaften informiert. Dazu engagierten sie Walter Spreckels, den ehemaligen NLRB-Regionaldirektor für Los Angeles, als Berater.<ref group="v">(22.04.1941). „Truce at Disney Plant“ in: ''Variety'' vom 23. April 1941, S. 18. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> | Die SCG reichte Anfang Februar eine Beschwerde wegen unlauteren Arbeitspraktiken der Disney-Studios beim National Labor Relations Board ein, da die dortige Gewerkschaft FSC eine gelbe Gewerkschaft wäre. Sollte diese nicht aufgelöst werden, würden die Filme und Cartoons der Studios auf der ''unfair list'' landen, gegen deren Ausstrahlung vor den Kinos protestiert wird.<ref group="v">(04.02.1941). „‚Company Union‘ Charge Is Laid To Walt Disney“ in: ''Variety'' vom 5. Februar 1941, S. 15. [https://archive.org/details/variety141-1941-02 archive.org]</ref> Als Babbitt am 25. Februar Gewerkschaftsführer wurde,<ref group="v">(25.02.1941). „H’wood Labor Showdown“ in: ''Variety'' vom 26. Februar 1941, S. 1 und S. 20. [https://archive.org/details/variety141-1941-02 archive.org]</ref> erreichten die Spannungen zwischen Walt Disney und Babbitt ihren Höhepunkt.<ref name="wikipedia" /> Hilbermann war unter Babbitt Sekretär der SCG-Gruppe.<ref name="hilberman" group="f">Jake S. Friedman (10.09.2017). „The Truth about Dave Hilberman“. [https://babbittblog.com/2017/09/10/the-truth-about-dave-hilberman/ babbittblog.com]</ref> Anfang März wurden nach der Drohung der SCG die Disney-Studios auf die ''unfair list'' gesetzt,<ref group="v">(04.03.1941). „Extras Demand A Voice“ in: ''Variety'' vom 5. März 1941, S. 7 und 60. [https://archive.org/details/variety142-1941-03 archive.org]</ref> Ende März folgte ein weiteres Treffen von Sorrell im Namen der American Federation of Labor mit Lessing, um in den Disney-Studios eine legale Gewerkschaft einzusetzen.<ref group="v">(25.03.1941). „White Collar Workers’ Guild, 2,500 Emloyees, Sets Studio Demands“ in: ''Variety'' vom 26. März 1941, S. 23. [https://archive.org/details/variety142-1941-03 archive.org]</ref> Seit dem 29. März wechselte das Disney-Studio infolgedessen auf 40-Stunden-5-Tage-Wochen, um den Unterschied von Mitarbeitern mit einer 40-Stunden-Woche und denen mit einer 44-Stunden-Woche zu entfernen. Ehemalige 44-Stunden-Mitarbeiter bemerkten dies durch eine Lohnkürzung von zehn bis fünfzehn Prozent. Einer der Ansichten zu dieser Änderung kam von den Gewerkschafts-Leitern, welche vermuteten, dass die Studios die Löhne kürzten, um bei Verhandlungen mit der SCG eine niedrigere Ausgangslage zu haben und so Geld zu sparen.<ref group="v">(01.04.1941). „$3,000,000 Pay Back Storm“ in: ''Variety'' vom 2. April 1941, S. 7 und 12. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Am 15. April kam es beim National Labor Relations Board zum Verfahren gegen die Disney Studios wegen ihrer Leitung einer gelben Gewerkschaft.<ref group="v">(15.04.1941). „NLRB Vs. Disney“ in: ''Variety'' vom 16. April 1941, S. 21. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Die Verhandlungen von Sorrell im Namen der American Federation of Labor mit Lessing am selben Tag ließen Gewerkschaftsmitglieder mit dem Gefühl zurück, dass Lessing nur auf Zeit spiele.<ref group="v">(15.04.1941). „Studios Face Labor Shortage As Government Draws Heavily For Its Nat’l Defense Work“ in: ''Variety'' vom 16. April 1941, S. 21. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> Ende April einigten sich Lessing und Sorrell auf einen vorübergehenden Waffenstillstand, während sich das Studio über die verschiedenen Gewerkschaften informiert. Dazu engagierten sie Walter Spreckels, den ehemaligen NLRB-Regionaldirektor für Los Angeles, als Berater.<ref group="v">(22.04.1941). „Truce at Disney Plant“ in: ''Variety'' vom 23. April 1941, S. 18. [https://archive.org/details/variety142-1941-04 archive.org]</ref> | ||
