Goofy Holmes: Eine Soße in Scharlachrot: Unterschied zwischen den Versionen
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*[[Kommissar Hunter]] als Inspektor Lehunter (org. Inspector Basettstrade, verkörpert Inspektor Lestrade) | *[[Kommissar Hunter]] als Inspektor Lehunter (org. Inspector Basettstrade, verkörpert Inspektor Lestrade) | ||
*[[Inspektor Issel]] als Inspektor Grissel (org. Sergente Smanetson, verkörpert Inspektor Gregson) | *[[Inspektor Issel]] als Inspektor Grissel (org. Sergente Smanetson, verkörpert Inspektor Gregson) | ||
*[[Mack und Muck|Mack]] als Miggins (org. Tappins, verkörpert den Jungen | *[[Mack und Muck|Mack]] als Miggins (org. Tappins, verkörpert den Jungen Wiggins) | ||
*[[Tante Linda]] als Mrs. Hundson (org. Mrs. Hudsdog, verkörpert Mrs. Hudson) | *[[Tante Linda]] als Mrs. Hundson (org. Mrs. Hudsdog, verkörpert Mrs. Hudson) | ||
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Der Beginn der tief verbundenen Freundschaft zwischen Goofy Holmes und Mick Y. Mauson geht zurück auf das Jahr 1881. Der als Arzt praktizierende Mauson hatte sich bei einer langjährigen Mission im Ausland einen Namen gemacht und zahlreiche Verdienste für das Britische Empire geleistet. Nun aber zog es ihn zurück in sein Mutterland Großbritannien, wo er in London Ausschau nach einer komfortablen, aber nicht allzu teuren Unterkunft hielt. Er stieß dabei auf eine großzügige Wohnung in der Bäcker Street 221 B, wo ihn die aparte Vermieterin und Haushälterin Mrs. Hundson sogleich das Apartment im ersten Stock zeigte, das bereits von einem anderen Mieter bewohnt wurde. Da die Wohnung jedoch zu groß für eine einzelne Person war, suchte Mrs. Hundson einen gut situierten zweiten Mieter, der sich das Apartment mit Blick über die belebte Bäcker Street teilen wollte. | Der Beginn der tief verbundenen Freundschaft zwischen Goofy Holmes und Mick Y. Mauson geht zurück auf das Jahr 1881. Der als Arzt praktizierende Mauson hatte sich bei einer langjährigen Mission im Ausland einen Namen gemacht und zahlreiche Verdienste für das Britische Empire geleistet. Nun aber zog es ihn zurück in sein Mutterland Großbritannien, wo er in London Ausschau nach einer komfortablen, aber nicht allzu teuren Unterkunft hielt. Er stieß dabei auf eine großzügige Wohnung in der Bäcker Street 221 B, wo ihn die aparte Vermieterin und Haushälterin Mrs. Hundson sogleich das Apartment im ersten Stock zeigte, das bereits von einem anderen Mieter bewohnt wurde. Da die Wohnung jedoch zu groß für eine einzelne Person war, suchte Mrs. Hundson einen gut situierten zweiten Mieter, der sich das Apartment mit Blick über die belebte Bäcker Street teilen wollte. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-1.jpg|450px|mini|links|Erste Begegnung (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
So trafen Dr. Mauson und Goofy Holmes erstmals aufeinander; wenngleich die erste Begegnung mit dem exzentrischen Charakter Holmes den neugierigen Dr. Mauson vornehmlich verwirrte. Dennoch erkannte Mick Y. Mauson sehr schnell die messerscharfe Beobachtungsgabe von Mr. Holmes, der scheinbar blitzschnell kombinieren konnte und kein noch so kleines Detail außer Acht ließ, bevor er sich seine Theorien bildete. So war es für Mr. Holmes ein Leichtes, zu erkennen, dass Dr. Mauson vor kurzem aus Quackistan zurückgekehrt sein musste, als Arzt praktizierte und auf der Suche nach einer günstigen Bleibe war. | So trafen Dr. Mauson und Goofy Holmes erstmals aufeinander; wenngleich die erste Begegnung mit dem exzentrischen Charakter Holmes den neugierigen Dr. Mauson vornehmlich verwirrte. Dennoch erkannte Mick Y. Mauson sehr schnell die messerscharfe Beobachtungsgabe von Mr. Holmes, der scheinbar blitzschnell kombinieren konnte und kein noch so kleines Detail außer Acht ließ, bevor er sich seine Theorien bildete. So war es für Mr. Holmes ein Leichtes, zu erkennen, dass Dr. Mauson vor kurzem aus Quackistan zurückgekehrt sein musste, als Arzt praktizierte und auf der Suche nach einer günstigen Bleibe war. | ||
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Doch der gierige Wim Weber verbündete sich mit dem akrobatischen Ganoven Josef Stranger, der ihm unter die Arme greifen sollte, um an das Rezept zu kommen. Eines Nachts brachen die beiden Kumpanen in das Haus von Susys Großmutter ein und stahlen nicht nur das Rezept, sondern auch das Schmuckkästchen von Susy, in dem sich der Verlobungsring von Jeff befand. Daraufhin schwur Jeff, sich auf die Suche nach den beiden Schurken zu machen und diese notfalls bis ans Ende der Welt zu verfolgen, um Susys Ring zurückzubringen. Die abenteuerliche Reise führte Jeff nach London, wo er sich als Kutscher verdingte und hoffte, dass er eines Tages auf Wim Weber oder Josef Stranger treffen würde. | Doch der gierige Wim Weber verbündete sich mit dem akrobatischen Ganoven Josef Stranger, der ihm unter die Arme greifen sollte, um an das Rezept zu kommen. Eines Nachts brachen die beiden Kumpanen in das Haus von Susys Großmutter ein und stahlen nicht nur das Rezept, sondern auch das Schmuckkästchen von Susy, in dem sich der Verlobungsring von Jeff befand. Daraufhin schwur Jeff, sich auf die Suche nach den beiden Schurken zu machen und diese notfalls bis ans Ende der Welt zu verfolgen, um Susys Ring zurückzubringen. Die abenteuerliche Reise führte Jeff nach London, wo er sich als Kutscher verdingte und hoffte, dass er eines Tages auf Wim Weber oder Josef Stranger treffen würde. | ||
