Micky Maus auf der Schatzinsel: Unterschied zwischen den Versionen
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| PAG = 155 Tagesstrips, 52 Seiten in der FGL | | PAG = 155 Tagesstrips, 52 Seiten in der FGL | ||
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| UEB = [[Gerd Syllwasschy]] in der [[FGL]] | | UEB = [[Gerd Syllwasschy]] in der [[FGL]] | ||
| D-PUBL = [[Mickys Klassiker 4]] | | D-PUBL = [[Mickys Klassiker 4]] | ||
| LISTE = Liste der Fortsetzungsgeschichten von Floyd Gottfredson | |||
| VORHERIGE = Der große Waisenhausraub | | VORHERIGE = Der große Waisenhausraub | ||
| FOLGENDE = Burg Unfried | | FOLGENDE = Burg Unfried | ||
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*[[Klarabella Kuh]] | *[[Klarabella Kuh]] | ||
*[[Pluto]] | *[[Pluto]] | ||
*[[ | *[[Käpt’n Kirchmaus]] | ||
*[[Witwe Kirchmaus]] | *[[Witwe Kirchmaus]] | ||
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[[Datei:Micky Maus auf der Schatzinsel-4.jpg|thumb|right|Die Kannibalen nehmen eine zentrale Rolle ein und beschäftigen Micky und die anderen auf der Insel. (© Egmont Ehapa)]] | [[Datei:Micky Maus auf der Schatzinsel-4.jpg|thumb|right|Die Kannibalen nehmen eine zentrale Rolle ein und beschäftigen Micky und die anderen auf der Insel. (© Egmont Ehapa)]] | ||
Die Zeichentrickfilme, die [[Gottfredson]] als Quelle für seine Geschichten heranzog, boten ihm damals hervorragendes Material für gute und letztendlich stimmige Abenteuergeschichten. ''Micky Maus auf der Schatzinsel'' ist ein gutes Beispiel für die gelungene Verbindung einer Cartoonhandlung mit einem Klassiker der Literatur. Die Geschichte beginnt mit der Reise zu einer geheimnisvollen Insel voller Kannibalen, wie sie im Film ''[[Trader Mickey]]'' (1932) zu sehen war. Das Ganze wird mit Szenen von Robert Louis Stevensons [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schatzinsel „Die Schatzinsel“] ergänzt. Wie Jim Hawkins im Roman bereist auch [[Micky]] die Weltmeere auf der Suche nach Glück und Reichtum. Die Rolle von Long John Silver nehmen zwei von Mickys Gegenspielern ein, die sich – genau wie Silver – verkleiden, um nicht sofort erkannt zu werden. Der Eremit Ben Gunn wird im [[Comicstrip]] von Will Shakespeare verkörpert, einem bärtigen Kauz mit überraschendem Geheimnis. Die Kannibalen aus ''Trader Mickey'' sind das einzige größere Element, das nicht von Stevensons Geschichte inspiriert wurde. Wie im Cartoon sind auch in der Gottfredson-Geschichte die schwarzen Eingeborenen ein typisches Stereotype der 1930er. Sie werden als humanoide Affen mit schwarzer Haut oder schwarzem Fell dargestellt – genauso wie Micky ja auch eine humanoide schwarzfellige Maus ist. Damit steht die Geschichte im Stern ihrer Zeit, ebenfalls wie der völlig deplatzierte Südstaatenakzent der Eingeborenen im englischen Original.<ref name="Einleitung">[[David Gerstein]]: Die Königin aller Schatzinseln. [[Floyd Gottfredson Library 2]], [[Egmont Ehapa Media]], Berlin 2021, S. 54.