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=== Streik === | === Streik === | ||
[[Datei:Egg plant-Strike.jpg|thumb|right|„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ (Symbolbild)<br>(© Disney)]] | [[Datei:Egg plant-Strike.jpg|thumb|right|„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ (Symbolbild)<br>(© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | ||
Schon in den ersten Flyern der Screen Cartoonist’s Guild wurde auf die Möglichkeit eines Streikes hingewiesen: | Schon in den ersten Flyern der Screen Cartoonist’s Guild wurde auf die Möglichkeit eines Streikes hingewiesen: | ||
:„Die Satzung der Guild sieht vor, dass ein Studio nur dann zum Streik aufgerufen werden darf, wenn ‚eine Mehrheit der Mitglieder jeder beteiligten Einheit der Gilde in geheimer Abstimmung dem Streik zugestimmt hat‘.“<ref group="e">„The Constitution of the Guild provides that no studio shall be called on strike unless ‚a majority of the members of each unit of the Guild involved shall have voted approval of said strike by secret ballot.‘“</ref><ref name="babbittblog-fake" group="f" /> | :„Die Satzung der Guild sieht vor, dass ein Studio nur dann zum Streik aufgerufen werden darf, wenn ‚eine Mehrheit der Mitglieder jeder beteiligten Einheit der Gilde in geheimer Abstimmung dem Streik zugestimmt hat‘.“<ref group="e">„The Constitution of the Guild provides that no studio shall be called on strike unless ‚a majority of the members of each unit of the Guild involved shall have voted approval of said strike by secret ballot.‘“</ref><ref name="babbittblog-fake" group="f" /> | ||
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Die gängige Theorie, dass die streikenden Mitarbeiter dabei als Clowns dargestellt wurden,<ref name="wikipedia" /><ref name="wesa" group="f" /> entspricht aber nicht der Wahrheit. Als unter anderem Babbitt und Bernard Wolf Mitte März 1941 die Szene animierten. war noch keine Rede von einem Streik.<ref group="f">(26.10.2016). „Dumbo! During Labor Unrest!“ [https://babbittblog.com/2016/10/26/dumbo-during-labor-unrest/ babbittblog.com]</ref> | Die gängige Theorie, dass die streikenden Mitarbeiter dabei als Clowns dargestellt wurden,<ref name="wikipedia" /><ref name="wesa" group="f" /> entspricht aber nicht der Wahrheit. Als unter anderem Babbitt und Bernard Wolf Mitte März 1941 die Szene animierten. war noch keine Rede von einem Streik.<ref group="f">(26.10.2016). „Dumbo! During Labor Unrest!“ [https://babbittblog.com/2016/10/26/dumbo-during-labor-unrest/ babbittblog.com]</ref> | ||
Der Streik war ein Medienereignis. Ihre künstlerischen Schilder zeigten Humor und Disney-Figuren,<ref name="wikipedia" /><ref name="wesa" group="f" /> die Schilder zeigten unter anderem die Sprüche „Disney Unfair!“, „One Genius Vs. 600 Guinea Pigs“ (sinngemäß „Ein Genie gegen 600 Versuchskaninchen“), „We Had No Scabs At Schlesingers“ („Bei [Leon] Schlesinger [Productions] hatten wir keine Streikbrecher“), „Leonardo, Michelangelo And Titian Were Union Men“ („Leonardo [da Vinci], Michelangelo und Tizian waren bei der Gewerkschaft“) und ein Bild von [[Pluto]] mit dem Titel „I’d Rather Be A Dog Than A Scab!