Diese hatten mittlerweile erkannt, dass das gestohlene Rezept unvollständig war, da die Geheimzutat darin nicht benannt wurde. Endlich hatte Jeff Glück, als er Josef Stranger aufspüren konnte und sich ihm als Koch anbot, der die Soße zu vollenden wusste. Der Ganove bestand darauf, dass Jeff den Namen der Geheimzutat an die Wand schrieb, damit er diese in das verschriftliche Rezept übernehmen konnte. Deswegen schrieb Jeff in großen roten Lettern „Rache“ an die Wand und beabsichtigte, den Gauner mit einer ordentlichen Portion des geheimen Chilis eine scharfe Lektion zu erteilen, die bei diesem wie geplant eine Schockstarre auslöste. In einer kleinen Tasche fand Jeff zwar das Rezept, konnte aber den gesuchten Ring nicht entdecken, der unbemerkt aus dem Täschchen gefallen und in den Nudeln gelandet war. | Diese hatten mittlerweile erkannt, dass das gestohlene Rezept unvollständig war, da die Geheimzutat darin nicht benannt wurde. Endlich hatte Jeff Glück, als er Josef Stranger aufspüren konnte und sich ihm als Koch anbot, der die Soße zu vollenden wusste. Der Ganove bestand darauf, dass Jeff den Namen der Geheimzutat an die Wand schrieb, damit er diese in das verschriftliche Rezept übernehmen konnte. Deswegen schrieb Jeff in großen roten Lettern „Rache“ an die Wand und beabsichtigte, den Gauner mit einer ordentlichen Portion des geheimen Chilis eine scharfe Lektion zu erteilen, die bei diesem wie geplant eine Schockstarre auslöste. In einer kleinen Tasche fand Jeff zwar das Rezept, konnte aber den gesuchten Ring nicht entdecken, der unbemerkt aus dem Täschchen gefallen und in den Nudeln gelandet war. | ||
Aber war Jeff froh, als er die Annonce von Dr. Mauson in der Zeitung entdeckte. Aber er war nicht der Einzige, denn Wim Weber war ebenfalls hinter dem Ring her und verkleidete sich als alter Mann, um unauffällig zu erscheinen. Jeff folgte ihm anschließend schnurstracks in die Pension, um sein rechtmäßiges Eigentum zurückzufordern. Da Mr. Weber im Gegenzug das Rezept forderte, wendete Jeff seinen Kochtrick das zweite Mal an und setzte Wim Webe mit seiner scharlachroten Chilisoße außer Gefecht, die trotz der Zugabe von Mayonnaise noch immer viel zu stark für die Geschmacksnerven des Ganoven war. Von der Brigade von Miggins und seinen Jungs aufgespürt, folgte Jeff der Einladung von Mr. Holmes um herauszufinden, was dieser bereits wusste. | |||
Noch bevor der junge Mann seine Ausführungen beenden konnte, griff Goofy Holmes selenruhig zur Geige, bis Mrs. Hundson ein Telegramm vom Leiter des Botanischen Garten vorbeibrachte. Aus dem Schriftstück geht eine Information hervor, die Holmes dazu veranlasst, sofort in seinem Labor mit der Herstellung eines Elixiers aus seltenen Blättern zu beginnen. Das Resultat führt nicht nur zu einer wunderlichen Verpuffung, sondern wird von Holmes stolz als Gegenmittel angepriesen, welches er Inspektor Lehunter überreicht. Das Elixier soll dazu dienen, die Lähmung der beiden Schurken zu kurieren – wenngleich die Medizin als Nebenwirkung eine mittelgradige Amnesie auslöst, die alles vergessen macht. Nach wenigen Tagen wird Jeff von einem milden Untersuchungsrichter freigesprochen, erhält das Soßenrezept und seinen Verlobungsring zurück und reist endlich nachhause, um seine geliebte Susy in Colorado in den Stand der Ehe zu führen. | Noch bevor der junge Mann seine Ausführungen beenden konnte, griff Goofy Holmes selenruhig zur Geige, bis Mrs. Hundson ein Telegramm vom Leiter des Botanischen Garten vorbeibrachte. Aus dem Schriftstück geht eine Information hervor, die Holmes dazu veranlasst, sofort in seinem Labor mit der Herstellung eines Elixiers aus seltenen Blättern zu beginnen. Das Resultat führt nicht nur zu einer wunderlichen Verpuffung, sondern wird von Holmes stolz als Gegenmittel angepriesen, welches er Inspektor Lehunter überreicht. Das Elixier soll dazu dienen, die Lähmung der beiden Schurken zu kurieren – wenngleich die Medizin als Nebenwirkung eine mittelgradige Amnesie auslöst, die alles vergessen macht. Nach wenigen Tagen wird Jeff von einem milden Untersuchungsrichter freigesprochen, erhält das Soßenrezept und seinen Verlobungsring zurück und reist endlich nachhause, um seine geliebte Susy in Colorado in den Stand der Ehe zu führen. | ||
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Angefangen von den einzelnen Geschichten aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle über unzählige Film- und Fernsehadaptionen, literarische Fortsetzungen und kurios anmutende Apokryphen bis hin zu humorvollen Parodien und Variationen des Themas – der Mythos des größten Spürhundes Englands lebt weiter und stößt dank der besonderen Charakterisierung der Figur und deren vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten immer wieder auf das Interesse des Publikums. In diesem Sinne kam auch das Disney-Universum nicht um die beliebte Detektiv-Figur herum, von der vor allem zwei Erscheinungsformen in unterschiedlichen Medien bis heute in Erinnerung geblieben sind. | Angefangen von den einzelnen Geschichten aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle über unzählige Film- und Fernsehadaptionen, literarische Fortsetzungen und kurios anmutende Apokryphen bis hin zu humorvollen Parodien und Variationen des Themas – der Mythos des größten Spürhundes Englands lebt weiter und stößt dank der besonderen Charakterisierung der Figur und deren vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten immer wieder auf das Interesse des Publikums. In diesem Sinne kam auch das Disney-Universum nicht um die beliebte Detektiv-Figur herum, von der vor allem zwei Erscheinungsformen in unterschiedlichen Medien bis heute in Erinnerung geblieben sind. | ||
[[Bild:Greatmousedetective2.jpg|thumb|left|Poster zu [[Basil, der große Mäusedetektiv]] (© Disney)]] | |||
