Das Ungeheuer vom Schwefelsee: Unterschied zwischen den Versionen

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==Hintergrund und Entstehung==
==Hintergrund und Entstehung==
Auch nach seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand ließ Carl Barks die Leidenschaft für die Disneycomics nicht los. So kam es, dass er auch noch als rentner einige Geschichten für den ''[[Western Publishing]]''-Verlag schrieb. Doch anders als bei den Geschichten, die er als fester Angestellter schuf, konnte Carks bei der Umsetzung der Entwürfe nicht mehr mitentscheiden. Daher verfasste er sie in Form gezeichneter Skripte, die stark an Storyboards von Zeichentrickfilmen erinnerten.
1966 hatte Barks durchaus mit Erleichterung seine Pension angetreten. Für den Verlag [[Western Publishing]] bedeutete dieser Abgang allerdings einen herben Verlust, hatte Barks doch die bestverkauften Comicgeschichten für Western geschrieben und gezeichnet. Redakteur [[Chase Craig]] bat Barks daher inständig, auf freiwilliger Basis noch einige weitere Skripte für den Verlag zu schreiben und Barks ließ sich überzeugen, auch aus der Überlegung heraus, damit seine magere Rente aufbessern zu können. Doch anders als bei den Geschichten, die er als fester Angestellter schuf, zeichnete Barks die Geschichten nicht mehr selbst ins Reine. Er verfasste sie stattdessen in Form gezeichneter Skripte, die stark an Storyboards von Zeichentrickfilmen erinnern, und fügte meist noch eine kurze, handschriftliche Zusammenfassung der Handlung bei.<ref>[[Thomas Andrae]] (2006): ''Carl Barks and the Disney Comic Book'' (Jackson, Mississippi: Univ. Press of Mississippi) S. 271–272.</ref>


Für das von ihm geschaffene [[Fähnlein Fieselschweif]] entwickelte Barks Comics mit Tick, Trick und Track und ihren Freunden, die nicht nur unterhaltsam und lustig waren, sondern auch eine moralische Aspekte bereithielten. Den Schwerpunkt bildete dabei der Appell, die Umwelt zu beschützen und Umweltsünder zu bestrafen.
Für das von ihm geschaffene [[Fähnlein Fieselschweif]] entwickelte Barks nun Comics mit Tick, Trick und Track und ihren Freunden, die nicht nur unterhaltsam und lustig waren, sondern auch eine moralische Aspekte bereithielten. Den Schwerpunkt bildete dabei der Appell, die Umwelt zu beschützen und Umweltsünder zu bestrafen.


Im Jahr 1972 schrieb Barks ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' und damit eine Geschichte, die sehr stark die Umweltverschmutzung widerspiegelt und die Gefahren von verschmutzen Gewässern vor augen führt. Barks entwickelte diese Geschichte zwei Jahre nach dem ersten weltweiten ''Earth Day'', der als „Der Tag der Erde“ erstmalig am 22. April 1970 stattfand und die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken sollte. Der Tag wird seitdem in den USA begangen, wo er von Anbeginn sehr beliebt war und alljährlich an tausenden von Universitäten und Colleges Veranstaltungen stattfinden. Am ersten Earth Day im Jahre 1970 beteiligten sich 20 Millionen Menschen an Aktionen.<ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_Erde#Entstehung abgerufen am 30.03.2026</ref>  
Im Jahr 1972 schrieb Barks ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' und damit eine Geschichte, die sehr stark die Umweltverschmutzung widerspiegelt und die Gefahren von verschmutzen Gewässern vor augen führt. Barks entwickelte diese Geschichte zwei Jahre nach dem ersten weltweiten ''Earth Day'', der als „Der Tag der Erde“ erstmalig am 22. April 1970 stattfand und die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken sollte. Der Tag wird seitdem in den USA begangen, wo er von Anbeginn sehr beliebt war und alljährlich an tausenden von Universitäten und Colleges Veranstaltungen stattfinden. Am ersten Earth Day im Jahre 1970 beteiligten sich 20 Millionen Menschen an Aktionen.<ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_Erde#Entstehung abgerufen am 30.03.2026</ref>  