“ („Ich wäre lieber ein Hund als ein Streikbrecher“)<ref name="awn">Tom Sito (19.07.2005). „The Disney Strike of 1941: How It Changed Animation & Comics“. [https://www.awn.com/animationworld/disney-strike-1941-how-it-changed-animation-comics awn.com]</ref> Schilder referierten ''The Reluctant Dragon'' („[[Der Drache wider Willen (Film)|Der Drache wider Willen]]“) und ''Happy Valley'' (später umbenannt in „[[Mickey and the Beanstalk|Micky und die Bohnenranke]]“ aus „[[Fröhlich, Frei, Spaß dabei]]“).<ref name="disney.fandom" /> Stadtexterne Polizisten versuchten, die Streikenden vom Grundstück der Disney-Studios fern zu halten, doch die Polizei von Burbank unterstützte Herbert Sorrell darin, dass die Mitarbeiter der Disney-Studios während des Streiks auch auf deren Grundstück durften.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Das Hauptquartier der streikenden Trickfilmzeichner bestand aus sechs Campingzelten und einer improvisierten Küche, die etwas abseits der Disney-Studios ein Lager abgrenzten. Dort besprachen sich die Streikenden, planten ihr weiteres Vorgehen und betrieben eine Suppenküche mit drei Mahlzeiten am Tag. Durch das Lager war es möglich, den Streikmarsch 24 Stunden am Tag aufrecht zu erhalten, pro Person wurden an abwechselnden Tagen zwei Stunden zugeteilt.<ref name="tsam-strike" /> | Der Streik war ein Medienereignis. Ihre künstlerischen Schilder zeigten Humor und Disney-Figuren,<ref name="wikipedia" /><ref name="wesa" group="f" /> die Schilder zeigten unter anderem die Sprüche „Disney Unfair!“, „One Genius Vs. 600 Guinea Pigs“ (sinngemäß „Ein Genie gegen 600 Versuchskaninchen“), „We Had No Scabs At Schlesingers“ („Bei [Leon] Schlesinger [Productions] hatten wir keine Streikbrecher“), „Leonardo, Michelangelo And Titian Were Union Men“ („Leonardo [da Vinci], Michelangelo und Tizian waren bei der Gewerkschaft“) und ein Bild von [[Pluto]] mit dem Titel „I’d Rather Be A Dog Than A Scab!“ („Ich wäre lieber ein Hund als ein Streikbrecher“)<ref name="awn">Tom Sito (19.07.2005). „The Disney Strike of 1941: How It Changed Animation & Comics“. [https://www.awn.com/animationworld/disney-strike-1941-how-it-changed-animation-comics awn.com]</ref> Schilder referierten ''The Reluctant Dragon'' („[[Der Drache wider Willen (Film)|Der Drache wider Willen]]“) und ''Happy Valley'' (später umbenannt in „[[Mickey and the Beanstalk|Micky und die Bohnenranke]]“ aus „[[Fröhlich, Frei, Spaß dabei]]“).<ref name="disney.fandom" /> Die Künstler verwendeten auf ihren Schildern Disneys Figuren gegen ihn.<ref>„Disney Animators’ Strike of 1941“. [https://ideologicalart.wordpress.com/labor-movement/disney/ ideologicalart.wordpress.com]</ref>Stadtexterne Polizisten versuchten, die Streikenden vom Grundstück der Disney-Studios fern zu halten, doch die Polizei von Burbank unterstützte Herbert Sorrell darin, dass die Mitarbeiter der Disney-Studios während des Streiks auch auf deren Grundstück durften.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Das Hauptquartier der streikenden Trickfilmzeichner bestand aus sechs Campingzelten und einer improvisierten Küche, die etwas abseits der Disney-Studios ein Lager abgrenzten. Dort besprachen sich die Streikenden, planten ihr weiteres Vorgehen und betrieben eine Suppenküche mit drei Mahlzeiten am Tag. Durch das Lager war es möglich, den Streikmarsch 24 Stunden am Tag aufrecht zu erhalten, pro Person wurden an abwechselnden Tagen zwei Stunden zugeteilt.<ref name="tsam-strike" /> | ||