Der Zeichentrickfilm ''[[Basil, der große Mäusedetektiv]]'' (US-Titel: The Great Mouse Detective) feierte am 2. Juli 1986 seine US-Prämiere und reiht sich als 26. offizielle Walt Disney Meisterwerk ein. Unter der Regie von [[Ron Clements]] und [[John Musker]] entstand ein neuartiger Disneyfilm, der wiederum selbst eine Adaption der Romanreihe „Basil of Baker Street“ von Eve Titus, welche die Handlung der Romane um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes in die Welt der Nagetiere verlegt. Die Handlung spielt im viktorianischen Zeitalter in London und Basil, Dr. Wasdenn und Mrs. Minna leben (verborgen) im Haus von Sherlock Holmes in der Baker Street 221b. | Der Zeichentrickfilm ''[[Basil, der große Mäusedetektiv]]'' (US-Titel: The Great Mouse Detective) feierte am 2. Juli 1986 seine US-Prämiere und reiht sich als 26. offizielle Walt Disney Meisterwerk ein. Unter der Regie von [[Ron Clements]] und [[John Musker]] entstand ein neuartiger Disneyfilm, der wiederum selbst eine Adaption der Romanreihe „Basil of Baker Street“ von Eve Titus, welche die Handlung der Romane um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes in die Welt der Nagetiere verlegt. Die Handlung spielt im viktorianischen Zeitalter in London und Basil, Dr. Wasdenn und Mrs. Minna leben (verborgen) im Haus von Sherlock Holmes in der Baker Street 221b. | ||
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Von ''Basil, der große Mäusedetektiv'' erschienen zwei verschiedenen Adaptionen als Comicgeschichten. Die erste erschien bereits 1986 in US-amerikanischen Zeitungsstrips unter dem Titel ''The Great Mouse Detective''“. Die zweite Version wurde im selben Jahr für den europäischen Comicmarkt produziert, von [[Giorgio Cavazzano]] gezeichnet und auf Deutsch u.a. in der Reihe ''Die schönsten Disney-Geschichten'' Nr. 16 veröffentlicht. | Von ''Basil, der große Mäusedetektiv'' erschienen zwei verschiedenen Adaptionen als Comicgeschichten. Die erste erschien bereits 1986 in US-amerikanischen Zeitungsstrips unter dem Titel ''The Great Mouse Detective''“. Die zweite Version wurde im selben Jahr für den europäischen Comicmarkt produziert, von [[Giorgio Cavazzano]] gezeichnet und auf Deutsch u.a. in der Reihe ''Die schönsten Disney-Geschichten'' Nr. 16 veröffentlicht. | ||
[[Datei:Dionys.jpg |thumb|right|Sir Dionys Dobermann (© Disney)]] | |||
Abgesehen von diesem Disney-Zeichentrickfilm wurde die literarische Figur des Sherlock Holmes für die Comicreihe ''Mickey and the Sleuth'' bzw. ''[[Micky und Sir Dionys]]'' persifliert, die zwischen 1975 und 1985 für den US-Markt entwickelt wurde und etwa achtzig Geschichten umfasst. Diese humorvollen Gagstorys wurden hauptsächlich von [[Carl Fallberg]] und [[Al Hubbard]] entwickelt. Der englischsprachige Name „The Sleuth“ ergibt im Original Sinn, da es sich um einen anthropomorphisierten Hund handelt. Im deutschsprachigen Raum heißt der Titelheld „Sir Dionys Dobermann“, was zum einen den Bezug zur literarischen Vorlage verkennt und andererseits befremdlich erscheint, da eine Beziehung des Detektivs zum griechischen Gott Dionysos nicht erkennbar ist. | Abgesehen von diesem Disney-Zeichentrickfilm wurde die literarische Figur des Sherlock Holmes für die Comicreihe ''Mickey and the Sleuth'' bzw. ''[[Micky und Sir Dionys]]'' persifliert, die zwischen 1975 und 1985 für den US-Markt entwickelt wurde und etwa achtzig Geschichten umfasst. Diese humorvollen Gagstorys wurden hauptsächlich von [[Carl Fallberg]] und [[Al Hubbard]] entwickelt. Der englischsprachige Name „The Sleuth“ ergibt im Original Sinn, da es sich um einen anthropomorphisierten Hund handelt. Im deutschsprachigen Raum heißt der Titelheld „Sir Dionys Dobermann“, was zum einen den Bezug zur literarischen Vorlage verkennt und andererseits befremdlich erscheint, da eine Beziehung des Detektivs zum griechischen Gott Dionysos nicht erkennbar ist. | ||
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Zudem waren Disney-Versionen von Sherlock Holmes auch in für das Nachmittagsprogramm geschaffenen Zeichentrickserien zu sehen. In der Serie [[Goofy & Max]]) geht es in der 76. Episode ''Goofy Holmes gegen Professor Marabuse'' aus dem Jahr 1992 um einen von [[Goofy]]s Vorfahren, der große Ähnlichkeit mit Sherlock Holmes hat. Darin gibt es auch einige [[Anspielung]]en auf die echten Holmes-Abenteuer, zum Beispiel spielt das große Finale unmittelbar vor einem Wasserfall, wobei der Oberbösewicht Professor Marabuse, der auf Professor Moriaty anspielt, eine verblüffende Ähnlichkeit mit [[Kater Karlo]] aufweist.<ref>https://sherlockholmes.fandom.com/de/wiki/Sherlock_Goof_gegen_Professor_Marabuse abgerufen am 22.03.2026</ref> | Zudem waren Disney-Versionen von Sherlock Holmes auch in für das Nachmittagsprogramm geschaffenen Zeichentrickserien zu sehen. In der Serie [[Goofy & Max]]) geht es in der 76. Episode ''Goofy Holmes gegen Professor Marabuse'' aus dem Jahr 1992 um einen von [[Goofy]]s Vorfahren, der große Ähnlichkeit mit Sherlock Holmes hat. Darin gibt es auch einige [[Anspielung]]en auf die echten Holmes-Abenteuer, zum Beispiel spielt das große Finale unmittelbar vor einem Wasserfall, wobei der Oberbösewicht Professor Marabuse, der auf Professor Moriaty anspielt, eine verblüffende Ähnlichkeit mit [[Kater Karlo]] aufweist.<ref>https://sherlockholmes.fandom.com/de/wiki/Sherlock_Goof_gegen_Professor_Marabuse abgerufen am 22.03.2026</ref> | ||
[[Datei:Shedlock Holmes.webp|250px|mini|rechts|Shedlock Jones (© Disney)]] | |||