Folglich verwundert es nicht, dass auch Carl Barks durch dieses Großereignis geprägt wurde und er bemerkte, dass sich das Bewusstsein für mehr Umweltschutz vor allem bei den jungen Menschen gerade veränderte. Unter diesem Gesichtspunkt fungiert ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' auch als eine Art Warnung, die Umwelt zu schützen. Der Verlag ''Western Publishing'' fand jedoch das warnende Ende zu düster, sodass Barks es ändern sollte.<ref>[https://web.archive.org/web/20030703014544/http://www.ehapa.de/comicnews/barks_03.html Umfangreiche Informationen auf der Ehapa-Seite, bebildert, archiviert im Internet Archive]</ref> Die Redakteure befanden, dass die Geschichte zu pessimistisch sei und ein sehr apokalyptisches Bild vom zeitgenössischen Entenhausen zeichnete. Aus diesem Grund baten sie Barks, einige Skizzen zu ersetzen.
Folglich verwundert es nicht, dass auch Carl Barks durch dieses Großereignis geprägt wurde und er bemerkte, dass sich das Bewusstsein für mehr Umweltschutz vor allem bei den jungen Menschen gerade veränderte. Zu der Zeit lebte er in Goleta, Kalifornien und damit nicht entfernt von dem Teil der amerikanischen Westküste, der Anfang der 1970er von Ölschlamm verunreinigt worden war.<ref name="blum 103">[[Geoffrey Blum]]: Die Umweltverschmutzung im Visier. In: [[Carl Barks Collection XXX]], S. 103.</ref> In den Medien wurden Umweltkatastrophen dieser Art und die zerstörischen Auswirkungen von Fabriken in diesen Jahren laufend thematisiert und Barks muss dies rege aufgenommen haben, hatte er doch schon viel früher mit ''[[Im Lande der Zwergindianer]]'' gezeigt, dass er Umweltzerstörung als enormes Problem wahrnahm. Unter diesem Gesichtspunkt fungiert ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' auch als eine Art Warnung, die Umwelt zu schützen.


Im Ergebnis setzte der Zeichner [[Kay Wright]] also eine leicht variierte Story um und zeichnete sie ins Reine. Diese fertige Story erschien dann im November desselben Jahres im ''Junior Woodchucks''.
Ausgangspunkt für die Entwicklung der Geschichte bot wahrscheinlich die Umweltzerstörung am Eriesee, der 1969 publikumswirksam in der Dokumentation des Fernsehsenders NBC für tot erklärt wurde (''Who killed Lake Erie?'').<ref>Jack Gould: TV: N.B.C. Special Asks 'Who Killed Lake Erie?'; Pollution Is Linked to Abuses of Science. ''New York Times'', 13.09.1969. [https://www.nytimes.com/1969/09/13/archives/tv-nbc-special-asks-who-killed-lake-erie-pollution-is-linked-to.html Artikel in der New York Times Link]</ref> Barks' Titel der Geschichte, ''Be Leery of Lake Eerie'', spielt auf den Eriesee an. In der Geschichte greift Barks dann die moralische Botschaft, die Umwelt zu schützen, in besonders ausgeprägter Weise auf und listet zahlreiche giftige und gefährliche Substanzen auf, die das Wasser des Sees verpesten.
 
Barks entwickelte die Geschichte ursprünglich für eine Länge von 18 Seiten, setzte sich dann aber wie so oft hin und überarbeitete das Skript, um es zu straffen und unwesentliche, zu langatmige Teile herauszunehmen. Das 16-seitige Endprodukt reichte er bei Redakteur Chase Craig ein, fügte jedoch noch eine weitere Seite in Textform hinzu, die er dem Redaktreur anheimstellte zu verwenden, falls Craig eine 17-seitige Geschichte benötigte. Auf der zusätzlichen Seite stellte Barks den Großwildjäger, den er im Englischen Magnum P. Highpower nannte, und dessen Taten näher vor. In dem Skript ist zu lesen, wie der Jäger seine Jagdtrophäen präsentiert und sagt: „Hier haben wir den letzten afrikanischen ''Hippophant''! ... Nie werde ich meine Meisterleistung, die Gattung ''Ramhog'' auszurotten, vergessen! Ich habe auch nicht versäumt, mich hämisch darüber zu freuen, dass die mittlerweile ausgestorbenen ''Zebralion'' und ''Leopobuk'' zu meinen Trophäen gehören!“<ref name="blum 103"/> Auch wenn der Verlag diese zusätzliche Seite nicht verwendete, geben die in der Villa des Jägers zu sehenden Trophäen im Comic einen guten Eindruck davon, worauf Barks hinauswollte.
 