[[Datei:SCG-Streik1941-Guillotine.jpg|thumb|x280px|right|Die Schlesinger-Trickfilmzeichner unterstützen die Disney-Künstler.]] | [[Datei:SCG-Streik1941-Guillotine.jpg|thumb|x280px|right|Die Schlesinger-Trickfilmzeichner unterstützen die Disney-Künstler.]] | ||
Dank der gemeinsamen Gewerkschaft boten Trickfilmzeichner anderer Studios wie den Leon Schlesinger Productions den Streikenden ihre Unterstützung an,<ref name="wikipedia" /> auch Trickfilmzeichner von Warner Bros., darunter [[Chuck Jones]], stellten ihre Autos zur Verfügung, um eine Autokolonne um das Disney-Studio zu bilden.<ref name="disney.fandom" /> Jones und andere Trickfilmzeichner von Schlesinger marschierten mittwochs mit, im Stil der Französischen Revolution gekleidet und eine Guillotinen-Attrappe tragend, in der Guillotine war eine nach Disneys Anwalt Gunther Lessing gestaltete, geköpfte Puppe.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Als das Gerücht aufkam, dass bezahlte Schläger die Streikenden verprügeln sollten, stellte SCG-Präsident Herbert Sorrell eine Gruppe Lockheed-Flugzeugmechaniker auf, die mit Schraubenschlüsseln bewaffnet den Streik bewachten.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Auch andere Gewerkschaften standen den Mitarbeitern bei: Die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter von [[Technicolor]], Williams und Pathé weigerten sich, Disney-Filme und -Cartoons zu bearbeiten.<ref name="tsam-strike" /><ref group="v">(03.06.1941). „U.S. Labor Conciliator Steps Into Disney-Cartoonists Strike Impasse“ in: ''Variety'' vom 4. Juni 1941, S. 23. [https://archive.org/details/variety142-1941-06 archive.org]</ref><ref group="f">Jake S. Friedman (18.05.2013). „Technicolor sides with Strikers“. [https://babbittblog.com/2013/05/18/technicolor-sides-with-strikers/ babbittblog.com]</ref> RKO drohte damit, Disney-Veröffentlichungen zu blockieren.<ref name="collider" /> Die Verbraucherschutzorganisation ''League of Women Shoppers'' organisierte Streiks an Kinos, in denen Disney-Filme und -Cartoons gezeigt wurden. Die Disney-Streikenden erstellten auch Schilder für andere Streiks, unter anderem für den Streik bei North American Aviation in Los Angeles.<ref name="tsam-strike" /> Die Zeitung Los Angeles Daily News setzte ihren Abdruck der Donald-Duck-[[Zeitungsstrip]]s aus, nachdem die örtliche Zeitungs-Gewerkschaft die Redaktion darauf hinwies, dass ihre Gewerkschafts-Mitglieder nicht verpflichtet werden dürfen, die Arbeit von bestreikten Betrieben zu übernehmen.<ref name="variety-10-06-41" group="v"/> | Dank der gemeinsamen Gewerkschaft boten Trickfilmzeichner anderer Studios wie den Leon Schlesinger Productions den Streikenden ihre Unterstützung an,<ref name="wikipedia" /> auch Trickfilmzeichner von Warner Bros., darunter [[Chuck Jones]], stellten ihre Autos zur Verfügung, um eine Autokolonne um das Disney-Studio zu bilden.<ref name="disney.fandom" /> Jones und andere Trickfilmzeichner von Schlesinger marschierten mittwochs mit, im Stil der Französischen Revolution gekleidet und eine Guillotinen-Attrappe tragend, in der Guillotine war eine nach Disneys Anwalt Gunther Lessing gestaltete, geköpfte Puppe.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Als das Gerücht aufkam, dass bezahlte Schläger die Streikenden verprügeln sollten, stellte SCG-Präsident Herbert Sorrell eine Gruppe Lockheed-Flugzeugmechaniker auf, die mit Schraubenschlüsseln bewaffnet den Streik bewachten.