Schon 1987 tauchte in der 25. Episode der beliebten Serie [[DuckTales – Neues aus Entenhausen|''DuckTales'']] namens ''Dr. Jekyll & Mr. McDuck'', in der [[Onkel Dagobert]] und seine Neffen [[Tick, Trick und Track]] nach London reisen, ein gewisser Detektiv „Shedlock Jones“ auf. Er ist ein berühmter Detektiv in London und zudem Junior-Mitglied im [[Fähnlein Fieselschweif]]. Shadlock Jones wird von Tick, Trick und Track in dessen Detektei aufgesucht und gebeten, ihnen zu helfen, das Gegenmittel zu einem wundersamen Elixier zu finden, das aus ihrem sonst eher geizigen Onkel Dagobert einen freigiebigen Geldverschenker macht. Anfangs weigert sich Shadlock Jones zu helfen, da er den gefährlichen Professor Moody Doody jagt, doch als er erkennt, dass dieser nicht unwesentlich mit der wundersamen Veränderung Dagobert Ducks in Verbindung steht, greift er ins Geschehen ein und findet sogar das Gegenmittel. Name, Kleidung, Verhalten und Wirkungsstätte lassen ohne Zweifel die Orientierung an Sherlock Holmes erkennen – allerdings inhaliert er den Rauch seiner Pfeife nicht, da er dafür „viel zu intelligent sei“.<ref>https://sherlockholmes.fandom.com/de/wiki/Shedlock_Jones abgerufen am 22.03.2026</ref> | Schon 1987 tauchte in der 25. Episode der beliebten Serie [[DuckTales – Neues aus Entenhausen|''DuckTales'']] namens ''Dr. Jekyll & Mr. McDuck'', in der [[Onkel Dagobert]] und seine Neffen [[Tick, Trick und Track]] nach London reisen, ein gewisser Detektiv „Shedlock Jones“ (im Deutschen „Derek Holmes“) auf. Er ist ein berühmter Detektiv in London und zudem Junior-Mitglied im [[Fähnlein Fieselschweif]]. Shadlock Jones wird von Tick, Trick und Track in dessen Detektei aufgesucht und gebeten, ihnen zu helfen, das Gegenmittel zu einem wundersamen Elixier zu finden, das aus ihrem sonst eher geizigen Onkel Dagobert einen freigiebigen Geldverschenker macht. Anfangs weigert sich Shadlock Jones zu helfen, da er den gefährlichen Professor Moody Doody jagt, doch als er erkennt, dass dieser nicht unwesentlich mit der wundersamen Veränderung Dagobert Ducks in Verbindung steht, greift er ins Geschehen ein und findet sogar das Gegenmittel. Name, Kleidung, Verhalten und Wirkungsstätte lassen ohne Zweifel die Orientierung an Sherlock Holmes erkennen – allerdings inhaliert er den Rauch seiner Pfeife nicht, da er dafür „viel zu intelligent sei“.<ref>https://sherlockholmes.fandom.com/de/wiki/Shedlock_Jones abgerufen am 22.03.2026</ref> | ||
Die häufig als „allererste Disney-Detektivgeschichte überhaupt“ bezeichnete Comicgeschichte [[Micky und die drei Diebe]] stammt von [[Floyd Gottfredson]] und stammt aus dem Jahr 1933. Darin eröffnen Micky Maus und Dippy Dawg (alias Goofy) eröffnen Detektivbüro und haben sogleich eine Reihe komischer Verbrechensfälle auf dem Tisch liegen. Ironischerweise ist es hier aber Dippy Dawg, der die Initiative ergreift, die Sherlock-Holmes-Jagdmütze trägt und das entsprechende detektivische Handwerkszeug mitbringt.<ref>[[Markus von Hagen]]: ''[[Neue Entenhausener Geschichten]] – Sherlock Holmes in Entenhausen‘‘ ([[DDSH 426]]) </ref> Die Comic-Parodie ''[[The Walt Disney Theater]]: Der Hund von Basketville'' von [[Vic Lockman]] und [[Tony Strobl]] spielen Micky und Goofy die Handlung aus dem bekanntesten Holmes-Roman ''Der Hund von Baskerville'' nach, der – wenn auch spärlich – schon eine Grundlage für [[Carl Barks]]‘ ''[[Der Hund der Whiskervilles]]'' bildete. | Die häufig als „allererste Disney-Detektivgeschichte überhaupt“ bezeichnete Comicgeschichte [[Micky und die drei Diebe]] stammt von [[Floyd Gottfredson]] und stammt aus dem Jahr 1933. Darin eröffnen Micky Maus und Dippy Dawg (alias Goofy) eröffnen Detektivbüro und haben sogleich eine Reihe komischer Verbrechensfälle auf dem Tisch liegen. Ironischerweise ist es hier aber Dippy Dawg, der die Initiative ergreift, die Sherlock-Holmes-Jagdmütze trägt und das entsprechende detektivische Handwerkszeug mitbringt.<ref>[[Markus von Hagen]]: ''[[Neue Entenhausener Geschichten]] – Sherlock Holmes in Entenhausen‘‘ ([[DDSH 426]]) </ref> Die Comic-Parodie ''[[The Walt Disney Theater]]: Der Hund von Basketville'' von [[Vic Lockman]] und [[Tony Strobl]] spielen Micky und Goofy die Handlung aus dem bekanntesten Holmes-Roman ''Der Hund von Baskerville'' nach, der – wenn auch spärlich – schon eine Grundlage für [[Carl Barks]]‘ ''[[Der Hund der Whiskervilles]]'' bildete. | ||
[[Datei:Herlock Sholmes.jpg|thumb|150px|links|Herlock Sholmes (© Egmont Ehapa)]] | |||
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem die Comicgeschichte „Aus den Tagebüchern von Daisy Holmes: Das Rote Zimmer“ aus dem Jahr 1995, die von [[Claudia Salvatori]] erdacht und bereits in [[LTB 227]] auf Deutsch veröffentlicht wurde. Darin übernimmt eine Vorfahrin von [[Daisy Duck]] die Rolle der fiktiven Gouvernante des ebenso jungen wie neugierigen Arthur Conan Doyle, der schließlich von ihr dazu ermutigt wird, später Detektivgeschichten zu schreiben.<ref>https://disney-comics.fandom.com/it/wiki/Pippo_Holmes_in:_Una_salsa_in_rosso#Curiosit%C3%A0 abgerufen am 25.01.2026</ref> Die eigenständige Geschichte enthält einige Anspielungen und Bezüge zu publizierten Sherlock-Holmes-Erzählungen, hat aber inhaltlich nichts mit „Eine Studie in Scharlachrot“ zu tun. | Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem die Comicgeschichte „Aus den Tagebüchern von Daisy Holmes: Das Rote Zimmer“ aus dem Jahr 1995, die von [[Claudia Salvatori]] erdacht und bereits in [[LTB 227]] auf Deutsch veröffentlicht wurde. Darin übernimmt eine Vorfahrin von [[Daisy Duck]] die Rolle der fiktiven Gouvernante des ebenso jungen wie neugierigen Arthur Conan Doyle, der schließlich von ihr dazu ermutigt wird, später Detektivgeschichten zu schreiben.<ref>https://disney-comics.fandom.com/it/wiki/Pippo_Holmes_in:_Una_salsa_in_rosso#Curiosit%C3%A0 abgerufen am 25.01.2026</ref> Die eigenständige Geschichte enthält einige Anspielungen und Bezüge zu publizierten Sherlock-Holmes-Erzählungen, hat aber inhaltlich nichts mit „Eine Studie in Scharlachrot“ zu tun. | ||