Der Verlag ''Western Publishing'' fand jedoch das warnende Ende zu düster, inwelchem der See nach wie vor zu 98% verschmutzt ist. Die Redakteure befanden, dass die Geschichte zu pessimistisch sei und ein sehr apokalyptisches Bild vom zeitgenössischen Entenhausen zeichnete. Aus diesem Grund baten sie Barks, die letzten drei Panels zu ersetzen. In dieser Fassung nun beseitigt der Drache allen Schmutz aus dem Wasser.<ref>[[Fabian Gross]]: ''Alles, was da kreucht und fleucht''. In ''[[Das Schlaue Buch – Die Geheimnisse des Fähnlein Fieselschweif]]'', [[ECC]], 2016, S. 325</ref> Barks ärgerte sich über diesen Eingriff in seine Geschichte und beklagte in einem Brief an [[Michael Barrier]]: „Der Verlag hat mein Ende versaut, daher bleibt alles so harmlos wie Regentropfen auf Rosenblütenblättern.“ In einem weiteren Brief an Craig grummelte er: „Es wird immer schwieriger, Handlungen für Geschichten zu schreiben.“<ref>Blum: Die Umweltverschmutzung im Visier, S. 104.</ref>
 
Im Ergebnis setzte der Zeichner [[Kay Wright]] also eine leicht variierte Story um und zeichnete sie ins Reine. Diese fertige Story erschien dann im November desselben Jahres in der Heftreihe ''Huey, Dewey and Louie Junior Woodchucks''.


==Versionen von Jippes und Carpi==
==Versionen von Jippes und Carpi==
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{{Zitat|Diese Geschichte kommt mir bekannt vor, aber so habe ich sie noch nie gesehen!|Carl Barks}}<ref>[[Luca Boschi]]: ''Ein Meister aus Genua: Giovan Battista Carpi''. In ''[[Carl Barks – Der Vater der Ducks]]'', [[ECC]], 2002, S. 230</ref>
{{Zitat|Diese Geschichte kommt mir bekannt vor, aber so habe ich sie noch nie gesehen!|Carl Barks}}<ref>[[Luca Boschi]]: ''Ein Meister aus Genua: Giovan Battista Carpi''. In ''[[Carl Barks – Der Vater der Ducks]]'', [[ECC]], 2002, S. 230</ref>


Im Jahr 2002 wurde die ursprüngliche Skriptversion von Barks erneut aufgegriffen und von [[Daan Jippes]] ein drittes Mal zeichnerisch umgesetzt. Anders als bei der US-amerikanischen Erstveröffentlichung von ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' wurde der Schluss abgeändert: Der Drache beseitigt in dieser Fassung allen Schmutz aus dem Wasser.<ref>[[Fabian Gross]]: ''Alles, was da kreucht und fleucht''. In ''[[Das Schlaue Buch – Die Geheimnisse des Fähnlein Fieselschweif]]'', [[ECC]], 2016, S. 325</ref> In der Jippes-Variante endet die Geschichte nicht so glimpflich, sondern genau so zynisch, wie Barks es vorgesehen hatte.
Im Jahr 2002 wurde die ursprüngliche Skriptversion von Barks erneut aufgegriffen und von [[Daan Jippes]] ein drittes Mal zeichnerisch umgesetzt. Anders als bei der US-amerikanischen Erstveröffentlichung von ''Das Ungeheuer vom Schwefelsee'' beließ es Jippes bei Barks' originalem Schluss, sodass die Geschichte genau so zynisch endet, wie Barks es vorgesehen hatte.


==Vergleich der Endpanels==
==Vergleich der Endpanels==