<ref name="cartoonresearch-ownwords" /> Auch andere Gewerkschaften standen den Mitarbeitern bei: Die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter von [[Technicolor]], Williams und Pathé weigerten sich, Disney-Filme und -Cartoons zu bearbeiten.<ref name="tsam-strike" /><ref group="v">(03.06.1941). „U.S. Labor Conciliator Steps Into Disney-Cartoonists Strike Impasse“ in: ''Variety'' vom 4. Juni 1941, S. 23. [https://archive.org/details/variety142-1941-06 archive.org]</ref><ref group="f">Jake S. Friedman (18.05.2013). „Technicolor sides with Strikers“. [https://babbittblog.com/2013/05/18/technicolor-sides-with-strikers/ babbittblog.com]</ref> RKO drohte damit, Disney-Veröffentlichungen zu blockieren.<ref name="collider" /> Die Verbraucherschutzorganisation ''League of Women Shoppers'' organisierte Streiks an Kinos, in denen Disney-Filme und -Cartoons gezeigt wurden. Die Disney-Streikenden erstellten auch Schilder für andere Streiks, unter anderem für den Streik bei North American Aviation in Los Angeles.<ref name="tsam-strike" /> Die Zeitung Los Angeles Daily News setzte ihren Abdruck der Donald-Duck-[[Zeitungsstrip]]s aus, nachdem die örtliche Zeitungs-Gewerkschaft die Redaktion darauf hinwies, dass ihre Gewerkschafts-Mitglieder nicht verpflichtet werden dürfen, die Arbeit von bestreikten Betrieben zu übernehmen.<ref name="variety-10-06-41" group="v"/> | ||
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==== [[Good Will Tour]] ==== | ==== [[Good Will Tour]] ==== | ||
[[Bild:Saludosamigos fmcampos.jpg|thumb|right|[[Walt Disney]] während der Produktion von ''[[Saludos Amigos]]'' – einem der zwei erfolgreichen Ergebnisse der „[[Good Will Tour]]“ <br>(© Disney)]] | [[Bild:Saludosamigos fmcampos.jpg|thumb|right|[[Walt Disney]] während der Produktion von ''[[Saludos Amigos]]'' – einem der zwei erfolgreichen Ergebnisse der „[[Good Will Tour]]“ <br>(© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | ||
Im Frühjahr 1941 bat der Leiter des "Office of Coordinator of Inter-American Affairs" (OCIAA) Nelson Rockefeller Walt Disney um eine Reise durch Südamerika, um die dortigen Menschen trotz wachsenden Einfluss der Nazis auf der Seite der USA zu wissen.<ref name="waltdisney-gwt">Keith Gluck (08.09.2016). „Walt and the Goodwill Tour“. [https://www.waltdisney.org/blog/walt-and-goodwill-tour waltdisney.org]</ref> Eine solche Reise, um die Wogen zwischen verschiedenen Ländern und/oder Menschen zu glätten, nennt man im Englischen „Goodwill tour“.<ref>„Goodwill tour“. [https://en.wikipedia.org/wiki/Goodwill_tour wikipedia.org]</ref> Die US-Regierung hatte schon vor Disney aus diesem Grund mehrere US-Botschafter nach Südamerika geschickt, doch nicht mit dem erhofften Ergebnis. Walt Disney lehnte das Angebot erst ab mit der Begründung, er wäre nicht gut darin, nur Hände zu schütteln. Erst der Vorschlag, die Tour stattdessen als Recherche-Reise für seine Filme zu betrachten, sowie die Aussicht, dass die Regierung die Reise bezahlen würde, reizte ihn. Ende Juli plante er bereits sein Gepäck, obwohl der Vertrag erst Anfang August unterschrieben wurde.<ref name="waltdisney-gwt" /> | Im Frühjahr 1941 bat der Leiter des "Office of Coordinator of Inter-American Affairs" (OCIAA) Nelson Rockefeller Walt Disney um eine Reise durch Südamerika, um die dortigen Menschen trotz wachsenden Einfluss der Nazis auf der Seite der USA zu wissen.<ref name="waltdisney-gwt">Keith Gluck (08.09.2016). „Walt and the Goodwill Tour“. [https://www.waltdisney.org/blog/walt-and-goodwill-tour waltdisney.org]</ref> Eine solche Reise, um die Wogen zwischen verschiedenen Ländern und/oder Menschen zu glätten, nennt man im Englischen „Goodwill tour“.