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==Hintergrund und Entwicklung== | ==Hintergrund und Entwicklung== | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-3.jpg|350px|mini|rechts|Die Bakerstreet-Patroullie (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Die Tradition, Klassiker der Literatur, des Kinos und des Fernsehens in Form von Disneycomics zu huldigen, hat eine lange Geschichte. Als Ausgangspunkt wird oft die von [[Guido Martina]] mit ''[[Mickys Inferno]]'' geschaffene Adaption von Dantes ''Göttlicher Komödie'' aus dem Jahr 1949 herangezogen, die in der Ausgabe Nr. 7 des italienischen ''[[Topolino]]''-Heftes ihre Weltprämiere feierte. Seitdem ist es üblich, von Zeit zu Zeit bekannte Werke aus Literatur oder Film in das Disney-Universum zu übertragen und sich dabei oft nur lose an den Originalen zu orientieren (beispielsweise ''[[Das Geheimnis der Silberleuchter]]'', als Gegenbeispiel mit sehr originalgetreuer Nacherzählung wäre dagegen ''[[Duckenfaust]]'' zu nennen). | Die Tradition, Klassiker der Literatur, des Kinos und des Fernsehens in Form von Disneycomics zu huldigen, hat eine lange Geschichte. Als Ausgangspunkt wird oft die von [[Guido Martina]] mit ''[[Mickys Inferno]]'' geschaffene Adaption von Dantes ''Göttlicher Komödie'' aus dem Jahr 1949 herangezogen, die in der Ausgabe Nr. 7 des italienischen ''[[Topolino]]''-Heftes ihre Weltprämiere feierte. Seitdem ist es üblich, von Zeit zu Zeit bekannte Werke aus Literatur oder Film in das Disney-Universum zu übertragen und sich dabei oft nur lose an den Originalen zu orientieren (beispielsweise ''[[Das Geheimnis der Silberleuchter]]'', als Gegenbeispiel mit sehr originalgetreuer Nacherzählung wäre dagegen ''[[Duckenfaust]]'' zu nennen). | ||
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Aus erzählerischer Sicht wird deutlich, dass es sich bei der Geschichte um eine Nacherzählung von Mick Y. Mauson handelt, der die Geschehnisse in seinem Tagebuch niederschreibt. Er ist schon vom ersten Moment an geradezu verblüfft von Holmes‘ außerordentlichen Gabe der Deduktion, da dieser selbst kleinste Beobachtungen und Details mit messerscharfer Logik in einen korrekten Zusammenhang zu bringen vermag. Gleichsam ist Mauson überrascht davon, dass Holmes zwar eine begnadete Koryphäe auf den Gebieten der Botanik und der Chemie zu sein scheint, von Astronomie aber beispielsweise nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. | Aus erzählerischer Sicht wird deutlich, dass es sich bei der Geschichte um eine Nacherzählung von Mick Y. Mauson handelt, der die Geschehnisse in seinem Tagebuch niederschreibt. Er ist schon vom ersten Moment an geradezu verblüfft von Holmes‘ außerordentlichen Gabe der Deduktion, da dieser selbst kleinste Beobachtungen und Details mit messerscharfer Logik in einen korrekten Zusammenhang zu bringen vermag. Gleichsam ist Mauson überrascht davon, dass Holmes zwar eine begnadete Koryphäe auf den Gebieten der Botanik und der Chemie zu sein scheint, von Astronomie aber beispielsweise nicht die geringste Ahnung zu haben scheint. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-5.jpg|450px|mini|links|Tatortbegehung (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Außerdem wird deutlich, dass Goofy Holmes kein einfacher Zeitgenosse ist, der sich gesellschaftlichen Regeln undeiner wie auch immer vorgegeben Kontinuität unterwirft: Er schläft, isst und spielt Geige, wann er will und gerät dadurch nicht selten in Streitereien mit der strengen, aber sehr zuvorkommenden Hausherrin Mrs. Hundson. Wenn Holmes in seinem Studierzimmer seinen Experimenten nachgeht, will er auf gar keinen Fall gestört werden, wie der energisch zurückgewiesene Dr. Mauson am eigenen Leib erfahren muss. Als freier Detektiv unterstützt Goofy Holmes zwar die Polizisten bei Scotland Yard, macht aber gegenüber Dr. Mauson keinen Hehl daraus, dass der die Berufsermittler auch zu gern vorführt und sich außerhalb der kriminalistischen und rechtlichen Leitplanken bewegt. Er hält es auch nicht für nötig, die anwesenden Personen zu jeder Zeit über seine Entdeckungen, Gedanken und Pläne umfassend zu informieren. Erst in Dr. Mauson sieht Holmes einen Freund und Partner, der ihm laut eigener Aussage „den Rücken stärkt“. | Außerdem wird deutlich, dass Goofy Holmes kein einfacher Zeitgenosse ist, der sich gesellschaftlichen Regeln undeiner wie auch immer vorgegeben Kontinuität unterwirft: Er schläft, isst und spielt Geige, wann er will und gerät dadurch nicht selten in Streitereien mit der strengen, aber sehr zuvorkommenden Hausherrin Mrs. Hundson. Wenn Holmes in seinem Studierzimmer seinen Experimenten nachgeht, will er auf gar keinen Fall gestört werden, wie der energisch zurückgewiesene Dr. Mauson am eigenen Leib erfahren muss. Als freier Detektiv unterstützt Goofy Holmes zwar die Polizisten bei Scotland Yard, macht aber gegenüber Dr. Mauson keinen Hehl daraus, dass der die Berufsermittler auch zu gern vorführt und sich außerhalb der kriminalistischen und rechtlichen Leitplanken bewegt. Er hält es auch nicht für nötig, die anwesenden Personen zu jeder Zeit über seine Entdeckungen, Gedanken und Pläne umfassend zu informieren. Erst in Dr. Mauson sieht Holmes einen Freund und Partner, der ihm laut eigener Aussage „den Rücken stärkt“. | ||
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Bei näherer Betrachtung muss sich diese Annahme jedoch zwangsläufig als falsch herausstellen, denn das Duo Bruno Enna und Paolo Mottura verfolgten mit der Wahl von Goofy als Helden eine klare Richtung. Denn neben der körperlichen Erscheinung, das heißt der großgewachsenen, schlaksigen Gestalt von Goofy, die dem charismatischen Goofy Holmes ähnelt (oft wird erwähnt, dass dieser nicht weiß, wie er seine langen Beine positionieren soll), gibt es noch weitere gute Gründe, die für Goofy als Meisterdetektiven sprechen. | Bei näherer Betrachtung muss sich diese Annahme jedoch zwangsläufig als falsch herausstellen, denn das Duo Bruno Enna und Paolo Mottura verfolgten mit der Wahl von Goofy als Helden eine klare Richtung. Denn neben der körperlichen Erscheinung, das heißt der großgewachsenen, schlaksigen Gestalt von Goofy, die dem charismatischen Goofy Holmes ähnelt (oft wird erwähnt, dass dieser nicht weiß, wie er seine langen Beine positionieren soll), gibt es noch weitere gute Gründe, die für Goofy als Meisterdetektiven sprechen. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-6.jpg|450px|mini|rechts|Goofy Holmes – ein personifiziertes Rätsel (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Sowohl Goofy als auch Sherlock Holmes nehmen in ihren jeweiligen Universen häufig die Rolle des stillen Beobachters ein, die scheinbar peripher das Geschehen beobachten, denen aber bestimmte Details nicht entgehen, die für andere nicht auf den ersten Blick hervortreten. Sie kommentieren Dinge, die andere gar nicht wahrzunehmen vermögen. Beide reagieren manchmal recht spontan und ernten damit Unverständnis von ihren Begleitern – und nicht selten geben sie erst im Nachhinein eine verblüffende Erklärung für ihre Taten ab. So überrascht auch Goofy seinen Freund Micky Maus und alle anderen mit seinen Einfällen, die scheinbar albern sind, aber oft aus einer einfach anderen und unverstellten Art der Betrachtung der Welt um ihn herum resultieren. Sowohl Goofy als auch Holmes Persönlichkeiten sind durch untrügliche Intuition gekennzeichnet, die ihrem persönlichen Duktus entspricht. Sie folgen ihrer eigenen Philosophie und leben im Hier und Jetzt, sie machen, was ihnen Spaß macht und beugen sich gesellschaftlichen Konventionen nur selten freiwillig. | Sowohl Goofy als auch Sherlock Holmes nehmen in ihren jeweiligen Universen häufig die Rolle des stillen Beobachters ein, die scheinbar peripher das Geschehen beobachten, denen aber bestimmte Details nicht entgehen, die für andere nicht auf den ersten Blick hervortreten. Sie kommentieren Dinge, die andere gar nicht wahrzunehmen vermögen. Beide reagieren manchmal recht spontan und ernten damit Unverständnis von ihren Begleitern – und nicht selten geben sie erst im Nachhinein eine verblüffende Erklärung für ihre Taten ab. So überrascht auch Goofy seinen Freund Micky Maus und alle anderen mit seinen Einfällen, die scheinbar albern sind, aber oft aus einer einfach anderen und unverstellten Art der Betrachtung der Welt um ihn herum resultieren. Sowohl Goofy als auch Holmes Persönlichkeiten sind durch untrügliche Intuition gekennzeichnet, die ihrem persönlichen Duktus entspricht. Sie folgen ihrer eigenen Philosophie und leben im Hier und Jetzt, sie machen, was ihnen Spaß macht und beugen sich gesellschaftlichen Konventionen nur selten freiwillig. | ||
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===Graphische Gestaltung und Stil=== | ===Graphische Gestaltung und Stil=== | ||
Der 1968 geborene [[Paolo Mottura]] erweist sich als treffende Wahl für die optische Inszenierung der Comicadaption „Eine Soße in scharlachrot“. Motturas eleganter, weicher und eindringlich fließender Stil, der den Künstler auszeichnet, kommt bei der grafischen Gestaltung der Geschichte voll zur Geltung. Sein Stil harmoniert hervorragend mit den Schauplätzen der Handlung, der Ausgestaltung der Figuren und der Struktur der in Etappen erzählten Handlung. | Der 1968 geborene [[Paolo Mottura]] erweist sich als treffende Wahl für die optische Inszenierung der Comicadaption „Eine Soße in scharlachrot“. Motturas eleganter, weicher und eindringlich fließender Stil, der den Künstler auszeichnet, kommt bei der grafischen Gestaltung der Geschichte voll zur Geltung. Sein Stil harmoniert hervorragend mit den Schauplätzen der Handlung, der Ausgestaltung der Figuren und der Struktur der in Etappen erzählten Handlung. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-7.jpg|450px|mini|rechts|Britische Gentleman (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Motturas geschwungener Stil kommt vor allem bei der Darstellung der besonderen Schauplätze der Geschichte zum Tragen, vor allem bei der Darstellung des viktorianische London mit seinen dicht bebauten Gassen, großen Plätzen und Palästen und den schäbigen Kaschemmen. Tiefe Einblicke in den Alltag der einfachen Bevölkerung erhält man bei der Verfolgungsjagd von Dr. Mauson und dem unbekannten Greis. Für die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs präsentiert Mottura verschiedene Ansichten von Straßen und Häusern, welche die Atmosphäre dieser pulsierenden Metropole hervorragend wiedergeben. Eindrucksvolle Bildausschnitte, dank derer er auch das geschäftige Stadtleben zwischen Geschäftsleuten, Arbeitern, Streunern und Kutschern, die durch die Straßen sausten, zeigt, lassen den Leser in die Welt von Sherlock Holmes und Dr. Watson eintauchen.<ref>https://www.meganerd.it/recensione/pippo-holmes-in-una-salsa-in-rosso/ abgerufen am 21.03.2026</ref> | Motturas geschwungener Stil kommt vor allem bei der Darstellung der besonderen Schauplätze der Geschichte zum Tragen, vor allem bei der Darstellung des viktorianische London mit seinen dicht bebauten Gassen, großen Plätzen und Palästen und den schäbigen Kaschemmen. Tiefe Einblicke in den Alltag der einfachen Bevölkerung erhält man bei der Verfolgungsjagd von Dr. Mauson und dem unbekannten Greis. Für die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs präsentiert Mottura verschiedene Ansichten von Straßen und Häusern, welche die Atmosphäre dieser pulsierenden Metropole hervorragend wiedergeben. Eindrucksvolle Bildausschnitte, dank derer er auch das geschäftige Stadtleben zwischen Geschäftsleuten, Arbeitern, Streunern und Kutschern, die durch die Straßen sausten, zeigt, lassen den Leser in die Welt von Sherlock Holmes und Dr. Watson eintauchen.<ref>https://www.meganerd.it/recensione/pippo-holmes-in-una-salsa-in-rosso/ abgerufen am 21.03.2026</ref> | ||