</ref> | Die Zeichentrickfilme, die [[Gottfredson]] als Quelle für seine Geschichten heranzog, boten ihm damals hervorragendes Material für gute und letztendlich stimmige Abenteuergeschichten. ''Micky Maus auf der Schatzinsel'' ist ein gutes Beispiel für die gelungene Verbindung einer Cartoonhandlung mit einem Klassiker der Literatur. Die Geschichte beginnt mit der Reise zu einer geheimnisvollen Insel voller Kannibalen, wie sie im Film ''[[Trader Mickey]]'' (1932) zu sehen war. Das Ganze wird mit Szenen von Robert Louis Stevensons [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schatzinsel „Die Schatzinsel“] ergänzt. Wie Jim Hawkins im Roman bereist auch [[Micky]] die Weltmeere auf der Suche nach Glück und Reichtum. Die Rolle von Long John Silver nehmen zwei von Mickys Gegenspielern ein, die sich – genau wie Silver – verkleiden, um nicht sofort erkannt zu werden. Der Eremit Ben Gunn wird im [[Comicstrip]] von Will Shakespeare verkörpert, einem bärtigen Kauz mit überraschendem Geheimnis. Die Kannibalen aus ''Trader Mickey'' sind das einzige größere Element, das nicht von Stevensons Geschichte inspiriert wurde. Wie im Cartoon sind auch in der Gottfredson-Geschichte die schwarzen Eingeborenen ein typisches Stereotype der 1930er. Sie werden als humanoide Affen mit schwarzer Haut oder schwarzem Fell dargestellt – genauso wie Micky ja auch eine humanoide schwarzfellige Maus ist. Damit steht die Geschichte im Stern ihrer Zeit, ebenfalls wie der völlig deplatzierte Südstaatenakzent der Eingeborenen im englischen Original.<ref name="Einleitung">[[David Gerstein]]: Die Königin aller Schatzinseln. [[Floyd Gottfredson Library 2]], [[Egmont Ehapa Media]], Berlin 2021, S. 54.</ref> | ||
[[Datei: | [[Datei:FGA2.jpeg|thumb|left|260px|Das erste Aquarell vom April 1980. (© Disney)]] | ||
Kannibalen sind wahrscheinlich das Groschenroman-Storyelement, das Floyd Gottfredson am häufigsten benutzt hat und das alle paar Jahre erneut auftauchte. Jedoch verwendete Gottfredson diese Stereotype meist in abgeschwächter Form: So beten die schwarzen Eingeborenen auf der Insel zwar einen tarzanartigen „weißen Gott“ an, doch ist dieser auch nur eine humanoide Maus mit schwarzem Fell und somit keinen Deut „weißer“ als diejenigen, die ihn anbeten. Und obwohl die Kannibalen Micky zuerst verspeisen wollen, werden sie später zu seinen Verbündeten. Am Ende schaffen sie es nicht nur, Micky zu retten, sondern auch, mehrere weiße Piraten zu schlagen. Gottfredson versuchte also bewusst, gewisse Stereotype nur abgemildert zu verwenden und bot damit eine schöne Alternative zu den üblichen Klischees der damaligen Zeit.<ref name="Einleitung"/> | Kannibalen sind wahrscheinlich das Groschenroman-Storyelement, das Floyd Gottfredson am häufigsten benutzt hat und das alle paar Jahre erneut auftauchte. Jedoch verwendete Gottfredson diese Stereotype meist in abgeschwächter Form: So beten die schwarzen Eingeborenen auf der Insel zwar einen tarzanartigen „weißen Gott“ an, doch ist dieser auch nur eine humanoide Maus mit schwarzem Fell und somit keinen Deut „weißer“ als diejenigen, die ihn anbeten. Und obwohl die Kannibalen Micky zuerst verspeisen wollen, werden sie später zu seinen Verbündeten. Am Ende schaffen sie es nicht nur, Micky zu retten, sondern auch, mehrere weiße Piraten zu schlagen. Gottfredson versuchte also bewusst, gewisse Stereotype nur abgemildert zu verwenden und bot damit eine schöne Alternative zu den üblichen Klischees der damaligen Zeit.<ref name="Einleitung"/> | ||