<ref>„Goodwill tour“. [https://en.wikipedia.org/wiki/Goodwill_tour wikipedia.org]</ref> Die US-Regierung hatte schon vor Disney aus diesem Grund mehrere US-Botschafter nach Südamerika geschickt, doch nicht mit dem erhofften Ergebnis. Walt Disney lehnte das Angebot erst ab mit der Begründung, er wäre nicht gut darin, nur Hände zu schütteln. Erst der Vorschlag, die Tour stattdessen als Recherche-Reise für seine Filme zu betrachten, sowie die Aussicht, dass die Regierung die Reise bezahlen würde, reizte ihn. Ende Juli plante er bereits sein Gepäck, obwohl der Vertrag erst Anfang August unterschrieben wurde.<ref name="waltdisney-gwt" /> | ||
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=== Ende des Streiks === | === Ende des Streiks === | ||
[[Bild:Stormy visit.JPG|thumb|right|Nach Ende des Streiks wurde die Belegschaft in den Disney-Studios ausgedünnt. (Symbolbild)<br>(© Disney)]] | [[Bild:Stormy visit.JPG|thumb|right|Nach Ende des Streiks wurde die Belegschaft in den Disney-Studios ausgedünnt. (Symbolbild)<br>(© [[The Walt Disney Company|Disney]])]] | ||
„Der Streik war während Vaters Abwesenheit tatsächlich beigelegt worden“, so werden die Verhandlungen in „Mein Vater Walt Disney“ zusammengefasst.<ref name="mvwd" /> In der englischen Fassung wird Disney selbst zitiert: „Die Vorgehensweise, mit der die Angelegenheit geregelt wurde, war denkbar einfach. Die Verhandlungsführer gaben Sorrell praktisch alles, was er wollte.“<ref group="e">„‚When I got back the strike had been settled,‘ Father says. ‚The method used to settle it was simplicity itself. The negotiators gave Sorrell practically everything he wanted.‘“</ref><ref name="tsowd" /> Tatsächlich gab der Bundesvermittler der SCG in allen Punkten recht, und die Vertreter der Disney-Studios stimmten aus Angst vor dem Verlust von Regierungsaufträgen und der Rückforderung von Bankkrediten zu.<ref name="animationguild-tds" /> Die Wiedereinstellung der vor dem Streik entlassenen Mitarbeiter, eine Angleichung der Löhne, eine klarere Gehaltsstruktur und ein Beschwerdeverfahren waren Teil der Vereinbarung. Das National Labor Relations Board forderte die Vertreter des Studios auf, einen Gewerkschaftsvertrag zu unterzeichnen, und mit ihrem Zustimmen wurde der Streik beendet.<ref name="wikipedia" /> 400 Mitarbeiter erschienen bereits am 15. September wieder regulär im Betrieb, eine Woche später wurden durch Wiedereinstellungen zum Streikende 700 Mitarbeiter erwartet.<ref group="v">(16.09.1941). „400 report back for work at Disney plant“ in: ''Variety'' vom 17. September 1941, S. 27. [https://archive.org/details/variety143-1941-09/ archive.org]</ref> Am 21. September 1941 begann wieder der normale Arbeitsalltag: Die Gehälter für eine 40-Stunden-Woche verdoppelten sich über Nacht, und es wurden ausführlichere Namensnennungen in Filmen und Cartoons eingeführt. Die SCG vertrat nun 90 Prozent der Trickfilmzeichner in Hollywood.<ref name="awn" /><ref group="f">Jake S. Friedman (21.06.2013). „Feature Films and Screen Credits“. [https://babbittblog.com/2013/06/21/feature-films-and-screen-credits/ babbittblog.com]</ref> [[Roy O. Disney]] schrieb seinem Bruder, als dieser in Argentinien war, vom Ende des Streiks, das nicht gerade zu Gunsten der Studios verlief.