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Insbesondere für die Gestaltung von Goofy Holmes greift Mottura mit der Ausdruckskraft und der verspielten Schauspielkunst jene Elemente wieder auf, die Goofy in den Zeichentrickkurzfilmen der 1950er Jahre auszeichneten, während Micky mit einer wirklich bemerkenswerten Intensität und Ausstrahlung dargestellt wird. | Insbesondere für die Gestaltung von Goofy Holmes greift Mottura mit der Ausdruckskraft und der verspielten Schauspielkunst jene Elemente wieder auf, die Goofy in den Zeichentrickkurzfilmen der 1950er Jahre auszeichneten, während Micky mit einer wirklich bemerkenswerten Intensität und Ausstrahlung dargestellt wird. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-8.jpg|400px|mini|links|Schatten der Vergangenheit (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Besonders erwähnenswert hinsichtlich der grafischen Arbeit von Paolo Mottura sind die speziellen Vignetten, die Rückblenden oder Erzählungen einiger Figuren enthalten. Für diese Sequenzen, verwendete Mottura beeindruckende Aquarell- und Pastelltechniken, die den Szenen eine besondere Eleganz verleihen. Einerseits dient der deutlich veränderte Stil dem praktischen Zweck, diese Passagen vom Rest der gegenwärtigen Geschichte abzugrenzen. Andererseits wird ein bemerkenswerter künstlerischer Effekt erzeugt, der mit den historischen Illustrationen aus einigen Ausgaben der Sherlock-Holmes-Bücher vergleichbar ist. Die verblüffende Ähnlichkeit im Stil ist unverkennbar an eine Hommage an die Romane. | Besonders erwähnenswert hinsichtlich der grafischen Arbeit von Paolo Mottura sind die speziellen Vignetten, die Rückblenden oder Erzählungen einiger Figuren enthalten. Für diese Sequenzen, verwendete Mottura beeindruckende Aquarell- und Pastelltechniken, die den Szenen eine besondere Eleganz verleihen. Einerseits dient der deutlich veränderte Stil dem praktischen Zweck, diese Passagen vom Rest der gegenwärtigen Geschichte abzugrenzen. Andererseits wird ein bemerkenswerter künstlerischer Effekt erzeugt, der mit den historischen Illustrationen aus einigen Ausgaben der Sherlock-Holmes-Bücher vergleichbar ist. Die verblüffende Ähnlichkeit im Stil ist unverkennbar an eine Hommage an die Romane. | ||
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===Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur literarischen Vorlage=== | ===Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur literarischen Vorlage=== | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-2.jpg|350px|mini|rechts|Elementare Deduktion (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
In den meisten Holmes-Geschichten fungiert der praktisch veranlagte, bodenständige Dr. Watson, der enge Freund und zeitweilige Mitbewohner des Detektivs, als Chronisten, der die Ereignisse in Tagebuchform zusammenfasst. In vier Abenteuern wird Holmes sogar selbst zum Erzähler: „In The Lion’s Mane“ (dt. Die Löwenmähne) und „The Blanched Soldier“ (dt. Der erbleichte Soldat) ist Holmes der alleinige Ich-Erzähler; „The Musgrave Ritual“ (dt.: Das Musgrave-Ritual) und „The Gloria Scott“ (dt. Die Gloria Scott) sind in Form einer Schachtelgeschichte gestaltet: die Binnenhandlung ist eine von Holmes erzählte Erinnerung, Watson wird zum Zuhörer und Erzähler der kurz einleitenden Rahmenhandlung. Zwei weitere Geschichten, „His Last Bow“ (dt. Seine Abschiedsvorstellung) und „The Mazarine Stone“ (dt. Der Mazarin-Stein) werden in der dritten Person erzählt. Im Roman „A Study in Scarlet“ (dt. Eine Studie in Scharlachrot) wird die Ich-Erzählung Watsons durch einen längeren Einschub über Ereignisse der Vergangenheit unterbrochen, der ebenfalls in der dritten Person erzählt wird. | In den meisten Holmes-Geschichten fungiert der praktisch veranlagte, bodenständige Dr. Watson, der enge Freund und zeitweilige Mitbewohner des Detektivs, als Chronisten, der die Ereignisse in Tagebuchform zusammenfasst. In vier Abenteuern wird Holmes sogar selbst zum Erzähler: „In The Lion’s Mane“ (dt. Die Löwenmähne) und „The Blanched Soldier“ (dt. Der erbleichte Soldat) ist Holmes der alleinige Ich-Erzähler; „The Musgrave Ritual“ (dt.: Das Musgrave-Ritual) und „The Gloria Scott“ (dt. Die Gloria Scott) sind in Form einer Schachtelgeschichte gestaltet: die Binnenhandlung ist eine von Holmes erzählte Erinnerung, Watson wird zum Zuhörer und Erzähler der kurz einleitenden Rahmenhandlung. Zwei weitere Geschichten, „His Last Bow“ (dt. Seine Abschiedsvorstellung) und „The Mazarine Stone“ (dt. Der Mazarin-Stein) werden in der dritten Person erzählt. Im Roman „A Study in Scarlet“ (dt. Eine Studie in Scharlachrot) wird die Ich-Erzählung Watsons durch einen längeren Einschub über Ereignisse der Vergangenheit unterbrochen, der ebenfalls in der dritten Person erzählt wird. | ||
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Die größten Abweichungen zwischen Original und Comic bestehen in ebenjener Rückblende, die in den USA spielt. Während es im Roman um Ereignisse des jungen Trapper Jefferson Hope im Bundesstaat Utah geht, wurde die Handlung im Comic nach Colorado verlegt, wo Jeff als einfacher Cowboy gezeigt wird. Das komplizierte Thema um die Polygamie und Zwangsverheiratung unter den Angehörigen der Mormonen wird im Comic vollständig umgangen, hier konzentriert sich alles auf das Rezept der roten Chili-Soße. | Die größten Abweichungen zwischen Original und Comic bestehen in ebenjener Rückblende, die in den USA spielt. Während es im Roman um Ereignisse des jungen Trapper Jefferson Hope im Bundesstaat Utah geht, wurde die Handlung im Comic nach Colorado verlegt, wo Jeff als einfacher Cowboy gezeigt wird. Das komplizierte Thema um die Polygamie und Zwangsverheiratung unter den Angehörigen der Mormonen wird im Comic vollständig umgangen, hier konzentriert sich alles auf das Rezept der roten Chili-Soße. | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-4.jpg|300px|mini|links|Verfolgungsjagd (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Vor besondere Herausforderungen stellte die Comic-Künstler wahrscheinlich das im Roman mit echtem Blut an die Wand geschmierte Wort „Rache“. Dies führt die Scotland-Yard-Kriminalbeamten im Originalroman zu der Mutmaßung, es könnte sich entweder um den englischen Vornamen „Rachel“ handeln oder um das deutsche Wort „Rache“, wobei letzteres vom Goethe-Kenner Holmes, der auch ansonsten des Deutschen mächtig ist, als wahrscheinlicher angesehen wird. In der humorvollen Comic-Version bekam die wichtigste Zutat der roten Soße den Namen „Peperoncino Race-horse“. | Vor besondere Herausforderungen stellte die Comic-Künstler wahrscheinlich das im Roman mit echtem Blut an die Wand geschmierte Wort „Rache“. Dies führt die Scotland-Yard-Kriminalbeamten im Originalroman zu der Mutmaßung, es könnte sich entweder um den englischen Vornamen „Rachel“ handeln oder um das deutsche Wort „Rache“, wobei letzteres vom Goethe-Kenner Holmes, der auch ansonsten des Deutschen mächtig ist, als wahrscheinlicher angesehen wird. In der humorvollen Comic-Version bekam die wichtigste Zutat der roten Soße den Namen „Peperoncino Race-horse“. | ||