<ref name="waltdisney-gwt" /> Als Walt Disney am 10. Oktober wieder in Hollywood ankam,<ref group="v">„Disney’s Tour ending Oct. 20“ in: ''Variety'' vom 1. Oktober 1941, S. 25. [https://archive.org/details/variety144-1941-10 archive.org]</ref> waren die Disney-Studios bereits ein gewerkschaftlicher Betrieb.<ref name="animationguild-tds" /> | „Der Streik war während Vaters Abwesenheit tatsächlich beigelegt worden“, so werden die Verhandlungen in „Mein Vater Walt Disney“ zusammengefasst.<ref name="mvwd" /> In der englischen Fassung wird Disney selbst zitiert: „Die Vorgehensweise, mit der die Angelegenheit geregelt wurde, war denkbar einfach. Die Verhandlungsführer gaben Sorrell praktisch alles, was er wollte.“<ref group="e">„‚When I got back the strike had been settled,‘ Father says. ‚The method used to settle it was simplicity itself. The negotiators gave Sorrell practically everything he wanted.‘“</ref><ref name="tsowd" /> Tatsächlich gab der Bundesvermittler der SCG in allen Punkten recht, und die Vertreter der Disney-Studios stimmten aus Angst vor dem Verlust von Regierungsaufträgen und der Rückforderung von Bankkrediten zu.<ref name="animationguild-tds" /> Die Wiedereinstellung der vor dem Streik entlassenen Mitarbeiter, eine Angleichung der Löhne, eine klarere Gehaltsstruktur und ein Beschwerdeverfahren waren Teil der Vereinbarung. Das National Labor Relations Board forderte die Vertreter des Studios auf, einen Gewerkschaftsvertrag zu unterzeichnen, und mit ihrem Zustimmen wurde der Streik beendet.<ref name="wikipedia" /> 400 Mitarbeiter erschienen bereits am 15. September wieder regulär im Betrieb, eine Woche später wurden durch Wiedereinstellungen zum Streikende 700 Mitarbeiter erwartet.<ref group="v">(16.09.1941). „400 report back for work at Disney plant“ in: ''Variety'' vom 17. September 1941, S. 27. [https://archive.org/details/variety143-1941-09/ archive.org]</ref> Am 21. September 1941 begann wieder der normale Arbeitsalltag: Die Gehälter für eine 40-Stunden-Woche verdoppelten sich über Nacht, und es wurden ausführlichere Namensnennungen in Filmen und Cartoons eingeführt. Die SCG vertrat nun 90 Prozent der Trickfilmzeichner in Hollywood.<ref name="awn" /><ref group="f">Jake S. Friedman (21.06.2013). „Feature Films and Screen Credits“. [https://babbittblog.com/2013/06/21/feature-films-and-screen-credits/ babbittblog.com]</ref> [[Roy O. Disney]] schrieb seinem Bruder, als dieser in Argentinien war, vom Ende des Streiks, das nicht gerade zu Gunsten der Studios verlief.<ref name="waltdisney-gwt" /> Als Walt Disney am 10. Oktober wieder in Hollywood ankam,<ref group="v">„Disney’s Tour ending Oct. 20“ in: ''Variety'' vom 1. Oktober 1941, S. 25. [https://archive.org/details/variety144-1941-10 archive.org]</ref> waren die Disney-Studios bereits ein gewerkschaftlicher Betrieb.<ref name="animationguild-tds" /> | ||
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*https://babbittblog.com/2016/05/27/letters-of-termination/ | *https://babbittblog.com/2016/05/27/letters-of-termination/ | ||
*https://babbittblog.com/2016/10/09/disney-and-the-mob-willie-bioff/ | *https://babbittblog.com/2016/10/09/disney-and-the-mob-willie-bioff/ | ||
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*https://jacobin.com/2021/05/disney-workers-animators-cartoonists-artists-strike-picket-1941-guild-scg-sorrell-babbitt | *https://jacobin.com/2021/05/disney-workers-animators-cartoonists-artists-strike-picket-1941-guild-scg-sorrell-babbitt | ||
*https://libcom.org/article/disney-cartoonists-strike-1941-sam-lowry | *https://libcom.org/article/disney-cartoonists-strike-1941-sam-lowry | ||