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==Fortsetzung== | ==Fortsetzung== | ||
[[Datei:Goofy Holmes-2.jpg|300px|mini|links|Cover der Fortsetzung (© Panini)]] | |||
Nicht zuletzt wegen der Beliebtheit von ''Eine Soße in Scharlachrot'' wagten sich Bruno Enna und Paolo Mottura schon nach kurzer Zeit an eine Fortsetzung. Diese erschien in September 2025 und wurde in ''Topolino'' 3642 erstveröffentlicht. Bei dem zweiteiligen Abenteuer Pippo Holmes in: Il gattino dei Bauskerville (auf Deutsch so viel wie: „Das Kätzchen von Bauskerville“) handelt sich um eine Parodie auf Der Hund von Baskerville. Das Original von Sir Arthur Conan Doyle entstand im Jahr 1901 und wurde als Fortsetzungsgeschichte im Strand Magazine veröffentlicht. | Nicht zuletzt wegen der Beliebtheit von ''Eine Soße in Scharlachrot'' wagten sich Bruno Enna und Paolo Mottura schon nach kurzer Zeit an eine Fortsetzung. Diese erschien in September 2025 und wurde in ''Topolino'' 3642 erstveröffentlicht. Bei dem zweiteiligen Abenteuer Pippo Holmes in: Il gattino dei Bauskerville (auf Deutsch so viel wie: „Das Kätzchen von Bauskerville“) handelt sich um eine Parodie auf Der Hund von Baskerville. Das Original von Sir Arthur Conan Doyle entstand im Jahr 1901 und wurde als Fortsetzungsgeschichte im Strand Magazine veröffentlicht. | ||
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== Veröffentlichungen == | == Veröffentlichungen == | ||
[[Datei:Goofy Holmes-1.jpg|300px|mini|rechts|Sonderausgabe (© Panini)]] | |||
Die Geschichte wurde im italienischen ''[[Topolino]]''-Magazin in zwei Teilen erstveröffentlicht. Der erste Teil erschien in ''Topolino'' Nummer 3572 vom 8. Mai 2024; der zweite in ''Topolino'' Nummer 3573 vom 15. Mai 2024. | Die Geschichte wurde im italienischen ''[[Topolino]]''-Magazin in zwei Teilen erstveröffentlicht. Der erste Teil erschien in ''Topolino'' Nummer 3572 vom 8. Mai 2024; der zweite in ''Topolino'' Nummer 3573 vom 15. Mai 2024. | ||
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Dies ermöglicht es dem Skriptautor, die scheinbare Extravaganz von Goofy als wahren Schlüssel zum Verständnis der Welt zu nutzen und damit Goofy Holmes als einen divergierenden Denker darzustellen, der folglich authentischer und sensibler für die Situationen ist, die sich ihm bieten. Sowohl Goofy als auch Sherlock Holmes sind in gewisser Weise exzentrisch, werden von anderen wegen ihrer Fähigkeit, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, als „seltsam” bezeichnet und sind daher als Fantasiefiguren ewig faszinierend. Die Figur des Goofy Holmes ist gut konstruiert, ein bisschen der geniale Ermittler und ein bisschen der normale schrullige Goofy, den man schon immer kennt. Auch bei Micky Maus alias Dr. Mauson ist es gelungen, eine überzeugende Rolle zu schaffen, die sicherlich weit entfernt ist von der tollpatschigen Rolle, die Nigel Bruce als Dr. Watson in den Filmen mit Basil Rathbone um die 1940er Jahre spielte.<ref>https://www.sherlockmagazine.it/9600/pippo-holmes-in-una-salsa-in-rosso abgerufen am 22.03.2026</ref> | Dies ermöglicht es dem Skriptautor, die scheinbare Extravaganz von Goofy als wahren Schlüssel zum Verständnis der Welt zu nutzen und damit Goofy Holmes als einen divergierenden Denker darzustellen, der folglich authentischer und sensibler für die Situationen ist, die sich ihm bieten. Sowohl Goofy als auch Sherlock Holmes sind in gewisser Weise exzentrisch, werden von anderen wegen ihrer Fähigkeit, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, als „seltsam” bezeichnet und sind daher als Fantasiefiguren ewig faszinierend. Die Figur des Goofy Holmes ist gut konstruiert, ein bisschen der geniale Ermittler und ein bisschen der normale schrullige Goofy, den man schon immer kennt. Auch bei Micky Maus alias Dr. Mauson ist es gelungen, eine überzeugende Rolle zu schaffen, die sicherlich weit entfernt ist von der tollpatschigen Rolle, die Nigel Bruce als Dr. Watson in den Filmen mit Basil Rathbone um die 1940er Jahre spielte.<ref>https://www.sherlockmagazine.it/9600/pippo-holmes-in-una-salsa-in-rosso abgerufen am 22.03.2026</ref> | ||
[[Datei:Eine Soße in Scharlachrot-9.jpg|350px|mini|rechts|Ein Team für alle Fälle (© [[Egmont Ehapa]])]] | |||
Die Entscheidung von Enna, daher Goofy und seine Dynamik mit dem rationaleren Dr. Mauson zusammenzubringen, ist im Ergebnis sehr wirkungsvoll. Das ungleiche Duo, das sich noch nicht so gut kennt, fesselt sofort den Leser, der gespannt ist, wie sich die beiden in dieser neuen Erzählwelt schlagen werden. Gleichsam bietet die Kombination viel Potenzial für Humor und markige Sprüche in den Dialogen der beiden. | Die Entscheidung von Enna, daher Goofy und seine Dynamik mit dem rationaleren Dr. Mauson zusammenzubringen, ist im Ergebnis sehr wirkungsvoll. Das ungleiche Duo, das sich noch nicht so gut kennt, fesselt sofort den Leser, der gespannt ist, wie sich die beiden in dieser neuen Erzählwelt schlagen werden. Gleichsam bietet die Kombination viel Potenzial für Humor und markige Sprüche in den Dialogen der beiden. | ||